Stigma Hartz4: Muss man sich heute noch immer schämen Leistungsbezieher zu sein?

Stigma Hartz4: Muss man sich heute noch immer schämen Leistungbezieher zu sein?


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Teebaum

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Karinik in der Jobkaribik. Kennst du eigentlich den Unterschied zwischen Job und Beruf? Das Aufgabenspektrum, welches ein normaler Berufstätiger zu bewältigen hat? Der Sinn eines Studiums? Wir befinden uns hier leider gerade auf Jobcenter (JOB) Niveau. Das ist dann deine Lösung? Ein Job ausführen, anstatt ALG2 zu beziehen? Damit möchtest du anderen und Kindern eine Perspektive geben? Ich bleibe dabei, du hast innerlich resigniert. Konto ist ja soweit voll, passt.
 

Karinik

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Job und Beruf - Beruf womöglich von Berufung, das kann ich mir bei meiner Behinderung nicht leisten. Auf mich wartet keiner. 1971 gab es 163000 Arbeitslose und ca. 400000 offene Stellen. Die Zeiten sind vorbei und kommen auch nie wieder.

Aufgabenspektrum eines normalen Berufsanfänger. - Das kenne ich. Ich wurde nicht aus sozialen Gründen eingestellt, sondern saß im gleichen Assessment mit 10 Nichtbehinderten. Damals mussten Schwerbehinderte nicht ein Mal eingeladen werden. Einen Betriebsrat gab es damals in dem Konzern nicht. Zudem habe ich die gleichen arbeitsrechtlichen Pflichten - ok 5 Tage mehr Urlaub.

Sinn des Studiums - bei mir Chance auf einen Arbeitsplatz
Ein Job ausführen, anstatt ALG2 zu beziehen? - Aber 100%
Perspektive geben - Kinder habe ich keine und welche Perspektive jemand für sich wählt ist alleine seine Sache. Damit habe ich nichts zu tun
innerlich resigniert - Dass der Beruf ja sogar schon das Studium nicht meine Berufung ist, war mir von Anfang an klar. Aber auch nicht mein Ziel. Gezwungenermaßen musste ich mich an der Realität orientieren. Wie gesagt niemand wartet auf so jemanden wie mich. Selbstverwirklichen kann ich mich auch außerhalb des Jobs
Konto ist soweit voll, passt - stimmt und Zufall, Erbe, staatliche Leistungen Aktiengewinne sind nicht der Grund
 
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Onkel Tom

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Hat jemand reale Erfahrungen in Sachen Benachteiligung durch Hartz IV gemacht.
Mit H4-Bezug leben zu müssen, war kein Geheimnis, zumal ich immer wieder von anderen
empfohlen wurde a la "Du hast Ärger mit dem Amt ? Spreche mal mit Tom darüber, der hat
Ahnung davon, was man da machen kann.."
In der H4-verunsicherten Zeit (2005-2009) war ich in meinem Umfeld gefragt aber wohl nur
aus Gründen von Egoismen anderer.

Nach der volxverhetzerischen Medienkampangne a la alle Harzis faul und asozial blabla
wendete sich die Situation auch für mich.. Immer mehr Orte und Bekannte fielen weg, wo
ich mich als H4-Empfänger aufhalten konnte, artete teilweise sogar in heftigen Schlägereien
aus, weil die "Blöd" und "MOPO" die Wahrheiten gepachtet hätten.. Anbei frage ich mich,
warum z.B. RTL-TV nicht schon abgeschaltet wurde, da sie ja besonders dahinter her sind
schwächere zu dissen und in Meinungsbildmache diffamierend gegen Minderheiten sendet.

Glaubst Du ernsthaft, dass Deutschland in der Lage wäre, das zu wiederholen, ohne, dass wir weltweit in die Schranken gewiesen würden?
Wer würde D. in die Schranken weisen wollen, solange "Zersetzung" von Erwerbslosen nur auf Ebenen plüschologischer
und Black-Pädagogik durch gezogen wird ? Die Amis villeicht ? Nöö ganz bestimmt nicht, zumal sie ihre kapitalistischen
Strukturen anbei selbst kritisch beäugeln müssten.. Wäre D. mit mehr Bodenschätzen betucht, sähe das natürlich anders
aus.

Ja natürlich. Die SB müssen Sanktionsquoten erfüllen und wer richtig gut darin ist, bekommt eine Prämie dafür.
Das stimmt nicht so ganz.. Es gibt zwar "Lobpreisungen" für Teamleiter_innen im JC aber der Front-Office-Bereich
(Arbeitsvermittler / SB) selbst hat nichts davon außer weiter dort arbeiten zu dürfen. (AV-Verlängerungen).

Klassen, Proletariat.. pfft geht mir am Allerwertestens vorbei. Fühle mich nicht ein Mal als Teil einer Gesellschaft.
Danke für diese Klarstellung.. Nu bin ich noch schlauer darüber geworden zur Frage, woran der gesellschaftliche
Zusammenhalt zerbricht.. Ist ja nicht mehr viel davon vorhanden und wenn der Rest auch noch futsch ist, kann der
nächste Krieg in Europa ja kommen, der sich möglicherweise zwichen arm und reich drehen dürfte..
 

Beebug

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Man merkt doch alleine in den sozialen Medien immer wieder, welchen Stellenwert man als Bezieher von diesen Leistungen hat. Alleine jetzt die 150€ Sonderzahlung...
Ey Leute denke ich mir dann: da sind auch Aufstocker bei! Azubis, Rentner, Geringverdiener (irgendwie muss ja der Bürger billig an seinen Krempel dran kommen, daher zahlen diverse Unternehmen halt den Mindestlohn und stellen TZ ein) und auch Menschen die nicht arbeiten können!

Bei meinem Ex war es mir sehr unangenehm, die Bemerkungen, Blicke, Sprüche. Er hat zu diesem Zeitpunkt eine Maßnahme im GaLaBau besucht, ich habe dann irgendwann gesagt er macht Hilfsarbeiten im GaLabau. Man ist es irgendwann Leid.
Bei manchen scheint im Kopf noch nicht angekommen zu sein, dass man da sehr schnell reingeraten kann.
Ich liebe auch die Bemerkung: Es gibt so viele offenen Stellen!
Ja, aber zu wenige und in der Jobbörse sind nicht selten Stellen drinne, die schon seit Monaten nicht mehr existieren. Wollen die auch nicht hören. Und ich verstehe leider auch wenn jemand sagt: Arbeiten kostet mich mehr, als ich einnehme. War bei der ehem. Stelle meines Mitbewohners so. Da hat er Brutto soviel bekommen wie jetzt ALG2 und hatte noch Fahrkosten, Verpflegung usw und den Psychoterror gab es gratis dazu.
 

Ruhrpottmensch

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Man merkt doch alleine in den sozialen Medien immer wieder, welchen Stellenwert man als Bezieher von diesen Leistungen hat. Alleine jetzt die 150€ Sonderzahlung...
Das ist in den letzten Jahren eh die größte Seuche geworden (Noch größer als Corona vielleicht?!)... :unsure:

Nicht erst seit der "Orange aus Florida" gehört es "zum guten Ton", seine Meinung ungefiltert (und meisten auch unreflektiert) ins Netz zu blasen...
Da muss "Karl-Jürgen" von Nebenan eben nicht auf den monatlichen Stammtisch in der Eckkneipe mit Pils & patriotischen Sprüchen warten. Und kann so direkt seinen eigenen (Lebens)Frust der weiten Welt klagen...

Aber auch gerade deswegen sollte man als ELO (Leistungsempfänger) alles dafür tun, eben nicht dem "Schema" zu entsprechen.
Wie gesagt... Das ganze "Pandemie-Ding" hat vielen (leider eben noch nicht allen) den Kopf ein bisschen "gerade" gerückt. Leider habe ich wenig Hoffnung, dass "reißerische" Berichtserstattung und irgendwelche "Sendungen auf unterstem Niveau" so schnell verschwinden. Dazu (und da gebe ich einigen hier tatsächlich recht) sind leider noch viel zu viel Menschen im Ländle zu "dumm" und "faul". Und lassen sich in ihren "Bequemlichkeit" zu gern auf solche "Sprachrohre" ein... :cautious:
 

Andromeda82

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Man merkt doch alleine in den sozialen Medien immer wieder, welchen Stellenwert man als Bezieher von diesen Leistungen hat. Alleine jetzt die 150€ Sonderzahlung...
Ey Leute denke ich mir dann: da sind auch Aufstocker bei! Azubis, Rentner, Geringverdiener (irgendwie muss ja der Bürger billig an seinen Krempel dran kommen, daher zahlen diverse Unternehmen halt den Mindestlohn und stellen TZ ein) und auch Menschen die nicht arbeiten können!
In der Regel sind nur Leute auf Leistungsbezieher neidisch, die intuitiv selber merken, dass sie in ihrem Job ausgebeutet werden und faktisch ein mieses Leben haben.
Oft kommt sehr schnell die Einsicht bei solchen Neidern, wenn ich mit der Gegenfrage "Fragst du dich nicht manchmal selbst, wieso du trotz Vollzeitjob neidisch auf Menschen bist, die am Existenzminimum leben müssen?" zum Nachdenken anrege.
Dieser Neidreflex wurde den Menschen über Jahrzehnte medial Indoktriniert. Eine wirkliche eigene Meinung haben die allermeisten Neider selten. Sie plappern nur Parolen nach, die gerade en vogue zu sein scheinen.

Jedenfalls habe ich eigentlich keine gut verdienende, zufriedene Menschen erlebt, die gegen Leistungsbezieher wettern.
Die mediale Doktrin "Leistungsbezieher sind schlecht" dient den Eliten dazu, den Frust der Millionen unzufriedener, ausgebeuteter Sklaven umzulenken.
 

atasteofbunny

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@Karinik die Zeiten, in denen eine fundierte Ausbildung vor Arbeitslosigkeit schützt, sind längst vorbei. Ich habe eine Ausbildung und ein Studium, beides mit guten Noten abgeschlossen. War trotzdem jahrelang befristet beschäftigt, zwischendurch immer wieder arbeitslos. Meine längste Phase war 3 Jahre und 2 Monate lang.
 

Gollum1964

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Der Paragraf mit dem Wegholen von der Straße im früheren BSHG ist meines Wissens in den 70er Jahren abgeschafft worden. Kann man im Internet mit etwas Mühe relativ leicht selbst finden.
1969

ca. 8000 Menschen soll es auf diese Weise in Arbeitshäuser verschlagen haben.
 
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Harzfünfer

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Da ist der besagte pensionierte Schrankenwärter,
Schrankenwärter? Gibt es sowas überhaupt noch? Oder wann hat der gearbeitet?
In einer dort gezeigten Statistik hatten 63% der Langzeitarbeitslosen keine oder eine abgebrochene Schul/Berufsausbildung.
Ich habe kürzlich gelesen, man würde wenn man 4 Jahre aus dem Beruf raus ist, automatisch (wieder) als un(aus)gebildet zählen in der Statistik...das erklärt natürlich so einiges...


Und ich muss hier noch mal betonen, dass viele Leute, auch mit oder trotz guter Ausbildung oder Studium da hineingeraten. Ich als mutmaßlicher Autist, und auf jeden Fall psychisch Kranker mit autistischen Zügen, merke das auch, wie ich nirgends gebraucht werde. Es haben sich für viele Menschen mit bestimmten Charaktereigenschaften wie Einzelgänger, Nonkonformist etc., die Chancen massiv verschlechtert, noch irgendwo einen Fuß reinzubekommen. Und es dauerhaft auf dem Arbeitsmarkt auszuhalten.
Irgendwo ist es auch die Wahl zwischen Pest und Cholera.
Würde man mir 800€ auf die Kralle geben in Form eine negativen Einkommenssteuer oder sowas, ich würde einfach für den Rest des Lebens daheim sitzen, weil ich es leid bin. Da hat man wenigstens seine Ruhe.

In diesem Hartz-IV-System kommt dann auch halt auch noch alles zusammen, von Menschen die Probleme haben bis hin zu hochproblematischen Menschen. Mit einem nicht unerheblichen Teil der Leistungsbezieher würde ich auch lieber keine Bekanntschaft machen wollen, ehrlich gesagt.
Mein Problem ist, dass es für mich keine Arbeit gibt und mir keiner eine verschaffen möchte. Und alleine kann ich das nicht.
Jedoch habe ich weder was mit Drogen oder mit Gefängnis je was zu tun gehabt, oder andere Dinge in der Richtung.
 
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Andromeda82

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Schrankenwärter? Gibt es sowas überhaupt noch? Oder wann hat der gearbeitet?

Und ob. Der hat bis vor 5 Jahren noch Altersteilzeit mit 55 gearbeitet. Diese ganzen BahnwärterHäuschen sind bis heute noch in Betrieb.

Schau dir mal den Beitrag von extra3 "Schrankenwärter Laumann" an. Die in diesem Videobeitrag gezeigte Blockstelle gibt es zwar nicht mehr, doch wenige Kilometer weiter sind diese Häuschen noch in Betrieb.
Ich gönne wirklich jedem der alten Beamten ein sehr gutes Einkommen. Nur muss es halt in Relation zu den normal arbeitenden Menschen gerecht zugehen. Wie gesagt, ein pensionierter Schrankenwärter sitzt mit spätestens 57 mit gut 2100 Euro Pension zzgl 70% PKV-Zuschuss daheim. Und der Witz ist, dass angestellte Schrankenwärter mit vergleichbarer Dienstzugehörigkeit im aktiven Dienst gut 600 Euro weniger netto auf der Hand haben, als ein verbeamteter Schrankenwärter als Pension erhält.
Ich hatte ursprünglich bei der Bahn gelernt und stand somit in Kontakt zu vielen Bahnleuten. Bei den Lokführern ähnliche krasse Missverhältnisse: Ein verbeamteter Lokführer erhält für ein und dieselbe Arbeit kurz vor der Pension die Besoldungsstufe A9z und kommt locker bei über 3400 Euro zzgl. PKV-Zuschuss raus, während ein angestellter Lokführer mit ähnlichen Dienstjahren gut 1600 Euro weniger netto hat. Wir reden hier also nicht um wenige hundert Euro Differenz, sondern eklatanten Summen.

Ich las vor wenigen Jahren mal eine Statistik über die Herkunft von deutschen Kreuzfahrttouristen: über 80% der Kreuzfahrer waren demnach Beamte oder Pensionäre. Und nein, nicht Rentner aus Österreich, die dort Pensionäre heißen.
Jeder zehnte Steuereuro geht in D alleine für Beamtenpensionen drauf!
Das muss man sich nur einmal auf der Zunge zergehen lassen!
Diese Tatsachen werden den noch aktiven Bediensteten bewusst verschwiegen!
 

Gollum1964

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Ich hatte ursprünglich bei der Bahn gelernt und stand somit in Kontakt zu vielen Bahnleuten. Bei den Lokführern ähnliche krasse Missverhältnisse: Ein verbeamteter Lokführer erhält für ein und dieselbe Arbeit kurz vor der Pension die Besoldungsstufe A9z und kommt locker bei über 3400 Euro zzgl. PKV-Zuschuss raus, während ein angestellter Lokführer mit ähnlichen Dienstjahren gut 1600 Euro weniger netto hat. Wir reden hier also nicht um wenige hundert Euro Differenz, sondern eklatanten Summen.
Andromeda,

dieselbe Problematik bei Pflegepersonal in öffentlichen und privaten Pflegeheimen, wobei letztere häufig für die mental und körperlich anstrengende Arbeit nur Niedriglöhne zahlen.
In der Lehrerschaft (beamtet oder nicht beamtet) dasselbe
eine zunehmende Bedeutung gewinnt die Problematik auch bei Leiharbeitnehmern und Festangestellten.

Ich wurde früher nach dem ERA-Tarif Metall entlohnt. Unterste Lohnstufe für Ungelernt ab ca. 15-16 EUR brutto, bei ZAF für E1 oder E2 9,xx EUR. Nix mit gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit! Das ganze sogar offiziell von den Gewerkschaftsbossen abgesegnet.
 

TazD

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Ein verbeamteter Lokführer erhält für ein und dieselbe Arbeit kurz vor der Pension die Besoldungsstufe A9z und kommt locker bei über 3400 Euro
Das würde einem Brutto-Sold von über 4.420,- € entsprechen. Das klappt mit A9 weder mit Zulagen noch in der letzten Altersstufe.

zzgl 70% PKV-Zuschuss
Was soll das für ein Zuschuss sein? Der Pensionär zahlt seine Krankenversicherung in Höhe von mindestens 200,- selbst, was also auch noch von der Pension abzuziehen wäre und erhält lediglich für die Behandlungskosten eine Beihilfe in Höhe von 70%. D.h, dass 70% der Kosten vom ehemaligen Dienstherrn bezahlt werden. Die restlichen 30% sind entweder selbst zu tragen oder es ist auch dafür eine zusätzliche Versicherung abzuschließen.

Mal von dem Beamten-Bashing abgesehen, frage ich mich, was das mit dem Thema zu tun hat?
 
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Harzfünfer

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Ich finde es auch eine Sauerei, diese Zustände. Gleicher für gleiche Arbeit, so sollte es sein.
Außerdem finde ich das System fragwürdig, bei mehr Dienstjahren ein höheres Gehalt zu bekommen. Wenn das anders laufen würde, hätte es vielleicht auch weniger diese Problematik, dass Leute aus Unternehmen rausgeworfen werden, weil sie zu teuer werden.
Ich würde an so einer Stelle lieber weniger verdienen, aber dafür noch beschäftigt werden, anstatt mit 50 auf der Straße zu stehen.

Aber soweit ich weiß, werden heute nicht mehr viele Leute bei der Bahn verbeamtet, die jüngeren haben andere Beschäftigungsverhältnisse.

btw es sind auch nicht alle Beamten privatversichert, ich kenne einen Beamten, der das laut eigenen Angaben nicht ist. Vielleicht liegt es an seiner relativ niedrigen Besoldung.
 

TazD

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@Harzfünfer
Auch an dich die Frage, was dein Beitrag mit

Stigma Hartz4: Muss man sich heute noch immer schämen Leistungsbezieher zu sein?​

zu tun hat?
 

Harzfünfer

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Naja indirekt schon.
Wenn man Leute wegen Alters bzw. zu hoher Vergütung seitens der Unternehmen loswerden will, dann landen diese sehr schnell im Hartz-IV-System und sind, man kann fast sagen, irgendwo auch abgestempelt. Ist ja auf jeden Fall ein Stigma, leider.
 

Andromeda82

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@Harzfünfer
Auch an dich die Frage, was dein Beitrag mit

Stigma Hartz4: Muss man sich heute ...​

zu tun hat?
Eine ganze Menge!
Denn erst wenn diese krassen Ungleichheiten aufgehoben sind, kann überhaupt erst diskutiert werden , ob sich ein Leistungsbezieher schuldig fühlen soll oder nicht!

Aber soweit ich weiß, werden heute nicht mehr viele Leute bei der Bahn verbeamtet, die jüngeren haben andere Beschäftigungsverhältnisse.

btw es sind auch nicht alle Beamten privatversichert, ich kenne einen Beamten, der das laut eigenen Angaben nicht ist. Vielleicht liegt es an seiner relativ niedrigen Besoldung.
Bei der Bahn werden seit 1995 schon keine Leute mehr verbeamtet. Es arbeiten jedoch noch genügend Bundesbeamte aktiv bei der Bahn, mit eben den krass unterschiedlichen Einkommen und Altersabsicherungssystemen trotz exakt gleicher Arbeit.
Nur wird eben dieses Missverhältnis nicht an die große Glocke gehängt.

Ich kann gut verstehen, wieso einige wenige User dieses Aufzeigen von massiven Ungerechtigkeiten bitter aufstößt. Deswegen ist auch gleich Beamtenbashing. Ich verstehe. Subtil profitieren möglicherweise einige dieser User auch von den Zuständen und wollen nicht, dass öffentlich der Ist-Zustand publik wird.
 

Ruhrpottmensch

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Denn erst wenn diese krassen Ungleichheiten aufgehoben sind, kann überhaupt erst diskutiert werden , ob sich ein Leistungsbezieher schuldig fühlen soll oder nicht!
Genau... Man zieht auch erst in den Krieg und guckt dann, ob es einen Grund dafür gibt... :unsure:

Ich sags mal ganz frei raus:
So lange sich noch immer so viele Leistungsempfänger als "Bückstück der Gesellschaft" geben/zeigen, wird sich in der heutigen Zeit ganz sicherlich nichts ändern. Und so lange wird es auch kein (breites) Bündnis geben, welches wirklich wirklich mal die "Manpower" hat, um etwas (nachhaltig) am gesamten System zu ändern. Das man etwas "aufs System" schiebt und so lange nichts unternehmen möchte... Na ja... Ich sags mal so... Bestätigt bestimmt das ein oder anderes Vorurteil über die "faulen Hartzer"...

Genau... Man zieht auch erst in den Krieg und guckt dann, ob es einen Grund dafür gibt... :unsure:
Jetzt weiß ich auch wieder, woran mich das erinnert...
An den ollen Georgie und seinem Busenfreund Rumsfeld anno 2003 beim dritten zweiten Irakkrieg (Dritten Golfkrieg)... :D
 
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TazD

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ob sich ein Leistungsbezieher schuldig fühlen soll oder nicht!
Auch das war hier nicht die Frage. Ich kann es zwar auch überlesen haben, aber niemand hier hat Leistungsbeziehern irgendeine Schuld zugeschoben.
Aber lassen wir es gut sein. Ich stelle fest, dass sich Leistungsbezieher angeblich schämen müssen, weil Angestellte und Beamte ungleich bezahlt werden und das auch noch bei völlig verschiedenen Rechtsverhältnissen auf denen ihr Beschäftigungsverhältnis beruht. Sowas aber auch. Unterschiedliche Beschäftigungsverhältnisse werden unterschiedlich bezahlt.... Skandal!
Und deswegen muss man sich natürlich auch für den Leistungsbezug schämen. Völlig logisch.

Deswegen ist auch gleich Beamtenbashing.
Wenn man unrealistische Zahlen ins Thema wirft, um damit eine Personengruppe zu diskreditieren, dann ist das so. Das stimmt.
Da ist es egal, ob das "Harzer", Beamte, Ausländer, Marsmenschen oder andere Gruppen sind.

Leider nicht.

Subtil profitieren möglicherweise einige dieser User auch von den Zuständen und wollen nicht, dass öffentlich der Ist-Zustand publik wird.
Ne, da frag ich lieber nicht nach, inwiefern ich als Beamter davon profitiere, dass sich Leistungsbezieher schämen. Irgendeinen indirekten Zusammenhang gibts da bestimmt.

Wie gesagt, lassen wir es gut sein. Ist jetzt schon genug OffTopic.
 
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ExUser 71422

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Bei der Bahn werden seit 1995 schon keine Leute mehr verbeamtet. Es arbeiten jedoch noch genügend Bundesbeamte aktiv bei der Bahn, mit eben den krass unterschiedlichen Einkommen und Altersabsicherungssystemen trotz exakt gleicher Arbeit.
Nur wird eben dieses Missverhältnis nicht an die große Glocke gehängt.
Wenn seit 26 Jahren bei der Bahn niemand mehr verbeamtet wird, endet die Zeit der letzten, noch aktiven Beamten in diesem Staatsunternehmen schon recht bald.

Die Leute, die heute dort noch Beamte sind, sind zu einer Zeit dort eingestiegen, wo man sie verlacht hat. "Beamter! Bist du verrückt? Mit so wenig Geld!" In der Industrie wurde damals sehr viel mehr Geld verdient. Der "Kleine Beamte" (mein Vater war selbst einer), war damals die Witzfigur. Allerdings: Wer lacht heute?

Klar ist aber auch, daß das Beamtentum vor 30, 40 Jahren Überhand nahm. Warum mir damals ein Beamter eine Briefmarke im Postamt verkaufte, leuchtete mir schon damals nicht ein. Ein Beamter - das finde ich - erledigt "hoheitliche Aufgaben". Eine Briefmarke zu verkaufen oder eine Telefonleitung zu schalten ist dies aus Sicht der Politik schon lange nicht mehr. Also hat man das Beamtentum abgeschafft bei der "Deutschen Bundespost".

Dennoch haben diese Leute Altverträge, und an Verträge muß man sich eben halten. Also scheiden sie irgendwann aus dem Amt, erfreuen sich an ihrer Pension und genießen noch einige gute Jahre. Warum auch nicht?

Die Arbeitswelt wandelt sich, und das ist ein vollkommen natürlicher Vorgang.
 

*kampfpaar*radikal.A

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..., inwiefern ich als Beamter davon profitiere, dass sich Leistungsbezieher schämen.

Irgendeinen indirekten Zusammenhang gibts da bestimmt.

OffTopic.

Als sehr aktiver (auch StraßenKämpfer) gg Hartz IV, wurde ich mehrmals kriminalisiert.
Nur > z. B. wegen der "SozialDemo" vor Jahren in Essen, zu der auch das ErwerbslosenForum aufrief.

Ich hatte in einer DemoKonfliktSituation per Mega deesakliert mit dem KnüttelSpruch:
"Die Bullen
gehen heut' duschen
splitternackt
denn sie hatten

VolxKontakt."

Eine höchst ehrenwerte Richterin :p Abteilung BeamtenMensch*in
fragte mich ob des Spruches im O-Ton:

"Schämen Sie sich nicht dafür?"
Ich sagte: "Nö."

Die Beamtin profitierte ob meiner SchamUmkehr
per GefühlsUmwandlung ergebnisorientiert urteilend

zur Kleinigkeit:
6 Monate Bau ohne Bewährung zzgl 600 Lotten BesserungsGebühr. (Wurde später leicht minimiert in 2. Verhandlung.)

Aber:
Das kann doch einen Seemann, äh, *Kämpfer* nicht erschüttern,
Fallerie, Fallera, Hoppsassa ... gelle?

(???Geschämt? habe ich mich allerdings, den RechtsHilfeFond in Anspruch zu nehmen!)

Ja, ja, die Seelchen kleiner Beamtesse ...

VORWÄRTS im Kampf gegen die Scham!
.
 

grün_fink

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sorry grün_fink
Das Schulsystem der ehm. DDR ist was anderes. Ich bezog mich auf das der BRD. Und bei der Abwicklung der DDR, ich sage nur Treuhand sind nicht nur Firmen, sondern auch Menschen ungerechtfertigterweise unter die Räder gekommen.
Ja, das Schulsystem in der DDR war ein anderes. Nur bezweifle ich immer noch, ob 50% aller Kinder eines Jahrgangs ein gutes Abi hin bekommen. Da muss ja unseres höllisch schwer gewesen sein, wenn das immerhin 5 Prozent aller Kinder eines Jahrganges hin bekommen haben, nich wahr?
Nein, dass die Ossis damals schon einen Vorgeschmack bekommen haben auf das, was später als Langzeitarbeitslosigkeit mit Hartz IV bekämpft werden sollte, hat beileibe nicht nur mit der Treuhand zu tun, wenn ich bei mir selber schaue, was sich da aufgetan hat an Sachen.

Job und Beruf - Beruf womöglich von Berufung, das kann ich mir bei meiner Behinderung nicht leisten. Auf mich wartet keiner. 1971 gab es 163000 Arbeitslose und ca. 400000 offene Stellen. Die Zeiten sind vorbei und kommen auch nie wieder.
Ach Job und Beruf, da kann ich auch wieder mitreden. Hatte ich auch vor Hartz IV schon.
Wie ist es denn, wenn ein Arzt einen an der Psyche behandeln soll und auf seiner Krankenakte oben nur nach Beruf gefragt wird und nicht nach Job, also aktueller Tätigkeit?
Ja bei mir als Ingenieurin prangte da ganz groß auf dem Vordruck: Beruf - Lageristin. Ja, meiner war ein ganz anderer. So verschleiert man selbst im Medizinsystem, wo einem dann geholfen werden soll, den Blick auf die Problemlage des Menschen, so dass sich das Problem der Krankheit noch verschärft.
Ja, ich hab mich damals schon trotzt Wissen und Einsicht auch geschämt. Der Grund war die zusätzliche Stigmatisierung mit Psychodiagnosen und vermurkste Behandlung. Das Gefühl entstand aus Überforderung und Depression. Sogar die Behandler von psychischen Krankheiten geben offen zu, dass die Stigmatisierung von den Patienten ein großes Problem ist. Wieso soll das beim "Fürsorgeempfänger" also so anders sein?

Das hat zwar jetzt nicht direkt etwas mit ALG II zu tun, doch zeigt es, dass schon damals Teile der Bevölkersung ähnliche Probleme hatten als heute Leute im ALG II. Es wurde noch nix daraus gelernt.

innerlich resigniert - Dass der Beruf ja sogar schon das Studium nicht meine Berufung ist, war mir von Anfang an klar. Aber auch nicht mein Ziel. Gezwungenermaßen musste ich mich an der Realität orientieren. Wie gesagt niemand wartet auf so jemanden wie mich. Selbstverwirklichen kann ich mich auch außerhalb des Jobs
Ja klar, wenn man für den Job 60-80 Stunden in der Woche unterwegs ist, nicht wesentlich mehr verdient als ein Sozialhilfeempfänger und dumm angeguckt wird, klappt das ganz super.

Und ob. Der hat bis vor 5 Jahren noch Altersteilzeit mit 55 gearbeitet. Diese ganzen BahnwärterHäuschen sind bis heute noch in Betrieb.
Nö., bezweifel ich ganz stark.
Ich war vor einiger Zeit mal in der alten Heimat. Das Bahnwärterhäuschen im Nachbardorf meines Herkunftsdorfes verfällt. Die Strecke ist stillgelegt. Zuerst schloss man die Dorfbahnhöfe.

dieselbe Problematik bei Pflegepersonal in öffentlichen und privaten Pflegeheimen, wobei letztere häufig für die mental und körperlich anstrengende Arbeit nur Niedriglöhne zahlen.
Die jetzt so erschöpft sein sollen, dass sehr viele einen Berufswechsel anstreben nach Corona. Mich wundert da nix. Vom Idealismus alleine bleibt niemand gesund.

@Stauer und @Allimente
Danke für euer Mitgefühl. Das hat mich doch nochmal anders zum Nachdenken gebracht.
Ja, dass es mir so geht, hat nicht nur mit dem Ausgesondertsein zu tun und mit jahrzehntelanger Armut, stimmt.
Und rausgehn täte mir auch wieder mal gut.
 
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Harzfünfer

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Ja klar, wenn man für den Job 60-80 Stunden in der Woche unterwegs ist,
alle wetter, das hätte ich wohl keine woche ausgehalten. dafür bin/war ich schon im vorfeld zu kaputt von einem leben mit einer bis heute nicht richtig ausdiagnostizierten "tiefgreifenden entwicklungsstörung".

Ausbeutung, auch ein Punkt bei Hartz IV.
Wer noch nicht so kaputt ist schon im Vorfeld, lässt sich oft noch sehr lange ausbeuten, um der Jobcenter-Willkür zu entgehen, wo man auch möglicherweise dann in Sinnlosmaßnahmen und 1€-Job o.ä. gedrängt wird...:(
 

Andromeda82

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Die Arbeitswelt wandelt sich, und das ist ein vollkommen natürlicher Vorgang.
Genau solche Beschwichtigungen und Beschönigungen kommen immer nur von Leuten der älteren Generation.

Klar verändert sich die Arbeitswelt stetig. Doch warum soll die jüngere Generation trotz Vollzeitarbeit im Vergleich zu älteren Generation prekär leben müssen, während eben diese Älteren den letzten Wohlstand auf Kosten der Jugend abfrühstückt?
Zum Glück verweigern sich immer mehr jüngere Menschen dieser dubiosen Leistungsgesellschaft, eben weil sie nach nicht wenigen Jahren harter Arbeit und Leistung merken, dass am Ende des Monats nur Armut übrig bleibt. Auch die Aussichten im Alter trotz lebenslanger Arbeit unter der Armutsgrenze leben zu müssen, , ist nicht gerade motivierend.
Jeder jüngere Mensch, der diesen Missstand erkennt, kann nur auswandern oder die Leistung dieser Gesellschaft verständlicherweise verweigern.

@ All
Das war mein letzter Beitrag in diesem Thread.
 

grün_fink

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Ich hatte damals, als ich mich auf sowas einließ, auch schon meine starken "Gebrauchsspuren" in der Psyche, nicht nur guter Art, war nicht mehr ganz gesund. Ich hatte einfach keine Idee, was mit mir ist und wie das Problem behoben werden kann, und was mit meinem Leben weiter gehen soll, also in welche Richtung das gehen soll.
Im ALG II viele Jahre später landete ich tatsächlich mal in solch einer Maßnahme, hielt es dann nur noch eine Woche aus, bevor Medikamente angesagt waren und Krankschreibung, später die Berentung.
Ich bin auch nicht ausdiagnostiziert, hat man nie wirklich gemacht, aus heute nachvollziehbaren Gründen. Heute bin ich einfach zu alt dafür. Die Erinnerung musste herhalten für eine bestmögliche Annäherung an die Wahrheit.
 
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