Über ALG1-Bescheid wird nicht entschieden, wegen angeblich fehlender Arbeitsbescheinigung.

Chrysalis

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Hallo!

Ich habe ein kleines-großes Problem bezüglich meines ALG 1 Antrages, der nun seit fast 2,5 Monaten immer noch nicht bewilligt wurde und ich mittlerweile finanziell am absoluten Limit bin.
Ich hab mich zum 2.4.2020 hin arbeitslos melden müssen, da ich meinen Job verloren habe (nach 20 Monaten Vollzeittätigkeit).
Ich habe direkt alles eingereicht, was nötig war und seitdem warte ich, werde vertröstet etc.

Nun habe ich gestern das Highlight im Briefkasten gehabt, nämlich ein Schreiben von der Agentur, dass sie über meinen Antrag weiterhin nicht entscheiden können, weil meine Arbeitsbescheinigung weiterhin fehlt.
Meine Arbeitsbescheinigung wurde am 3.4.2020 vom Steuerberater meines Chefs an die Agentur übermittelt, dass habe ich von ihm schriftlich. (Email) Desweiteren habe ich am 6.2.2020 ein Schreiben der Agentur bekommen, in der diese bestätigen, dass meine Bescheinigung "auf elektronischem Wege" übermittelt wurde.
Was zur Hölle wollen die denn nun noch von mir?
Ich weiß langsam nicht mehr weiter, mir steht das Wasser mittlerweile bis zum Hals, ich konnte diesen Monat bisher keine Rechnungen zahlen und habe kein Cent mehr über.
ALG2 Aufstockung habe ich btw ebenfalls beantragt, von der Seite höre ich seitdem einfach gar nichts mehr,

Ich habe wahrscheinlich zum 1.7 wieder einen Job, aber aktuell kann ich mir nicht einmal die Fahrt dorthin leisten!
Was kann ich jetzt machen, ich fühle mich ernsthaft im Stich gelassen von unserem "sozialen Fangnetz", vor allem da ich ja schnell wieder arbeiten möchte, aber aktuell Angst habe, bis dahin kein Dach mehr über dem Kopf zu haben, weil es anscheinend immer wieder "Gründe" gibt, meinen Antrag auf die lange Bank zu schieben.

Danke, falls jemand helfen kann.
Lg
 

ZynHH

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Desweiteren habe ich am 6.2.2020 ein Schreiben der Agentur bekommen, in der diese bestätigen, dass meine Bescheinigung "auf elektronischem Wege" übermittelt wurde.
Das teilst du sofort schriftlich nachweislich der AfA mit, am besten eine Kopie des Schreibens beifügen. Und auf allen Schriftstücken deine Kundennummer vermerken.
 

Chrysalis

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Das teilst du sofort schriftlich nachweislich der AfA mit, am besten eine Kopie des Schreibens beifügen. Und auf allen Schriftstücken deine Kundennummer vermerken.
Danke, also am besten als Einschreiben und mit Zeuge einwerfen/abgeben? Ich hab halt Angst, dass das jetzt wieder Wochen dauert und denen wieder was "einfällt." :/
 

saurbier

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Also wie bereits von ZynHH ausgeführt vorgehen.

Dazu kannst du ein Schreiben aufsetzen, in welchem du darauf verweist das es die AfA selbst war, welche dir doch bereits am 06.02.2020 ?? mitgeteilt hat das entsprechende bescheinigung auf elektronischem Weg dort eingegangen ist, als das dir ebenfalls die schriftliche Bestätigung des Steuerberaters vorliegt das dieser entsprechende Meldung am 03.04.2020 bereits vorgenommen hat.

Das ganze jetzt entweder per Fax (sofern du eins hast bzw. auf eins zugreifen kannst) oder eben per Einschreiben mit entsprechenden Kopie der Belege abschicken. Vielleicht noch als abschließenden Satz anmerken, daß sofern man nun weiterhin keinen Leistungsbescheid erläßt, du dich dazu veranlaßt siehst dich ans zuständige Sozialgericht zu wenden.

Übrigens bei einem Einschreiben bedarf es keinen weiteren Zeugen, da reicht der Einlieferungsbelegt bei der Postfiliale und der Nachweis über die Sendungsverfolgung wann das Einschreiben zugestellt wurde. Per Fax geht/ginge natürlich am schnellsten.

Ic würde an deiner Stelle dem ganzen noch zusätzlich einen Antrag gem. § 328 Abs. 1 Satz 3 SGB III hinsichtlich einer vorläufigen Leistungsentscheidung als auch gem. § 42 SGB I beifügen. Bitte als gesonderten Antrag beifügen, denn damit begehrst du dann einen Vorschuss.

Solltest du dann nicht innerhalb der nächsten Tage eine Antwort bzw. Leistungsbescheid erhalten, dann solltest du umgehend einen Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz (§ 86b SGG) beim örtlich zuständigen Sozialgericht einreichen. Hierbei solltest du dann wissen, daß dies nur dann eine Erfolgsaussicht hat, wenn du dem Gericht auch deine finanzielle Notleidenschaft auch mittels Kontoauszüge (der letzten 3 Monate) nachweisen kannst.

Dazu haben wir hier im Forum diverse Vorlagen wie man das machen sollte.

Auf gar keinen Fall solltest du dich auf das Spiel der AfA einlassen und noch weiter hin halten lassen.
 

Ghansafan

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Hallo @Chrysalis,

da ich davon ausgehe, dass bei Dir grundsätzlich ein Anspruch auf Alg I besteht, könnte man es noch wie @saurbier schon schrieb mit einem angemessenen Vorschuss versuchen.

Dazu sollte man dann aber am besten persönlich mit Personalausweis, Antrag auf Vorschuss und Kopie aktuellen Kontoauszug zum Amt.

Die Ämter müssten doch eigentlich wieder offen haben und für (finanzielle) Notfälle sollte ja eh eine persönliche Vorsprache möglich sein.

Vielleicht mal da gleich Morgen früh anrufen und diesbezüglich nachfragen.


Stellen die sich stur, dann würde ich auch dringenst zu einer Einstweiligen Anordnung (EA) beim zuständigen Sozialgericht anraten. Der EA eine Kopie des aktuellen Kontoauszuges beifügen.

Hab Dir mal Vorschläge für einen Antrag auf Vorschuss und eine EA fürs Sozialgericht angehängt. Müssten nur noch ergänzt werden, Anschrift, etc.

Faxen wäre empfehlenswert.

Hier z.B. kann man Faxe (ohne Faxgerät) versenden, 5 Seiten/ Monat sind kostenlos:

Sendebericht dann aufheben, ist ein Nachweis für die Versendung.
 

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Chrysalis

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Hallo.

Lieben Dank für die ganzen Tipps, vor allem saubier und Ghansafan! Das hilft mir enorm weiter, damit ich weiß, was ich (direkt morgen) tun kann.
Die Adresse der ÖRA (für die EA, falls es wirklich soweit kommt), hab ich schon rausgesucht und werde dann direkt morgen früh alles zur Afa hinfaxen, dann dort anrufen und wegen dem Vorschuss fragen. Ich hab dann soweit auch alles direkt griffbereit, um alles einzureichen/vorzuzeigen zu können.

Mein zuständiges Amt hat übrigens weiterhin geschlossen bzw. persönliche Besuche nur nach Termin möglich. (Sonst würde ich da morgen früh direkt vor der Tür stehen.)

Aber jetzt habe ich zumindest schon mal einen "Weg" den ich weiter gehen kann, tausend Dank!
 

saurbier

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Sorry Chrysalis,

mit einer AfA oder anderen Leistungsträgern telefoniert man nicht, nie.

Es ist doch schon irgendwie äußerst verwunderlich wie sich doch manche Menschen verhalten, gleichwohl man ihnen über Wochen/Monate hin die ihnen lt. Gesetz zustehende Leistung verweigert. Hallo - du hast einen gesetzlichen Anspruch auf deine Versicherungsleistung - das ist kein Almosen.

Um himmels Willen, mit Behörden verkehrt man stets auf dem vom Gesetzgeber vorgegebenen Bürokratieweg - nachweislich per Post - und das kann dann entweder per Fax oder eben Einschreiben geschehen.

Warum - nun nur weil man Schriftstücke später notfalls als Beweise in einem Streitfall auch vorlegen kann, Telefongespräche können und werden zumeist im nachhinein bestritten und dann.

Wenn du meinst das du es dir noch großartig leisten kannst mit den Herrschaften zu telefonieren - dann bitte.

Im übrigen, für einen Vorschuss mußt du beim ALG-I (Versicherungsleistung) keinen Kontoauszug noch Personalausweis vorlegen, da reicht dein schriftlicher Antrag - der erforderlich ist -. Einzig bei einem EA-Verfahren vor dem Sozialgericht mußt du deine Notleidenschaft per Kontoauszug dem Gericht gegenüber nachweisen. Aber auch hier gilt es zu beachten, sich vom Gericht nicht abwimmeln zu lassen, denn häufig verweist selbst das Gericht ans JC um sich damit Arbeit zu ersparen, was aber schon wegen § 12a SGB II nicht fruchten kann.
 
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