Stigma Hartz4: Muss man sich heute noch immer schämen Leistungsbezieher zu sein?

Stigma Hartz4: Muss man sich heute noch immer schämen Leistungbezieher zu sein?


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  • Relaxo

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    Ist das SGB dahingehend ein Stigma?

    Das SGB II ist ein Stigma. Politiker und Medien trugen ihren Teil dazu bei. Schlimm genug, dass einige Politiker nicht wegen Volksverhetzung dran glauben mussten.
    exkrement Imunität. Von parlamentarischer freier Rede und Meinungsfreiheit sind viele Aussagen m. E. nicht gedeckt, sondern starfbewehrt.
    Die meisten kennen es bestimmt:

    § 130 StGB Volksverhetzung
    1) Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören,
    1. gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung zum Hass aufstachelt,
    2. die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er eine vorbezeichnete Gruppe, Teile der Bevölkerung oder einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet,
    wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

    (2) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer
    a) zum Hass gegen eine in Absatz 1 Nummer 1 bezeichnete Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer in Absatz 1 Nummer 1 bezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung aufstachelt,
    c) die Menschenwürde von in Buchstabe a genannten Personen oder Personenmehrheiten dadurch angreift, dass diese beschimpft, böswillig verächtlich gemacht oder verleumdet werden oder

    Keinerlei Rücktrittsforderungen. Nich mal von DIE LINKE. Bartsch hatte sich wenigstens öffentlich entschuldigt. Peinlich und enttäuschend war es dennoch.

    Hat jemand reale Erfahrungen in Sachen Benachteiligung durch Hartz IV gemacht.

    Klar, denn uninformierte, unkritische Bürger haben sich ja massenhaft beeinflussen lassen und das Feindbild "Hartz 4 Schmarotzer" dankend angenommen.
    Auf die Psychologie die dahinter steckt muss ich sicher nicht eingehen.
    Zwar werden immer mal wieder zusätzliche Feindbilder durch's Dorf getrieben (Flüchtlinge) aber die Hartz4 Hetze, bzw. Denke über diese Menschen ist längst nicht ausgerottet. Corona ändert da zwar einiges, aber das wird bald wieder vergessen sein, falls sich die Situation entschärft. Spätestens dann.
    Oder es wir künftig genauer nachgefragt welchen Grund der H4 Bezug hat und dann innerhalb H4-Beziehern unterschieden in die bösen die selbst schuld sind und die guten, die bedauert werden.

    So lange die Privatisierung von Staatsaufgaben (Krankenhäuser, Energieversorgung, ÖPNV,...) voran getrieben wird und der Staat seine Pflichten (Finanzmittel für Feuerwehr, Schulen, sozialer Wohnungsbau) nicht erfüllt. Sich die Politik nach Lobbyismus und Wirtschaft richtet, Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden, Nebentätigkeiten und Unternehmensbeteiligungen, Aufsichtsratstätigkeiten von eigentlich hauptberuflichen Abgeordneten zulässig sind, VW und Co. die uns beschissen haben Millionen Unterstützungsgelder bekommen, trotz Gewinnen in Milliardenhöhe, Möglichkeiten zur Steuervermeidung für Reiche, Umverteilung hin zum Kapital von unten nach oben......usw. herrschen.
    Habe ich weder ein schlechtes Gewissen, noch Scham.
    Eher im Gegenteil. Diese Art der strukturellen Gewalt stachelt doch geradezu dazu auf, das System auszunutzen.
    Wen wundert es dann, wenn der Spruch "Schwarzarbeit ist die Notwehr des kleinen Mannes" auf das entartete kapitalistische System angepasst wird.
    Das macht unsere Welt nicht besser. Im Gegenteil, Lug und Trug, Vorteilsziehung, fehlende Solidarität greift um sich :(

    So lange nicht die ECHTEN SOZIALSCHMAROTZER, wie Steuerflüchtlinge, Steuerhinterzieher, exorbitante Managergehälter, Dumpinglohnzahler, Finanzindustrie, Umweltzerstörer und - ausbeuter an den Pranger kommen und an die Kandarre genommen werden, sehe ich keinen Grund, mich schlecht oder gar minderwertig zu fühlen.

    Was wir brauchen, ist mindestens die Rückkehr zu echter sozialer Marktwirtschaft. Noch besser, eine Zäsur und Reformierung des aktuell herrschenden Kapitalismus.
     

    Falkenflug

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    Hi, CrayonSchlafen,
    es ist richtig das mir das eingeimpft wird/wurde und ich möchte hier nocheinmal die Frage stellen was das soll, so mit Menschen umzugehen?
    Wo ist den der gesellschaftliche Zusammenhalt der die Demokratie ausmacht?
    Ich meine das daß alles nur noch Fassade ist um den oberen Zehntausend die Taschen zu füllen, während der Rest der Bevölkerung sich gegenseitig die Augen auskratzt oder seinen Status krampfhaft verteidigen muss.
    Ich habe durchaus genug Selbstbewusstsein zu unterscheiden, was mir eingeflüstert wird und in welche Lebenslage ich damit gebracht
    werde/ werden soll.
    Ich bin schon länger am überlegen einen Cut zu machen.
    Meine Klage gegen das Arbeitsamt lasse ich laufen ob ich jetzt den Jobcenter wegen derselben Ablehnung auch noch verklagen soll, erscheint mir ein wenig fragwürdig, aber wahrscheinlich werde ich es einfach aus Protest tun, damit die sehen, das sie nicht mit jeden umspringen können wie es ihnen beliebt.
    Und es sollten viel mehr Leute Klage einreichen, einfach um die Jobcenter lahmzulegen, diese handlungsunfähig zu machen bzw. deren Kapazitäten in soviele Klageverfahren einbinden, das die Mitarbeiter der Jobcenter ihre normalen Tätigkeiten nicht mehr ausüben können und kollabieren.
    Vielleicht findet dann ein Umdenken statt!
    Ich tendiere wirklich zu einem Cut in Form von einem Umzug nach Salzgitter in Niedersachsen.
    Die Umzugsgenehmigung habe ich bereits seit mehreren Wochen, ein Angebot für eine Dachwohnung und die Zusage das ALG2 Bezug kein Problem von der Wohnungsbaugesellschaft
    ,,Tag Wohnen" habe ich auch und negative Schufaeinträge bestehen bei mir auch nicht.
    Weiter habe ich das Angebot für die Anmietung eines Gartens, bis 400qm, für eine Abschlagszahlung auf eine marode Hütte von 150.-€ , bei dem Verein stehen wohl schon länger mehrere Gärten leer.
    Salzgitter ist jetzt kein Aufhänger, aber ich brauche kein Halligalli mehr sondern will in Ruhe leben und meine Vorstellungen vom Leben verwirklichen.
    Mit dem Ertrag aus dem Garten, der sich sehr umfangreich gestalten kann, kann ich einen Großteil meiner Ernährung abdecken und das freiwerdende Geld von der Stütze nutzen um z..b. Lehrgänge bei der Deula, die in Hildesheim ausbildet, für Gehölzpflege, Kettensägenlehrgang etc. nutzen und mich im Anschluss als Hausmeister selbständig machen und die Festsetzung im Hartz4 Bezug beenden.
    Ich sehe dies für mich als sinnvolle Alternative an, anstatt mich noch weitere Jahre mit den Verweigerern des Arbeitsamtes und Jobcenter herumzuplagen und Grabenkriege zu führen die letztendlich zu nichts führen werden.
    Denn wer bereitweilig ärztliche Gutachten vom ÄD des Arbeitsamtes vorsätzlich in das Gegenteil verdreht, will nicht qualifizieren, auch wenn nach aussen hin, das blaue vom Himmel herunter gelogen wird.

    Hallo Realo,
    es stimmt das nicht alle Unternehmer Blutsauger sind.
    Es gibt Unternehmer die ihre Mitarbeiter prozentual am Gewinn beteiligen oder einfach echt gutes Gehalt zahlen.
    Das Fatale an der Sache ist das die, die ihren Mitarbeitern den Stiefel in den Nacken stellen, größere Handlungsspielräume durch Gewinnmaximierung erlangen und den arbeiterfreundlichen Unternehmen die Handlungsspielräume einengen und zu einem Handeln zwingen, das diese selbst nicht wollen aber tun müssen um marktfähig zu bleiben.
     

    Teebaum

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    Qualifizierungen kosten Geld. Wenn der Topf voll ist, muss das Geld auch raus, sonst gibt es in Zukunft weniger. Bei der jüngeren Generation glaube ich, dass die lieber sparen und denken dafür gibt es Pluspunkte und der Topf wird immer weniger. Ist eine Haushaltssperre aktiv, ist erst mal Feierabend. Ältere werden oft nach unten geschoben, bei teuren Maßnahmen, da es meistens nichts bringt.
     

    Relaxo

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    Und es sollten viel mehr Leute Klage einreichen, einfach um die Jobcenter lahmzulegen, diese handlungsunfähig zu machen bzw. deren Kapazitäten in soviele Klageverfahren einbinden, das die Mitarbeiter der Jobcenter ihre normalen Tätigkeiten nicht mehr ausüben können und kollabieren.
    Vielleicht findet dann ein Umdenken statt!

    Der Schuss würde in der von dir beschriebenen Konsequenz nach hinten los gehen. Sind die JC lahm gelegt, erhalten die Elos kein Geld, oder verspätet. Und dann?

    Was ich allerdings befürworte, für jede Kleinigkeit (Widerspruch) - auch wenn man sie selbst erledigen kann - Beratungshilfe und Anwalt zu beanspruchen.
    Zwar kann auch das nach hinten los gehen, weil der Gesetzgeber dann versuchen wird, das BRH zu ändern, oder wieder Spezialnormen einführt.
    Auch wenn es ein Urteil des BVerfG gibt, dass Beratungshilfe und Anwalt auch schon in der 1. Instanz und für Widersprüche gerechtfertigt ist.

    Sollen sie doch dafür blechen, wenn sie so schlechte Gesetze machen und die Ämter willkürlich, oft bewusst gesetzeswidrig und schikanös handeln und teileweise den Bürger bewusst anlügen und falsche Auskünfte geben.

    Ein Vorteil könnte sein, man kann dem Elo keine umfangreichen Kenntnisse nachweisen. Es gab schon Urteile, wo es dem Elo nicht gelang Vertrauensschutz, bzw. Fahrlässigkeit, geltend zu machen, da man an Hand der Akte erkennen konnte, dass er sich mit dem SGB II sehr gut auskannte.
    Das betrifft vor allem §§ 48 und 45 SBB X
    Änderungen der Verhältnisse vorsätzlich oder grob fahrlässig nicht nachgekommen ist,
    der Betroffene wusste oder nicht wusste, weil er die erforderliche Sorgfalt in besonders schwerem Maße verletzt hat,
    er die Rechtswidrigkeit des Verwaltungsaktes kannte oder infolge grober Fahrlässigkeit nicht kannte; grobe Fahrlässigkeit liegt vor, wenn der Begünstigte die erforderliche Sorgfalt in besonders schwerem Maße verletzt hat.


    Es kann in vielen Fällen schlauer sein, sich dumm und unwissend zu stellen. So verlockend es auch ist, dem JCn "nette Briefchen" bezüglich Rechtslage und Rechtsprechung zu schicken.
     

    Falkenflug

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    Hallo Relaxo,
    es ist wichtig das sich der mündige Bürger mit den Gesetzen des Sgb2 und gegebenfalls sich mit den verbindenden Gesetzen, auf die die Sachbearbeiter gerne Bezug nehmen- in Verbindung mit Sgb3 oder blablabla- auskennt um zu vermeiden, das die mit einem Schlitten fahren wie sie wollen.
    Obwohl es mir bisher auch nichts gebracht hat, nur jemanden dann einen Strick daraus zu drehen, finde ich schon abgeschmackt.
    Es zeigt sich doch immer wieder, das die uns wie einen Bär an der Kette durch die Manege führen können, bis man ihnen aus der Hand futtert.
    Ich kann Dir sagen, das ich immer alle Termine wahrgenommen habe, mich auf jedes Stellenangebot bewarb und noch nie eine Sanktion erhielt.
    Zuletzt wurde mir ein Stellenangebot als Mitarbeiter in einer Corona Impfhotline zugesendet.
    Da hatte ich nicht unbedingt Bock darauf, aber besser als den ganzen Tag abhängen.
    Jedoch wurde ich nicht genommen, man entschied sich für jemand anderen.

    In Bezug dazu, wenn keine Stütze mehr ausgezahlt werden würde, wäre es doch schön wenn die Leute sich einmal vor den Jobcentern versammeln würden, das die sehen- so können wir nicht weiter machen.
    Alles hat zwei oder mehr Seiten und deswegen gleich den Bethel hinschmeißen, ist doch genau das was die sehen wollen, hat alles keinen Sinn und lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach, deswegen bleiben wir zu Hause und gammeln weiter.
    Wenn der Mensch im Vorfeld seiner Ideen und geplanten Handlungen stets die schlechten Gründe hervorgehoben hätte, wir würden noch Heute in Fellen gekleidet vor dem Feuer in Höhlen sitzen und grunzen.
    Fraglich bleibt die Geisteshaltung der Mitarbeiter/innen der Jobcenter die Willkür walten lassen und wie Du ganz richtig schreibst, falsche Auskünfte erteilen, Schreiben nicht erhalten haben wollen, schlecht bzw. telefonisch gar nicht zu erreichen sind, in
    Offenbach/Hessen erlebte ich es das meine zuständige Sachbearbeiterin zu den angegebenen Zeiten telefonisch nicht erreichbar gewesen ist und der Anrufbeantworter an war, der mir dann erzählte ich soll zu den angegebenen Sprechzeiten anrufen.
    Da komme ich mir so richtig verkackeiert vor.
    Es bleibt ja letztendlich nur der Schluss, das es gewollt ist, das schätzungsweise 10% der Bevölkerung im Sgb2 Bezug oder als Aufstocker im H4 Bezug festgesetzt und mit aller Gewalt darin festgehalten werden.
    Es macht aber auch durchaus, gerade in Hinblick auf den fehlenden und wachsenden Fachkräftemangel, Sinn ältere zu qualifizieren.
    Ich bin 53 und mir Sicherheit kein verkalkter alter arbeitsscheuer Bummelamt und bin vom ÄD des Arbeitsamtes als volltauglich für die angestrebte Maßnahme für eine Umschulung zum Hausmeister eingestuft worden, gerade in Bezug zu vorher erlernten Fähigkeiten im Elektrobereich, Garten und Landschaftsbau, Tischler und als Gebäudereiniger.
    Die Bereichsleitung des Jobcenters schrieb dann im Ablehnungsbescheid, laut Gutachten des ÄD wäre ich überhaupt nicht in der Lage die angestrebte Maßnahme erfolgreich abzuschließen und wenn würde ich sowieso keinen Job mehr bekommen, weil die Konkurrenz zu hoch wäre, die allesamt mehr Berufserfahrung hätten.
    Es gibt immer Argumente eine berufliche Qualifizierung abzulehnen notfalls wird eben gelogen was das Zeug hält.
    Würde flächendeckend qualifiziert werden und Millionen würden aus dem ALG2 Bezug verschwinden, wohin dann mit den ganzen Sachbearbeitern die die Arbeitslosen verwalten?
    Du siehst das daß alles so gewollt ist und Du kannst schreiben bis morgen früh, wenn die Betroffenen nicht aufstehen und handeln bleibt alles beim Alten.
    Beste Grüße,
    and never walking alone...
     

    Realo

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    Ich stimme mit meinem vorposter darin überein, das Qualifikationen unabdingbar sind. Aus eigener Erfahrung kann ich jedoch sagen, dass ich in Absprache mit meiner damaligen sachbearbeiterin relativ schnell eine Schulung fand, die meinen Vorstellungen entsprach. Das Problem hier ist allerdings, das oftmals die Vorstellungen und die Realität auseinanderklaffen. Ich durfte während meines berufslebens mehr als einmal feststellen, dass der Wunsch nach einer bestimmten Qualifikation nicht immer sinnvoll ist. (Weil entweder die vorqualifikation fehlen oder aber eine falsche Vorstellung über das jeweilige tätigkeitsfeld besteht). Ich kenne selbst Leute in meinem Freunden und verwandtenkreis, die einerseits das Leben eines unternehmensberaters interessant finden... Und das auch gerne machen würden... Denen aber die essentiellen Qualifikationen dazu fehlen. (Und es geht hier nicht nur um reine IT Qualifikationen, sondern eben auch um sogenannte Soft-Skills). Aber ich gebe dir recht, das eine Schulung/Qualifikation sie am Ende am arbeitsmarkt vorbei geht sicherlich bullshit ist.
     

    Falkenflug

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    Wahrscheinlich!
    In den 90ern wurde mit Umschulungen nur so um sich geschmissen, Hauptsache die Leute hatten was zu tun.
    Heute hält man die Leute lieber in H4, muss ich mich jetzt schämen?
     

    Buerosklave

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    Wahrscheinlich!
    In den 90ern wurde mit Umschulungen nur so um sich geschmissen, Hauptsache die Leute hatten was zu tun.

    Ein Problem an Umschulungen ist, dass sie ansich oft erst zu spät vergeben werden....und dann gleich inflationär. Ein nettes Beispiel konnte man Anfang der 90er sehen,als hier in den neuen Bundesländern die ganzen Kohleöfen durch Gas/Ölheizungen ersetzt wurden. Damals wurde alles, was einen Schraubenschlüssel halten konnte, zu Heizungsbauern ausgebildet/umgeschult. Nun, die Ersten, die damals ihre Ausbildung/Umschulung beendet haben, hatten noch für 2-3 Jahre Arbeit, aber dann gingen die Aufträge zurück und die Leute flogen wieder raus. Später wurde das alles noch bei anderen Berufen wie CNC-Fachkraft durchgezogen. Ich glaube, das wirkt hinsichtlich Umschulungen heute noch bei den Arbeitsagenturen/JC nach. Will sagen: die AA/JC sind m.E. so zögerlich, weil die Sache mit den Umschulungen in der Vergangenheit nicht sonderlich erfolgreich war. Stattdessen wird die Kohle lieber in irgendwelche Sinnlosmaßnahmen gesteckt, bei denen fürs gleche Geld gleich mehrere Leute aus der Statistik geschönt werden können.
     

    Falkenflug

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    Scheint mir schlüssig, es ist ja auch so daß die H4 Empfänger eben nicht nur die Leute beim Jobcenter beschäftigen, sondern eben auch die Leute bei den ganzen Eingliederungsmaßnahmen, bei
    1 € Job Arbeitsgelegenheiten und was es sonst vielleicht noch so gibt.
    Es ist eine absolut verfehlte Politik die auf den Rücken derer ausgetragen wird, die aus den verschiedensten Gründen durch das Raster gefallen sind und sich nun mit dem H4 Stigma herumplagen dürfen.
    Ein Leben am Rand der Gesellschaft, ohne Spontanität und von Wohl und Weh derer abhängig die nach Aktenlage entscheiden und selbst oftmals vollkommen überlastet sind.
    Mir ist bekannt das so ein MA des Jobcenters tatsächlich 300-400 Leute zu bearbeiten hat und wenn jemand ausfällt, werden dessen Leute auf die restlichen verteilt.
    Wer will da eigentlich noch erwarten, das mit einem vernünftig umgegangen wird.
    Statt dessen wird nach Schema F abgearbeitet und wenn ma' jemand anders entscheidet wird es von der Bereichsleitung wieder gebügelt, damit alles beim Alten bleibt.
    H4 4 Ever, yeah!
     

    TazD

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    Mir ist bekannt das so ein MA des Jobcenters tatsächlich 300-400 Leute zu bearbeiten hat und wenn jemand ausfällt, werden dessen Leute auf die restlichen verteilt.
    Wer will da eigentlich noch erwarten, das mit einem vernünftig umgegangen wird.
    Naja, ganz ehrlich: Ich finde das nicht viel.
    Wenn ich das mal grob überschlage und auf einen Tag runterbreche, dann sind das bei 220 Arbeitstagen im Jahr gut 2 Personen pro Arbeitstag. Selbst wenn ich das jetzt als 400 BG-Nummern ansehe mit einer gewissen Personenanzahl dahinter, dann halte ich das für überschaubar.
    Als Vergleich: Ich bearbeite hier am Gericht um die 1.500 Nachlassfälle pro Jahr plus weitere Aufgabengebiete, die nochmal auf über 500 Akten pro Jahr kommen.

    Wobei das nicht falsch verstanden werden sollte. Die SB haben bestimmt auch genug zu tun, denn der Personalschlüssel in der öffentlichen Hand ist knapp kalkuliert, aber mit ein bisschen Zeit- und Personalmanagment lässt sich das bestimmt auch so steuern, dass ein vernünftiger Umgang möglich ist.
    Ich fertige die Leute in meinen Terminen auch nicht einfach nur ab, sondern sitze hier teilweise mit den Menschen eine Stunde für einen Termin, der im Normalfall 20 Minuten dauert. Gerade weil sich in Nachlasssachen ganz viele Fragen und Unklarheiten offenbaren, die ich im Regelfall beantworten kann.
     

    Relaxo

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    Wobei das nicht falsch verstanden werden sollte. Die SB haben bestimmt auch genug zu tun, denn der Personalschlüssel in der öffentlichen Hand ist knapp kalkuliert,

    Schlimmer, er wird teilweise gar nicht eingehalten. Ich hatte diesbezüglich Anfragen bei einigen JC gestellt und teilweise sogar Antwort erhalten.
    Wobei der Personalschlüssel für U25 am ehesten eingehalten wurde.
     

    Falkenflug

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    Hi TazD,
    die Rechnung geht nicht auf, weil ma'" ja als MA nicht nur 1 Mal im Jahr mit einem Elo' zu tun sondern, durchaus öfters.
    Vielleicht fehlen mir Vergleichsmöglichkeiten, jedoch habe ich mit meinen Fallmanagern- eine für Leistung der andere für Arbeitseingliederung- mehr als zweimal im Jahr zu tun.
    Ich will den Laden gar nicht verteidigen, weil ich in Bezug zu manchen Dingen nichts aber auch gar nichts von deren Verhalten halte.
    Nur fairerweise versuche ich mich auch in die andere Seite hineinzuversetzen!
     

    TazD

    Super-Moderation
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    die Rechnung geht nicht auf, weil ma'" ja als MA nicht nur 1 Mal im Jahr mit einem Elo' zu tun sondern, durchaus öfters.
    Vergleiche hinken immer und es ist nicht so, dass ich einen Nachlassfall einmal auf dem Tisch habe und dann ist der weg. Es gibt Akten, die ich mittlerweile gefühlt auswendig kenne, weil ich die jeden Monat mindestens einmal bei mir liegen habe. Andere Verfahren ziehen sich aufgrund Erbstreitigkeiten oder schwierigen Erbenermittlungen seit Jahren hin.
    Für viele andere Verfahren ist es aufgrund der einzelnen Verfahrensschritte so, dass ich die mehrmals bei mir liegen habe, bis ein Verfahren abgeschlossen ist.

    Nur fairerweise versuche ich mich auch in die andere Seite hineinzuversetzen!
    Deswegen sagte ich ja bereits, dass auch die SB in den JC mit Sicherheit genug zu tun haben, da der Personalschlüssel alles andere als üppig ist. Aber vieles ist eben auch eine Frage der Organisation, was ich auch bei Kolleginnen und Kollegen sehe. Der eine kommt nicht hinterher, während der andere sein Aktenaufkommen bewältigen kann.

    Aber das ist jetzt alles schon ziemlich OffTopic und eigentlich wollte ich nur auf den Punkt eingehen, dass man sich durchaus auch um seine "Kunden" kümmern kann und das eben oftmals an der eigenen Organisation liegt. Neben Akten, Mitglied in der Personalvertretung und ein paar anderen Sachen, erledige ich meinen Job und schreibe auch noch hier. ;)
    Das Problem dürfte im Bereich der SB und beim Stichwort "vernünftig kümmern", wohl eher darin begründet sein, dass der SB auch nur die Jobs anbieten kann, die er zur Verfügung gestellt bekommt.

    Um aber auch mal die eigentliche Frage zu beantworten: "Nein, man muss sich für den Sozialleistungsbezug nicht schämen."
    Wir haben nicht umsonst ein soziales Auffangnetz, was mit Sicherheit an vielen Stellen kritisiert werden kann, was aber auch immer noch besser ist als in vielen anderen vergleichbaren Ländern.
     

    Buerosklave

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    Ich glaube, dass die Mitarbeiter ansich zuviele Kunden haben, um jedem die Zeit widmen zu können, die nötig wäre, damit hätten die wenigsten Erwerbslosen ein Problem. Denn dass die Mitarbeiter nur das vermitteln können, was an Jobs da ist, ist wohl jedem klar. Was zumindest mich weit mehr stört, ist der blinde Aktionismus, den manche Mitarbeiter an den Tag legen und damit ihre Kunden "beschäftigen". Sei es nun in Form irgendwelcher sinnlosen Maßnahmen oder in Form von Vermittlungsvorschlägen, deren Bedingungen man nichtmal ansatzweise erfüllen kann, wo man sich aber dank RFB wie das sprichwörtliche "Sauer Bier" bewerben muss. Mit anderen Worten: ich bin wohl nicht der einzige Kunde, bei dem im Kopf rumschwirrt "Wenn ich sowieso nix für mich tun könnt,dann lasst mich doch einfach in Ruhe!".
     

    chromoxidgruen

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    Natürlich kann man jetzt sagen, niemand hungert in Deutschland und rein theoretisch muss niemand auf der Straße schlafen.
    Doch. Ausbleibende Zahlungen der Jobcenter - durch Sanktionen oder Bürokratie - haben zu Todesfällen durch Verbrennen/Ersticken (weil die Heizung abgestellt war und die Leute versucht haben, mit ungeeigneten Mitteln in der Wohnung Feuer zu machen), Erfrieren (weil Leute obdachlos wurden) und sogar Verhungern geführt. Insbesondere Menschen, die sich schlecht selbst helfen können, sind gefährdet. 3 Beispiele von vielen:
    Ich empfinde die 1980er bis an die Jahrtausendwende als progressiver als den sogenannten Fortschritt der letzten 20 Jahre. [...]
    Die Menschen waren einfach selbstbewusster und nicht so verkniffen wie Heute und das hängt einfach damit zusammen - wer ohne stattliche Unterstützung leben kann, hat nicht das Gefühl abhängig und entmündigt zu sein und gegängelt zu werden.
    Das sehe ich genauso.
    Leute die studiert haben oder sonstige berufliche Qualifikationen darlegen, können mit ,, Start up's" finanzielle Mittel erlangen um durchzustarten.
    Aber vor allem dann wenn sie schon etwas Geld und/oder Vitamin B haben.
    Ich tendiere wirklich zu einem Cut in Form von einem Umzug nach Salzgitter in Niedersachsen.
    Hört sich gut an. Ich drück Dir die Daumen!
    Es bleibt ja letztendlich nur der Schluss, das es gewollt ist, das schätzungsweise 10% der Bevölkerung im Sgb2 Bezug oder als Aufstocker im H4 Bezug festgesetzt und mit aller Gewalt darin festgehalten werden.
    Ja natürlich, das ist der weiter oben erwähnte von Schröder mit voller Absicht eingerichtete Niedriglohnsektor - ein "Geschenk" an die Industrie in D.
     

    chromoxidgruen

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    Zum ursprünglichen Thema: Ich schäme mich überhaupt nicht. Ich wüsste gar nicht wofür.
    Wenn es nach mir geht, dürfen sich aber gern folgende Personengruppen in Grund und Boden schämen:
    1. Die politischen Entscheidenden, welche die Agenda-2010 verbockt haben
    2. Ihre neoliberalen Beratungsleute, die durch diese Einflussnahme mit jahrelanger Vorarbeit die Entsolidarisierung der Gesellschaft zum eigenen Vorteil betrieben haben
    3. Die sonstigen Profitierenden der durch die Agenda-2010 herbeigeführten Ausbeutung, sprich Niedriglohnsektor
    4. Insbesondere aber die Verkörperung der Nutzlosigkeit: die Erwerbslosen- und Armutsindustrie wie z.B. Anbieter von sinnlosen Erwerbslosen-Verwahr-Maßnahmen, 1-EURO-Jobs sowie die ZAFfen, die sich zwischen Firmen und Beschäftigte drängen
    5. Die verblendete Leitung der BA, allen voran die Herren Weise und Scheele
    6. Diejenigen vielen "kleinen Rädchen" in den Behörden, die das Spiel eifrig mitspielen, und die menschenunwürdigen Vorgaben noch übererfüllen
    7. Die abzockerischen Dagobert Ducks, die auf arme und erwerbslose Menschen herabschauen nach dem Motto "Eure Armut kotzt mich an" (wer dagegen durch ehrliche Arbeit zu Geld kommt ohne Ausbeutung und Mauschelei denkt nicht so)
    8. Und letztlich auch diejenigen indoktrinierten Proletarier, die vollkommen mit dem Aggressor indentifiziert sind, stolz zur Schau tragen dass sie sich für wenig Geld ausbeuten lassen, und voller Neid gegen Erwerbslose hetzen
    Alle diese Gruppen zusammen halten das System in seiner jetzigen unmenschlichen Form am Laufen.

    Dass ich mich nicht schäme, heißt aber nicht dass mich die Aggression und Kälte der Gesellschaft immer kalt lässt. Zwar mache ich es auch so, dass ich Leute, die meinen mich aufgrund von Erwerbslosigkeit diskriminieren zu müssen, aus meinem Freundeskreis entsorge, denn das sind keine echten Freunde und waren es auch noch nie. Zu allem Überfluss bin ich noch mit einer entsprechenden Verwandtschaft gesegnet, auch mit denen hab ich keinen Kontakt mehr. Sei es drum.
    Den gehässigen Nachbarn vom Typ "indoktrinierte Proletarier" erzähle ich aber meist gar nichts, oder tische ihnen nebulöse Märchen auf. Nicht weil ich mich schämen würde, sondern weil aus meiner Sicht bei den meisten - leider - Hopfen und Malz verloren ist und ich es einfach für Kraftverschwendung halte, mich an solchen Leuten abzuarbeiten. Was ich mache geht die nix an.

    Bei meinen Bewerbungen kommt das Wort erwerbslos gar nicht vor, erst recht nicht das Wort ALG. Auch hier nicht, weil ich mich schämen würde, sondern aus reinem Kalkül. Aus meiner Erfahrung ist es so, dass wer eingestellt werden will, meist nur die Möglichkeit hat, den Lebenslauf zu schönen. Das geht auch ohne zu lügen, durch Aufplustern und Wichtigmachen bestimmer Punkte. Beispielsweise bin ich jemand, der sich immer mit vielen Dingen beschäftigt. So sind dann schonmal mehrere Monate im Lebenslauf überschrieben mit "Autodaktische Weiterbildung in XYZ". Für kreative Menschen eröffnet sich hier ein breites Betätigungsfeld. :biggrin: Für Frauen mit Kindern z.B. empfiehlt sich, Zeiten ohne Arbeit zu umschreiben mit "Familienmanagement" und dann die haushaltlichen Tätigkeiten richtig aufzublasen. (Das ganze hat ja auch einen wahren Kern: wer einen Haushalt mit mehreren Kindern managen kann, kriegt vermutlich auch den Job hin.) Nichts anderes tun auch die Flop-Manager, die einen fett bezahlten Job nach dem anderen bekommen und selbst ihre Misserfolge noch als Erfolge verkaufen.

    Denn im neoliberalen System wird immer versucht, Verantwortung von oben nach unten zu verschieben. Also wenn irgendwo was schief läuft, verurinieren sich die Chefs aus der Verantwortung und versuchen, den Fehler irgendwelchen Mitarbeitenden anzuhängen. Leute, die in diesem System Karriere machen wollen - also auch die PersonalerInnen -, laufen mit der Herde und schauen dass sie nicht auffallen, damit man ihnen nichts anhängen kann. Falls doch mal was schiefgeht, können sie ihre Hände in Unschuld waschen, weil sie es so gemacht haben wie alle anderen auch. Ein Personaler, der jemanden einstellt in dessen Lebenslauf "erwerbslos" oder (aus seiner Sicht) noch schlimmer "ALG-2" steht, weicht vom Standard ab und macht sich damit angreifbar, falls es daneben gehen sollte. Das tut natürlich niemand. Deshalb halte ich es für kaum möglich, einen einigermaßenen Job zu bekommen mit Offenheit in diesem Punkt.
     
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    Buerosklave

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    Und letztlich auch diejenigen indoktrinierten Proletarier, die vollkommen mit dem Aggressor indentifiziert sind, stolz zur Schau tragen dass sie sich für wenig Geld ausbeuten lassen, und voller Neid gegen Erwerbslose hetzen

    Das würde ich nicht mal unbedingt mit Indoktrination in Verbindung bringen, sondern einfach mit Aggressionen auf der einen und Feigheit auf der anderen Seite. Sprich: sie sind sauer, dass sie trotz Job auch kaum über die Runden kommen, aber zu feige, sich gegen den zu wenden, der dran Schuld ist: ihrem ausbeuterischen Arbeitgeber. Also reagieren sie ihre schlechte Laune an denen ab, die zwar nix damit zu tun haben, aber halt "gerade da sind".


    Den gehässigen Nachbarn vom Typ "indoktrinierte Proletarier" erzähle ich aber meist gar nichts, oder tische ihnen nebulöse Märchen auf. Nicht weil ich mich schämen würde, sondern weil aus meiner Sicht bei den meisten - leider - Hopfen und Malz verloren ist und ich es einfach für Kraftverschwendung halte, mich an solchen Leuten abzuarbeiten. Was ich mache geht die nix an.

    Mach ich genauso. Gerade jetzt bei Corona kann man das sogar recht glaubwürdig tun, da wegen Kurzarbeit und Homeoffice gerade sowieso überdurchschnittlich viele Leute ständig daheim hocken.
    Aus meiner Erfahrung ist es so, dass wer eingestellt werden will, meist nur die Möglichkeit hat, den Lebenslauf zu schönen. Das geht auch ohne zu lügen, durch Aufplustern und Wichtigmachen bestimmer Punkte. Beispielsweise bin ich jemand, der sich immer mit vielen Dingen beschäftigt. So sind dann schonmal mehrere Monate im Lebenslauf überschrieben mit "Autodaktische Weiterbildung in XYZ".

    Ist vielleicht nicht die feine Art, aber klingt immer noch besser als "arbeitslos" schreiben/sagen zu müssen. Ich selbst sage beispielsweise immer über die Zeit, als ich Minijobber in der Firma meiner damaligen Freundin eingestellt war, ganz gerne, dass meine (jetzige) Frau und ich da gemeinsam eine Firma betrieben haben. Ist ja nicht mal gelogen, lediglich die Intensität dessen stimmt nicht so ganz.

    Denn im neoliberalen System wird immer versucht, Verantwortung von oben nach unten zu verschieben. Also wenn irgendwo was schief läuft, verurinieren sich die Chefs aus der Verantwortung und versuchen, den Fehler irgendwelchen Mitarbeitenden anzuhängen.

    Weit schlimmer als Chefs sind in dieser Hinsicht die ganzen Leute, die in der Hierarchie irgendwo zwischen dem kleinen Angestellten und dem Chef hocken. Damit meine ich beispielsweise Abteilungsleiter usw. Wenn man irgendwo einen Job anfängt, wo einem Sprüche wie "Wir sind eine große Familie!" um die Ohren gehauen werden, weißt man schon, in welche Richtung es geht. Denn diese Phrase heißt fast immer: "Erfolge der Abteilung schreibt sich der Abteilungsleiter als seinen ganz persönlichen Verdienst auf die Fahnen und Misserfolge werden dem kleinen Mitarbeiter angehängt.".
     

    chromoxidgruen

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    Das würde ich nicht mal unbedingt mit Indoktrination in Verbindung bringen, sondern einfach mit Aggressionen auf der einen und Feigheit auf der anderen Seite.
    Die Indoktrination bestärkt aber beides. Da sie die Solidarität zerstört und Ellenbogendenken fördert.
    Ist vielleicht nicht die feine Art,
    Würde ich gar nicht mal sagen. Da ich mich ja tatsächlich mit den angegebenen Inhalten befasst habe und z.B. auch Fragen dazu beantworten kann, würde ich sogar sagen dass dies für meine fachliche Qualifikation wichtiger ist als die Frage woher mein Geld kam.
    An den Haaren herbeiziehen sollte man/frau natürlich nichts.
    Weit schlimmer als Chefs sind in dieser Hinsicht die ganzen Leute, die in der Hierarchie irgendwo zwischen dem kleinen Angestellten und dem Chef hocken. Damit meine ich beispielsweise Abteilungsleiter usw.
    Die hatte ich mitgemeint, das sogenannte mittlere Management. Die gern sich als Radfahrer betätigen.
    Wenn man irgendwo einen Job anfängt, wo einem Sprüche wie "Wir sind eine große Familie!" um die Ohren gehauen werden, weißt man schon, in welche Richtung es geht. Denn diese Phrase heißt fast immer: "Erfolge der Abteilung schreibt sich der Abteilungsleiter als seinen ganz persönlichen Verdienst auf die Fahnen und Misserfolge werden dem kleinen Mitarbeiter angehängt.".
    Oft heißt diese Phrase auch: "Sie haben für uns verfügbar zu sein, persönliche Grenzen werden ignoriert." oder "In dieser Firma zählen Dauer der Betriebszugehörigkeit und Bereitschaft zum Gesäßkriechen mehr als Leistung."
     

    Falkenflug

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    Hallo Chromoxidgruen,
    das war mir nicht bekannt, obwohl mir beim Lesen klar wurde, das ich manchmal solche Meldungen hörte, aber es wird nie gesagt, der oder die waren im H4 Bezug.
    Es ist doch erschüttert, wie eiskalt und menschenverachtend die Präzisionsmaschine H4 arbeitet.
    Diese Gründlichkeit erinnert mich an das schwäzeste Kapitel Deutscher Geschichte in der akribisch daran gearbeitet wurde, jeden Gegner des Systems in die Luft zu entsorgen.
    Ich habe schon manchmal über diese Haltung und dieses Tun nachgedacht, es geht anscheinend darum jemand haben zu können den ma' diszen, gängeln und an der Kandare halten kann, auf den Kopf herum trampeln und spucken, in den Allerwertesten treten oder einfach mal den H4 drosselt.
    Auch die Leute die mit ihrer Knechte gerade so über die Runden kommen und sich über die Leute die im H4 Bezug sind monieren sind ganz arme Würstchen.
    Es ist wie der strukturelle Rassismus, hier sind verfestigte Strukturen in den Köpfen der Menschen und mir ist aufgefallen, je weniger vom Kuchen in der breiten Masse verteilt wird, desto ekelhafter werden die Leute.
    Ausser die gehobene Mittelklasse und Oberklasse, die von diesen Zuständen sehr gut profitieren.
    Gerade letztere stellten die Weichen, für die jetzt bestehenden Verhältnisse, denn je mehr die Leute strampeln müssen, desto weniger ist die Position derer in Frage gestellt die diese Verhältnisse haben entstehen lassen.
    Ein klassischer Selbstläufer, den nur eine flächendeckende Bewusstseinsveränderung in der Bevölkerung beenden würde, wenn da das Wörtchen ,, wenn" nicht wäre.
    Ich denke aber das trotz allem, immer noch eine große Zufriedenheit in der Bevölkerung besteht.
    Es gibt noch immer eine große Mehrheit die satt verdient, schätzungsweise
    8-10 Millionen sind Aufstocker oder voll H4 Bezieher.
    Nochmal 10 Millionen verdienen so, das sie gut über die Runden kommen.
    Die anderen 20-24 Millionen sind gut ausgebildet, vom Facharbeiter der seine 3000-4000 Brutto hat über Ärzte,Lehrer, Informatiker...usw und dann die Oberschmarotzer wie Manager, Vorstände, Aktionäre und wie sie alle heißen.
    Das heißt doch wir sind durch den Mangel an finanziellen Möglichkeiten in kleine Handlungsspielräume eingeengt und ich frage mich schon immer wieder, weshalb ich mit Gewalt im H4 Bezug festgehalten werde, mir Bildung verwehrt wird und ich mir mein Recht auf Bildung einklagen muss um nicht den Rest von meiner angeknacksten Gesundheit als Elektrohelfer, Lagerknecht, Regalauffüller oder Gebäudereiniger zu Markte zu tragen.
    Ich wäre auch gerne regelmäßig in den Urlaub gereist, würde gern Mal das eine oder andere Hobby z.b. Tiffany Lampen selbst herstellen, ausüben, Mal eine Sprache lernen, Fallschirm springen oder Drachen fliegen.
    Aber was kann ich mir tatsächlich leisten?
    Nichts!
    Und dann darf ich mir noch die an den Haaren herangezogenen Begründungen einer weltfremden Person aus der Bereichsleitung des Jobcenters hören, warum eine Umschulung nicht möglich ist.
    Es braucht sich dann auch niemand mehr wundern, wenn"s ma' knallt und dann braucht auch niemand mehr die scheinheilige Frage stellen:
    Wie konnte das jetzt nur passieren?
    Die meisten leben dann doch nur in ihrer Wohlstandsdunstglocke in der die gesellschaftlichen Misstöne nur gedämpft bis gar nicht zu hören sind und wenn mal was durchdringt, wird es ganz schnell ausgeblendet, sonst müsste vielleicht etwas verändert werden.
    Aber wer im Speckgürtel lebt wird wohl kaum anfangen etwas von seinem Ranzen abzusäbeln und es zur Verfügung stellen um eine gesellschaftliche Veränderung herbeizuführen.
    Die Gesellschaft ist entsolidaridiert und es ist schon richtig, wie Du schreibst, es gibt zuviel Profiteure von dieser
    H4- Maschine, ein Grund weshalb ich nie wieder Rot oder Grün wählen werde, die die Verursacher dieses ganzen Elends sind.
    Gerade vor zwei Tagen hatte ich im Rahmen meiner EV mein monatliches Gespräch-via Telefon- mit der Psychologin, die ich auf den neuesten Stand bringen musste über die neuesten Sauereien des Jobcenters Darmstadt in Bezug zur Ablehnung meiner Qualifizierung.
    Und die meinte, der Jobcenter würde doch im Rahmen der EV eine Menge Geld ausgeben.
    Ich sagte darauf, ja die geben statt Geld für eine Qualifizierung lieber das
    gleiche Geld für drei oder vier EV's aus und fälschen so die Arbeitslosenstatistik.
    Und es ist richtig- man schaue nur einmal wieviel Leute doch durch einen H4 Bezieher/in beschäftigt sind und wenn sich ma' jemand aufrafft, hängen da gleich die Parasiten von einer ZAF an einem um dich auszusaugen oder andere Auspressfirmen warten nur darauf dich in den H4 Bezug zurückzukatapultieten, weil es gibt mehr als genug billige Lohnsklaven und es strömen immer mehr ins Land.
    Nicht das ich ein Rassist wäre, es ist einfach so und alle wissen es, deshalb ist es so Mistig wie es ist.
    Wir sind die
    Abgehängten, und Ausgebremsten die Paria's die niemand mehr haben will.
    Daher ist es wichtig für sich Alternativen zu entwickeln die eine Perspektive bieten und wo einem kein Jobcenter einen Strich durch die Rechnung macht/machen kann.
     

    Realo

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    Daher ist es wichtig für sich Alternativen zu entwickeln die eine Perspektive bieten und wo einem kein Jobcenter einen Strich durch die Rechnung macht/machen kann.
    ... Alternativen sind an sich eine tolle Sache... Aber das Problem, dass du am Monatsende deine Rechnungen bezahlen musst bleibt ja bestehen...
     

    franzi

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    @chromoxidgruen :

    Ja, die lieben Verwandten. Davon kann auch ich ein Lied singen. Allerdings habe ich mit denen schon seit 35 Jahren keinen Kontakt mehr. Das war noch lange vor meiner Hartz-Zeit. Die verwandtschaftliche Bindung war nie sehr eng und daher erfahren die nur sporadisch von mir. Außerdem, wenn sie die Neugier juckt, können sie mich auch googeln...

    Bisher hat mich in meinem Wohnumfeld nie jemand direkt nach meinem Beruf gefragt. Falls mich mal jemand frägt, sage ich, ich arbeite im Homeoffice. Jetzt in der Corona-Zeit fällt das gar nicht mehr auf.

    Mittlerweile bin ich ganz froh, dass ich hier kaum Leute kenne. Und mit den wenigen, mit denen sich ein Gespräch ergibt, redet man nur über Harmloses, wie z. B. das Wetter.

    Das Schönen des Lebenslaufes ist nur bis zu einem gewissen Grad möglich (habe hier im Forum schon mal einige Beispiele genannt).
    Autodidaktische Weiterbildung ist nicht verboten. Ich habe mich auch weitergebildet. Das kann einem niemand mehr nehmen.
    Zeiten als Hausfrau hatte ich auch drin.

    Inzwischen hatte ich mich weiter spezialisiert (in einem Berufsbild, in welchem eine Spezialisierung auf besondere Fachgebiete möglich ist). Daraus ergab sich dann das Problem fürs JC, dass meine Vermittlung in Arbeit in weite Ferne rückte, da das JC Jobs in dem Bereich überhaupt nicht im Portfolio hat. (Ich bekam in den letzten Jahren immer nur Angebote als Lagerhelfer etc.)
    Dafür kann ich nichts, und da bin ich gerne ein gut qualifizierter Spezialist. Damit kann ich leben und dafür muss ich mich nicht schämen.

    Nachdem sie mir ja jegliche Qualifikation abgesprochen hatten, nahm ich das als Herausforderung an und da hat mich der Ehrgeiz gepackt, mich weiterzubilden. Das kann einem niemand verbieten. Läuft ja in der Freizeit. Und aus jedem Hobby kann sich auch mal etwas Berufliches entwickeln.
    Durch meine Nebentätigkeit, die ich jetzt schon im 7. Jahr ausübe, und die ich stetig weiter ausgebaut habe, kann ich meine Fähigkeiten überdies umfangreich nachweisen.

    Mein damaliger SB hat mir nicht zugetraut, dass ich das langfristig verfolgen werde. Aber ich bin immer dran geblieben. Und verbieten können sie es mir nicht, weil es keine hauptberufliche Tätigkeit war und ist (und auch vorrausichtlich nie sein wird, weil das hinsichtlich der Stundenzahl gar nicht notwendig ist).
     

    Falkenflug

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    Hallo Realo,
    das ist richtig, das am Monatsende Rechnungen zu bezahlen sind.
    Jetzt hat jeder so seine Vorstellungen vom Leben wie es zu gestalten sein kann, was ma' sich in seinem beschaulichen vom Staat verordneten H4 Bezug erlauben kann.
    Ich zahle 29.-€ Strom und noch ne alte Sache mit 40.-€ mtl.
    Darüber leiste ich mir ausser
    Essen& Trinken nichts, ausser Klamotten sind jetzt mal wieder fällig.
    Das Gedankenmodell das ich für mich entwarf, hat einen Garten als zentralen Bestandteil um mich daraus überwiegend zu ernähren.
    Das freiwerdende Geld kann ich für Lehrgänge nutzen um mir Qualifikation selbst zu finanzieren um mir eine Perspektive zu schaffen, um aus dem H4 Bezug auszuscheren.
    Meine Jobcoach schreibt im Rahmen der EV einen Bericht um ein Assessment
    ( Befähigungsnachweis für eine Ausbildung) in einem Berufsförderungswerk zu ermöglichen.
    Das können die schlecht ablehnen, weil mir im Ablehnungsbescheid in Bezug zu meiner Umschulung, mitgeteilt worden ist, das eine Qualifizierung durchaus Sinn macht um der Langzeitarbeitslosigkeit zu entgehen.
    Der nächste Schritt wäre das Assesment.
    Ich bin durchaus gespannt, ob das bewilligt wird
    ( Ich bin darauf angewiesen, das sich jemand gnädig gestimmt darauf einläßt, mir etwas zu bewilligen- Armes Deutschland)
    oder welche Gründe, da nun wieder dagegen sprechen.
    Das lustige ist das es hier nichts gibt wo ich das machen könnte und so wäre ich im Berufsförderungswerk während des Assesments und einer möglichen Qualifizierung untergebracht und das kostet.
    Mein Fallmanager meinte schon vor ein paar Wochen, das wäre zu teuer.
    Da ich eigentlich mit der Ablehnung rechne werde ich dann nach Niedersachsen ziehen, mir eine billige Wohnung anmieten und die Zusage für den Garten habe ich auch schon.
    Bevor ich hier die Segel setze werde ich den Jobcenter aber noch verklagen und dann Mal abwarten bzw.mein Ding machen und auf den Tag warten, wo die Sache verhandelt wird und wieviel Jahre Prozess daraus entstehen.
    Vielleicht habe ich mich ja bis zum Eintritt ins Rentenalter durchgeklagt- also in 14 Jahren.
     

    chromoxidgruen

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    es gibt mehr als genug billige Lohnsklaven und es strömen immer mehr ins Land. Nicht das ich ein Rassist wäre, es ist einfach so und alle wissen es
    Naja, "strömen" tut hier keiner. In den letzten Jahren lag die Nettozuwanderung unter einer halben Million pro Jahr, 2020 gerade mal bei ca. 200.000 Personen, das kompensiert so gerade den Bevölkerungsrückgang. https://www.destatis.de/DE/Themen/G...voelkerung/Migration-Integration/_inhalt.html
    Abgesehen davon, selbst wenn, wäre das Problem nicht das Überangebot von Arbeitskräften. Das gab es früher auch schon. Sondern die gewollte nicht vorhandene Steuerung durch die Politik. Mit einem anständigen Mindestlohn und der Vorgabe, dass ZAFfen höhere (!) Gehälter zahlen müssten als Firmen die direkt anstellen, wäre auch bei einem Überangebot an Arbeitskräften Ausbeutung deutlich erschwert.
     
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