Stigma Hartz4: Muss man sich heute noch immer schämen Leistungsbezieher zu sein?

Stigma Hartz4: Muss man sich heute noch immer schämen Leistungbezieher zu sein?


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  • Andromeda82

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    Wie war das: Ich rufe dich Andromeda vom fernen Stern Galaktika..achnee andersrum ;)
    Hieß die Fee bei "Hallo Spencer" nicht Galaktika? ;)

    Mir fiel gestern bei der Anmeldung kein besserer Name ein. Also nagelt mich jetzt nicht fest wegen der Andromedagalaxie.
    Eigentlich wollte ich dem Forum auch nur meine Erfahrungen beim Antrag auf Mehrbedarf wegen Maskenpflicht mitteilen. Und nun habe ich eben wieder ein kleines Manifest in der Grundsatzdebatte um Scham und Schande für Leistungsempfänger losgelassen.
     

    grün_fink

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    Ich kenne dieselben Drohungen, wie @franzi in Beitrag #9 beschrieben hat, noch garniert mit der Aussage, dass man zu spuren hat. Meist bekam man sowas ab, wenn jemand anderes überfordert ist oder man selbst auch berechtigterweise wegen nicht interessierenden Kummers einen Durchhänger hatte.
    Also man lernte sehr früh, man ist wertlos und muss sich mehr als aufarbeiten, um überhaupt nur ein bissl zu zählen.
    Beste Vorbereitung, um letztendlich im ALG II zu landen. Da findet man dann die vertraute Geschichte in Form von Drangsalierung und Abwertung wieder in Form von Gesetzen und Gesagtem, persönliche und strukturelle Gewalt.

    Historisch möchte ich noch erinnern an den alten Paragrafen im westdeutschen Sozialhilfegesetz, dank dem man Menschen der Ordnung halber einsperren kann und zum Arbeiten zwingen. Das wurde dann wegen Gammelei und Verletzung der öffentlichen Ordnung auch gemacht. Sowas wirkt nach. Die Bilder des saufenden auf der Straße lungernden stinkenden lallenden Menschen in Lumpen sind immer noch präsent. Ja und der bekommt sogar noch genug Geld zum Saufen und Rauchen, während man selbst ja......
    In der DDR gab es im Gesetzbuch einen Paragrafen bezüglich Bummelantentum, womit eher das Nichtarbeiten gemeint war. Dies war bei Strafe verboten. Eine Untersuchung soll einmal herausgefunden haben, dass die meisten der angeblichen Bummelanten eigentlich krank waren, meist suchtkrank oder psychisch krank. Diese wurden von den Arbeitsbrigaden entweder mitgezogen, bestraft oder besonderen Arbeitsbrigaden zugeführt.

    Außerdem höre ich immer noch Aussagen, dass wir Ostdeutschen doch nur konsumieren und faulenzen wollten, also auch wieder dieses Klischee. Wenn ich dann Leute schocken will, brauche ich denen bloß die Wahrheit erzählen, nämlich dass ich als Akademikerin in der Nachwendezeit wegen Wohnungsschulden für eine Mietswohnung in Hilfsarbeiten tätig war und dafür 60-80 Stunden wöchentlich unterwegs war, und dass ich mich dadurch auf Dauer krank gearbeitet habe und jetzt voll erwerbsgemindert bin. Dann guckt so mancher völlig überrascht.

    Dass man als intelligenter Akademiker auch einen entsprechenden Job möchte oder auch braucht (dauernde geistige Unterforderung kann nämlich auch richtig krank machen), wird überall ignoriert. Entweder wissen es die Leute nicht besser oder sie sind selber frustriert wegen Benachteiligung oder sie sind im Sanktionssystem gefangen oder zu sehr davon beeinflusst.
    Die Privatmedien tun ja leider viel zuviel dazu.

    Insgesamt gehe ich kaum noch raus, auch um solchem Blödsinn zu entgehen, denn erleben tut man ja auch nix mehr und machen kann man auch nicht viel mangels Kohle und Kontakten.

    Mein Eindruck ist, dass die Jungen eher wissen, dass sie nahe am Hartz IV sind wie die Alten.

    gut situierte Boomer, die mit einfachsten Qualifikationen noch ein stattliches Vermögen ansparen konnten,
    Von welcher Welt sprichst du?
    Ich bin fast noch Boomer, mein für diesen Job sehr gutes Einkommen samt Ballungsraumzulage war nur wenig mehr als Sozialhilfe. Dafür war ich 3 Jahre lang fast rund um die Uhr unterwegs.
     

    Allimente

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    Außerdem höre ich immer noch Aussagen, dass wir Ostdeutschen doch nur konsumieren und faulenzen wollten, also auch wieder dieses Klischee
    Ich kann ganz viel von dem nachvollziehen, was Du geschrieben hast! Aber das ist knapp 32 Jahre her. Menschen, Hüben wie Drüben, die damit noch ein Problem haben, solltest Du ganz schnell vergessen.
     

    Andromeda82

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    @grün-Fink

    Ich meinte jetzt die ältere Generation und die meisten Boomer in meinem Umfeld.

    Du scheinst aus dem ehemaligen Osten zu kommen. Dort hat es die Mehrheit der Boomer natürlich viel schlechter getroffen.
    Diese hatte mit der Wende große Teile ihrer Existenzgrundlage verloren.

    Man sieht auch sehr schön bei den Wahlen, dass die linken Parteien im Osten deswegen bis heute in Relation zum Westen deutlichere Wähleranteile erhalten.
    Nicht wenige Regionen im Osten hatten seit der Wende faktisch keinen wirklichen Aufschwung.
    Bis heute zieht es immer noch nennenswerte Teile der jüngeren Generation, wegen Arbeit in den Westen, auch wenn medial etwas Anderes erzählt wird.
     

    grün_fink

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    @Allimente
    Tue ich ja auch, nur die Summe der Beschwernisse und Verluste wirkt halt doch heftig, oft auch zu heftig.
    Vor allem wenn in der einzigen Familie die man hat es genauso zugeht.

    Abwertung, Stigmatisierung, Ausgrenzung, Etikettierung ist leider viel zu gegenwärtig.

    @Andromeda82
    Ja ich komme aus dem Osten, letzter Jahrgang Uni-Absolventen der DDR. Die Branche, für dich ich studierte, gibt es längst nicht mehr.
    Eine wirklich Chance hatte ich rückwirkend betrachtet niemals, leider. Das liegt an zuvielen Sachen,
    Da spielen noch Annahmen über DDR-Bürger eine Rolle, sehr stark.
    Und dann bin ich noch Frau....

    Nicht mehr ganz so doof werde ich angeguckt, seit ich sagen kann, ich bin berentet (und nicht mehr im Hartz)-
    Das momentane Maskiertsein verdeckt auch einen dunklen Zahn.
    Es sind halt immer andere Belastungen, die hören nie mehr auf.
    Aber andere tragen noch mehr Belastungen, will mal nicht zuviel jammern.
     
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    Allimente

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    Tue ich ja auch, nur die Summe der Beschwernisse und Verluste wirkt halt doch heftig, oft auch zu heftig.
    Vor allem wenn in der einzigen Familie die man hat es genauso zugeht.
    Das kann ich schon nachvollziehen. Ich bin aber trotzdem der Meinung, dass mir/dir nur so weit geschadet werden kann, wie ich es selber zulasse. Manche Dinge sind einfach nicht schön und auch nicht nachzuvollziehen. So ist das aber leider. Und jede Minute, wo ich mir darüber meinen Kopf zerbreche oder nicht in den Schlaf komme, ist eine verlorene Minute. Das so zu handhaben ist sicher nicht einfach, aber am Ende sehr befreiend.
     

    Andromeda82

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    Das kann ich schon nachvollziehen. Ich bin aber trotzdem der Meinung, dass mir/dir nur so weit geschadet werden kann, wie ich es selber zulasse.
    Sehr richtig! Es kommt immer auf das richtige Mindset an. Medial sollte man sich inzwischen so gut es geht von den Massenmedien abschirmen. Dann noch ein gesundes Selbstwertgefühl und Talent, sich selbst zu beschäftigen.

    Leider sind die meisten Bürger einfach zu naiv und unselbstständig im Denken und glauben die Staatsdoktrin. Diese machen ihr Lebensglück alleine vom Job abhängig.
    Man kann sich auch ohne große finanzielle Mittel hervorragend alleine weiterbilden (nicht für irgendeinen Job!) und sich persönlich weiterentwickeln.
     

    atasteofbunny

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    Historisch möchte ich noch erinnern an den alten Paragrafen im westdeutschen Sozialhilfegesetz, dank dem man Menschen der Ordnung halber einsperren kann und zum Arbeiten zwingen. Das wurde dann wegen Gammelei und Verletzung der öffentlichen Ordnung auch gemacht.
    Das wusste ich gar nicht. Echt schlimm.
     

    Gollum1964

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    ja stimmt,

    Arbeitshäuser sind kein Relikt aus dem 3. Reich, sondern hat es sogar bis in die 60er Jahre in der BRD gegeben. Wer obdachlos und bettelnd aufgegriffen wurde, ist dort für ein paar Jahre "verschwunden". Wollen wir mal hoffen, dass wir keine ungünstigen politischen Konstellationen mehr bekommen, die dieses Modell wiederaufleben lassen.
     

    atasteofbunny

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    Das krasse ist, wenn ein reicher Mensch, der nicht berufstätig ist, tagsüber (wenn "alle" anderen im Büro arbeiten) im Café sitzt und es sich schick angezogen bei einem Latte macchiato gutgehen lässt, findet niemand etwas dabei.

    Wenn ein armer Mensch in abgetragenen Klamotten auf der Straße sitzt, wird er stigmatisiert.

    Ich frage mich, warum das eigentlich so ist.
     

    Allimente

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    Wollen wir mal hoffen, dass wir keine ungünstigen politischen Konstellationen mehr bekommen, die dieses Modell wiederaufleben lassen.
    Sorry, aber das hat ein bisschen was von Weltuntergangsstimmung. Glaubst Du ernsthaft, dass Deutschland in der Lage wäre, das zu wiederholen, ohne, dass wir weltweit in die Schranken gewiesen würden? Deutschland ist militärisch überhaupt nicht mehr in der Lage auch nur eine ganz kleine Rolle zu spielen, die solche Szenarien tatsächlich denkenswert machen. Und das ist auch gut so.
     

    Teebaum

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    Es wird Zeit, dass diese Querulanten deutsche Bootcamps kennen lernen. Euch geht es allen nämlich noch viel zu gut. Wehrpflicht abschaffen war auch so ein Ding, warum hier gesunde Menschen denken auf Staatskosten sich in ihrer Komfortzone einzurichten. Nach dem Motto: Das doch nicht mein Problem.

    **Hust**
     

    grün_fink

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    Das mit dem Geld ist so einfach auch nicht. Ich bin kaum aus der Überschuldung raus, in die Sozialhilfe rein.
    Man ist es zwar gewöhnt, aber belastend ist es ja doch.

    Man ist inzwischen alt geworden mit dem Kram, leider.
    Den letzten Funken freien Willen und Kraft konnte mir trotz Krankheit niemand nehmen.

    Was ich aber feststelle ist, dass ich auch deshalb nicht mehr wirklich unter die Leute gehe, um irgendwelche Fragen nicht mehr hören zu müssen, Frage nach Urlaub, Freund, Arbeit, Freizeit.... Also die angeblich so normalen Sachen.
    Anfangs hab ich noch viel mehr einfach geschluckt, wegen doofer Kommentare, aber auch schonmal wenn jemand sich laut in meiner Gegenwart wunderte, wieso ausgerechnet jemand wie ich nirgendwo unterkommt und sich so abspeisen lassen muss.

    Der Paragraf mit dem Wegholen von der Straße im früheren BSHG ist meines Wissens in den 70er Jahren abgeschafft worden. Kann man im Internet mit etwas Mühe relativ leicht selbst finden.
     

    Allimente

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    Was ich aber feststelle ist, dass ich auch deshalb nicht mehr wirklich unter die Leute gehe, um irgendwelche Fragen nicht mehr hören zu müssen, Frage nach Urlaub, Freund, Arbeit, Freizeit....
    Das tut mir aufrichtig leid für dich. Wenn in Deinem Umfeld echt nur so ein Schrott gefragt wird, solltest Du mal darüber nachdenken, ob Du dich überhaupt mit diesen Leuten umgeben solltest! Es kann doch nicht Dein Lebensinhalt sein, dass Du Menschen aus dem Weg gehst, nur weil Du dich für Deine Situation schämst.

    Ich weiß auch, dass nicht jeder so wie ich damit umgehen kann. Das ist auch nicht einfach. Aber letztendlich ist es Dein Leben und nur Du bestimmst, wer Dir auf den Sack gehen darf oder nicht. Das ist bestimmt schwierig für viele Menschen, aber da muss man eben durch. Trau dich mal was und zeig Leuten, die meinen dich verurteilen zu müssen, den Mittelfinger. Du wirst sehen, das befreit ungemein.
     

    *kampfpaar*radikal.A

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    :cool: ... sich schämen?

    Das KAPITAL zwingt uns über den STAAT in Hartz IV,
    um das Lohnniveau der GesamtArbeiter*innenschaft
    zu deckeln.
    Wir sind die ReserveArmee ... die Armee der Armen,
    die Drohkulisse als ÜBERFLÜSSIGE.

    Längst gilt mir aus anderem Zusammenhang:

    "Die Zeit der Scham ist vorbei."

    ... längst, längst, längst, längst ...
    .
     

    Stauer

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    Ist das SGB dahingehend ein Stigma?
    Hat jemand reale Erfahrungen in Sachen Benachteiligung durch Hartz IV gemacht.
    Das SGB ist kein Stigma. Das kommt in den Medien hoch. Es werden immer wieder regelrechte Hetzkampagnien über die Presse verbreitet, so daß ein Klischee inzwischen entstanden ist.
    Meine realen Erfahrungen, die als offene Diskriminierung ansehe, sehen so aus: Ich beworb mich um eine Arbeit. Da telefonierte ich mit einem AG. Es war ein recht nettes Gespräch und ich dachte schon, oh das kann was werden. Dann fragte er, was ich zur Zeit mache. Wahrheitsgemäß erwähnte ich meinen Hartz IV- Bezug. Total schockiert bekam ich wortwörtlich zu hören. "Was Hartz IV, damit wollen wir nichts zu tun haben."
    Bei anderen AG's hieß es auf meine Bewerbung hin, nein, wir stellen keine Hartz IV-rer ein.
    Manchmal wird man auch schräg angesehen. Wenn man über 50 ist, sieht man aber mehr Verständnis in der Bevölkerung.
    Intern existieren bestimmt schon Prämien für Sanktionen.
    Ja natürlich. Die SB müssen Sanktionsquoten erfüllen und wer richtig gut darin ist, bekommt eine Prämie dafür.
    Wer mich so ganz ohne Nachfrage warum und weshalb vorverurteilten würde, hat bei mir keine Chance. Diese Person wird gleich aus meinem Leben entsorgt. Ich schäme mich deswegen nicht und mir ist es auch völlig egal, was andere darüber denken oder nicht.
    Ganz genau so, handhabe ich das auch. Ich kann auch sortieren, mit wem ich zu tun haben will.
    "So, wie du aussiehst, bekommst du nie einen Mann ab!" etc.)
    Spätere Aussage meines SB: "So, wie Sie aussehen, stellt Sie ohnehin niemand ein!" - Alles schon gehört ...
    Das ist verbaler Mißbrauch, ein Skandal daß ein deutsches Amt solch einen Mißbrauch wieder zuläßt.
    Ich nehme Dich so an, wie Du bist und bin froh, daß es Dich gibt.
    Streiche einfach die charakterschwachen Menschen aus Deinem Leben raus. Vieleicht geht es Dir dann wieder besser.
    Also man lernte sehr früh, man ist wertlos und muss sich mehr als aufarbeiten, um überhaupt nur ein bissl zu zählen.
    Für mich zählst Du sehr viel und den Wert, den Du bei Deiner Geburt bekommen hast, hast Du nie verloren. Das wurde Dir nur eingeredet.
    Den letzten Funken freien Willen und Kraft konnte mir trotz Krankheit niemand nehmen.
    Darauf kannst Du stolz sein. Dieser Funke bringt Dein Licht wieder zum Leuchten. Verlaß Dich drauf, es kommen auch wieder bessere Zeiten.
    Geh' ruhig mal wieder spazieren. Du mußt Dich nicht verstecken.
    Ich weiß auch, dass nicht jeder so wie ich damit umgehen kann. Das ist auch nicht einfach.
    Das stimmt, man hat dann weniger Freunde aber die noch verbleibenden Freunde sind die echten Freunde. Auf die kommt es am meisten an.
     

    Andromeda82

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    Was ich aber feststelle ist, dass ich auch deshalb nicht mehr wirklich unter die Leute gehe, um irgendwelche Fragen nicht mehr hören zu müssen, Frage nach Urlaub, Freund, Arbeit, Freizeit.... Also die angeblich so normalen Sachen.
    Anfangs hab ich noch viel mehr einfach geschluckt, wegen doofer Kommentare, aber auch schonmal wenn jemand sich laut in meiner Gegenwart wunderte, wieso ausgerechnet jemand wie ich nirgendwo unterkommt und sich so abspeisen lassen muss.
    Ja, aber mal ehrlich : auf solche oberflächlichen , kleingeistigen Leute , die dich nur an deinem Konsum bewerten, sind die Mühen und kostbare Zeit doch nicht wert. Es gibt genügend aufregende, persönlich weit entwickelte Leute da draußen, denen dein sozialer Status völlig egal ist und dich als Mensch sehen. Diese aufrichtigen Leute sind in der Regel keine Langeweiler und führen ein im Vergleich zum Rest der Bevölkerung spannendes Leben , auch ohne große finanzielle Ressourcen.

    In meinem Umfeld gibt es auch diverse Staatsbedienstete, denen es an finanziellen Mitteln nicht mangelt.
    Da ist der besagte pensionierte Schrankenwärter, der aus purer Langeweile jedes Jahr mindestens 2 Kreuzfahrten macht und jedes Wochenende in die umliegenden Städte bis 200km fährt zu irgendwelchen immer gleichen sinnfreien Veranstaltungen oder verkaufsoffenen Sonntagen. Damit prahlt er bei jeder Gelegenheit. Doch hinter den Kulissen ist dieser ein ganz erbärmliches Würstchen. Er hat keinerlei Talente, Hobbies oder Leidenschaften.
    Er hat nur seine Glotze.

    Also mache dich nicht von der Meinung oberflächlicher Leuten sie diesen abhängig. Diese kompensieren ihre innere Leere durch sinnfreien Dauerkonsum.
     
    E

    ExUser 69233

    Gast
    @Andromeda82 Genau dieser Gedanke macht mir Angst. Solange es geht, werde ich mein Leben selbst führen. Ich träume nicht davon, zu arbeiten. Gott sei dank kann man mit dem Internet heutzutage viele Resourcen aber auch die Langeweile vertreiben. Natürlich muss ich dafür sorgen, dass ich auch internetfähiges Gerät dauerhaft habe. Denke ich wechsele bald vom PC zu einem Tablet. Ich hab so viele Serien konsumiert, dass ich so gut wie nichts mehr übrig habe^^ Bald fange ich mit anderen Tätigkeiten an, die hoffentlich kaum was mit Konsum zu tun haben werden. Ich muss mich momentan noch weiterhin "entgiften" was mir das Schulsystem versucht hat zu sozialisieren in der Kapitalgesellschaft. Ich bin froh, dass das Internet existiert, sonst wäre ich womöglich vor Verzweiflung der Einsamkeit damals ganz andere Wege gegangen - eine seelenlose, wo man kurz aufwacht von seinem "Schönheitsschlaf" am Wochenende.
     

    Karinik

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    Arbeitslos werden kann heute jeder und das ist auch allgemein bekannt - also kein Grund sich zu schämen. Jahrelang in Hartz iV kreiseln, naja das sehe ich etwas anderst. Vor ein paar Monaten kam im ZDF eine Sendung über Arbeitslosigkeit (gar keine schlechte).In einer dort gezeigten Statistik hatten 63% der Langzeitarbeitslosen keine oder eine abgebrochene Schul/Berufsausbildung. Ob wir wollen oder nicht wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Ohne die bestmöglichste Ausbildung wird es halt nicht mit einem guten Job. Ich war auch kein guter Schüler, kann mich aber heute noch erinnern wie meine Eltern hinterher waren und mit mir Diktat 4 mal die Woche geübt haben - machen das heute Eltern noch. Mit meinem Berufswunsch lief auch nicht alles planmäßig, aber das hieß neuer Plan. Vollkommen egal ob mir das liegt, ob ich das will - Hauptsache ich habe gute Jobaussichten. Daher eine Ausbildung abbrechen oder einen Job kündigen ohne was neues zu haben - ich kann es nicht verstehen Und ein Abitur mit 2 komma x bekommt jeder hin, kostet nicht mal was. Zumindest hat man dann bessere Möglichkeiten. Unfallbedingt war ich dann auch gezwungen was anderes zu machen. Spaß hat mir das Studium keinen gemacht, der Beruf bis heute nicht, trotzdem würde ich nie kündigen. Hauptsache Arbeit !
     

    Teebaum

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    Bedeutet also trotz bestmöglicher Ausbildung, welche du ja mit Abitur und Studium besitzt arbeitest du trotzdem in einem Schh-Job, und das soll motivieren? Sollen wir uns mal über Klassen unterhalten? So richtig sozialdemokratisches Gedankengut? (Welches leider nicht mehr umgesetzt wird, von den Altparteien). Ich könnte heulen, wenn ich so etwas lese....du gehörst wie viele zum Proletariat und wurdest indoktriniert.
     
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    Karinik

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    Ja, ich arbeite zu min. 80% in einem Sch..Job. Wollte ich nie, macht keinen Spaß. Für die Motivation reicht mir persönlich meine hohe Leistungsbereitschaft, egal auf welchem Gebiet. Privat habe ich meine Hobbys (die ich mir auch leisten kann)
    Klassen, Proletariat.. pfft geht mir am Allerwertestens vorbei. Fühle mich nicht ein Mal als Teil einer Gesellschaft.
    Vorallem stellt sich für mich die Frage, welche Alternative habe ich denn. Der Unfall endete in einem GdB 100 g, ag, h, rf. EM Rente würde ich bekommen (laut Gutachten DRV), aber zuhause mit 1000€ netto, da habe ich doch mehr d'rauf. Was nützt mir die schönste Ausbildung, die mir Spaß macht, in der ich "aufgehe" oder mich gar selbstverwirklichen kann,. Wenn ich dann keinen Arbeitsplatz finde lande ich über kurz oder lang in Hartz IV. Mir von einer 25 jährigen SB auf der Nase rumtanzen lassen, Ortsanwesenheit, tägliche Briefkastenkontrolle, Maßnahmen - nee danke, da gehe ich lieber putzen. Im Job zieht niemand die Augenbrauen hoch, wenn ich eine Viertelstunde früher oder später komme. Gleitzeitkonto ist gut voll (das auf der Bank auch).
    Ich muss da nicht heulen, ist schließlich die bessere Alternative.
     
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    grün_fink

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    Karinik jetzt trumpf mal nicht so auf. Ein 2er Abi kann längst nicht jeder schaffen.
    Ich war bis zur 10. Klasse in der POS in der DDR. POS hieß Polytechnische Oberschule. Zumindest da wo ich lebte, waren da fast alle bis zur 10. Klasse zusammen. In wenigen Klassen dürften wohl ganz wenige Schüler früher auf eine Lernbehindertenschule gegangen sein, und ganz wenige nach der 8. Klasse in die Berufsausbildung. Ebenso gingen nach der 8. Klasse ganz wenige zum Abitur, vielleicht 2 Schüler pro Klasse (10 Prozent, mehr waren nicht zugelassen).
    Ich schätze mal, etwa die Hälfte hätte das Abitur gar nicht geschafft.
    Dann war ich in der Berufsausbildung mit Abitur, ging 3 Jahre. Wir hatten da fast alle Abiturfächer. Notenmäßig dürften die meisten bei uns dann etwa bei 2,xx-3,xx gelegen haben, einige wenige waren besser. Vergleichbar mit Westdeutschland ist das nicht, weil wir erstens spät mit dem Abi anfingen, zweitens nebenher eine komplette Lehre absolvierten und drittens die Methode "betone deine Stärken und schmeiß deine Schwächen raus" es in der DDR nicht gab, und viertens aufgrund der Doppelbelastung in Kombi mit geringerer Vorbildung die Aufgabenstellungen nicht den höchsten Schwierigkeitsgrad hatten, sondern dien zweithöchsten.
    Sprich bei mir ging auch die Sportnote ein und verhagelte mir den Durchschnitt, was aber kein Drama war.
    Achnee, Üben musste mit mir daheim keiner. Trotzdem war ich notenmäßig immer das Mädel, das total auffiel. Beim Abi reichte es dann für nen guten 2er, trotz Sportnote für eine Unsportliche.
    Üben musste man mit mir lediglich in der ersten Klasse, damit ich im 2. Halbjahr den Anschluss bekomme, weil ich im 1. Halbjahr kranheitsbedingt fast komplett ausfiel und meine Eltern mich nicht in den Kindergarten zurückstufen lassen wollten. Danach war ich bei nicht verstandenem Lernstoff das Erklärbüro.
    Also halt dich mal etwas zurück.

    Später im Leben spielen andere Dinge eine größere Rolle wie Zufälle, Entscheidungen, gesellschaftliche Großereignisse, Krankheiten, Pech oder Glück, allgemeine Umstände. Da kann es schon vorkommen, dass jemand keinen Fuß mehr in irgendeine Tür bekommt und niemand versteht, wieso, auch wenn augenscheinlich nix so schlimm gewesen sein kann.
     

    Karinik

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    sorry grün_fink
    Das Schulsystem der ehm. DDR ist was anderes. Ich bezog mich auf das der BRD. Und bei der Abwicklung der DDR, ich sage nur Treuhand sind nicht nur Firmen, sondern auch Menschen ungerechtfertigterweise unter die Räder gekommen.
     
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