Total sanktioniert – Leben, 100 Prozent unter dem Existenzminimum

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wolliohne

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Mehr als 10.000 Menschen kürzten die Jobcenter 2011 das Arbeitslosengeld II länger als drei Monate um 100 Prozent. Einer, der monatelang ohne Hartz IV leben muss ist Bernd Hennemann. REPORT MAINZ-Reporter Thomas Reutter hat Bernd Hennemann in seinem Alltag mit der Kamera begleitet.
Erst als REPORT MAINZ bei dem Jobcenter nachfragt, kommt Bewegung in die Sache:
Am Wochenende nach den Dreharbeiten erhielt Bernd Hennemann am 3. Dezember wieder zwei Lebensmittelgutscheine vom Jobcenter Dortmund – einen Monat, nachdem er zuletzt einen Gutschein bekommen hatte.
Die Pressestelle des Jobcenters schreibt uns noch am selben Tag: “Herr Hennemann hat glaubhaft versichert, dass er mit uns zusammenarbeiten will. Deshalb wird die Sanktion auf 60 Prozent zurückgestuft.”
Quelle: SWR Report Mainz
 
E

ExitUser12345

Gast
Tja, dass ist praktisch ne Einladung dazu, im JC mal ein paar Leuten vor die Birne zu kloppen, am besten diesem "kulanten-gutschein-dödel."
Im Angesicht dessen, lieber 3 Monate wegen Körperverletzung, als auf der Straße erfroren.
Weil im Knast oder U-Haft, hätte er wenigstens was zu Essen & einen warmen Schlafplatz. :icon_party:

m.M

:icon_pause:
 

HajoDF

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Die Rekordmeldungen über die Zunahme der Sanktionen bestätigen meine Befürchtung über die gesellschaftliche Verrohung bis hin zur wissentlichen Tötungsbereitschaft:
Auf der untersten Ebene der Exekutive (JC) findet man kaum jemanden, der sich dieser Praxis verweigert. Übertrieben gesagt: Mitschießen oder nicht? Jedenfalls wird auf dieser Ebene „mitsanktioniert“, da es normenkonform legitimiert ist und die individuelle Menschlichkeit des einzelnen Sachbearbeiters die Hungerleidenden nicht wahrnehmen muss. Auch das Wissen um die implizit mögliche Tötung durch Hunger verändert die individuelle Handlungsentscheidung nicht. Das Bewusstsein des kollektiven Aufgehobenseins und der Verantwortungslosigkeit (die Delegation der Verantwortung an einen übergeordneten moralischen Rahmen) ist das größte Potential zur Unmenschlichkeit.
Quelle

Noch ist man (JC) unter dem Druck der Öffentlichkeit etwas eingeknickt, aber auch das wird bald anders sein.
Noch muss Herr Alt im TV seine Mordabsichten beschönigen oder gar leugnen, aber er wird es bald nicht mehr nötig haben.
 

Archibald

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(...)

Noch ist man (JC) unter dem Druck der Öffentlichkeit etwas eingeknickt, aber auch das wird bald anders sein.
Noch muss Herr Alt im TV seine Mordabsichten beschönigen oder gar leugnen, aber er wird es bald nicht mehr nötig haben.

Hab zwar keinen Link zur Hand, da gab es jedoch einmal eine Studie, nach der, der Durchschnittsmichel selbst zu Handlungen mit wissentlich tödlichem Ausgang für seinen "Kunden" bereit ist, solange er sich darauf berufen kann, man habe dies von Oben so angeordnet.

Ich lasse hier absichtlich betrachterisch diejenigen Aussenvor, die sich auch auf Behördenseite gegen diesen "erzieherisch tödlichen Arbeitsmarkt" stemmen, es sind leider zu wenige, sodass sie im Endeffekt nicht existieren.

Dies zeigt mir dass das Gros der in Deutschland lebenden Mitwirkenden nicht das Geringste aus unserer Geschichte gelernt hat. Alles ist mit denen möglich, es muss nur von Oben abgesegnet sein. :icon_kotz:

Nur Arbeit (die nie wieder ausreichend vorhanden sein wird) befreit
vom Terror der Sachbearbeiter, oder Reichtum.
Manchmal, wenn ich mir so meine Gedanken zur Zukunft Erwerbsbehinderter mache erscheint es mir schon fast im Sinne der Widerstandsparagraphen lieber Kriminell und im Kontext in Würde zu leben, als staatlich gepiesackt, ständig hinter etwas herrennen zu müssen, das ich (insbesondere in meinem Alter) nie wieder erreichen kann.

LG, Archibald

PS:
Arbeit für Sozialhilfe ist entwürdigend (weil völlig unzureichender Dumping"lohn", weiterhin Behördenterror etc....) und zählt somit nicht als Arbeit die ernsthaft mit Menschenwürde korrelieren kann.
 

Paolo_Pinkel

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Aber, aber. Wie unken die relativierenden Lohnschreiber hier ständig, wenn es zu Vergleichen mit der braunen Vorzeit kommt?
 

HajoDF

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Wieso braun?
Die Geschichte der Armenverfolgung reicht in Deutschland bis ins Jahr 1600 zurück, als in Bremen und Hamburg die ersten Armenhäuser gebaut wurden.
Die danach entstehende gesellschaftliche Stigmatisierung findet ihren Niederschlag in folgender Festrede:
Hier lesen

Wenn man diese Rede gelesen hat, weiß man nicht mehr, in welcher Zeit man gerade lebt.

Der rote Sozialdarwinismus a la SPD ist nur eine Neuauflage des alten Gedankengutes. Allerdings hat man die Zielgruppe erheblich erweitert:
alle Arbeitslose, alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern, Rentner und Kranke.
Der Strafcharakter des SGB I, II und XII ist beispiellos in der deutschen Geschichte und bei mehr als 1 Mill Sanktionen kann man getrost von der Massenvernichtung einer Minderheit ausgehen.

Der alte Wahlspruch der Ostfriesen feiert berechtigte Gültigkeit:
Die Antwort auf Eala Frya Fresena ist im ostfriesischen Niederdeutsch der Ausruf Lever dood as Slaav (Lieber tot als Sklave). Letzterer Ausspruch ist auf Nordfriesisch Lewer duad üs Slav zugleich Wahlspruch im nordfriesischen Wappen.
Quelle
 

Paolo_Pinkel

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@ HajoDF

Mangels Danke-Button:icon_klatsch::icon_daumen: Insbesondere das hier
Der Strafcharakter des SGB I, II und XII ist beispiellos in der deutschen Geschichte und bei mehr als 1 Mill Sanktionen kann man getrost von der Massenvernichtung einer Minderheit ausgehen.
trifft es auf den Punkt. Es passiert eben nicht mehr so brachial wie "damals", sondern man entledigt sich der überflüssigen längerfristig still und leise.
 
E

ExitUser

Gast
Hallo HajoDF,

der Begriff "Armenhäusler" ist in meiner Heimatstadt immer noch ein fester Begriff um die Menschen zu verorten, die bis heute in den Armen- und Notunterkünften (Behelfshäuser in der Nachkriegszeit errichtet) leben, oder wieder dort einquartiert werden. So ist das drinnen, ich finde das mehr als bezeichnend!

LG von Barbara
 

Paolo_Pinkel

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Heute nennt man das auch "Ghettoisierung" und findet meist am Standrand statt (Gentrifizierung).
 
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