*Studie* Zwangsräumungen und die Krise des Hilfesystems in Berlin (1 Betrachter)

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Atze Knorke

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An die Forumsrunde,

der (Schatten)Blick auf ein menschenverachtendes System und dessen Ausmass - nicht nur eine Berliner Krise - europaweit verlieren die Menschen ihren Lebensmittelpunkt - dennoch ist die *Studie* ein sozialpolitischer Spiegel in 'alternativlosen' Zeiten.

So gesehen wird eine schleichende Enteignung und Absenkung des Regelsatzes durch die Hintertür betrieben und auf Dauer ist die KdU-Zuzahlung aus dem Regelsatz nicht durchzuhalten, denn wie die Studie auch nachweist, kann man schon mit dem vollem Regelsatz nicht menschenwürdig leben. Ganz zu schweigen davon, wenn die Sanktionskeule ("ich darf Gott spielen") von den Behörden gnadelos zum Einsatz gebracht wird.

Quelle: Zwangsräumungen und die Krise des Hilfesystems in Berlin ? Presseportal

Pressemitteilung

Die Studie gibt Einblicke in das Elend der Zwangsräumungen und die Überforderung des Hilfesystems

Kündigungen, Räumungsklagen und Zwangsräumungen haben sich in weiten Teilen des Berliner Wohnungsmarktes zu Instrumenten der Ertragssteigerung entwickelt. Mit deutlichen Mietanstiegen bei Bestandswohnungen und der Neuvermietung ist für Bewohnerinnen und Bewohner nicht nur die Gefahr von Mietrückständen gestiegen, sondern vor allem die Räumungsneigung von Vermieterinnen und Vermietern. Insbesondere in Gebieten mit großen Ertragslücken zwischen den Bestandsmieten und einem möglichen Anstieg der Miete bei Neuvermietung werden Räumungsklagen konsequenter umgesetzt. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) haben nun in einer neuen Studie das Ausmaß und die räumliche Verteilung von erzwungenen Umzügen und Zwangsräumungen sowie die Funktionsweisen und Wirksamkeit der sozialstaatlichen Hilfs- und Unterstützungsangebote in Berlin untersucht.

Die mit der Studie gegebenen Einblicke in das Elend der Zwangsräumungen und die Überforderung des sozialstaatlichen Hilfesystems für von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen, aber auch in das Geschäft mit der Wohnungslosigkeit zeigen, dass ein grundsätzlicher Systemwechsel in der Wohnungs- und Sozialpolitik notwendig ist. Eine würdige Wohnung sollte kein Privileg, sondern ein Recht für alle sein.

Methodologisch ging das Forschungsteam unter der Leitung des Stadtsoziologen Andrej Holm am Institut für Sozialwissenschaften der HU wie folgt vor: Zum einen wurden zwangsräumungsbezogene Informationen zu Mietrückständen, Räumungsklagen und festgesetzten Räumungsterminen gesammelt und mit wohnungswirtschaftlichen Daten, wie etwa der Mietpreisentwicklung, in Verbindung gesetzt. Zum anderen wurden zwischen Januar und September 2014 insgesamt 26 Interviews mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Bezirksämtern, Jobcentern, freien Trägern, kommunalen Wohnungsbaugesellschaften und Personen, die zwangsgeräumt wurden oder von einer Räumung bedroht waren, geführt.

Sowohl die Zahlen zu bezirklichen Mietschuldenübernahmen, zu Vermittlungen in das vom Berliner Senat für Wohnungsnotfälle bereit gestellte “Geschützte Marktsegment” sowie zur Unterbringung von Wohnungslosen in Notunterkünften als auch die Aussagen von Interviewpartnerinnen und -partnern bilden ein weitgehendes Scheitern des sozialstaatlichen Hilfesystems. In Folge des Sparzwangs in den Bezirken, wird der Kostendruck auf die Haushalte in Wohnungsnotlagen abgewälzt. Gesellschaftlich ohnehin schon diskriminierte Bevölkerungsgruppen haben es auch im Hilfesystem schwerer, eine gleichwertige Unterstützung wie die privilegierteren Personengruppen zu erhalten.

Vor dem Hintergrund von steigenden Mieten, einer wachsenden Einkommensarmut und vor allem mit den sichtbaren Protesten gegen Verdrängung ist in Berlin das öffentliche Interesse am Thema Zwangsräumungen in den letzten Jahren jedoch deutlich gestiegen. Die Studie „Zwangsräumungen und die Krise des Hilfesystems“ versteht sich als Beitrag zu einer öffentlichen Auseinandersetzung mit den Ursachen und Auswirkungen von Zwangsräumungen.

Die Studie zum Download:


https://u.hu-berlin.de/studie-zr
Kontakt

Dr. Andrej Holm
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Sozialwissenschaften
Tel.: 030 2093-4205
a.holm@sowi.hu-berlin.de


Pressemitteilung vom 23.04.2015, erstellt von Ibou Diop
Vieles aufbereitet in diesem Blog: https://gentrificationblog.wordpress.com/

Dabei wollen wir nicht in diesem Zusammenhang vergessen:

LabourNet Germany: Treffpunkt für Ungehorsame, mit und ohne Job, basisnah, gesellschaftskritisch » Buch: Zwangsräumungen verhindern. Ob Nuriye ob Kalle, wir bleiben alle.

(https://www.elo-forum.org/news-diskussionen-tagespresse/147610-studie-beteiligung-berliner-jc-gentrifizierung.html)

Dem Menschenrecht mit Würde nach bezahlbarem Wohnen MUSS Rechnung getragen werden, denn sonst ist der soziale Frieden in Gefahr!
 

Dagegen72

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Da es zum Thema passt wollte ich es hier noch mal erwähnen:

Herr Kalle Gerigk sollte auch aus seiner Wohnung raus, was man alles im Internet nachlesen kann. Er weigerte sich bis zuletzt, schaffte es nicht und es entstand in Köln wo das alles war einen Inititative daraus. Dank eines Unterstützers und der Initiative "Alle für Kalle" fand er dann eine Wohnung in der selben Straße, was gut war, da er sein vertrautes Umfeld nicht gern verlassen wollte. In seinem Kampf gegen die Zwangsräumen, den er leider verlor, aber nicht den Kampf in seiner Straße bleiben zu können - fing es an, dass er auch "der Mietrebell" genannt wurde.

Er wurde von Die Linke unterstütz, ist jetzt wohl auch Mitglied bei Die Linke , was ich über das Internet erfahre.

Hier auf der Seite der Erwerbsloseninititiative Köln kann man was über ihn lesen, sowie ganz viel im Internet allgemein. Der Artikel vom 22. April 2017 "Gegen Gentrifizierung und Mietenwahnsinn"

Kalle Gerigk ? Linke Erwerbslosenorganisation Köln

Artikel aufgerufen:

Gegen Gentrifizierung und Mietenwahnsinn ? Linke Erwerbslosenorganisation Köln
 

Atze Knorke

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@Dagegen72 zur Info:

Dieser prominente Fall, sehr öffentlichkeitswirksam "Kalle für alle" ist nicht atypisch mit einem SGB II/SGB XII-Fall zu vergleichen und seit 2014 schon ein Altfall. Und der kleine Unterschied: Kalle war/ist erwerbstätig.

Private Vermieter - Eigenbedarf - neuer Eigentümer - Immobilienmakler und solange Gerichte für die Eigentümer entscheiden, ist die Lage klar, man MUSS für den Wohnprofit weichen.

Nach der Zwangsräumung:
Nach Zwangsräumung: Zurück im Agnesviertel: So lebt ?Kalle? in seiner neuen Wohnung | Express.de

Die Mehrheit der MieterInnen (Mittelschicht) muss noch mehr davon betroffen werden, damit sie endlich begreifen, dass Wohnung eine ganz besondere Ware ist.

Wieviele Menschen unter uns haben gravierende existenzvernichtende Wohnraumprobleme?

https://wohnraumfueralle.noblogs.org/

https://www.sozialismus.info/2014/05/mieten-explodieren-mieterinnen-auch-2/

Und dagegen dieser Fall aus 2013, der mit "Tödlicher Verelendung" von Rosemarie F. sein Zwangsräumungsende fand:
https://jasminrevolution.wordpress.com/2013/04/23/hartz-iv-terror-totung-durch-zwangsraumung/

https://www.heise.de/tp/news/Tod-nach-Zwangsraeumung-2006932.html

Wir schreiben jetzt den 25. April 2017 und was hat sich zu Gunsten der einkommensschwachen Menschen geändert?

Die zynische Politik geht weiter, was kümmert mich anderer Menschen Elend.
 

Atze Knorke

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An die Forumsrunde,

zum "atypischen Kölner-Fall", dem Wohnungsamtsmitarbeiter Kalle Gerigk:
Detail Bewegungen[tt_news]=60699&tx_ttnews[backPid]=7&cHash=bbb1a0514e

(Soziales - Rubik "Soziales" -)
 
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