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wolliohne

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#1
Peter Mühlbauer 08.04.2009

Interview mit Alexander Dill zu den Verantwortlichen für die Weltwirtschaftskrise

Der Soziologe Alexander Dill entwickelte mit dem "Global Freeware Index" eine Alternative zum Bruttosozialprodukt, in der auch humane, soziale und natürliche Ressourcen in die Berechnung des Volkseinkommens eingehen. Nun hat er mit"Der große Raubzug" ein Buch über die Finanzkrise veröffentlicht, in dem er einer ganzen akademischen Disziplin kollektives Versagen bescheinigt und darlegt, wie "im Windschatten der Weltfinanzkrise die Staatskassen geplündert werden".




TP: Systemische Korruption
 
E

ExitUser

Gast
#2
Sehr guter Ansatz, meines Erachtens. Volkswirtschaft war in meiner Ausbildung bei vorheriger Kenntnis der tatsächlichen Gegebenheiten in der Lebenspraxis auch das einzige Fach, bei dem ich regelmäßig zum Brechen hätte den Klassenraum verlassen können. In einer Theorie in welcher Mensch lediglich einer von drei Produktionsfaktoren ist, kann kein menschengerechtes geschweige denn nachhaltiges oder gar "humanes" Wirtschaften möglich sein.

Alexander Dill: Die Volkswirtschaft hat diese fast religiösen Paradigmen vertreten - dass es also im Markt nach Angebot und Nachfrage eine Selbstregelung gibt; dass wir durch die Globalisierung in einem Wettbewerb stehen, dem wir uns anpassen müssen; und dass der Mensch immer nur nach Eigennutz handelt. Solche Paradigmen, die nie in Frage gestellt wurden, sind in der Wachstumsphase nie hinterfragt worden und jetzt, wo das Ganze kaputt geht, muss man sie hinterfragen. Und deshalb ist die Disziplin insgesamt in Frage zu stellen.
Die Vorstellung, dass eine Wirtschaft überhaupt auf Wachstum basieren kann, ist schon einmal als Allererstes als Grundlage der Paradigmen in Frage zu stellen. Dann hat der Staat, auch in dieser Lehre, die Aufgabe, die Rahmenbedingungen durch Gesetzgebung zu setzen, und auf die Wirtschaft regulierend einzuwirken - im Regelfall durch antizyklisches Marktverhalten. Nichts davon ist geschehen, so dass man wirklich sagen kann dass die Verantwortlichen grundsätzlich ihr Klassenziel verfehlt haben. Da muss mensch sich schon fragen, wie die vorher ihre Abschlüsse gemacht haben, und wieder einmal das ganze Bildungssystem gleich mit in Frage stellen!

Auch das kommt dabei heraus, wenn völlig praxisferne Wichtigtuer ("wie stelle ich mich möglichst wichtig nach aussen dar und blocke konstruktive Kritik im Vorfeld ab" scheint eine der Hauptdisziplinen in den derzeit gängigen Studienfächern zu sein) in Positionen vorgelassen werden, in welchen sie eine Macht haben mit welcher sie keinesfalls umgehen können, und vor allem: Nicht dafür verantwortlich sind, sprich negative Folgen ihres Handelns in Ordnung bringen müssen.

Früher hiess es mal: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, sprich, alles muss mensch eben, und zwar von Grund auf, lernen. Daran ist bis heute nichts falsch, nur dass es offenbar nicht "schick" ist noch etwas zu lernen oder falsch eingeschlagene Kurse zu korrigieren. Trotz allem Geschwätz von lebenslangem Lernen, das anscheinend für per Herkunft Etablierte nicht zu gelten scheint. Die fallen nämlich anscheinend vom Himmel oder bilden sich das zumindest ein.


Emily
 
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