Testlauf „Hartz IV“ 1927 - 1933

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wolliohne

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Im Übrigen sei darauf verwiesen, dass die derzeit als „Hartz IV“ propagierten Maßnahmen nicht neu sind.

Bereits zwischen 1927 und 1933 wurden derartige Maßnahmen in Deutschland umgesetzt. Die mit derartigen Maßnahmen zu erreichenden Effekte sind somit seit vielen Jahrzehnten bekannt und treten bereits wieder ein (z.B. Milliarden-Überschüsse bei der Bundesagentur für Arbeit, Senkung der Beiträge für die Arbeitslosenversicherung, Verschärfung der Anspruchsvoraussetzungen für Leistungen, etc.). Genau wie damals.
https://doku.iab.de/mittab/1982/1982_3_MittAB_Adamy_Steffen.pdf
 
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Gast
Im Übrigen sei darauf verwiesen, dass die derzeit als „Hartz IV“ propagierten Maßnahmen nicht neu sind.

Bereits zwischen 1927 und 1933 wurden derartige Maßnahmen in Deutschland umgesetzt. Die mit derartigen Maßnahmen zu erreichenden Effekte sind somit seit vielen Jahrzehnten bekannt und treten bereits wieder ein (z.B. Milliarden-Überschüsse bei der Bundesagentur für Arbeit, Senkung der Beiträge für die Arbeitslosenversicherung, Verschärfung der Anspruchsvoraussetzungen für Leistungen, etc.). Genau wie damals.
https://doku.iab.de/mittab/1982/1982_3_MittAB_Adamy_Steffen.pdf

Seite 12 und 13
4.3 Aufhebung des Versicherungsprinzips unter v. Papen
(2. 6. 1932 - 2. 12. 1932)

Der endgültige Todesstoß gegen das formal noch aufrechter-
haltene Versicherungsprinzip erfolgte dann am 14. Juni 1932
im Rahmen der ,Notverordnung über Maßnahmen zur
Erhaltung der Arbeitslosenhilfe und der Sozialversicherung
sowie zur Erleichterung der Wohlfahrtslasten der Gemein-
den‘. Dabei war es nicht einmal mehr die Notverordnung
selbst, die die konkreten Sparmaßnahmen vorschrieb; sie
,begnügte‘ sich vielmehr, der Reichsregierung die Ermächti-
gung zu übertragen, die Arbeitslosenunterstützung auf das
Niveau der Krisenfürsorge zu senken, die Bedürftigkeits-
prüfung auch für Versicherungsleistungen einzuführen und
Beitragsüberschüsse für andere Unterstützungssysteme zu
verwenden.

Mit den Ausführungsverordnungen wurden die Unterstüt-
zungsleistungen um 25 % teilweise sogar bis zu 30 %
gesenkt. Anspruch auf diese abgesenkten Versicherungslei-
stungen bestand lediglich noch für 6 Wochen. Danach setzte
ebenso wie in der Krisenfürsorge eine Prüfung der ,Hilfsbe-
dürftigkeit‘ ein, die nunmehr nach den verschärften kommu-
nalen Fürsorgegrundsätzen erfolgte. Soweit diese Bedürftig-
keitsprüfung nach der Übergangsfrist von 6 Wochen über-
haupt zur Leistungsberechtigung führte, sank „die Unter-
stützung für die Ledigen der oberen Lohnklassen zum Teil
auf ein armseliges Drittel, bei Verheirateten zum Teil um 40
bis 50%“.


Auch in der Krisenfürsorge wurde das Prinzip der Hilfsbe-
dürftigkeit eingeführt. Zudem wurden die Unterstützungs-
sätze um mindestens 10 Prozentpunkte gesenkt. Obergrenze
der Unterstützungsleistungen wurde das Leistungsniveau
der kommunalen Sozialfürsorge, das seinerseits um weitere
15% reduziert wurde. Im Einzelfall konnte diese Ober-
grenze sogar noch unterschritten werden, da sich die Lei-
stungsgewährung in Arbeitslosenversicherung und Krisen-
fürsorge nach wie vor am Lohnklassensystem orientierte.
Die Sozialdemontage hatte eine Stufe erreicht, auf der das
Lohnklassensystem sogar eine Absenkung der Unterstüt-
zungsleistungen noch unter das Niveau der Armenfürsorge
ermöglichte.


Damit hatte das Sicherungssystem eine prinzipielle Ände-
rung erfahren: Dem Gesetzgeber war es gelungen „den
Wünschen (!?) nach einer möglichsten Anpassung der Lei-
stungen und Voraussetzungen seiner Arbeitslosenhilfe an
die öffentliche Fürsorge ... zu entsprechen“, so daß sich
– trotz der formalen Trennung von Arbeitslosenversiche-
rung, Krisenfürsorge und Armenfürsorge – die Absicherung
„nicht mehr grundsätzlich von der Armenfürsorge der Vor-
kriegszeit unterscheidet“.

Damit waren die Unterstützungsleistungen um 15% unter
das bisherige Niveau der kommunalen Sozialfürsorge gedrückt.

Die bereits in der ersten Bewährungsprobe angelegte
Hinwendung zum Fürsorgeprinzip
fand so ihren ,krönenden‘ Abschluß.
Auch das
verbliebene privatwirtschaftliche Versicherungsprinzip des
AVAVG wurde zerstört; lediglich die Beitragsverpflichtung
blieb erhalten. Insgesamt sollten die Leistungseinschnitte zu
folgenden Einsparungen führen: (Vgl. Tabelle 4)
Mangels Masse konnte das nun folgende Kabinett v. Schlei-
cher in der ,Arbeitslosenversicherung‘ keinen weiteren
Sozialabbau mehr exerzieren.
 

galadriel

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wolliohne schrieb: die derzeit (gemeint ist damit heute)propagierte.....

Die gleiche Sozialreform - nur dass sie heute anders heißt. :eek: ?
 
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wolliohne schrieb: die derzeit (gemeint ist damit heute)propagierte.....

Die gleiche Sozialreform - nur dass sie heute anders heißt. :eek: ?
Dafür war dieser verantwortlich:
Gustav Hartz

(nicht verwandt und nicht verschwägert)



In seinem Werk Neue Wege in der Sozialpolitik und der Weg zur sozialen Freiheit präsentierte Hartz bereits 1929 die Idee, Arbeitslosengeld und Sozialhilfe zusammenzulegen[1]. Erst 76 Jahre später (2005) wurde diese Idee durch die nach seinem Namensvetter Peter Hartz benannten Hartz-IV Reformen verwirklicht.
Quelle

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gerda52

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Aber damals war der Peter Hartz ja noch gar nicht geboren. Wie sollte man denn da eine Sozialreform nach ihm benannt haben können?
Hat man das oder wird nicht eher andersherum ein Schuh daraus?

Die Kommission rund um Peter Hartz wird die modernen (modernde) Dienstleistungen am Arbeitsmarkt den alten Rezeptbüchern entnommen und lediglich neu verpackt haben.

Auch bei der vorbereitenden Marketingkampagne wurde ja tief in die alte Mottenkiste gegriffen.
 

gerda52

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Hamburgeryn meinte:
Dafür war dieser verantwortlich:

Gustav Hartz

(nicht verwandt und nicht verschwägert)

Der Name Hartz scheint Programm zu sein, man sollte die Herkunft mal erforschen.

Kostensteigerungen und Krisenerscheinungen des Sozialversicherungssystems führte Hartz auf die demografische Alterung zurück: "Diese ›Vergreisung‹ unseres Volkes hat eine dauernd steigende Zahl der Rentner und eine fortgesetzt steigende Rentenzahlungsdauer und absinkenden Beitragseingang im Gefolge." Man erlebe gerade das Vorspiel einer Tragödie, meinte Hartz weiter: "In einer Reihe von Jahren sind nicht mehr genug junge beitragszahlende Menschen da, die in der Lage sind, die Summen aufzubringen, die zur Ernährung einer immer größer werdenden Zahl von Alten und Invaliden nötig werden." Entweder müssten die Beiträge um nahezu das Doppelte steigen oder die Renten um etwa die Hälfte sinken. Betrachtet man den gegenwärtigen Demografie-Diskurs und die damit verbundenen Horrorszenarien, wirkt Gustav Hartz einmal mehr ausgesprochen modern.

Gustav Hartz klagte über "die Bleigewichte des Bürokratismus" und forderte eine Abkehr von dem Glauben, "daß der Staat alles selber machen muß". Einer seiner Lieblingsbegriffe hieß "Reform". Als möglicher Ausweg erschien Hartz der Aufbau individuell-familiärer Vorsorge, gekoppelt an die Pflicht zur "eigenverantwortlichen Selbsthilfe". Von den Erwerbslosen sprach Gustav Hartz - in gewisser Weise entsprechende Gedanken seines berühmten Namensvetters vorwegnehmend - als "Kunden" (noch in Anführungszeichen), die sich nach ihrer Entlassung "sofort bei der Arbeitsvermittlung zu melden" hätten, damit diese sie kennen lerne und "die beste Kontrolle" habe.

Quelle
 

physicus

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AW: Testlauf „Hartz IV“ 1927 - 1933

Bereits zwischen 1927 und 1933 wurden derartige Maßnahmen in Deutschland umgesetzt. Die mit derartigen Maßnahmen zu erreichenden Effekte sind somit seit vielen Jahrzehnten bekannt und treten bereits wieder ein (z.B. Milliarden-Überschüsse bei der Bundesagentur für Arbeit, Senkung der Beiträge für die Arbeitslosenversicherung, Verschärfung der Anspruchsvoraussetzungen für Leistungen, etc.). Genau wie damals

und als der mist dann so richtig am dampfen war, wissen wir doch alle was 1933 passierte.

mfg physicus
 
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Gast
und als der mist dann so richtig am dampfen war, wissen wir doch alle was 1933 passierte.

mfg physicus
Gegen Ende der zwanziger, Anfang der dreißiger Jahre rückte Gustav Hartz politisch immer weiter nach rechts. Gleichermaßen den "sozialdemokratischen Marxismus" wie das "bolschewistische Chaos" fürchtend, suchte er das Heil nunmehr in einem "zum Kampfe auf Leben und Tod bereite(n) Nationalismus" und einem faschistischen Ständestaat nach italienischem Vorbild.
Quelle: siehe gerda52 #7

LG :icon_smile:
 

Clint

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Dafür war dieser verantwortlich:
Gustav Hartz

(nicht verwandt und nicht verschwägert)





Quelle

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Tja wenn mir im Geschichtsbuch ein ***** übern Weg liefe, nicht verwandt nicht verschwägert... und der dann Schweine an den Laternenpfählen hochziehen will. (Les Aristocrates ala lanterne)
Tja da würd ich glatt in meinem jugendlichem Leichtsinn ihm alles nachplappern.

LG

Clint
 
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