Stigma Hartz4: Muss man sich heute noch immer schämen Leistungsbezieher zu sein?

Stigma Hartz4: Muss man sich heute noch immer schämen Leistungbezieher zu sein?


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Teebaum

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Es versaut dir den Lebenslauf, das bedeutet du wirst von "guten" Firmen nur mit Kneifzange angefasst und der Kreis schließt sich. Gute Firma bist schon gleich X Stufen höher in der gesellschaftlichen Hierarchieordnung. Und das alles geht dann bis zu deinen Kindern in der Schule. H4 ist einfach ein Stigma. Da darf man eigentlich nie landen. Betroffenen ist das ja meistens nicht mal bewusst, welche sich langsam damit arrangieren. Klar kann man Abstumpfen geht alles, aber entspricht halt nicht der gesellschaftlichen Norm.
 
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KindredSpirit

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Das fängt nicht bei H4 an. Das fängt beim Schulsystem an. Es filtert nach Sozialerklasse schon ziemlich früh. Selbst ohne Hartz IV hast du kaum eine Chance, ein Kind durchzusetzen, wenn du kein Netzwerk hast (und Nepotismus) & kein Studiumabschluss.

Ich hoffe einfach mal, dass wir eine Paradigmawechsel haben mit der Generation Z. Denn der größte Vorteil ist, dass wir mehr vernetzt und informierter sein können wegen dem Internet. Stellt euch mal vor fast jeder Arbeitslose würde Elo Forum benutzen. Das Hartz IV System würde wahrscheinlich zu Boden gehen.
 

Teebaum

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Uralte Berliner Morgenpost 90er mal reingeschaut, Suche Arbeit: Da haben alle Diplom und Offizierspatent. Nur das war auch kein Problem dieses zu erhalten. Es gab den Niedriglohnsektor und Spaltung der Gesellschaft nicht in diesem Ausmaß. Erste ZAF wurden in Berlin noch als kompletter Irrsinn abgestempelt mit entsprechend schlechter Auftragslage. Das Hauptproblem ist auch die Gegenleistung vom Staat für die hohen Steuern ist nicht mehr da. Alles zerfällt. Kein Vertrauen mehr..dazu gehört auch H4.
 

PhilippNixdorf

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Ich finde, man muss sich absolut nicht schämen, wenn man auf ALG II angewiesen ist. Abgesehen davon, dass es dutzende Gründe dafür geben kann (alleinerziehend, krank, fehl-, über- oder unterqualifiziert, schlechte Arbeitsmarktlage, Pech usw.) haben wir nun mal - zum Glück - einen Sozialstaat, der eine Grundabsicherung (wenn auch auf geringem Niveau, das dann auch noch gekürzt werden darf) garantiert.

Das ändert aber leider nichts an der Tatsache, dass Menschen, die ALG II beziehen, noch immer eine deutliche Diskriminierung erfahren. In zahlreichen Studien und Publikationen wird das immer wieder belegt. Zu hoffen bleibt, dass die Corona-Krise dazu beiträgt, dass sich die diskriminierende Haltung vieler Menschen, die nun selbst Gefahr laufen, in ALG II zu rutschen bzw. im Freundes- und Familienkreis Menschen zu haben, denen das geschieht, ein Umdenken bewirkt.

Ich habe selbst jahrelang als Arbeitsvermittler im Jobcenter gearbeitet und gemerkt, dass die Menschen, die da vorm Schreibtisch sitzen, bunt gemischt sind. Die meisten waren zwar eher gering qualifiziert, ich hatte aber eben auch ausgebildete und studierte (teils promovierte) Menschen vor mir, die aus ganz verschiedenen Gründen keinen passenden Job (mehr) fanden. Leider berichteten fast alle von Diskriminierungserfahrungen. Bei Bewerbungen ist eine längere Arbeitslosigkeit leider noch immer ein großes Stigma.
 

Buerosklave

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Zu hoffen bleibt, dass die Corona-Krise dazu beiträgt, dass sich die diskriminierende Haltung vieler Menschen, die nun selbst Gefahr laufen, in ALG II zu rutschen bzw. im Freundes- und Familienkreis Menschen zu haben, denen das geschieht, ein Umdenken bewirkt.

Insbesondere bin ich ja gespannt, wie diejenigen reagieren, die bisher immer Sprüche geklopft haben ala "Wer arbeiten will, findet auch Arbeit!" oder "Hauptsache Arbeit!". Ansich gönne ich selten jemandem irgendwas Schlechtes, aber bei solchen Leuten weiche ich gerne davon ab.
 

0zymandias

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Ich finde, man muss sich für Hartz IV schämen.

Aber tüchtig. Wenn man im Monat eine (mehr als) fünfstellige Leistung vom Staat bezieht und
dann kommt so etwas dabei heraus, dann braucht's nicht noch mehr Grund. :biggrin:
Zumal auch die nur noch zu bemängelnde Qualität der geleisteten Arbeit immer wieder
durch diverse Gerichte attestiert wird.

Da SPD und Grüne für dieses Jahr eine Abschaffung im Wahlprogramm haben, dürfte diese
Ansicht wohl auch zumindest Aussichten auf Mehrheitsfähigkeit haben.
 

bLum

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Solange der Begriff "Arbeit" nicht umdefiniert wird, und der gruselige Fetisch der an ihm haftet, entfernt ist, wird sich am Bild von und Umgang mit "Arbeitslosen" nix ändern.
Und ich muss 0zy zustimmen: die Politiker müssten sich für H4 schämen. Tun´ sie aber nicht.
Deren Existenz ist trotz der Scheißarbeit, die sie da fabrizieren, gesichert.
 

Falkenflug

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Letztlich hängt vieles mit dem Fall der Mauer zusammen.
Als die Treuhand marodierend durch die ehemalige DDR zog und alles platt machte, was als Konkurrenz zu den Westbetrieben angesehen wurde oder dafür sorgte dass Wessis sich ordentlich bereichern konnten, folgte die Diaspora vieler ehemaliger DDR Bürger/innen als billige Arbeitskräfte in den Westen.
Nicht das ich die DDR gut gefunden hätte, aber wie sich die BRD verhielt hatte den Geschmack von Siegermentalität.
Unser lieber Kanzler Helmut hatte mit Gorbatschow vereinbart für 10 Jahre 50 Milliarden D-Mark an Moskau für die DDR zu zahlen.
Die Russen wurden durch den Nato-Doppelbeschluss von 1983 praktisch totgerüstet und haben die DDR verkauft.
Oder glaubt wirklich jemand die Mär der Iwan hätte sich von ,, Wir sind das Volk" Sprüchen beeindrucken lassen?
Ein schönes Märchen, die Wirklichkeit war, das der Iwan totgerüstet war und die Koffer gepackt hat.
Und es hat sich für Deutschland gelohnt, wie man Heute sehen kann.
Das Menschen im Niedriglohnsektor festgesetzt werden und staatlich substituiert werden mag für viele als eine Selbstverständlichkeit oder alternativlose Realität erscheinen.
In Anbetracht der Tatsache daß 3% Prozent der Deutschen mittlerweile fast 60% des Vermögens besitzen und die restlichen 97% der Bevölkerung etwas über 40% des Vermögens besitzen, zeigt doch das hier etwas nicht mehr stimmt.
Seit der Wiedervereinigung sind von unten nach oben gut 1000 Milliarden geflossen- das heißt das Geld fehlt in allen Bereichen von der Kita über Schulen, Krankenhäusern, Altenheimen in der Infrastruktur und Bildung bzw. Förderung in Form von Qualifizierungen - Stand 2010 mittlerweile dürfte sich der Betrag deutlich erhöht haben
mit Hilfe aller regierenden Parteien seit damals, also schwarz-gelb, rot- grün und schwarz-rot.
Und der liebe Herr Schröder der es eigentlich besser hätte wissen sollen - denn seine Mutter arbeitete als Putzfrau - hatte nicht gesagt das einer der besten sondern der größte Niedriglohnsektor in Europa geschaffen wurde.
Und das sagt ein Sozialdemokrat, die Partei die sich immer für die Verbesserung der Arbeits und Lebensverhältnisse der arbeitenden Bevölkerung und für eine anständige Entlohnung eingesetzt hat?
Herr Schröder und der alte linksradikale Joschi, haben die Zeit um Hundert Jahre zurückgedreht und gleichzeitig ein Neofeudalistisches Zeitalter eingeläutet.
Und Heute hockt der gute Gerhard mit der dicken Zigarre im Mund bei Gasprom und Joschi tourt durch die Welt und hält in Amiland und sonstwo Vorträge und schwafelt wahrscheinlich davon wie man dem einfachen Menschen am besten das Fell über die Ohren zieht.
Die Einführung von Hartz4 war weder alternativlose noch eine wirkliche Reform des Arbeitsmarktes sondern die Einführung neoliberaler Markstrukturen durch die Hintertür mit zu Hilfenahme einer Arbeiterpartei und sogenannten Weltverbesserern.

Weiter trug der Fall der Mauer dazu bei, das nun viele Ost und Südeuropäer als billige Lohnsklaven nach Deutschland strömten.
Das ist die hässliche Fratze des Kapitalismus der in keinster Weise eine menschenfreundliche Form des gesellschaftlichen Zusammenlebens darstellt.
Bevor der Überschuss an Menschen für den Arbeitsmarkt in diesem Land bestand, wurden auch Hilfstätigkeiten auf dem Bau, Lager oder in der Industrie ab 15 Mark aufwärts entlohnt.
Davon kann man Heute nur noch träumen bzw. hört es sich an wie ein Märchen aus einer anderen Welt.
Und tatsächlich war das eine andere Welt und niemand sollte so leben, ohne Aussicht auf ein ordentliches Leben ohne Hartz4 und diese Verunselbständigung eines selbstbestimmten Lebens.
Früher gab es das sogenannte Aufzugsystem, das verhieß jedem der ordentlich arbeitete nach oben zu kommen.
Der arbeitende Mensch der sich sein Reihenhäuschen, seine Eigentumswohnung oder sonstige Werte schaffen konnte.
Mit Umsetzung der Agenda 2010 wurden überall Betonplatten draufgelegt und es folgte ein hauen, stechen und wegbeissen das bis Heute andauert und solange es sich die Menschen bieten lassen wird es für Heute junge Menschen und künftig geborene zum Status Quo, sie kennen nichts anderes und ich finde es traurig und bedenklich zu sehen, wie Menschen in so einem System aufwachsen müssen.
Primitivster Sozialdarwinismus gepaart mit Infantilisierung und Verrohung des Verhaltens, weil der Frust ja irgendwo hin soll.
Und eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als das die Unterdrückten sich ihrer Peiniger entledigen.
Wahrscheinlich müssen die Leute erst, wie zu Zeiten der französischen Revolution, Ratten essen bevor sie Aufbegehren!
 

PhilippNixdorf

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Eine gute Argumentation dafür, warum man sich sicher nicht schämen muss, ALG II zu erhalten, hat Stefan Sell vor 3 Tagen auf seinem super lesenswerten Blog Aktuelle Sozialpolitik gepostet:


Er zeigt darin auf, dass die Zahl derjenigen, die über 12 Monate arbeitslos sind, in der Zeit von Februar 2020 bis Februar 2021 um 41,4 % (!) gestiegen ist. Kurzum indiziert das: Es wird immer schwieriger, eine Stelle zu finden.

Immer mehr Menschen rutschen in die Langzeitarbeitslosigkeit (definiert als mindestens 12 Monate ohne Beschäftigung). Corona führt mittlerweile auch Akademiker*innen und Leuten, für die Arbeitslosigkeit immer in weiter Ferne war, vor Augen, dass es einen selbst treffen kann, wenn der eigene Betrieb Corona-bedingt Leute entlassen muss oder schlimmstenfalls insolvent geht.
 

Buerosklave

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Letztlich hängt vieles mit dem Fall der Mauer zusammen.
Als die Treuhand marodierend durch die ehemalige DDR zog und alles platt machte, was als Konkurrenz zu den Westbetrieben angesehen wurde oder dafür sorgte dass Wessis sich ordentlich bereichern konnten,

Was da geschah, war mit der biblischen Heuschreckenplage vergleichbar. Alles Platt machen, was Konkurrenz war oder zumindest aus dem Vorgefundenen noch möglichst viel Gewinn schlagen.

Früher gab es das sogenannte Aufzugsystem, das verhieß jedem der ordentlich arbeitete nach oben zu kommen.

Das war einmal,dass man sich quasi vom kleinen Buchhalter zum Chef der Firma emporarbeiten konnte. Inzwischen werben Firma sogar mit Stichworten wie "Flache Hierarchien", was in der Praxis nichts anderes heißt als "Den gleichen Job,den du bei uns heute machst, wirst du auch in 40 Jahren noch tun, denn es gibt in unserer Firma keine Karriereleiter!".


Und eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als das die Unterdrückten sich ihrer Peiniger entledigen.

Da ist was dran. Leider haben viele Leute resigniert und kommen gar nicht auf die Idee, irgendwas an ihren Lebensumständen ändern zu wollen. Schlimmer noch: sie versuchen selbst, ihre Mitmenschen klein zu halten,damit auch die nicht auf die Idee kommen, irgendwas verändern zu wollen. Grund ist aber oft nicht die Furcht, dass sich generell was verändern könnte, als vielmehr der übliche Neid, dass irgendjemand was auf die Reihe kriegt, wozu sie selbst zu feige waren. Kurz gesagt: "die Gefangenen bewachen sich selbst".
 

Onkel Tom

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Stellt euch mal vor fast jeder Arbeitslose würde Elo Forum benutzen. Das Hartz IV System würde wahrscheinlich zu Boden gehen.
No. Das war auch ca 2007..2009 schon nicht mehr denkbar.. Das Sieb, was die Erwerbslosen von
aktiven Erwerbslosen trennte, war im Verhältnis besorgniserregend.. Mühsam knabbert das Eichhörnchien
an der Haselnuss und villeicht wurde auch deswegen Aktionen, die vom Elo-Forum organisiert wurden,
auf gegeben.. Kannst ja mal tippen, wie viele von 100 Erwerbslosen tatsächlich für sich und andere kämpfen.
 
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Falkenflug

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Gut gesagt,, die Gefangenen bewachen sich selbst"
Unverständlich bleibt mir nachwievor wie es möglich ist, Menschen so zu manipulieren, das diese sich selber die Beine stellen, anstatt die Verursacher unschädlich zu machen bzw. ihrer Macht zu berauben!
Vielleicht liegt es einfach in der Natur des Menschen oder schlichtweg in der Natur der Dinge.
Es gibt immer eine Leitkuh, Alphahündin oder ein Alphamännchen.
Nur ist bei den Tieren das leitende Tier dafür zuständig, das es allen gut geht.
Natürlich kann man jetzt sagen, niemand hungert in Deutschland und rein theoretisch muss niemand auf der Straße schlafen.
Ich kenne die Argumentation, in anderen Ländern gibt es das nicht, in anderen Ländern hätten sie dich schon längst weggesperrt und bla,bla,bla.
Interessant finde ich diese unterschwellige Form von ,,Mund tot machen wollen" oder die Versuche Argumentation mit Polemik zu überziehen oder ins lächerliche zu ziehen.
Klar bin ich froh, das ich hier leben kann und mich keine Militärjunta in den Knast oder ins Arbeitslager steckt.
Das bedeutet für mich jedoch nicht anspruchslos zu leben und dabei zuzusehen, wie wir uns an Zustände heranarbeiten, die immer mehr unzufriedene Menschen schafft und in die Hände von Rattenfänger treibt.
Es erinnert mich ein wenig an das Buch von Aldous Huxley's ,,Schöne Neue Welt" in der der Großteil der Bevölkerung einfach strunzdumm ist und nur noch die elementarsten Bedürfnisse befriedigt bekommt.
Ich empfinde die 1980er bis an die Jahrtausendwende als progressiver als den sogenannten Fortschritt der letzten 20 Jahre.
Wer gutes Geld verdient, und das heißt für mich seine Lebenshaltungskosten bestreiten zu können, Mobil zu sein und auch Mal einen draufzumachen ohne sich hinterher die Frage stellen zu müssen wie ma' nun den Rest des Monats über die Runden kommt und wenigstens einmal im Jahr in den Urlaub reisen zu können.
Die Menschen waren einfach selbstbewusster und nicht so verkniffen wie Heute und das hängt einfach damit zusammen - wer ohne stattliche Unterstützung leben kann, hat nicht das Gefühl abhängig und entmündigt zu sein und gegängelt zu werden.
Die Armseligkeit dieses Daseins ist bezeichnend für die Entwicklung des Auseinanderdriftens unserer Gesellschaft.
Ich habe schon den Eindruck durch diese Umgestaltung der Gesellschaft eine Masse von willenlosen Geschöpfen gehetzt von der Sorge wie es weitergeht entstanden zu sehen.
Und eine Oberschicht mit ihrem Beamtentum und Ordnungskräften die die Plebs in Schach halten.
Denn wer ständig in Sorge lebt wie es weitergeht hat kaum noch ein Interesse einmal die Vogel Strauss Taktik aufzugeben und den Kopf aus den Sand zu ziehen, sich einmal den Sand aus den Augen reiben, Innehalten und überlegen wie es möglich ist mit den Mitteln die unser System bietet Veränderungen herbeizuführen.
Es wäre nur richtig es genauso zu machen wie die Leute die diese Strukturen des Neoliberalismus über das Land gelegt haben.
Oder wie es tatsächlich die Frau Göring Eckhardt vor nicht allzulanger Zeit in einem Fernsehinterview gesagt hat:
Bildet Banden
Aber in einem positiven Sinne, ich denke es ist wichtiger denn je, das sich die ausgebremsten und ausgeboteten zusammenschließen und Wege finden ihren Unmut und den Willen Änderungen herbeizuführen in die Parlamente tragen.
Die Grünen fingen auch einmal als Bürgerprotestler gegen die Atomkraft und Kriege auf die Straße zu gehen.
Bei uns in Frankfurt/ M gab es vor gut 10 Jahren Montagsdemos auf der Zeil mit dem Motto ,, Weg mit Hartz4" .
Ein Häuflen Verlorener die mit ihren Plakaten auf der Zeil standen und von den konsumgeilen Horden umflutet und einfach nicht beachtet worden sind.
Das Nichtbeachten und wegschauen ist ein Verhalten und eine Entwicklung die fehlerhaft ist und uns in die Abgründe des Menschlichen Daseins führt und Darstellern die den Unmut nutzen um zu hetzen gegen alles was nicht in ihr Weltbild passt den Weg bereitet.
 

bLum

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Unverständlich bleibt mir nachwievor wie es möglich ist, Menschen so zu manipulieren, das diese sich selber die Beine stellen, anstatt die Verursacher unschädlich zu machen bzw. ihrer Macht zu berauben!

Das ist eigentlich relativ verständlich, wenn man das mal am eigenen Leibe erfahren hat:

- halte sie in diffuser Existenzangst, und zwar derart balanciert, dass sie gerade genug zum Überleben haben, aber so viel, dass sie dir nicht gleich wegsterben
- Mache die zu kontrollierende Masse immobil, in der Art, dass sie sich z.B. 2x überlegen muss entweder Busgeld zum Aldi, oder zur Demo/Aktion zu "investieren".
- separiere die Individuen, aber mache sie in bestimmten Bereichen derart voneinander abhängig, dass sie sich nur um sich und die Angehörigen drehen (-> Bedarfsgemeinschaft, Unterhaltsregelungen....)
- verwirre mit undurchsichtigen und/oder kaum verständlichen Regelungen und vermeintlichen Sachzwängen
- erhöhe den Stress auf Betroffene derart, dass sie, selbst wenn sie keiner lohnabhängigen Beschäftig nach gehen, dennoch völlig geschafft nix besonderes mehr auf die Reihe kriegen (können)
- Spalte die Gesellschaft (erhöht auch den Stress auf deine Zielgruppe), und ziehe auf der anderen Seite nahe Personen mit in deren Scheiße hinein (entsolidarisieren).
- rede ihnen ein, dass sie Mängelwesen sind ("kriegen eh nix auf die Reihe", "Selbst schuld an der Situation", "Notwendigkeit" ihnen selbst das Schreiben von Bewerbungen beibringen zu müssen, et cetera) und bringe den Rest der Gesellschaft dazu, das auch zu glauben
- installiere dienliche Mems wie "Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen", "...auf der Tasche der ehrlichen Steuerzahler liegen..." usw.

... usw. usf.
 
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bLum

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Noch mal @Falkenflug:

Ich bin, selbst nach Jahren der Erfahrung damit, dennoch immer wieder erstaunt wie perfide dieses "h4"-System ist.
Eigentlich ist es nur noch durch eine organisierte Massenvernichtung zu überbieten.
Dass das nicht gemacht wird, liegt m.E. daran, dass es "sehr praktisch" ist, eine solche Gruppe in einer Gesellschaft zu haben. Die erhöht dann auch noch mal den Druck auf den Rest der Gesellschaft. Wenn man dann ab und an noch mal einen "Knochen hinwirft" (z.B. 150€ Coronahilfe, oder auch mal was bewilligen) gibtste deiner Zielgruppe hier und da noch das Gefühl gerade so mal "Glück gehabt" zu haben.

Ich bin nicht ganz sicher, ob George Orwell solchen Gesellschaften wie der unseren mit "1984" quasi eine Blaupause gegeben hat, aber auffällig ist definitiv auch das angewandte "Neusprech". "Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt" (Wittgenstein, glaube ich).
Die m.M.n. beste Gesellschaftstheorie, was Herrschaft, Macht und Kontrolle derseben anbelangt, sind immer noch die Schriften von Foucault. Lege ich dir wärmstens ans Herz, wenn du den exkrement hier wirklich tiefgründig verstehen willst. Die Sache hat nur einen Haken: es gibt kaum einen leicht gangbaren Lösungsweg!
Wenn man mal in die Geschichte schaut, wie du das ja auch oben in deinem Text machst, hat "man" (also die Machtträger) emanzipatorische Bewegungen entweder zerschlagen, oder ins System derart integriert, dass sie letztendlich wirkungslos wurden (siehe Gewerkschaften, oder Gleichstellungsbewegungen, ...ganz dramatisch ist auch die "Geschichte der Anarchie" ...hab´dir/euch mal die 3-teilige Doku von arte verlinkt, die nicht allzu übel ist ...achja, letztens kam eine Doku über Wikipedia, was auch ein gutes Beispiel dafür ist, wie emanzipatorische Ideen sich in der Praxis immer wieder herrschaftsförmig ... ausformen). Es sind nur noch wenige Subkulturen in der Lage neben, aber dennoch auch mit unserem System zu funktionieren. Aber die setzen ein gewisses "soziales Kapital" (wie die Soziologen das nennen) voraus, über das die meisten hier schon nicht mehr verfügen. Deswegen ist das Forum hier auch so gut - weil´s relativ niedrigschwellig ist!

Ich schaue und entdecke ich auch immer wieder mal ganz nette "Keinstexperimente" von relativ freien Menschen in freien Vereinbarungen, die mir persönlich Grund zur Hoffnung geben, und bei denen ich hier und da partizipieren kann! Warum das keine Massenbewegungen werden ist mir allerdings auch noch ein Rätsel. Vielleicht muss der Otto-Normal-Harzi sowie die Durchschnittsbevölkerung einfach nur mal den aufgezwungenen Tunnelblick verlieren und aus dem Hamsterrad aussteigen, in das man sie steckt? Auch ganz wichtig finde ich die gängigen Narrative nicht einfach zu übernehmen, sondern auch mal neue zu entwerfen und/oder anzubieten. Die Müßiggangster und "die Überflüssigen" haben das mal ganz toll praktiziert!
Urban Gardening ist so´n Ding, was ich ganz faszinierend finde. Solidarische Landwirtschaft ebenfalls. "Autofreie Städte"-Bewegungen ...eigentlich gibts genug wo man sich "dran hängen" könnte. Alles Graswurzel-Bewegungen mit utopistischen Vorstellungen und einer gewissen Energie ausgestattet.
 

Onkel Tom

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Die Sache hat nur einen Haken: es gibt kaum einen leicht gangbaren Lösungsweg!

Sehe ich nicht so, wenn man so systematisch an Gegenstrategien ran geht, wie der JC-Organismus
a la gefühlseiskalt ihre "Bearbeitungs-Ablaufpläne" zusammen zimmert. Wir Erwerbslosen sollten
mehr daran üben, genau so kalt (emmotionslos) ran zu gehen, statt sich dazu verführen zu lassen,
Ideen langsam aber sicher gedanklich kaputt zu analysieren.

Der Beitrag von Emmotionen im Kampf um sich selbst gegen den JC-Organismus wird halt aus allen
Winkeln dazu ausgenutzt, um Arbeitsuchende auf die Linie "Hauptsache Arbeit" zu bringen.

Solange wir uns nur darüber austauschen, wie schlimm der ALG-Bezug für das Gemüt ist, bleibt der
Käfig erhalten, in dem Arbeitsuchender gefangen ist.

Die Kälte hat den Vorteil, das Grundelemente wie z.B Selbstwertgefühle schwerer angreifbar sind u.s.w.
Suche dazu mal den aktuellen Hilfethread von @Terra09 auf. Dort wird eiskalt "JC-Schach" gespielt
und anbei erscheint es mir wichtig, eine sogenannte "Gemüts-Firewall" aufrecht zu erhalten..
Ohne diesen "Gemüts-Schutzmantel" hätte die Mürbemachtaktik des SBs wohl schon fruchten können.

Also bürokratisches Handeln und Emmotionen schön voneinander getrennt halten. Ist nicht leicht und
bedarf sein Training mit sich selbst, aber haut den Betroffenen dann auch weniger Löcher in seinem
Energietank.. Die Energie ist ja das wichtigste, um nicht aufgeben zu müssen oder den Strategien des
JC zu erliegen.. Den ganzen JC-Stess in die Ecke a la "JC-Schach" a la Du oder Ich zu plazieren ist
gesund und ist mensch darin fortgeschritten, erzeugen die grauen Briefe nicht mehr "Äh, was wollen die
denn schon wieder ??" sondern "Schön, mal schauen, welchen Zug sich SB ausgedacht hat"..
Bildet sich JC was ein, warum sollte sich Arbeitsuchender (zum Selbstschutz) nicht auch was einbilden
dürfen ?
 
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Falkenflug

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Das sehe ich genauso, nur ist es mir bis Heute nicht wirklich gelungen, dauerhaft sachlich zu bleiben obwohl ich nie bei einem Sachbearbeiter/in des Amtes ausfallend geworden bin.
Zur Zeit bin ich auch in einer Eingliederungsmaßnahme bei einer Coachingagentur.
Und nach der Ablehnung meiner Umschulung suchen jetzt alle Beteiligten verzweifelt nach einer Lösung, weil ich bei meiner Jobcoach gesagt habe daß ich nach meinem Widerspruch und dessen wahrscheinlicher Verwerfung Klage einreichen werde.
Normalerweise beeindruckt das niemanden, aber es scheint bei dem Jobcenter ausnahmsweise nicht gewollt zu sein.
Es ist eine Sache als Bürokrat immer schön sachlich bleiben zu können
wohlwissend das Recht auf seiner Seite zu haben, auch wenn das Unrecht bedeutet.
Es ist eine Sache
seinen gesicherten Standard zu haben und nach dem Job einfach abschalten zu können und so ganz automatisch deinen Energietank auffüllst oder ob die ewig mit den paar Kröten die Dir freundlicherweise überlassen werden damit es nicht zu sozialen Unruhen kommt herumeimern musst.
Ich kann Dir ehrlich sagen, ich geh nicht mehr putzen oder Regale auffüllen, als Elektro oder Lagerknecht malochen und mich dann nach der Knechte zuzuschütten um den ganzen Mist zu kompensieren, das habe ich alles hinter mir.
Zur Zeit stelle ich auf stur und habe die auf meine mir rechtlich zugesicherte Qualifizierung festgenagelt, wie es mit dem Arbeit- von- morgen- Gesetz im letzten Jahr Gesetz wurde.
Immerhin ist mir in meinem Ablehnungsbescheid für eine Quali zum Hausmeister eingeräumt worden, das eine Quali Sinn macht um aus der Langzeitarbeitslosigkeit herauszukommen.
Aber es ist schon so wie Du sagst, es ist schwer sachlich zu bleiben, weil ma' doch mit H4 immer am Rand steht und sich nicht verwirklichen kann und immer mehr ausbrennt.
Leben mit angezogener Handbremse und dann so Sachen wie Tafel oder Kleiderkammer.
Es ist o.k. das es das gibt, nur früher war das wirklich etwas für Menschen in größter Not, die auf der Straße leben oder in anderen schwierigen Verhältnissen.
Ich vermeide es dahin zu gehen und lebe trotzdem nicht schlecht, weil ich die Kohle vom Staat eigentlich nur für Essen und Trinken ausgebe und mir ansonsten nichts kaufe.
Das eine oder andere Kleidungsstück oder Schuhe stehen mall wieder an, aber so lebe ich jetzt im vierten Jahr und das ist kein Dauerzustand.
Schlimm finde ich das wir so ausgegrenzt werden, bei uns hier stehen die Leute bei Penny und Rewe Tag für Tag
( vor der Pandemie) und lassen sich vollaufen.
Ich habe mit denen auch schon geredet, die haben alle schon abgeschaltet und es sind viele junge Leute dabei, nicht nur alte versoffen Berber, wie die Leute immer glauben.
Und so macht man dann auf
Einzelkämpfer weil im Großen und Ganzen die Strukturen fehlen gemeinsam Druck auszuüben gegen die Machenschaften der Jobcenter.
Vielleicht ändert sich ja das Mal.
 

Teebaum

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Oh, die erste Sanktionierung und Verweigerung von EGV's inklusive platte Reaktion auf Gesetze und ausblenden der Funktionäre dahinter, kann einen beim ersten Mal schon emotional mitnehmen. Es ist kein Verhalten, welches man gerne umsetzt. Aber das hilft ja bekanntlich alles nichts. Die meisten haben ja diese Maßnahmen auch schon mal live erlebt, bringt eigentlich nichts für den ELO. (ZAF, Niedriglohnsektor) Die sind für Härtefälle gedacht, welche nicht mal rechnen und schreiben können und die ganzen Absolventen der sozialen Arbeit müssen ja auch irgendwo beschäftigt werden. Hier war die beste Idee Abschiebung auf Kreuzfahrtschiffe. Aus den Augen, aus dem Sinn. Fahren Sie doch mal eine Runde Schiff. Davon abgesehen, der H4 Satz fließt dagegen sowieso sofort in den Wirtschaftskreislauf zurück, von daher gibt es da nichts verwerfliches. Leiden tut nur der Betroffene, welcher sich mit dem wenigen Geld nicht mehr frei bewegen kann und dann zermürbt wird, verwahrlost und zu guter letzt erkrankt. Damit hat die Schrottpresse H4 dann Ihr Werk getan.
 
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Onkel Tom

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Das sehe ich genauso, nur ist es mir bis Heute nicht wirklich gelungen, dauerhaft sachlich zu bleiben obwohl ich nie bei einem Sachbearbeiter/in des Amtes ausfallend geworden bin.
Zur Zeit bin ich auch in einer Eingliederungsmaßnahme bei einer Coachingagentur.
Und nach der Ablehnung meiner Umschulung suchen jetzt alle Beteiligten verzweifelt nach einer Lösung, weil ich bei meiner Jobcoach gesagt habe daß ich nach meinem Widerspruch und dessen wahrscheinlicher Verwerfung Klage einreichen werde.
Weil Du dir noch keine "Gemüts-Firewall" aufgebaut hast und bei Unsachlichkeiten noch nie sagtest :
"So können wir nicht miteinader reden !" (Idealer Phrasenkiller gegen subtiler Diffamierungen etc..)

Weiterer Fehler = Sich aus der Fassung reißen zu lassen und (deswegen) das Autogrammhändchien
zu benutzen..
Das Du klagen willst, stört sie bestimmt nicht, weil Du gerade mal dann unter diese ca. 5% gehören
würdest, die sich nicht alles gefallen lassen, falls Du gewinnen solltest.. Es ist nur ein "Vermittlungsgeschäft".
Über diese ca. 5% Abweichquote lachen die drüber und ist vom JC auch einkalkuliert.

Jo, villeicht ändert sich Du das mal.. :icon_daumen:
 
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Falkenflug

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Es ist mir möglich mich mit den Fallmanager des Jobcenters dauerhaft auseinanderzusetzen und versuchen etwas für mich zu erreichen.
Wie ich bereits mehrfach erwähnte, ist durch das Arbeit-von Morgen- Gesetz die rechtliche Grundlage geschaffen worden, die es den Fallmanager/in nicht mehr ermöglicht mit den ,,Kann Bestimmungen" aus dem SGB 2 und 3 zu bestimmen ob eine berufliche Qualifizierung ermöglicht wird oder nicht.
Mit diesem Gesetz sind sie festgenagelt und haben die Verpflichtung zu qualifizieren.
Allerdings gebe ich zu, das trotzdem versucht wird, mit fadenscheinigen Argumenten und sogar mit Lügen gearbeitet wird um mir die Qualifizierung zu verweigern.
Ich frage mich schon, wofür diese Einrichtung ,, Jobcenter" tatsächlich geschaffen wurde, statt Fördern und Fordern wie es deren offizielles Motto ist sollten sie vielleicht ,, Ausbremsen, Ausgrenzen und zu Fall bringen"" propagieren.
Es geht wirklich nicht Fair zu selbst wenn man das Recht auf seiner Seite hat, bekommt man noch einen Tritt in den Allerwertesten.
Es ist an der Zeit das diesem Allmachtsgebaren und Gutsherrenmentalität der Mitarbeiter der Jobcenter ein Ende gesetzt wird.
Das Aufgrund dieses verschlagenen, hinterhältigen und menschenverachtenden Handelns viele den Mut verlieren und aufgeben, ist Schade.
Wenn es diese Leute selber treffen würde, wäre das Geschrei riesengroß und Himmel und Hölle würde in Bewegung gesetzt werden, um dieser Ungerechtigkeit ein Ende zu setzen.
Aber mit so Leuten wie uns kann man es ja machen, weil wir keine Lobby haben und uns nicht organisieren um unsere Anliegen und Rechte durchzusetzen.
 

CrayonSchlafen

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Stigma Hartz4: Muss man sich heute noch immer schämen Leistungsbezieher zu sein?​


Niemals. Und musste "man" auch niemals. Weil:

Ich möchte dazu gern eine Metapher benutzen. Der Mensch ist seit ungefähr 10T Jahren sesshaft. Die Sesshaftigkeit mit Entwicklung der Landwirtschaft (statt Sammeln) und Viehzucht/-wirtschaft (statt Jagen) ermöglichte erstmals in der Entwicklung dieser Spezies die großangelegte und auch viel dauerhaftere Vorratshaltung als es bisher Nomadisierend und/oder in Höhlen/Kleinverbänden von Menschen möglich war.

Hier trat dann auch erstmals eine gewisse Art Mensch auf, die bis heute die Gesellschaft plagt. Die Verwalter und ihre Herrenkaste aus übergeordneten Befehlsgebern. Ich gebe zu, das musste aus Koordinationsgründen wohl sein. Wenn da nicht die Tatsache wäre, dass manche Menschen eben gerne Raffen und Anhäufen, anstatt jedem - und vor allem sich selber - nur den fairen Teil zukommen zu lassen.

Diese Leute erSCHAFFEN nichts.Sie verwalten und bedienen sich ausschließlich an dem, was Andere erSCHAFFEN haben. Stark vereinfacht ausgedrückt.
Der Köing bekommt seinen Teil (vom Korn des Bauern), weil seine Soldaten die Bauern schützen. Das ist fair. Solange der König nicht zu gierig wird. Muss der König wirklich besser leben als seine Bauern? Ach ja? Weshalb?
Der Speicherverwalter muss auch leben können, aber muss er sich nicht schämen, wenn er mit dem, was er da unbemerkt und aus Gier noch beiseite schafft, plötzlich besser leben kann als der Bauer, der sein hart erarbeitetes Korn bei ihm abliefert/abliefern muss?

Und genau das ist doch, was ständig passiert. Solange die Verwalter ehrlich sind, geht das System klar. Dies dürften sie gemeinhin jedoch weniger sein. Merkt ja keiner, wenn ich da noch einen Sack wegnehme... und dann noch einen... und so weiter.



Beweise heute? Von März 2020 bis November 2020 sind die 100 Reichsten weltweit um 3.900.000.000.000 (3,9 Billionen) Währungseinheiten reicher geworden. Deren persönliche Schaffensleistung von Waren: Null. Zugleich sind die Ärmsten 3.700.000.000.000 (3,7 Billionen) Währungseinheiten ärmer geworden. Nur in diesen genannten 8 Monaten!

Es ist klar, dass diese Reichsten jetzt mit ihren Geld- und Machtmitteln durch ihre Medien behaupten: Die Armen sind schuld. Die Armen müssen sich schämen, wenn sie mal einen Monat hinter der Scheune liegen. Oder ein Jahr.

So funktioniert das. Also bitte, WER ist hier der Schmarotzer und muss sich hier eigentlich schämen? Hm?
Mit dem, was das "obere" Hundertstel - eigentlich: "die niedrigsten Kreaturen" - sich in Tausenden von Jahren von den Menschen zusammengestohlen und gerafft hat, könnten sie problemlos den ganzen Planeten für lange,lange Zeit versorgen, während die Menschen derweil in der Kneipe sitzen und Bakkarat spielen.

Kommt bitte nichtmal auf den Gedanken, euch im Rahmen Arbeit/Sozialgesetze für irgendwas zu schämen. Danke.


 

Falkenflug

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Hallo CrayonSchlafen,
gefällt mir gut was Du da geschrieben hast.
Es ist leider doch so, das wenn Du z.b. auf einer Party, in einer Kneipe oder sonst einer gesellschaftlichen Veranstaltung bist und mit einer Person oder in einer Gruppe im Gespräch bist gefragt wirst was Du beruflich machst, dann nur sagen kannst ,,Bin im ALG2 Bezug" das finde ich schon beschämend, weil es zwar richtig ist was Du schreibst und auch viele im H4 Bezug wirklich mit aller Gewalt darin festgehalten werden oder die Alternative haben im Niedriglohnsektor zu malochen, ist beschämend im Vergleich dazu zu sehen wie 100 Leute dieses Planeten in nur 8 Monaten um knapp 4 Billionen reicher geworden sind.
Das Geld fließt unabhörlich in einem Sog von unten nach oben, es wird einfach wie mit einem riesigen Staubsauger abgesaugt und zwar mit einer Gewalt die hier unten nur noch verbrannte Erde zurückläßt.
Umso erbärmlicher ist das Tun der Gesinnungshelfer in den Ämtern, die unaufhörlich mit der Keule auf die draufhauen, die eine anständig bezahlte Arbeit verrichten wollen und mit immer neuen Sprüchen und Fallstricken daran gehindert werden, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
Ich selbst habe mich seit der Aufgabe meiner Tätigkeit als Fahrradkurier, in der ich mit 35/36 Stunden die Woche fast bei Vollzeit lag, aus gesundheitlichen Gründen gesellschaftlich sehr zurückgezogen und hatte gehofft über meine Reha in ein anderes Berufsfeld eintreten zu können.
Daraus ist eine eingereichte Klage gegen das Arbeitsamt geworden, im November 2019, die bis Heute nicht verhandelt worden ist und aktuell ist kein Termin in Sicht.
Es ist mir nachwievor aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich vorher ausgeübte Tätigkeiten zu verrichten und auch Tätigkeiten im Minijobbereich wie Regale auffüllen oder putzen gehen hängen mir aus dem Hals heraus, weil das dermaßen unbefriedigend und meist mit hohem Arbeitsdruck verbunden ist, das ich aus lauter Frust nach der Knechte zur Flasche greife.
Für mich dreht es sich im Kreis, der sich mittlerweile zu einer Abwärtsspirale der sozialen Verelendung geführt hat.
Und selbst die Umsetzung einer Geschäftsidee die man haben könnte ist mit einer gewissen Finanzierung verbunden.
Leute die studiert haben oder sonstige berufliche Qualifikationen darlegen, können mit ,, Start up's" finanzielle Mittel erlangen um durchzustarten.
Versuche mal beim Jobcenter mit Darlegung einer Geschäftsidee unterstützt zu werden geschweige denn von einer Bank oder der Kreditanstalt für Wiederaufbau.
Ich sage: Danke Deutschland!

Solange wir uns nicht organisieren wird es noch schlimmer werden.
Wir sind zu den Fußabtretern der Nation degradiert!
 

Realo

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Ich kann auch nicht verstehen, warum man immer mehr und mehr haben muss... Aber vielleicht sollte man auch mal berücksichtigen, dass die bösen reichen ja auch irgendwo ihren Teil zum System beitragen ... man kann sich herrlich darüber aufregen, dass beispielsweise eine Familie Quandt mehrere Millionen Dividenden aus BMW Aktien erhältl... Man kann aber auch durchaus mal fragen, wo denn BMW heute stünde, wenn nicht damals ein Herr Quandt den Laden umgekrempelt hätte...
 

CrayonSchlafen

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Danke euch.

Wir sind zu den Fußabtretern der Nation degradiert!

Das empfinde ich als Frage der Perspektive. Ich würde da fragen: "Wer hat ein Interesse daran, dass ich so empfinde?", "Wer kontrolliert mein Gefühlsleben und das der Anderen?", "Wird hier Jemand gegen Jemanden aufgehetzt? Wenn ja, wer tut das und warum?"

Verstehst? Damit sollst du fertiggemacht werden - du erlaubst ihnen, auf ihr Spiel gefühlsmäßig einzugehen und fühlst dich ganz klein. Frage: Warum kümmert oder belastet dich, was Andere von dir denken? Du hast Fähigkeiten und Wissen, welches andere Menschen nicht besitzen. Weshalb soltest du geringer sein als Andere? Dieser Zustand existiert nur in deinem Kopf. Zugegeben, er wurde dort hineingeschossen - dessen muss man sich erst einmal bewusst werden.

Besser noch: "Warum gebe ich durch mein Empfinden diesen Menschen die Macht, mit meinen Gefühlen zu spielen?"

Onkel Toms Ansatz klingt da viel spannender: Die sind Eiskalt und Gefühlslos. Also bin ich es mit ihnen ebenfalls.
Freundlich, hilfsbereit und nett sein - das sollte man sich für seine Freunde oder Gesinnungsgenossen aufsparen.


Aber vielleicht sollte man auch mal berücksichtigen, dass die bösen reichen ja auch irgendwo ihren Teil zum System beitragen ... man kann sich herrlich darüber aufregen, dass beispielsweise eine Familie Quandt mehrere Millionen Dividenden aus BMW Aktien erhältl... Man kann aber auch durchaus mal fragen, wo denn BMW heute stünde, wenn nicht damals ein Herr Quandt den Laden umgekrempelt hätte...

Dies würde viel zu sehr ins Detail gehen. Wenn man sich in Details verliert, kann man alles hin und her drehen. Und verliert den Überblick über die eigentlichen Probleme.

Ich würde antworten: Das, was der Lagerverwalter früher still und heimlich tat (hier einen Sack beiseiteschaffen... dort einen... keiner merkt's) haben sie sich mittlerweile mit Gesetzen legalisiert. Diebstahl und Raub an den Mitmenschen ist damit für die LEGAL. Dividende, Zins und Zinseszins... Beträge virtuell aus dem Nichts schaffen ohne einen Handschlag.

Deshalb nochmal: Wer sind hier die, welche sich schämen müssen?
 

sonnyterry

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Seit Beginn der Menschheit gibt es die Starken und die Schwachen, die Anführer und die Untergebenen, die Gutsherren und die Leibeigenen, die Reichen und die Armen. Egal, ob das Gesellschaftssystem Monarchie, Diktatur, Feudalismus, Republik, Kommunismus, Demokratie, Globalismus oder Digitalismus heißt – die Hierarchie bleibt immer gleich! Mag sein, dass die Anarchie das gerechteste Sytem ist, aber die hält meist nicht lange …

Warum soll ich mich schämen, dass ich seit vielen Jahren zu den „unteren Zehntausend“ gehöre? Das ich mich schämen soll, das wollen sowieso nur die anderen! Nur beim Sterben sind wir alle gleich!

Ich find’ dies Thema blöd!;)
 

Realo

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Warum soll sich ein Aktionär schämen dafür, dass er mit seinem Geld bei der Firma oder einem Unternehmen es ermöglicht Arbeitsplätze zu schaffen, Steuern zu zahlen und dabei noch etwas für sich rausspringt? Nicht jeder Unternehmer ist so wie amazon. Und auch wenn du es vielleicht nicht nachvollziehen kannst... Es gibt durchaus Unternehmen, die ihre Mitarbeiter fördern. Ich denke, dass deine Betrachtungsweise etwas zu kurz greift...
"Deshalb nochmal: Wer sind hier die, welche sich schämen müssen?" sag du es mir. Die Aktionäre oder Unternehmer? Warum? Weil sie auf eigenes Risiko etwas investieren? Warum sollte sich ein Hartz IV Bezieher schämen? Weil er vielleicht einfach Pech hatte? Oder eben nicht den finanziellen Background eines Erbes hatte? Ich sehe in keinem der genannten Fälle einen Grund sich für irgendetwas zu schämen...
 
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