☎️ Telefonische Zusage nach Bewerbungsverfahren (wissenschaftliche Mitarbeiterstelle + Promotion an Uni), dann ABBRUCH (2 Betrachter)

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discobill

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Habe mich am 03.01.2020 auf eine Stellenausschreibung an einer Universität in Niedersachsen beworben. Stellenausschreibung: Wissenschaftlicher Mitarbeiter (50% Stelle). Expose für ein Promotionsvorhaben war erwünscht. Bin seit längerem arbeitssuchend, aber bekomme keine Transferzahlungen von der Arbeitsagentur seit Ablauf von ALG I.

  • 30.01.2020 – Bekomme eine formellen Einladung per Email zu einem Bewerbungsgespräch am 13.02.2020.

  • Erstelle von der Picke auf ein Expose für ein Promotionsvorhaben unter großem zeitlichen Aufwand.

  • 13.02.2020 – Teilnahme am Bewerbungsgespräch (nur zwei Personen anwesend am Bewerbungsgespräch; Reisekosten aus eigener Tasche gezahlt, insgesamt 17 Std. Hin- und Rückfahrt).

  • 27.02.2020 – Bekomme einen Telefonanruf von der Professurvertretung, die verantwortlich für das Bewerbungsverfahren und Promotionsbetreuung ist und das Bewerbungsgespräch geleitet hat: Die Entscheidung sei zu meinen Gunsten ausgefallen. Meine Freundin saß neben mir und konnte das Gespräch mithören. Bekomme Bedenkzeit zum Antworten bis zum 03.03.2020.

  • 03.03.2020/ Vormittag – Werde von der selben Professorin angerufen. Ich bestätige die Stelle anzunehmen. Telefonat dauert ca. noch eine Stunde an bzgl. Planungen zum Antritt der Stelle und inhaltlichem Aufbaus einer Lehrveranstaltung etc.

  • 03.03.2020/ Nachmittag – Selbige Professorin ruft an und teilt mir mit, dass es seitens der Verwaltung Einwände gegeben hat. Falls mein Abschlusszeugnis (Magister Artium) nicht mit min. der Note 2,0 ausgezeichnet ist, sei eine Anstellung nicht möglich, weil keine Promotion möglich sei und eine Promotion an die Stelle gebunden sei. Sie werde sich aber um eine Sonderregelung bemühen, da ich keinen 2,0 Abschluss habe.

    In der Stellenausschreibung gab es nirgendwo einen Hinweis auf eine “Mindestnote“. Ansonsten hätte ich mich nie beworben und hätte auch kein Expose erstellt.

  • 04.03.2020 – Erhalt einer Email mit genau diesem Wortlaut “… können Sie Ihre Noten sowie eine Zusammenfassung Ihrer Veröffentlichungen schicken“.

    Habe meine Noten im Hauptstudium recherchiert und darauf verwiesen dass ich keine Veröffentlichungen habe, da ich seit meinem Abschluss vor ca. 10 Jahren in der Privatwirtschaft/ Non-Profit Bereich tätig war. Zumeist sind solche Publikationen/Studien nicht öffentlich.

    In der Stellenausschreibung gab es keinen Hinweis auf die Notwendigkeit von Veröffentlichungen.
    Im Bewerbungsgespräch habe ich explizit auf die Publikationsthematik hingewiesen. Es war bekannt.

  • 18.03.2020 – Die selbige Professorin ruft mich an und erteilt mir telefonisch eine „Absage“, ohne ein Wort über Ihre mündliche Zusagen zu verlieren. Sie weist auf die Promotionsverordnung der Universität hin, einen Beschluss eines Promotionsausschusses, dessen Mitglied Sie jetzt auf einmal ist und verlagert unverschämt das Gespräch auf meine “schlechten Noten“ und fehlenden Publikationen in renommierten wissenschaftlichen Zeitschriften. Das sehr unangenehme Gespräch endet.

  • 20.03.2020 –Erhalte eine Email mit folgendem Wortlaut:
    „Sehr geehrter Herr X, nochmals vielen Dank für Ihre Bewerbung und das angenehme und informative Gespräch am 13.02.2020.

    Nach eingehender Beratung ist die Auswahlkommission zu der Auffassung gelangt, dass in keinem Fall eine vollständige Übereinstimmung zwischen Anforderungsprofil der Universität und Kompetenzprofil der Bewerberinnen und Bewerber vorliegt. Wir haben uns daher entschieden, das Auswahlverfahren abzubrechen und die Stelle neu auszuschreiben.

    Wir bedauern, Ihnen keine günstigere Nachricht mitteilen zu können und hoffen, dass Sie bald eine Ihren Vorstellungen entsprechende Aufgabe finden werden. Für Ihre Bemühungen im Zusammenhang mit der Bewerbung danken wir Ihnen und wünschen Ihnen für Ihre weitere berufliche Zukunft alles Gute. Mit freundlichen Grüßen…“

Fühle mich sehr mies behandelt. Seit drei Wochen total niedergeschlagen. Habe inzwischen eine gute Arbeitsgelegenheit ausgeschlagen aufgrund der falschen mündlichen Zusage. Am meisten bedaure ich die vergangene Chance zur Promotion. Was kann ich machen?
 

Birt1959

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Da Dir klugscheißern nichts nutzt - ich würde die Stelle abhaken und daraus lernen. Denn Du hättest Dich auf der Homepage der Uni oder per Google klug machen können, in dem du die Promotionsordnung durchgeschaut hättest. Die veröffentlicht jede Uni.

Wenn Du die Stelle trotzdem haben willst, einen Anwalt einschalten und die Stelle einklagen. Jede Uni hat Ombudspersonen im wissenschaftlichen Bereich, die Du oder der Anwalt kontaktieren und eine genaue Erklärung für die Besetzung der Promotionsstellen erbitten können. Ob das was bringt, bezweifele ich aber.

Wie alt bist Du, denn Magister-Titel werden ja schon einige Zeit nicht mehr vergeben. Auch damit kann ein guter Rechtsanwalt eventuell zusammen mit der telefonischen Zusage etwas anfangen. Wobei die im ÖD eigentlich sehr selten vorkommt, es sei denn das Arbeitsangebot ist entweder schon per Mail oder per Post unterwegs. Auch kann der Anwalt m.E. nur wegen Alter etwas stricken, wenn die Promotionsordnung tatsächlich keine Durchschnittsnote besser als "gut" voraussetzt und Du zwischen dem Magister und heute irgendwie wissenschaftlich unterwegs warst. Manche Unis berücksichtigen Kindererziehungszeiten als verständliche Auszeit, die nicht den wissenschaftlichen Werdegang negativ beeinflusst, manche sehen das anders.
 

discobill

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Danke für Ihr Kommentar...

Mein Alter = 43, männlich, in BRD geboren, keine Kinder

In der Promotionsordnung dieser Universität ist der Mindestnotendurchschnitt explizit mit "2,0" angegeben.
Aber auch eine Ausnahmeregelung ist gegeben für Promotionsinteressenten aus dem außeruniversitären Umfeld, wenn Veröffentlichungen nachgewiesen werden können.

Die Stelle einklagen: Was für Juristen kommen hier in Frage? Irgendwelche Tipps? Kontakte?
 

avrschmitz

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Was für Juristen kommen hier in Frage?
Ich würde sagen Fachanwalt für Verwaltungsrecht. Kann mir nicht vorstellen dass es ein FA für Arbeitsrecht wäre. Gefühlsmäßig glaube ich nicht, dass die Erfolgsaussichten besonders gross sind. Aber ein vernünftiger Anwalt wird das schon beurteilen können.
 

Birt1959

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Danke für Ihr Kommentar...

Mein Alter = 43, männlich, in BRD geboren, keine Kinder

In der Promotionsordnung dieser Universität ist der Mindestnotendurchschnitt explizit mit "2,0" angegeben.
Aber auch eine Ausnahmeregelung ist gegeben für Promotionsinteressenten aus dem außeruniversitären Umfeld, wenn Veröffentlichungen nachgewiesen werden können.

Die Stelle einklagen: Was für Juristen kommen hier in Frage? Irgendwelche Tipps? Kontakte?
Wenn es darum geht, die Stelle einzuklagen, ist ein Arbeitsrechtler sicher nicht die falsche Adresse. Da die Uni aber auch eine Behörde ist, kommt das Verwaltungsrecht mit ins Spiel, da hat @avrschmitz recht. Von den Hochschulgesetzen von Bund und Ländern mal ganz zu schweigen. Es gibt Anwält*innen für Arbeitsrecht, die sich auf Auseinandersetzungen mit Behörden spezialisiert haben. Die wären in Ihrem Fall wahrscheinlich die beste Adresse.

Mich beschleicht bezüglich des Alters die Ahnung, dass ein*e jünger*e Masterabsolvent*in genehmer war. Wenn aber aus der Absage dies nicht hervorgeht, wird sich die beste Jurist*in schwertun, daraus einen Verstoß gegen das AGG herzuleiten.

Wenn ich ganz ehrlich sein darf: Ich würde mich allen Ernstes fragen, ob ein frühestens mit 45 Jahren erworbener Doktortitel die Karriere noch befeuern würde. Auch, wenn so ein Titel dem Ego ungemein schmeichelt, wäre es vielleicht sinnvoller, sich nach Alternativen umzuschauen und die gemachte Erfahrung abzuhaken.

Ein Beispiel zum Nachdenken: Mein Doktorvater starb bevor ich mit der Doktorarbeit fertig wurde. Ich habe ca. 1 Jahr jemanden gesucht, der*die bereit gewesen wäre, die Arbeit weiterzubetreuen. Da ich niemanden fand und ich dann auch ein Stück über 30 war, beherzigte ich den Rat eines Studienberaters: Für Sie ist rein altersmäßig nach der Promotion im Hochschulbetrieb Schluss, überlegen Sie sich eine andere Karrierestrategie als weiter nach einem Doktorvater oder einer Doktormutter zu suchen. Ich wandte mich dann verstärkt der Tätigkeit als Übersetzerin zu und arbeite nun schon mehr als 25 Jahre in dem Metier, mal als Angestellte, mal als Freiberuflerin. (Ich habe einen Magister in Anglistik, Geschichte und kath. Theologie.)
 
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