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Gast
  Th.Starter/in  
#1
Wer sich in die Welt der Privatsender verfängt, wird ein perverses Bildungsfernsehen finden, ein Zurichtungsfernsehen, das direkt auf das Leben von Menschen abzielt

Mit ernsten Mienen sitzen die Experten um den runden Tisch und beratschlagen, was am besten für eine sei. Der Fitnesstrainer ist entsetzt: schrecklich außer Form, also ausdauernd laufen, viel Workout. Der Schönheitschirurg überlegt: Erst ein kleiner Schnitt in die Brust, ein Implantatchen, straffen, dann Fettabsaugen an Bauch und Po, ebenfalls straffen, und später noch die Oberschenkel in Form bringen. Die Psychologin wägt ab: Selbstbewusstsein im Keller, Komplexe über Komplexe, daher intensives Motivationscoaching, zur Entspannung Qigong. Der Zahnarzt lächelt: erstens Zähne regulieren, zweitens Zahnfleischerneuerung, drittens bleichen. Die Ernährungsberaterin entscheidet: Diät, Schonkost, überdies Schluss mit dem Rauchen. Die Experten haben gesprochen. Sie sind sich einig, wie aus einem hässlichen und niedergeschlagenen Entlein ein prächtiger Schwan werden kann. Damit es niemand vergisst, wird das So-nicht-Bild der Umzumodelnden auf den Bildschirm projiziert. Die Problemzonen sind rot eingekreist, daneben werden stichwortartig die Behandlungsmethoden aufgelistet.
Wer sich einmal in der Vormittagswelt der deutschen Privatsender verfängt, wird in dieser Form der Blendung und wechselseitigen Verblendung etwas anderes finden: ein Zurichtungsfernsehen, das direkt aufs Leben zielt, ein im Wortsinne perverses Bildungsfernsehen. Pervers heißt ja nichts anderes, als sich zum Mittel eines heterogenen Zwecks zu machen. Dieser Zweck ist die kapitalistische Verwertung, die Aneignung fremder Arbeitskraft und -zeit, von Wissen und, wie man heute sagt, sozialer wie emotionaler Intelligenz. Unter dem Bildungsauftrag, den die privaten von den staatlichen Sendern übernommen und in einen streng ökonomischen verwandelt haben, heißt das: Einschulung via Telekommunikation ins Mittelwerden, Installierung von Selbstkontrolle, Einübung in den Konformismus. Dieser Bildung geht es um das genaue Gegenteil von Entfaltung, Kontakt zu sich oder zweckfreiem Aneignen von Kultur und Wissen, um sich von heterogenen Zwängen zu emanzipieren.

.......

Aufstieg in die nächste Runde
Ich kann Kanzler geht nun einen Schritt weiter. Nach Biopolitik im perversen Bildungsfernsehen wird neuerdings im Zweiten Deutschen Fernsehen vorgeblich ein neuer, unverbrauchter Politiker gesucht. Der Kandidat steht vor einem Pult, hinter ihm hängt der "hässliche Vogel" (Heine), der deutsche Adler. In den Plenarbänken sitzen drei Viertelintellektuelle, und wer nicht ohnehin schon als Affirmierer der Ziele der heute geplanten Zukunft kommt, hat mit Günther Jauchs hochgezogener Braue zu rechnen. Die Kandidatin hat Rede und Antwort zu stehen, bevor sie in gestoppten fünfundvierzig Sekunden ihr Konzept für Deutschland darlegen soll. In der Sendung geht es in Wirklichkeit um das genaue Gegenteil von Politik: um Verwaltung des Bestehenden, um den gemeinsamen Schwur, dass eine andere Organisation der Arbeit und des Lebens weder möglich noch wünschenswert sei.
Man sucht nicht einmal einen deutschen Obama, geschweige denn einen Marx oder Lenin. Man sucht Pragmatiker, die sich noch hingebungsvoller der Ideologie der Märkte, der Eigenverantwortung und Flexibilität hingeben als die herrschende Nichtpolitik. Der Theologiestudent, der klug für ein Grundeinkommen plädiert, wird der Lächerlichkeit preisgegeben. Wer soll das bezahlen? Wer würde noch arbeiten, wenn er ohnehin achthundert Euro pro Monat bekäme? (An der Frage sieht man für gewöhnlich am besten, wie beseelt die Unermüdlichen von dem sind, was sie rund um die Uhr tun.) So nimmt es nicht wunder, dass gerade eine alleinerziehende Mutter von vier Kindern, die Hartz IV bezieht, sofort von allen drei Jurymitglieder ein Ja zum Aufstieg in die nächste Runde bekommt, nachdem sie darlegte, man solle nicht jammern, man könne auch von Hartz IV leben, man müsse halt die Ansprüche herunterfahren. Auf die Frage, wie sie zu dieser bewundernswerten Einstellung gekommen sei, antwortete sie, durch ihre Erfahrungen auf dem Arbeitsamt, wo sie das unbändige Gefühl überkommen sei, die Menschen wachrütteln zu wollen. Nachfrage: Wen? Die Menschen auf den Gängen oder die in den Büros? Die Kanzlerkandidatin zögert keine Sekunde: die Menschen auf den Gängen! (Clemens Berger, DER STANDARD; Printausgabe, Album, 22./23.8.2009)
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