Überlapp/Anrechnung einjähriges Stipendium ALG I als Doktorand

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Susi789

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Hallo zusammen,

ich zerbreche mir seit Monaten den Kopf, bin dabei auf euer Forum gestoßen und hoffe, dass irgendjemand vielleicht Erfahrungen oder Tipps für meine Situation hat. Diese sieht wie folgt aus:

Ich schreibe an meiner Doktorarbeit und war dafür 3 Jahre an der Uni angestellt. Nach Ablauf der 3 Jahre war -wie bei fast allen meinen Kollegen- noch viel zu tun, aber im Gegensatz zu meinen Kollegen hab ich nicht 1 Jahr lang ALG I bezogen und während dessen fertig geschrieben, sondern mich frühzeitig um ein Abschlussstipendium (1200 Euro, Krankenkassenbeiträge selber zu zahlen) beworben, und dieses auch erhalten. Arbeitssuchend habe ich mich aber trotzdem gemeldet und bin es auch immer noch - ich wusste 3 Monate vor Ende des Vertrags ja noch nicht, ob ich das Stipendium kriege. Mit besten (Un-)wissen hab ich das Anfangsdatum des Stipendiums so gewählt, dass ich eine lückenfreie Finanzierung hatte. Soll heißen, am 31. März endete mein Vertrag an der Uni, und am Folgetag, dem 01. April, begann das 1-jährige Stipendium. So weit so gut.
Nun nähert sich das Stipendiumsjahr dem Ende zu, aber ich werde in dieser Zeit nicht mit der Doktorarbeit fertig. Ich schätze, es wird ca. 2 Monate länger dauern. In dieser Zeit würde ich gern ALG I beziehen (Hartz 4 klappt nicht, da ich in einer "BG" lebe). Jetzt kommen wir zu dem problematischen Teil: Nach Ende einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung muss ich mich binnen einen Jahres arbeitslos melden, um meinen Anspruch auf ALG I feststellen zu lassen. Danach verfällt mein Anspruch/meine Möglichkeit, meinen Anspruch geltend zu machen. Habe ich ihn aber feststellen lassen, habe ich 4 Jahre lang Anspruch darauf.
Mein Traum wäre es also, im Anschluss an mein ein jähriges Stipendium problemlos ins ALG I zu kommen. Leider läge der "erste" Tag meines ALG I dann aber 1 Jahr und 1 Tag nach Ende meiner sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung, und mein Anspruch wäre verfallen. Ich habe diesbezüglich schon einige Male mit dem Amt/der Leistungsabteilung telefoniert und versucht, mit Ihnen zu diskutieren. Man hat mir verschiedene, sich wiedersprechende Auskünfte gegeben - am Besten war die Info, dass ich bis zum 06. April den Antrag auf ALG I stellen könnte - was dann aber später von einem anderen Mitarbeiter verneint wurde. Der letztere meinte, ich könnte mich aufgrund des Stipendiums erst ab dem 01. April arbeitslos melden. Was ich ehrlich gesagt nicht verstehe. Das Stipendium ist kein Beschäftigungsverhältnis und ich kann mich ja dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen, das Stipendium erlaubt mir einen Nebenerwerb. Diesen muss ich zwar angeben und er würde dann verrechnet, aber es ist mir nicht verboten.

Die Frage ist also, wie kriege ich es hin, meinen Anspruch auf ALG I für die Monate nach dem Stipendium nicht zu verlieren, bzw. erst mal zu erhalten?
Hier eine kurze Übersicht über Ideen, die ich bisher hatte:

1) Ich melde mich einfach am letzten Werktag des Stipendiums arbeitslos und gebe an, dass ich die Auszahlung erst ab dem 01. April möchte. Damit bin ich noch im Zeitraum fürs ALG I. Problematisch würd es, wenn ich an diesem Tag (offensichtlich) krank bin und demnach erkenntlich dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehe. Zudem beunruhigt mich immer noch, dass das Amt behauptet, dass es angeblich nicht möglich ist, sich arbeitslos zu melden, wenn ich das Stipendium beziehe. Gibt es da tatsächlich einen rechtlichen Sachverhalt, der mir nicht unter gekommen ist? Mit meiner Recherche kann ich mich arbeitslos melden, wenn ich in keinem Beschäftigungsverhältnis stehe (check), ich mich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stelle (check) und man sich bemüht, die Arbeitslosigkeit zu beenden (check), siehe § 138 SGB III Arbeitslosigkeit .

2) Ich versuche irgendwie, vorher aus dem Stipendium heraus zu kommen. Ich weiß nicht ob das klappt, würde diesbzgl auch erst Anfang Januar erst wieder mit der entsprechenden Verwaltung telefonieren können.

3) Das hier ist mein Hauptgedanken, den ich hier gern mit Eurem Wissen/Verständnis überprüfen würde: Ich habe auf einer anderen Seite im Internet gefunden, dass theoretisch das Geld des Stipendiums dann einfach auf das ALG I angerechnet wird. Was spricht dagegen, mich einfach für die letzte Märzwoche arbeitslos zu melden? Müsste dann nicht festgestellt werden, dass ich rein theoretisch einen Anspruch von 12 Monaten à xxx Euro aufgrund meiner sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung habe, aber für diese eine letzte Märzwoche mir das Stipendium gegengerechnet wird? Soll heißen, für die letzte Märzwoche kein Geld aber Feststellung, dass es einen Anspruch gibt, und ab 1. April, wo dann kein Stipendiumsgeld mehr kommt bleiben dann noch 11 Monate und 3 Wochen ALG I? Diese letzte Möglichkeit macht in meinem Kopf Sinn, ist mir aber in den Telefonaten nie vorgeschlagen worden. Was entweder daran liegt, dass das Amt nicht möchte, dass ich Sozialleistungen beziehe, oder dass ich einen Denkfehler habe :)

Entschuldigt diesen langen Post, ich bin euch für Ratschläge jeder Art sehr dankbar!
LG Susi
 

BerndB

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Grundsätzlich:
Arbeitslosengeld erhält man ab dem Tag, an dem man tatsächlich arbeitslos und verfügbar ist. Der Tag der Antragstellung ist dabei (fast) ohne Belang. Verfügbarkeit bedeutet Arbeitsbereitschaft für mindestens 15 Std./Wo. (siehe bspw. § 139 Abs. 4 oder Abs. 2 SGB III.
Ein Antrag auf Arbeitslosengeld kann jederzeit gestellt werden. Selbst dann, wenn man in einem ungekündigten Vollzeit-Arbeitsverhältnis steht. Man bekommt dann eben eine Ablehnung, die den Ablehnungsgrund und Paragraphen enthält. Man kann danach Widerspruch einlegen, und erhält eine (noch) genauere schriftliche Begründung. Das dauert natürlich Wochen.
Auskünfte bei der AfA erhält man in einer sogenannten Leistungsberatung. Für mich zählt nur eine persönliche (!) Beratung. Ich wäre nur zufrieden, wenn man mir die genaue gesetzliche Grundlage nennt/bestätigt. Der Sachbearbeiter darf sich nicht aus der Verantwortung ziehen. Erzähle ich einem Kunden etwas (egal bei einer Behörde oder einem Händler), kann der hinterher leicht das Gegenteil behaupten. Bestehe ich auf schriftlicher Bestätigung, merkt man schnell, welcher Händler, welcher Sachbearbeiter selbst im Trüben fischt. Setzt voraus, dass ich mein Anliegen auch schriftlich formuliere und zur Beratung mitnehme.
Ich würde nie (!!!) auf den oder die letzten Tage für die Beantragung irgend einer Leistung warten.

Letztendlich muss man sich im Klaren sein, welche Leistung darf man auf keinen Fall verpassen um überleben zu können. Also muss man von dieser Leistung aus denken und ggf. auf andere Leistungen verzichten.
 

Agent

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Hallo Susi,

melde dich zum 01.04. arbeitslos. Das kannst du bereits im Januar tun, arbeitsuchend bist du ja sowieso gemeldet, wenn ich es noch richtig im Kopf habe...
Die Rahmenfrist von 2 Jahren läuft in deinem Fall dann vom 01.04.2017-31.03.2019. Und innerhalb dieser Frist warst du ein Jahr versicherungspflichtig beschäftigt.
Ich sehe da jetzt ehrlich das Problem nicht :icon_kinn:

Viele Grüße
Agent
 

Susi789

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Halla BerndB und Agent,

vielen Dank für eure Antworten :)
@ BerndB:
Für mich zählt nur eine persönliche (!) Beratung. [...] Bestehe ich auf schriftlicher Bestätigung,

Ein sehr guter Hinweis, ich hatte bisher nur telefonisch Kontakt mit der Leistungsabteilung. Kleines Anekdötchen zum Thema schriftliche Bestätigung: Ein Doktorand aus einer anderen Gruppe, der sich auch über dasselbe Stipendium finanziert hat, hat zum Abschluss eines vor Ort Geschpräches in der Leistungsabteilung auch nach einer schriftlichen Bestätigung gefragt, diese wurde ihm aber verwehrt :-(

@ Agent:
Die Rahmenfrist von 2 Jahren läuft in deinem Fall dann vom 01.04.2017-31.03.2019.

Die Sache mit der Rahmenfrist finde ich nach wir vor verwirrend. Ich habe gerade gesehen, dass auf der Seite der Bundesargentur für Arbeit steht "Für die Erfüllung der Anwartschaftszeit entsprechen zwölf Monate 360 Tagen " (Bad Oracle Access Manager Request), also 5 Tagen weniger als in dem Zeitraum, den du und ich als "12 Monate" definieren würde. Was ja eigentlich eine gute Sache ist?? Nur, um das ggf. noch mal hervor zu heben: Meine Sorge ist bisher immer gewesen, dass ich, wenn ich mich zum 01.04.2019 arbeitslos melde, nicht mehr auf 12 volle Monate versicherungspflichtiger Beschäftigung in den vergangenen 2 Jahren komme. Denn mir war/ist nicht klar, wie diese 12 Monate gerechnet werden. In meinem Originalpost bin ich davon ausgegangen, dass der 01.04.2019 genau 12 Monate und 1 Tag nach Ende meiner letzten versicherungspflichtigen Beschäftigung liegt, und ich somit keine vollen 12 Monate habe und damit meinen Anspruch auf ALG I verliere. Daher auch die ganzen Überlegungen zum vorher Arbeitslos melden.

Zusammengefasst kann ich also davon ausgehen, dass ich, wenn ich mich zum 01.04.19 arbeitslos melde, die Bedingungen für ALG I erfülle?

Vielen Dank nocheinmal und viele Grüße,
Susi
 

Agent

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Zusammengefasst kann ich also davon ausgehen, dass ich, wenn ich mich zum 01.04.19 arbeitslos melde, die Bedingungen für ALG I erfülle?

Ja, das ist korrekt.
Für die Erfüllung der Anwartschaftszeit benötigst du 12 "Versicherungsmonate", wobei diese Monate jeweils pauschal mit 30 Tagen angesetzt sind, also insgesamt 360 Tage muss die Versicherungspflicht erfüllt worden sein in der Rahmenfrist.
Bei der Berechnung dieser Tage wird dann aber wieder taggenau vorgegangen (d.h. zum Beispiel zählt der Dezember mit 31 Tagen).

Viele Grüße
Agent
 

Susi789

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Wer den Nervenkitzel braucht, kann Fristen ja ausreizen.
Ungünstiger Weise stehe ich persönlich tatsächlich auch nicht sooo sehr auf sowas, sondern hab Angelegenheiten gern deutlich vor Ablauf von Fristen abschließend geklärt :) Im akuten Fall kann man mir in der Tat vorwerfen, schon Anfang des Jahres mit mehr Elan für die Fragestellung Tatsachen geschaffen zu haben. Wie im ersten Post angemerkt, hatte ich tatsächlich zu jener Zeit diesbzgl. mit der AfA gesprochen, die mir aber lediglich gesagt hat, ich solle mich "zum 01.04.19 arbeitslos melden und dann würde doch alles passen". Ich bin dann aber irgendwann demotiviert gewesen, da ich in den Telefonaten gefühlter Maßen mit einer Wand gesprochen habe. Ich habe es dann für "andermal" liegen lassen, mit der Hoffnung, evt. noch während des Stipendiums mit der Promotion fertig zu werden. Wie wir aus den obigen Posts wissen, klappt das knapp nicht.
Momentan informiere ich mich zum einen hier im Forum mit Eurer aller Hilfe zum Thema ALG I und der dazugehörigen Rechtsgrundlage, damit ich mich, wenn ich mich Anfang Januar mit der AfA in Verbindung setze, nicht übern Tisch ziehen lasse. Im Rahmen dieses "informieren" war mir die Klärung der oben genannten Frage wichtig. Zum anderen informiere ich mich parallel gerade auch allgemein über die rechtliche Situation bzgl. ALG I und Stipendien, und wie im Originalpost angemerkt, kann ich direkt mit der Verwaltung "meines" Stipendiums erst wieder im neuen Jahr sprechen.
Kurzum: Ich weiß deinen Ratschlag, es nicht auf die Frist anzulegen, daher tatsächlich zu schätzen. Mir wurde von anderen Stellen (AfA oder Freunden/Bekannten) bei diesem Thema häufiger das Gefühl vermittelt, dass ich mich "nicht so anstellen soll, denn das würde doch schon so passen".
 
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