Urteil des Europäischen Gerichtshofs: Arbeitgeber müssen Arbeitszeiten systematisch erfassen (1 Betrachter)

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HermineL

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Die deutschen Arbeitgeber haben entsetzt auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) über eine allgemeine Pflicht zur Arbeitszeiterfassung reagiert. Diese Entscheidung wirke wie aus der Zeit gefallen, monierte die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) am Dienstag in Berlin.

Wir Arbeitgeber sind gegen die generelle Wiedereinführung der Stechuhr im 21. Jahrhundert“, hieß es in einer Stellungnahme. „Auf die Anforderungen der Arbeitswelt 4.0 kann man nicht mit einer Arbeitszeiterfassung 1.0 reagieren.“ Die Entscheidung dürfe keine Nachteile für Arbeitnehmer mit sich bringen, die flexibel arbeiteten. Auch künftig gelte aus Sicht der BDA: „Der Arbeitgeber kann seine Arbeitnehmer verpflichten, die von ihnen geleistete Arbeit selbst aufzuzeichnen.“
Das sieht die Gewerkschaft zu Recht anders:
Der Deutsche Gewerkschaftsbund dagegen begrüßt das Urteil. „Das Gericht schiebt der Flatrate-Arbeit einen Riegel vor – richtig so“, sagte Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach am Dienstag in Berlin. Nun müsse Deutschland eine gesetzliche Grundlage für eine generelle Pflicht zur Arbeitszeiterfassung schaffen. Buntenbach sagte, diese Rechte blieben heute oft auf der Strecke, wenn Arbeitszeiterfassung fehle und Beschäftigte Arbeitszeitregeln nicht durchsetzen könnten. Die Zahl der unbezahlten Überstunden in Deutschland sei inakzeptabel hoch und komme „einem Lohn- und Zeitdiebstahl gleich“. Innerhalb eines Jahres „wirtschaften sich die Arbeitgeber so rund 18 Milliarden Euro in die eigene Tasche“.
.......
Quelle: Wir sind gegen die Stechuhr
Das greift auch dann wenn der Arbeitgeber die Pause verweigert die einem Arbeitnehmer zusteht wie man in diesem Trööt lesen kann: Arbeitgeber lässt mich ohne Pause arbeiten

Dieses Urteil das alle EU-Staaten umsetzen müssen hat weitreichende Konsequenzen. Nicht in allen Branchen werden Arbeitszeiten systematisch erfasst. Auch Heimarbeit oder Außendienst müssen nach dem Urteil künftig registriert werden. Wird abends von zu Hause noch dienstlich telefoniert oder werden E-Mails geschrieben, könnte auch dies unter die Pflicht zur Erfassung fallen.

Gerade auch im Bereich Außendienst sind die Folgen nicht abzusehen wenn man bedenkt das die meisten im Außendienst von früh Morgens bis spät am Abend unterwegs sind und somit die maximale zulässige Wochenarbeitszeit von 48 Stunden überschreiten. Sobald diese Zeiten erfasst werden haben die Arbeitgeber ein Problem.

Ich finde das Urteil nicht rückwärtsgewandt wie die Arbeitgeber das schnell abtun wollen sondern Arbeitnehmerfreundlich und richtig damit zumindest in diesem Teil des Arbeitslebens die Ausbeutung ein klein wenig eingeschränkt wird.
 

apfelkuchen

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Ich verstehe das Problem nicht, außer wenn man mogeln und Leute ausbeuten will.
Es fallen mir nur sehr wenige konstruierte Beispiele ein, wo es ein Problem geben könnte. Ist doch wirklich kein Problem, sowas zu erfassen, gibt im Zweifelsfall eh genug Apps genau dafür.
 

Zeitkind

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Das Heulen der Wölfe:
Verbände der IT-Wirtschaft warnen vor den weitreichenden Folgen eines Gerichtsurteils zur Arbeitszeiterfassung.
Hintergrund ist eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom 14. Mai 2019, wonach die EU-Mitgliedstaaten die Arbeitgeber verpflichten müssen,
"ein objektives, verlässliches und zugängliches System einzurichten, mit dem die von einem jeden Arbeitnehmer geleistete tägliche Arbeitszeit gemessen werden kann" (Rechtssache C-55/18).
Haben dieselben Verbände je vor den Folgen einer Nichterfassung gewarnt?
Eine solche systematische Erfassung werde "unzählige Arbeitnehmer und Arbeitgeber ins Unrecht setzen", teilte der IT-Branchenverband Bitkom mit. :icon_cry:
Kommt auf die Perspektive an ... Das hier beklagte "Unrecht": Bisher unbezahlte Arbeitnehmerleistung soll leistungsgerecht abgegolten werden.
Dem Deutschen Startup-Verband zufolge schränkt das EuGH-Urteil die Flexibilität der Arbeitnehmer ein.
"Insbesondere Startups arbeiten nicht nach der Stechuhr wie vor 100 Jahren", sagte der Vorsitzende Florian Nöll der Nachrichtenagentur dpa.
Ja, wir erwecken erstmal den Eindruck einer Stechuhr, um vom eigentlichen Ziel des Urteils abzulenken.
Das Urteil schränkt in erster Linie Profite durch unbezahlte Arbeitsstunden ein. (Quelle & Link zu obigen Zitaten: golem.de)
Der Vorsitzende der Nachrichtenkopieranstalt dpa will aus ganz bestimmten Gründen keine Arbeitszeiterfassung;
Prekäre Bedingungen in Redaktionen
Immer mehr zu tun bei einer Personalstärke, die bestenfalls unverändert bleibt, meistens jedoch eher sinkt:
Das ist der Grund, warum auch in Zeitungs- und Zeitschriftenredaktionen unbezahlte Überstunden Alltag sind.
Zwar gehörte es früher, vor der Jahrtausendwende, schon zum Berufsethos vieler Journalisten, so lange zu arbeiten,
bis das Blatt gefüllt war – und den Rahmen eines Nine-to-five-Jobs regelmäßig zu sprengen.
Aber das war, wie Matthias von Fintel es ausdrückt, „gelebte Vertrauensarbeitszeit“.
Die Redakteure, erläutert der Tarifsekretär Medien beim ver.di-Bundesvorstand, hätten sich ihre Zeit etwas selbstbestimmter einteilen können,
dafür schauten sie nicht so genau auf die Uhr. „Heute ist die Arbeit so verdichtet, dass es kaum noch Freiraum gibt“, sagt von Fintel.
(Quelle & Link: boeckler.de)
Allerdings bleiben Zweifel, inwiefern das Urteil vom deutschen Gesetzgeber auch tatsächlich und wirksam umgesetzt wird.
Die Lobbyverbände der AG dürften schon in den Startlöchern sitzen und an Gesetzeslücken feilen.
Aufgrund eingeschränkter Gewaltenteilung haben diese Verbände wesentlichen Einfluß auf die Gesetzgebung.
 

erwerbsuchend

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@Zeitkind, passt das nicht besser auch in dieses Thema von @HermineL?

Zum Thema an sich wäre gerade in der hippen Start Up-Szene zu fragen, was so schwierig daran sein soll, die Arbeitszeit korrekt am Rechner zu erfassen, wenn deren Mitarbeiter doch sowieso meistens die ganze Arbeitszeit am Rechner beschäftigt sind. Da gibt es genügend Software und Apps auch für Smartphones oder Tablets.
 

AsbachUralt

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Und wie soll man die Arbeitszeiten von Mitarbeitern erfassen, die auf wechselnden Baustellen im In-und Ausland arbeiten, oder generell im Außendienst?
Und muss nun jede Kneipe mit 1 Mitarbeiter ein Zeiterfassungsgerät anschaffen. Und was ist mit denen, die in ihrem Home-Office arbeiten?
Ein Urteil, das in der Realität viele Schwierigkeiten mit der Umsetzung haben wird.
 

Matt45

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Vielleicht auch mal ein "Wink mit dem Zaunpfahl" für den Arbeitnehmer. Man hört immer wieder Berichte(AG bezahlt mir eine Stunde weniger oder ......), man muss sich auch mal öfter wehren. Erst letzte Woche ein Bericht über Netto gesehen(täglich werden mehrere Stunden nicht/falsch berechnet). Wenn ich für Lohn arbeite, dann muss es auch passen von den Stunden!
 

Archibald

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Ein Urteil, das in der Realität viele Schwierigkeiten mit der Umsetzung haben wird.
Da hast du oberflächlich gesehen recht. Allerdings - und da spreche ich aus eigenem Erleben - werden viel mehr Arbeiter endlich in die Lage versetzt ihre Rechte wirksam wahrzunehmen. Darum geht es und darum ist das Urteil sehr zu begrüßen. Ich stand schon vor meinem Chef, der mir entgegnete dass vor Gericht nur zählt, was man auch Nachweisen kann....
Recht hat er und durch das Urteil kann er mich nicht mehr auf eine Tour schicken die 2 Überstunden erzeugt, die am Monatsende jedoch m, neben weiteren, unbezahlt und verschollen sind. Jetzt grinsen viele in unserem Betrieb. 😆
 

erwerbsuchend

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Gestern ein Vertreter vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall: Das Urteil muss geändert werden.
Das übliche Spiel, wenn die Kapitalseite ihre Profite in Bedrängnis sieht. Ich frage mich nur, wo jener Vertreter die Nachteile sieht: Ist es, weil die Arbeitszeit grundsätzlich erfasst werden muss und damit auch korrekt den AN bezahlt werden muss, oder ist der "angebliche" finanzielle Mehraufwand für die Anschaffung und Betrieb eines Zeiterfassungssystemes? Wobei, wenn es an den Kosten für die Zeiterfassung liegen sollte, sollte sich jeder Unternehmer einfach mal fragen, ob sein Unternehmen überhaupt auf lange Sicht tragfähig ist, wenn es schon an solchen Peanuts scheitern sollte. Letztlich sollte aber jener Vertreter aber auch wissen, dass dieses Thema für Deutschland eigentlich schon längst geklärt ist, denn seit Einführung des allgemeinen Mindestlohnes müssen die Arbeitszeiten doch sowieso schon korrekt erfasst werden.
 

Kampfmops

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Finde das Urteil gut und Richtig.
Gibt leider immer wieder Meldungen, das manche Arbeiter komplett kollabieren, weil sie zu viele Überstunden schieben müssen. Genauso natürlich die Tatsache, das mit unaufgeschriebenen Überstunden der Mindestlohn gedrückt wird. Super Sache für Arbeiter. (y)

Das viele Arbeitgeber wieder Mimimi machen, war doch klar. Sobald es an ihre Lohnsklaven oder die Profite geht, ist das geheule ja immer groß.
Was derzeit sehr häufig zu beobachten ist: Viele Unternehmen prahlen mit neuen Dingen, die sie entwickelt haben. Natürlich alles, was Profit generiert.
Sobald es aber um Umweltfreundliche/Nachhaltige Umbauten oder eine "Stechuhr" geht, sind das plötzlich unlösbare Probleme, die keiner hin bekommt. :rolleyes:

PS: Derzeit werkelt die Regierung ja schon an gerechten Löhnen für Paketzusteller, sowie höhere Vergütung für Azubis. Endlich mal gute Dinge, worüber die Firmen sicher noch mehr heulen werden.
Wenn nun noch das H4-Sklaven-Verschacherrungs-Gedönse (1-Euro-Job und 16i) abgeschafft wird, damit sich die Firmen keine Gratis-Arbeiter holen können, könnte ein gerechter Arbeitsmarkt entstehen.
 

pinguin

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Den Direktlink zum Urteil hat es übrigens hier:

Rechtssache C-55/18

Und wie soll man die Arbeitszeiten von Mitarbeitern erfassen, die auf wechselnden Baustellen im In-und Ausland arbeiten, oder generell im Außendienst?
Diese Frage wird sich bei allen Arbeitnehmern stellen, die nicht stationär an einem Ort arbeiten, also auch bspw. beim Forst und auch bspw. bei Zustellern von Presseerzeugnissen, die keinen gemeinsamen zentralen Aufenthaltsort haben, sondern von daheim aus starten.

Ein Urteil, das in der Realität viele Schwierigkeiten mit der Umsetzung haben wird.
Ohne jede weitere Frage; man sollte zudem aufpassen, daß sich dann Leistung auch noch für den Mitarbeiter lohnt. "Leistung" nicht im Sinne von mehr Gesamtzeitaufwand, sondern im Sinne von mehr je Zeiteinheit.

Wenn nur noch die Zeit zählt, werden sich die Schnelleren ganz sicher den Langsameren anpassen.
 

HermineL

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Altmaier will nicht zurück zur Stechuhr

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier will das Grundsatzurteil des Europäischen Gerichtshofs zur Arbeitszeiterfassung nicht einfach hinnehmen. Es weise nicht in die richtige Richtung, sagte der CDU-Politiker. "Es ist der falsche Weg, die Stechuhr wieder überall einzuführen."
....
Das Wirtschaftsministerium will nun ein Rechtsgutachten in Auftrag geben, um zu klären, ob das Urteil überhaupt umgesetzt werden muss. Dieses soll bis zur Sommerpause vorliegen. Altmaier warnte vor "Schnellschüssen" in der Angelegenheit:
...
Quelle: Altmaier will nicht zurück zur Stechuhr
War es nicht auch Altmaier der dagegen war das der Betrug und die Durchsetzung von Gesetzen im Zusammenhang mit den Paketboten gestoppt wird damit die Wirtschaft nicht belastet wird.
Der gleiche Altmaier will jetzt eine EUGH Urteile erst einmal überprüfen damit ja kein Arbeitnehmer seine Überstunden bezahlt bekommt und die Wirtschaft geschützt wird.

Das Urteil des EuGH zur Auslegung des europäischen Rechts ist für die nationalen Gerichte verbindlich.
Das kann man dabei ja einfach außer Acht lassen. Ist doch nur interessant wenn es im Interesse der Wirtschaft ist.

Ganz abgesehen davon das diese Urteil und die daraus resultierenden Bezahlung der bisher unbezahlten Überstunden nicht nur den Arbeitnehmern zu Gute käme sondern auch der Staatskasse über Steuern und Abgaben was wiederum der Allgemeinheit zu Gute käme. Nein das geht nicht den die Reichen müssen geschützt werden.

Was mich wirklich daran erschreckt ist das dieser Minister zum wiederholten Mal einfach Gesetze und Rechtsprechung außer Kraft setzen möchte wenn diese nicht der neoliberalen Wirtschaft nützen. Ganz unverblümt und öffentlich tritt er die Rechte der Arbeitnehmer in die Tonne und handelt stets im Sinne der Reichen. Das zeigt einmal mehr wie die CDU wirklich über die sogenannten "kleinen Leute" denkt. Aber es ist ja nicht nur die CDU.

Trotz das mich das so etwas von ankot... würde ich dennoch nie diese braune Mischpoke wählen.
 
G

Gelöschtes Mitglied 49359

Gast
Und wie soll man die Arbeitszeiten von Mitarbeitern erfassen, die auf wechselnden Baustellen im In-und Ausland arbeiten, oder generell im Außendienst?
Dafür gibt es pads!!
Und muss nun jede Kneipe mit 1 Mitarbeiter ein Zeiterfassungsgerät anschaffen
Die Gastronomie ist bereits durch andere Gesetze aufgefordert/gezwungen die geleistete Arbeitszeit der AN zuerfassen und sei es mit täglichen Stundenzetteln. Wird vom Zoll auch kontrolliert bei einer Kontrolle
Da gibt es bereits den login und logout und zwischenzeitlich kann Bearbeitung im System verfolgt werden, d.h. arbeitet der Homi auch!!!

hier mal die Statistik zu bezahlen und unbezahlten Überstunden

Sieht gut aus für den AG, damit werden seine Mitbewerber ausgebotet, denn der Preis der Ware/Gut oder Dienstleistung wird durch die nicht bezahlten Überstunden erheblich geschmälert - das ist der heutige Wettbewerb auf Kosten der AN und die wehren sich kaum!!!
 

Kampfmops

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Altmaier will nicht zurück zur Stechuhr
War irgendwie klar, das sich die Großparteien wieder wehren. Immerhin erhalten sie ja großzügige Spenden von der Wirtschaft und die würden ja aus bleiben, wenn sie das Geld plötzlich an die Mitarbeiter auszahlen müssten (für geleistete Arbeit wohlbemerkt). :eek:
Da der Altmaier bei einigen eh schon unten durch ist, wird er halt nochmal nach vorn geschickt und darf das dem "Wahlvieh" verkünden.

Trotz das mich das so etwas von ankot... würde ich dennoch nie diese braune Mischpoke wählen.
Sehe ich auch so. Ich wähle keine der Großparteien mehr und rechte Hetze erst recht nicht. Gibt viele andere Parteien zur EU-Wahl. Wenn sich dort nun (ohne 5%-Hürde) einige durch setzen, könnte das auch ein Zeichen für die nächste Bundestagswahl sein. Wir brauchen mehr Mut, das zu wählen, was wir wirklich möchten, als das "kleinere Übel".

Und @alteschachtel hat recht. Gerade Heutzutage, wo digital so vieles geht, sollte es kein Problem sein, das umzusetzen.

Da gibt es bereits den login und logout und zwischenzeitlich kann Bearbeitung im System verfolgt werden, d.h. arbeitet der Homi auch!!!
Wie in dem Beispiel geht es ja auch. Zumindest, wenn es darum geht, die Mitarbeiter zu kontrollieren. Aber wenn man mit der selben Technik die geleisteten Stunden der Mitarbeiter speichern soll, ist das natürlich gaaaaaaaanz schwer, bis unmöglich. :poop:
 
G

Gelöschtes Mitglied 66109

Gast
Also ich habe mal in einer Firma gearbeitet, in der die Zeiterfassung abgeschafft und auf Vertauensarbeitszeit umgestellt wurde und wir waren damals allesamt sehr zufrieden damit.

Zur Umstellung hin wurden allen Mitarbeitern pro Jahr zusätzlich zum Urlaub 8 Ausgleichstage pro Jahr gewährt. Auf diese hatte jeder Mitarbeiter einen fixen Anspruch. Man kann also sagen, man hatte 38 Urlaubstage im Jahr.

Ansonsten war es dann so, daß es durchaus auch Tage gab, auch mal zwei Wochen am Stück, an denen mal 10 Stunden gearbeitet wurde. Dann war es wiederum aber auch kein Problem, zu "lauen Zeiten", am Freitag um 12.00 Uhr zu verschwinden und am Montag danach von 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr zu arbeiten und dann Heim zu gehen. Oder halt in der Sommerzeit mal um 12.00 Uhr zu gehen und dann am nächsten Tag erst um 10.00 Uhr anzufangen.

Es war halt ein Deal auf Gegenseitigkeit. Wenn Mehrarbeit anfällt, seid ihr für uns da, wenn es die Zeit zuläßt, ist uns auch egal wenn ihr nach 3 oder 4 Stunden wieder geht.

Es gab auch nichts wie Kernarbeitszeit oder ähnliches. Zu den "normalen" Zeiten konnte man, wenn man wollte durchaus um 06.00 Uhr anfangen und dann um 14.30 Uhr wieder verschwinden. Oder die Langschläfer halt um 10.00 Uhr kommen und um 18.30 Uhr wieder gehen.

Ich habe keine Kollegin oder Kollegen erlebt, der mit der Situation unzufrieden war. Ganz im Gegenteil, wir waren damit alle tatsächlich superglücklich und von uns hätte keiner zurück zur Zeiterfassung gewollt.
 

Stauer

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Hallo,
@alteschachtel stellte in Post 15 rein wieviele bezahlte und unbezahlte Überstunden geleistet wurden. Also 2,16 Milliarden, von 2000-2018. Das wären, wenn man Überstunden ganz verbieten würde, hunderte Arbeitsplätze für ein ganzes Jahr. Wer hat da geweint, AG's? :icon_klatsch: Sollen sie sich die Augen ausheulen, läßt mich völlig kalt. Diese Zeiterfassung war schon lange überfällig.
 

Kerstin_K

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Übrigens geht Heimarbeit auch ohne Kontrolle.

Überstunden ganz verbieten ist auch keine Lösung, aber sie müssen im Rahmen bleiben und abgegolten werden.
 

Kampfmops

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Überstunden ganz verbieten ist auch keine Lösung, aber sie müssen im Rahmen bleiben und abgegolten werden.
Das ist ja das Problem, das es über das normale Maß hinaus geht. Natürlich gibt es einige Firmen, die es nicht ausnutzen, das es keine Stechuhr mehr gibt (wie @IronFist beschrieb).
Doch in den meisten Firmen ist "Überstunden nicht bezahlen" halt ein Mittel, um den Mindestlohn oder Tariflohn zu drücken. Und das wird wohl zu gern genutzt, wenn schon der europäische Gerichtshof ein Urteil spricht.

Und wie @Stauer schrieb: Lasst die Leute keine Überstunden machen und es entstehen mehr Jobs, die es dann auch wirklich gibt.
 
G

Gelöschtes Mitglied 54151

Gast
Und wie soll man die Arbeitszeiten von Mitarbeitern erfassen, die auf wechselnden Baustellen im In-und Ausland arbeiten, oder generell im Außendienst?
Es gibt auch mobile elektronische Zeiterfassungsgeräte, die sind wesentlich kleiner als eine altmodische Stechuhr und brauchen lediglich einen Stromabschluss, den es auf Baustellen i.d.R. geben dürfte.
(Wer schon mal beim Stadtrand gearbeitet hat, kennt die Dinger wahrscheinlich.)
Und zur Not kann man die Arbeitszeiten auch mit einer ganz altmodischen Liste in Papierform erfassen.

Es gab auch nichts wie Kernarbeitszeit oder ähnliches. Zu den "normalen" Zeiten konnte man, wenn man wollte durchaus um 06.00 Uhr anfangen und dann um 14.30 Uhr wieder verschwinden. Oder die Langschläfer halt um 10.00 Uhr kommen und um 18.30 Uhr wieder gehen.

Ich habe keine Kollegin oder Kollegen erlebt, der mit der Situation unzufrieden war. Ganz im Gegenteil, wir waren damit alle tatsächlich superglücklich und von uns hätte keiner zurück zur Zeiterfassung gewollt.
Solche flexiblen Arbeitszeiten werden durch die Arbeitszeiterfassung nicht unmöglich. Sie werden dann nur "erfasst". Der Chef kann dann zwar genau sehen, wer gerne mal länger schläft, aber solange die Arbeit erledigt wird dürfte das den meisten Chefs egal sein.
 
G

Gelöschtes Mitglied 66109

Gast
Solche flexiblen Arbeitszeiten werden durch die Arbeitszeiterfassung nicht unmöglich. Sie werden dann nur "erfasst". Der Chef kann dann zwar genau sehen, wer gerne mal länger schläft, aber solange die Arbeit erledigt wird dürfte das den meisten Chefs egal sein.
Da hast du recht. Wenn man die Zeit erfaßt, ist es dann aber keine Vertrauensarbeitszeit mehr.

Im Prinzip war das damals bei uns so, daß es keine zu leistende Wochenarbeitszeit mehr gab. Es gab das „Gentelmens Agreement“ das von Seiten der AN stets sicherzustellen war, daß das was zu machen war, auch gemacht wurde.

Und ja, es gab 60 Stunden Wochen und es gab 20 Stunden Wochen.

Und es gab die 8 fixen Ausgleichstage.

Und wie gesagt, BEIDE Seiten waren mit der Regelung hoch zufrieden. Es gab von Seiten der Kollegen nicht EINE oder EINEN, der auch nur im Ansatz Kritik geübt oder sich beschwert hätte.

Wenn das von den Arbeitsplätzen bzw. der Arbeit (Aufgabenfeld) her machbar ist, würde ich von meiner Seite sagen, ist das das Idealmodel.
 

Kerstin_K

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Lasst die Leute keine Überstunden machen und es entstehen mehr Jobs, die es dann auch wirklich gibt.
Nicht zwingend. Bei uns in der Firma zum Beispiel aht man die Arbeit verdichtet, wie das so schön heisst. Und im nächsten Schritt wurden dann immer mehr Tätigkeiten ins Ausland verlagert.
Da hast du recht. Wenn man die Zeit erfaßt, ist es dann aber keine Vertrauensarbeitszeit mehr.
Doch, das schliesst sich nicht aus. Ich erfasse auch meine Arbeitszeiten, wir haben auch eine Wochenarbeitszeit. Trotzdem haben wir Vertrauensarbeitszeit. Das heisst, ich kann Beginn und Ende meiner Arbeit frei bestimmen, so lange ich an den Telefonkonferenzen usw. teilnehme und meine Arbeit schaffe. Allerdings ist es bei uns gerne gesehen, wenn jemand vorher Bescheid gibt, wenn er zum Beispiel später als sonst anfängt oder früher gehen möchte. WIr versuchen das dann auch bei der verteilung von Arbeit oder der Planung von Telefonkonferenzen usw. zu berücksichtigen. Nicht immer ganz einfach, weil wir sehr viele verschiedene Arbeitszeitmodelle haben und zudem noch intenational zusammenarbeiten, also Zeitverscheiebungen berücksichtigen müssen. Aber meistenes finden wir eine für alle tragbare Lösung, viele Calls werden zum Beispiel aufgezeichnet und man kan sich später den Replay anhören.

Meine Chefin zum Beispiel fragt den Saldo einmal im Quartal ab, damit sie sieht, ob irgendwo die Überzeiten aus dem Ruder laufen. Ausserdem macht der BR bei uns Stichproben. Wir haben auch eine Zeiterfassungssystem, aber die Nutzung ist freigestell, man kann genauso eine Excel Tabelle oder eine Handy App oder einen Zettel nutzen. Wenn unser BR merkt, dass Überzeiten aus dem Ruder laufen, dann muss ein Abbauplan vereinbart werden.

Bei Rifbereitschaften muss bei der Beantrageung beim BR immer angegeben werden, ob der Mitarbeiter eine Auszahlung oder eine Vergütung über FReizeitausgleich wünscht, ausserdem will unser BR dann den aktuellen Saldo wissen. Rufbereitschaft machen wir nur zum Quartalsabschluss und nur, wenn dieser auf ein Wochenende fällt. Ausserdem nur freiwillig, in dn Teams wird aber schon darauf geachtet, dass da jeder mal dran ist.
 
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G

Gelöschtes Mitglied 26

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Das kann man ja so wie in der EU lösen, Freitags-morgens zum Stempeln mit Reisegepäck antreten, einstempeln, Tagesgeld abkassieren und nach dem Einstempeln direkt mit dem Gepäck in den Flieger nach Hause ins wohlverdiente Wochenende ...

Klingt aber auch nach einer erheblichen Bürokratie und erneuten Kosten, welche wohl "wer" tragen wird? Vor allem wenn es nicht direkt digital erfasst werden kann und noch umständlich übertragen und eingepflegt werden muss. In vielen Berufen echt ein Problem oder zumindest viel Aufwand. Natürlich positiv und begrüssendwert für den AN und seine rechte auf die Entlohnung, keine Frage ...
 

bLum

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Eine solche systematische Erfassung werde "unzählige Arbeitnehmer und Arbeitgeber ins Unrecht setzen", teilte der IT-Branchenverband Bitkom mit. :icon_cry:
Bei so einer Argumentation kann ich echt nur die Augenbrauen sachte anheben und ungläubig schmunzeln.
Gerade die IT-Branche beklagt sich über nen angeblichen Rückschritt? Sind die nicht dafür da eine Lösung zu einer flexiblen AZ-Erfassung zu entwickeln?
*erstaunt die Stirn runzelt*
 
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