themenabend "psychopathen" morgen abend bei arte (1 Betrachter)

Betrachter - Thema (Registriert: 0, Gäste: 1)

Status
Für weitere Antworten geschlossen.

mo

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
8 März 2006
Beiträge
91
Bewertungen
0
und um das mal zusammenfassend darzustellen, packe ich ausnahmsweise den ganzen blogbeitrag rein:

passend nicht nur zum beitrag über simulierte welten und soziopathen, sondern auch zu vielen anderen hier im blog, bringt arte morgen eine art themenabend zur psychopathie, für die ich weiterhin lieber den passenderen (und unbelasteteren) begriff soziopathie bevorzuge:

"Sie missachten gesellschaftliche Regeln und Erwartungen ohne Schuldgefühl und Reue, kennen kein Gewissen, enttäuschen und verletzen ihre Mitmenschen. Dabei wirken sie auf den ersten Blick äußerst charmant und einnehmend. Die Rede ist von Psychopathen, die ein böses Spiel mit ihrer Umgebung treiben, ohne gleich kriminell oder sadistisch zu sein. Der Themenabend spürt den Grenzen zwischen krank und gesund nach und beschreibt die subtile Bedrohung, die von Psychopathen ausgeht."(...)

und der abend beginnt zunächst mit einem
alten bekannten, nämlich dem talentierten mr. ripley - wenn die verfilmung, die ich noch nicht kenne, gleichfalls so überzeugend wie das buch von patricia highsmith sein sollte, ist das ein passender einstieg. wobei ich die ankündigung der nachfolgenden dokumentation noch interessanter finde:

(...)"Filmemacher Ian Walker hat Sam Vaknin begleitet, einen Menschen, der von sich selbst behauptet "größenwahnsinnig, abstoßend, widersprüchlich, skrupellos, unberechenbar und unzuverlässig" zu sein. Im Gegensatz zu den meisten Psychopathen möchte Vaknin seinem Wesen auf die Spur kommen und wissen, warum er sich nur für sich selbst interessiert und bereit ist, sowohl sich als auch andere zu verletzen oder gar zu zerstören.

"Ich bin ein Psychopath", behauptet Sam Vaknin von sich selbst. Aber ein schlechter Mensch ist er in seinen Augen nicht. Es interessiert ihn bloß nichts - außer es geht um ihn selbst. Er hat wie viele Psychopathen mit Charme und großer Manipulationskraft einige Menschenleben aus dem Gleis geworfen. Und er hat die Extreme einer sozial überaus unverträglichen Existenz durchlebt, die erfolgreichen Seiten und die Abgründe des zerstörerischen Wesens am eigenen Körper erfahren sowie seine Mitmenschen erfahren lassen.

Doch im Gegensatz zu vielen seiner Wesensgenossen will Sam Vaknin Sicherheit über seine Diagnose von Wissenschaftlerseite. Wurde er wirklich ohne Gewissen geboren? Der australische Dokumentarfilmer Ian Walker begleitet Sam Vaknin und seine stets leidende, aber immer loyale Ehefrau Lidija bei der Suche nach der Antwort. Die Reise führt tief hinein in das Denken und Fühlen eines Psychopathen."(...)

das dürfte nicht nur ein tipp für alle allgemein an den menschlichen möglichkeiten interessierten sein, sondern speziell für alle, die wissen möchten, wie relevante teile unserer gesellschaftlichen "eliten" so ticken. und wer über aufzeichnungsmöglichkeiten verfügt, sollte diese speziell bei der doku laufen lassen. ich bin jedenfalls sehr gespannt und finde es erfreulich, dass das thema derart endlich mal eine größere öffentlichkeit erfährt.
 
E

ExitUser

Gast
Wenns eine Themenwoche ist, könnte einiges der dokus eventuell auf arte +7 kommen ARTE+7 Home - ARTE+7

Äußerst interessantes Thema jedenfalls, danke für den Hinweis.

Gruss
Emily
 

Kaleika

Redaktion
Redaktion
Mitglied seit
20 August 2006
Beiträge
4.132
Bewertungen
367
Ich bin ein Psychopath - Infos - TV Movie.de

19. Apr. 2009 ... ARTE, 19.04.2009, 22:30 Uhr / Ich bin ein Psychopath - Dokumentarfilm. ... "Ich bin ein Psychopath", behauptet Sam Vaknin von sich selbst. ...
Fernsehprogramm - Fernsehen TV Programm - TV Movie.debin-ein-Psychopath.84.0.html?&detail=12087854&wref=rss - vor 11 Stunden gefunden - Ähnliche Seiten
So, jetzt auch mal den Sendetermin.

Kaleika
 

mo

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
8 März 2006
Beiträge
91
Bewertungen
0
danke an kaleika, auch wenn der sendetermin im ersten beitrag schin verlinkt war.

ein blogupdate mit einer ersten rezension der dokumentation von ian walker enthält am ende übrigens noch die wiederholungstermine der nächsten tage:

(...) der film von ian walker hat zumindest für mich im goßen und ganzen das gehalten, was die ankündigung versprochen hat - die rücksichtlosigkeit (die in solchen fällen gerne mit "aufrichtigkeit" verwechselt wird) und dreistigkeit des sam vaknin wurde an vielen entscheidenden punkten aufschlußreich eingefangen; ebenfalls die elementare lieblosigkeit, mit der vaknin die sog. "beziehung" führt - seine charakterisierung der frau als u.a. "weißes blatt papier" (welches er dann beschreibt), macht seine selbst- und fremdwahrnehmung bzw. besser die defekte in dieser mehr als deutlich.

interessant auch seine anfängliche selbststilisierung als narzisst (mit der er im übrigen durch sein buch noch geld verdient), die erst im laufe der im film dokumentierten psychiatrisch-neurologischen untersuchungen widerlegt wird - er ist tatsächlich ein klinischer soziopath, was die erste begutachtende psychologin und v.a. der psychoanalytiker an der zweiten station nicht bestätigen wollten, was vermutlich größtenteils mit an den denk- und diagnosemodellen liegt, die beide angewendet haben. walker hat aber primär durch den einsatz seiner versteckten kamera auch deutlich gemacht, dass eigentlich erst der alltägliche umgang mit soziopathen die ganze destruktive wirkung solcher leute deutlich macht; und dementsprechend überhaupt erst dann der entsprechende diagnostische verdacht aufkommen kann.

neu war für mich immerhin die relative sicherheit bei der diagnosestellung, die sich durch den kombinierten einsatz von hirnscans und testverfahren wie dem von robert hare ergibt - das (anscheinend) sehr selbstsichere auftreten, der durchaus vorhandene (wenn auch meist verletzende witz) in kombination mit der als-ob-aufrichtigkeit und der rätselhaften wirkung des soziopathischen "charmes" machen es tatsächlich sehr schwer, hinter dieser maske die extrem kranke und krankmachende persönlichkeitsstruktur zu erkennen. da dürfte dann viel von dem gelten, was im ersten teil des eingangs verlinkten blogbeitrags zu als-ob-persönlichkeiten an zitaten von j.e. mertz zu der von ihm so genannten "psychoallergischen reaktion" zu lesen ist - die zeichen der eigenen wahrnehmung im umgang mit soziopathen bleiben meist so subtil, dass sich das "normale" gegenüber dann eher in irritationen und ausufernder selbstreflexion verliert, was dann für den soziopathen bei seinem treiben erleichternd wirkt.

beklemmend das verzweifelte klammern der ehefrau an ihrem konstruierten bild des "geliebten", welches auch durch die bestätigte diagnose nicht gestoppt werden kann. noch beklemmender aber die darstellung dessen, wie soziopathen anhand körperlicher bewegungsmuster opferpersönlichkeiten identifizieren können.

die bezüge zum öffentlichen leben, v.a. der rolle von soziopathen in der ökonomie, waren zwar vorhanden, wurden aber meiner meinung nach zu beiläufig abgehandelt. dabei ist einer entscheidenden frage nach dem sehen dieser doku eigentlich überhaupt nicht mehr auszuweichen: wie viele solcher leute sind in führungspositionen in politik, wirtschaft und militär unterwegs? wenn man sich das treiben in diesen bereichen so betrachtet, kann die antwort nur niederschmetternd sein.

und auch zu einer alten streifrage hier im blog möchte ich noch was sagen: oberflächlich weist vaknin sicher zunächst überhaupt keine züge auf, die irgendwie als autistisch verstanden werden könnten. wenn man als zentrales und definitorisches merkmal von autismus jedoch weitgehende bis totale störungen der beziehungsfähigkeiten ansieht, ist er in meiner wahrnehmung ein gutes beispiel für strukturellen und simulationsfähigen autismus, wie er eben von mertz beschrieben wird.

die dokumentation wird bei arte zweimal in den nächsten tagen wiederholt: am 24.04. um 9.55 h morgens, und am 27.04. um 03.00 h morgens.
 
Status
Für weitere Antworten geschlossen.
Oben Unten