Teelichter statt Strom

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ethos07

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Jungle World Nr. 49, 6. Dezember 2012 inland

Teelichter statt Strom

Rund 312 000 Privathaushalten und Unternehmen wurde 2011 der Strom abgestellt. Dieses Jahr dürften es noch mehr werden.

von Julian Bernstein


Wenn im Dezember gegen 16 Uhr die Sonne untergeht, ist spätestens der Zeitpunkt gekommen, das Licht anzuschalten. In den Genuss dieser zivilisatorischen Errungenschaft kommt in Deutschland allerdings nicht jeder: Kürzlich berichtete die Taz, der der Entwurf des Monitoring-Berichts 2012 der Bundesnetzagentur vorliegt, von rund 312 000 Privathaushalten und Unternehmen, denen im vergangenen Jahr wegen Zahlungsschwierigkeiten zumindest zeitweise der Strom abgestellt wurde. ....

... genau erfasst worden ist das Problem bisher nicht. Es spricht jedoch einiges dafür, dass die Zahl steigt.
...

Unter welchen Umständen Energieunternehmen ihren Kunden die Stromversorgung kappen dürfen, ist in Paragraph 19 der Stromgrundversorgungsverordnung (StromGVV) geregelt. Eine Sperre ist nicht zulässig, wenn »die Folgen der Unterbrechung außer Verhältnis zur Schwere der Zuwiderhandlung stehen«. Dieser Passus gewährt immerhin Haushalten, in denen sich unter anderem Kranke, Behinderte, Schwangere oder – wie in den beiden Unglücksfällen – Kinder befinden, einen gewissen Schutz. Allerdings muss sich der Stromversorger nicht eigenständig hiernach erkundigen.

Doch selbst wenn den Unternehmen diese Tatsachen bekannt sind, werden sie häufig »großzügig ignoriert«, wie Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher im Gespräch mit der Jungle World betont. Der Verein betreibt eine »Dokumentationsstelle für Energieunrecht« und macht besonders perfide Fälle publik. Im vergangenen Jahr beispielsweise haben die Stadtwerke Kassel einem sehbehinderten Familienvater den Strom abgestellt, obwohl sie über die Lebenssituation der Familie genau informiert waren.

Wehren kann man sich zumindest in solchen Fällen mit einer einstweiligen Verfügung. Der Bund der Energieverbraucher hat hierfür Formschreiben online gestellt und bietet im Notfall auch Beratungen an. Gilt man nicht als »Härtefall« und hat der Versorger keine formalen Fehler gemacht – eine Stromsperre muss vier Wochen vorher angekündigt werden, und drei Werktage vor der Sperre ist eine zusätzliche Warnung nötig –, besteht noch die Möglichkeit, eine Ratenzahlung vorzuschlagen. Denn theoretisch sind die Unternehmen laut StromGVV dazu verpflichtet, eine Sperre zu unterlassen, sofern der »Kunde darlegt, dass hinreichende Aussicht besteht, dass er seinen Verpflichtungen nachkommt«. Das liegt allerdings im Ermessen des Anbieters.

Hartz-IV-Bezieher haben noch die Möglichkeit, beim Jobcenter ein Darlehen zu beantragen, das als sogenannte »Kann-Regelung« in aller Regel auch bewilligt wird. Hierdurch wird das Problem jedoch nur vertagt, denn das Darlehen wird in den folgenden Monaten vom Hartz-IV-Satz wieder abgezogen, mit dem ja die zukünftigen Abschläge bezahlt werden müssen. Wem finanziell ohnehin das Wasser bis zum Hals steht, der dürfte sich damit schwertun. Kaum zu bezahlen sind auch die Gebühren, wenn einem der Strom letztlich gesperrt wird: Einige Unternehmen berechnen ihren Kunden zusätzlich zu den Mahnkosten eine aberwitzige Sperr- und Entsperrgebühr von mehreren Hundert Euro.

....



Auch den Stromversorgern selbst scheint die immer häufigere Zahlungsunfähigkeit ihrer Kunden mittlerweile Sorgen zu bereiten. Derzeit *erprobt man in Deutschland neue Erlösmodelle, die an südafrikanische Townships erinnern: In einigen Städten stellen Stromanbieter ihren säumigen Kunden nun Prepaid-Stromzähler zur Verfügung – selbstverständlich als soziale Maßnahme. Die Stadtwerke im saarländischen Völk*lingen bauen derzeit tausend dieser Stromzähler ein. Zuvor habe man bereits 400 Kunden die Stromversorgung kappen müssen, was nun verhindert würde, wie der Geschäftsführer gegen*über der Lokalpresse mitteilte. Außerdem könne so garantiert werden, dass den Haushalten Strom zur Verfügung stehe, wenn er dringend benötigt werde – zum Beispiel, wenn ein Säugling im Haus*halt sei.

jungle-world.com - Archiv - 49/2012 - Inland - Immer mehr Haushalte ohne Strom
 

BlackForest

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...oder wenn er bei einem windigen discounter gelandet ist. Diese Fälle zeigt die Statistik natürlich nicht.
 
E

ExitUser

Gast
Ich fände es schöner eine Monatliche Rechnung zu bekommen wie beim Telefon...mir kann keiner sagen das das Technisch nicht machbar wäre in der heutigen Zeit .
 
G

Gelöschtes Mitglied 28343

Gast
Die Stadtwerke im saarländischen Völk*lingen bauen derzeit tausend dieser Stromzähler ein. Zuvor habe man bereits 400 Kunden die Stromversorgung kappen müssen, was nun verhindert würde, wie der Geschäftsführer gegen*über der Lokalpresse mitteilte. Außerdem könne so garantiert werden, dass den Haushalten Strom zur Verfügung stehe, wenn er dringend benötigt werde – zum Beispiel, wenn ein Säugling im Haus*halt sei.

Der Strom wird abgestellt, weil der Abschlag nicht bezahlt wird/ werden kann. Weiteres mal aussen vorgelassen frage ich mich:

Wenn ich schon den Abschlag nicht (komplett) zahlen kann, wie soll ich dann nicht vorhandenes Geld in den Stromzähler stecken, um täglich den benötigten Strom (hier das Bsp. mit dem Säugling) zu haben? Irgendwann ist das Geld, was ich dafür habe, alle und die restlichen Tage bleibt der Strom aus.

Ich weiss, dass Strom bezahlt werden muss. Bei den jährlichen Erhöhungen wird das zur Gänze aber irgendwann unmöglich sein.
 
G

gast_

Gast
Ich fände es schöner eine Monatliche Rechnung zu bekommen wie beim Telefon...mir kann keiner sagen das das Technisch nicht machbar wäre in der heutigen Zeit .
Es ist machbar: Ich bekomme sie immer, wenn ich meinen Zählerstand online mitteile. Mehrmals im Jahr tue ich das auch...so hatte ich noch nie eine größere Nachzahlung.
 
E

ExitUser

Gast
Der Strom wird abgestellt, weil der Abschlag nicht bezahlt wird/ werden kann. Weiteres mal aussen vorgelassen frage ich mich:

Wenn ich schon den Abschlag nicht (komplett) zahlen kann, wie soll ich dann nicht vorhandenes Geld in den Stromzähler stecken, um täglich den benötigten Strom (hier das Bsp. mit dem Säugling) zu haben? Irgendwann ist das Geld, was ich dafür habe, alle und die restlichen Tage bleibt der Strom aus.

Ich weiss, dass Strom bezahlt werden muss. Bei den jährlichen Erhöhungen wird das zur Gänze aber irgendwann unmöglich sein.

Ich kenne diese Methode noch aus den 70er dann wird eben nur dann 50 cent eingeworfen wenn man zb. kochen möchte.Kühlschrank oä. ist dann nicht machbar ...oder Papa möchte Sport schauen dann wird mal Geld ein geschmissen ...ansonsten bleibt es dunkel im Karton .
Wir entwickeln uns zurück dann werden wieder Küchenhexen aufgestellt und die Wäsche im Topf gemacht .
 

saida25

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Also: Nichts genaues weiß man nicht.

Ja, es gibt Menschen, denen wird der Strom abgestellt. Und?


und................wenn ein Jobcenter-Mitarbeiter nicht rechtzeitig agiert, was verschlammt,
obwohl er schriftlich sowie mündlich davon in Kenntnis gesetzt wurde und
die Stromnachzahlung als Darlehen übernommen werden sollte (per Ratenzahlung), dann ist..............

angesagt: Kühlelemente (sofern vorhanden) in die Kühltasche packen.
Restliche Lebensmittel aus dem Kühlschrank in die Kühltasche legen.

Freunde suchen, die die Lebensmittel aus dem Gefrierschrank
zeitweise übernehmen.

Kerzen und Taschenlampen bereitlegen!!!

Kinder beruhigen!!! Und und und :icon_mued:
 

ethos07

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Anhang anzeigen 64958

... und noch immer , meldeten die Berliner Medien kürzlich, dass vielen Menschen in Berlin der Strom abgestellt wurde, weil es ihnen logischerweise erst einmal 'wichtiger' war, die Miete und das Essen zu bezahlen als den Strom...

und [ironie on] Herr Sozialsenator Czaja gab sich ob dieser Zahlen höchst verwundert, weshalb es denn plötzlich so viele seien, wo doch dank seiner weitsichtigen WAV die Zwangsumzüge nicht so massenhaft eingetreten seien wie von den Iniativen an die Wand gemalt...
Ok, der Sozialsenat hat, wenn ich mich richtig erinnere, alle jene Mieter, die ohne Gerichtsvollzieher schon im Vorfeld einer Räumung 'freiwillig' ausziehen, wohl nicht mitgezählt. Und auch all jene nicht, die bereits beengt bei Verwandten und Freunden eingezogen sind, weil es keine freien Wohnungen zu den Berliner WAV-Sätzen gibt.


Wer also teilnehmen möchte am Ratschlag am kommendne Wochenende in der TU-Berlin, wo es um Wege von unten aus der Misere der Berliner Stadtentwicklung ingesamt geht, schaue sich die angegebene Website für alle weiteren Infos dazu an: Art und Weise dieses Wochenendes, Ort, Zeiten und Wegbeschreibung :wink:.
 

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Sind Teelichter jetzt sooo billig geworden? Dann stelle ich meine Energieversorgung um.
 

jockel

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Die Stromabschaltungen in bedürftigen Haushalten nehmen auch zu, weil die Raffgier der Strommonopolisten weiter steigt und grenzenlos ist - dank der EEG-Richtlinie und der Kostenverschonung der großíndustriellen Stromverschwender, weil die Lebenshaltungskosten für alle Arten von Verbrauchsgüter explodieren und die Verharzten nicht über fette Diäten und andere Nebeneinkünfte verfügen.

Diese Sorgen hat unsere Politik-, Banken- und Wirtschaftselite freilich nicht.

Alle bundesdeutsche Menschenwürde nur der Elite und nie den Untertanen.
 

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Die Stromabschaltungen in bedürftigen Haushalten nehmen auch zu, weil die Raffgier der Strommonopolisten weiter steigt und grenzenlos ist - dank der EEG-Richtlinie und der Kostenverschonung der großíndustriellen Stromverschwender, weil die Lebenshaltungskosten für alle Arten von Verbrauchsgüter explodieren und die Verharzten nicht über fette Diäten und andere Nebeneinkünfte verfügen.

Diese Sorgen hat unsere Politik-, Banken- und Wirtschaftselite freilich nicht.

Alle bundesdeutsche Menschenwürde nur der Elite und nie den Untertanen.

Rechnungen bezahlen finde ich jetzt auch nicht gerade lustig.

Was mein Stromverbrauch (Energie generell) mit dem Politiklimbim zu tun hat, weiß ich jetzt nicht und zweitens: Wer zwingt mich den Strom nur bei Monopolisten zu kaufen? Bequem mag es ja sein....daraus kann man aber keinen Zwang ableiten.
 

jockel

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Ich kenne diese Methode noch aus den 70er dann wird eben nur dann 50 cent eingeworfen wenn man zb. kochen möchte.Kühlschrank oä. ist dann nicht machbar ...oder Papa möchte Sport schauen dann wird mal Geld ein geschmissen ...ansonsten bleibt es dunkel im Karton .
Wir entwickeln uns zurück dann werden wieder Küchenhexen aufgestellt und die Wäsche im Topf gemacht .

Dem superreichen Vatikan hatte der Konzern Solarworld im Auftrage des CDU-Ministerpräsidenden Tillich eine supergeile Solidarange geschenkt und für umsonst installiert.

Für arbeitslos und arm Gemachte gibt es nicht für umsonst Stromversorgung dieser neuen Art.

Solarstrom für den Vatikan: Photovoltaikanlage auf päpstlicher Audienzhalle eingeweiht

Wer hat Stromhilfe nötiger?
 

jockel

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Rechnungen bezahlen finde ich jetzt auch nicht gerade lustig.

Was mein Stromverbrauch (Energie generell) mit dem Politiklimbim zu tun hat, weiß ich jetzt nicht und zweitens: Wer zwingt mich den Strom nur bei Monopolisten zu kaufen? Bequem mag es ja sein....daraus kann man aber keinen Zwang ableiten.

In wieviel kleinen Stromversorgerbuden von Kommunen stecken gleich abgelegte Töchterfirmen der Strommonopolisten Eon, EnBW, RWE, Vattenfall, ohne sich erkennen zu geben?

Stromversorgung ist immer ein Politikum, egal wie man es dreht und wendet.
 

0zymandias

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Ich glaube, es heißt Solaranlage und nicht Solidarangel.
 

jockel

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Ich glaube, es heißt Solaranlage und nicht Solidarangel.

Hast recht wegen des Tippfehlers. Meine Augen sind auch nicht mehr die Besten und habe auch keine Lust den niedergelassenen (Augen-)ärzten ständig hier oder da was an Zutahlung auf die Kralle zu legen.

In gewisser Weise stimmts aber doch. Politiker aus der Ideologieecke CDU und katholische Kirche verstehen sich prächtig auf Kosten der Untertanen. Wird die eine Sorte Machthaber aufs Korn genommen, wird sie von der anderen Sorte Macht geschützt - eben solidarisches Verhalten.
 

0zymandias

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War auch nicht als Generalkritik gemeint :biggrin:

Genau genommen halte ich es für einen traumhaft guten Vertipper aus der Gattung Freud, wie Du scheinbar auch. :biggrin:
 
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