Stigma Hartz4: Muss man sich heute noch immer schämen Leistungsbezieher zu sein?

Stigma Hartz4: Muss man sich heute noch immer schämen Leistungbezieher zu sein?


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Archibald

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....Ansonsten das halt was @Archibald sagt...
Gerade momentan muss sich niemand (trotz der vorhanden Stigmen) schämen auf Leistungen nach SGB II "zurückzugreifen". ...

Eben diese Meinung vertrete auch ich.
Dennoch stolpert man immer wieder über Menschen die ihren Leistungsbezug verschleiern, oder gar Nachteile befürchten, wenn sie zu ihrem Bezug von Leistungen stehen würden.

Ist das SGB dahingehend ein Stigma?
Hat jemand reale Erfahrungen in Sachen Benachteiligung durch Hartz IV gemacht.
 

Teebaum

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Ja, H4 ist bei der Allgemeinheit immer noch das unterste was man in der Karriereleiter erreichen kann. Von daher haben auch viele SBs kein Verständnis, warum man überhaupt etwas erhalten sollte. Das Leben ist ja kein Wunschkonzert. Argumentiert man mit beruflichen Neigungen und Zielen werden oft die Augen verdreht. Denn wer arbeiten will, der findet auch Arbeit. Das Bauhauptgewerbe sucht immer. Ansonsten hätte man sich halt in seiner Vergangenheit mehr bemühen müssen. Nun, dass kann man nun endlos so weiter spinnen, das Ergebnis im MT System live miterleben. Diese verstehen sich auch eher als Sanktionierungsgehilfen. Intern existieren bestimmt schon Prämien für Sanktionen. Man kann froh sein, dass es überhaupt solche Firmen in Deutschland gibt.
 
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Leben ohne (Lohn-)Arbeit ist die Zukunft. Sobald Kapitalismus abgeschafft ist, könnten wir durch Automatisierung und Resourcenverteilung entweder a) einen großen Teil nicht arbeiten lassen b) jeder nur wenige Stunden pro Tag arbeiten lassen (mit Ausnahmen).

Das Jobcenter steckt tief in der Mithilfe um den Kapitalismus aufrechtzuerhalten. Spätestens wenn der Klimawandel sich zu sehr beschleunigt, wird es den Kapitalismus nicht mehr geben können. Aber wenn das geschiehen würde, hätten wir eh nichts davon.

Mit freundlichen Grüßen
 

Ruhrpottmensch

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Stigma Hartz4: Muss man sich heute noch immer schämen Leistungsbezieher zu sein?

Kommt halt immer drauf an, in was für einer "Bubble" man sich selbst "bewegt"...

Ich sags mal so:
Bei einem "Working-Class" (und "patriotischen") Stammtisch würde ich mich wohl nicht "outen" wollen... Da ist der "Platzregen" von dummen Sprüchen & Anfeindungen so sicher wie das Amen in der Kirche!

Bin ich allerdings irgendwo "Ehrenamtlich" unterwegs (Vielleicht sogar mit Bezug auf Leistungsempfänger), sieht das ganze Ding schon völlig anders aus. Da ergeben sich durchaus (vernünftige) Diskussionen über das Für & Wider von Leistungen nach SGB II. Auch ist das Verständnis für Gründe warum man solche Leistungen in Anspruch nimmt deutlich größer.

Auf "breiter Ebene" wird Corona dahingehend sicherlich seinen Teil dazu beitragen (Stichwort: Das Video der Frisörin aus Dortmund). Viele Menschen aus meinem näheren (und erweiterten) Umfeld, die eigentlich zur gut gefütterten "Mittelschicht" gehören, denke da seit einigen Monaten sichtbar anders drüber. Man "hört" die Einschläge halt durchaus "näher kommen". So "schnell" wie es viele im vergangenen Jahr "getroffen" hat, öffnet schon durchaus bei zahlreichen Menschen die Augen. Eben, dass lange nicht alle Leistungsempfänger wie "Arno Dübel" sind.

Zudem leben wir im 21. Jahrhundert, es ist schon fast "Hipp" gewisse Tabus/"Randgruppen"/Stigmen in das "Sichtfeld" der breiten Öffentlichkeit und/oder der Politik zu stellen. Ob das jetzt immer so zuträglich ist, lasse ich mal so stehen...

Aber ja: Wenn nicht 2020/2021, wann sollte man sich dann jemals "weniger" schämen, ein "soziales Sicherungssystem" in Anspruch zu nehmen als jetzt?!
 

CokeLife

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Muss nicht, ich tue es trotzdem manchmal. Als Problem sehe ich z.B. Sendungen im TV über H4, die genau dieses Stigma aufgebaut haben und weiterhin versuchen zu bestätigen.
Ich kenne auch viele die finden es ok, wenn jemand, aus welchem Grund auch immer, nicht arbeitet und keine Hilfen in Anspruch nimmt. Weil derjenige etwas Geld hat um damit um die Runden zu kommen, oder von Mann/Familie/Erbe etc. unterstützt wird. Sobald man aber H4 bekommt dann ist das auf einmal nicht mehr ok. "Ohje, ohje ganz schlimm. Da musst du doch was machen um da heraus zu kommen Mensch..."
 

Teebaum

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Das schlimmste an H4 ist doch, dass es den Lebenslauf komplett crashed. Damit ist man dann bei Betrieben der erste welcher aussortiert wird. Dann noch die Scham, dass man von staatlichen Almosen lebt, welche höchstens für etwas zu Essen reichen. Also für mich das schlimmste, was mir in meiner Laufbahn passieren konnte. Hier ist noch so ein richtiges oldschool Amt, welches Tritte und durchgehend den Sanktionsabzug triggert, anstatt zu helfen. Das traurigste ist, dass man genau weiss, dass es Lebensentwürfe gibt, welche mit so einem Mist nie in Berührung kommen und sich das auch nicht vorstellen können, was da abgeht. Ich hoffe zumindest, dass durch Corona da die Einschläge endlich zu hören sind. Enteignung, Verwahrlosung, Offenlegung der Privatsphäre, Erpressung, Endstation. Dafür geht man arbeiten, sollte man irgendwann rein rutschen. Explodierender Niedriglohnsektor und Förderung der AG Ihre MA noch mehr zu knechten, dank Sperrzeit. Ich werde da wirklich zornig, wie man ein Sozialamt (Das war es ein mal) zu solch einen Apparat umfunktionieren kann, welcher dann noch Controlling-Preise einheimst, Statistiken verfälscht, um die obere Schicht Ihren Freiraum zu lassen. Solche Menschen, die das alles Wissen, möchte eh keine Firma freiwillig, da Gefahr bezüglich Betriebsrataktivitäten oder Gewerkschaftsangehörigkeit. Letztere kümmern sich ja deshalb ungerne um Arbeitslose, da hier nix zu holen ist. Da kann man gleich austreten....
 
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Allimente

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Für mich persönlich kommt es immer darauf an, wie man selber damit umgeht. Wer mich so ganz ohne Nachfrage warum und weshalb vorverurteilten würde, hat bei mir keine Chance. Diese Person wird gleich aus meinem Leben entsorgt. Ich schäme mich deswegen nicht und mir ist es auch völlig egal, was andere darüber denken oder nicht.

Ich gehe damit auch sehr offensiv um. Wer sich aber gleich verhält, als wenn er sich deswegen schämen müsste, der strahlt auch genau das aus, was "Otto Normal" von einem H4-Bezieher erwartet. Ich stehe immer gerne jedem Rede und Antwort und fast immer denken die Leute nach einem Gespräch anders über die Sache, oder halten in Zukunft in meiner Gegenwart die Klappe. Alles eine Frage des Selbstvertrauens.
 

franzi

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Aufgrund meiner Nebentätigkeit habe ich seit mehreren Jahren nicht mehr das Problem, mich mit dem Thema häufig befassen zu müssen.
Je nachdem, in welchem Kontext das Gespräch auf diesen Themenkreis kommt, sage ich entweder, ich bin EM-Rentner (da kommen dann meist ohnehin keine weiteren Nachfragen mehr) oder ich sage, ich bin Freiberufler. Da kommt dann höchstens noch die Frage, was man genau macht. Häufig folgt als nächste Reaktion Neid. Und dann ist auch das Gespräch schnell zu Ende.

Früher hatte ich dahingehend Schuldgefühle, dass ich mir dachte, ich liege dem Staat auf der Tasche, ich sei unnütz für die Gesellschaft.
Leider setzte sich dadurch das Trauma meiner Kindheit im Erwachsenen-Alter fort, denn schon mein Vater hatte gesagt, ich sei ein unnützer Esser am Tisch und er rechnete mir jeden Monat vor, wieviel Geld er für meine Existenz ausgeben muss ...
Von daher waren mir diese Denkmuster schon sehr vertraut, als ich erstmals mit dem Hartz-System in Berührung kam. In gewisser Weise ein Déjà-vu-Erlebnis sozusagen ...

Jemand, der solche Grausamkeiten nicht aus der Kindheit kennt, für den ist es sicher schockierend und kann manche in den Selbstmord treiben. Ich war da schon deutlich abgehärtet. Allerdings erkenne ich heute, dass ich durch diverse Erlebnisse retraumatisiert wurde.
Das hat mir gesundheitlich sehr geschadet und nicht ohne Grund bin ich jetzt in der EM-Rente gelandet ...
Es hat halt alles seine Vorgeschichte.

Von meinem Vater musste ich mir immer anhören: "Aus dir wird nie was!" "Stell dich nicht so dämlich an!" "Andere können das viel besser als du!" (Später auch auf der Ebene des Äußeren: "So, wie du aussiehst, bekommst du nie einen Mann ab!" etc.)
Spätere Aussage meines SB: "So, wie Sie aussehen, stellt Sie ohnehin niemand ein!" - Alles schon gehört ...

Zurück zum Thema: Für mich wäre ein Outing absolut schädlich für meine Nebentätigkeit. Und auch in meinem Umfeld wäre es mit der Ruhe vorbei. Selbst in der Verwandtschaft weiß es niemand, weil ich meine Familie gebeten habe, nicht darüber zu sprechen.
Nur eine Freundin meiner Mutter hat es mal von ihr erfahren, die gab mir damals Ratschläge, wie: Ich solle doch putzen gehen, ich sei mir zu gut, um auch niedrige Arbeiten zu erledigen etc. (Die weiß nicht, dass ich auch solche Tätigkeiten schon ausgeübt habe.)
 
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Allimente

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Früher hatte ich dahingehend Schuldgefühle, dass ich mir dachte, ich liege dem Staat auf der Tasche
Das hatte ich nie. Ich habe über 33 Jahre durchgehend sehr viel verdient und dementsprechend viel Eingezahlt. Ich habe keinerlei Hemmungen, nun auch die daraus resultierenden Ansprüche geltend zu machen. Für mich bekomme ich nur MEIN Geld wieder, welches ich für schlechte Zeiten Jahrzehnte brav eingezahlt habe. So sehe ich das jedenfalls.
 

Harzfünfer

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Ich würde sagen, tendenziell leider ja, aufgrund der Vorstellung innerhalb der Gesellschaft, aber kommt ganz drauf an, und unter bestimmten Umständen mehr oder auch weniger.

es gibt wie schon erwähnt wurde Umständen, in denen man den Bezug von Sozialleistungen verschleiern kann, auch im SGB II, wenn man Aufstocker ist.
Bei dieser Gruppe denke ich auch, sind die Vorbehalte geringer, wenn man seine Situation erläutert.
Zumindest dann, wenn der ALG-II-Bezug unwesentlich ist, was meist bei einer Teil- oder Vollzeitbeschäftigung der Fall wäre.

Und es kommt immer auf das Umfeld an. Grundsätzlich kann man wohl sagen, je höher und gebildeter die Gesellschaftsschicht, desto mehr Unverständnis würde man tendenziell ernten.

Auf meiner früheren Schule, wäre das z.B. ganz schlimm gewesen. Da war ich, mit dem Status meiner Familie (noch kein Hartz IV), und wurde in dieser Hinsicht nur geduldet, desweiteren wurde mir teils unterstellt, meine Familie würde von Sozialleistungen, Staatsleistungen und Geld anderer Leute leben (vielleicht weil Frührentner wie mein Vater auch teilweise so gesehen werden).
Ich kannte dort keine Kinder aus Hartz-IV-Haushalten.
Höchstens von einem damaligen Mitschüler, dessen Mutter mit ihn und einem weiteren Kind alleinerziehend war, könnte ich mir theoretisch noch vorstellen, dass die aufgestockt haben oder Wohngeld bekamen, aber ich weiß es nicht genau.

Meine Eltern und ich waren zwar bisher nie im ALGII-Bezug, aber trotzdem in einer über Jahre prekären Lage, da mein Vater schon schon lange Frührentner war, mit dementsprechend eher geringem Einkommen in Relation zur eigentlichen beruflichen Qualifikation, und meine Mutter über Jahre gar keine Arbeit hatte, und gesundheitliche Einschränkungen, die teils erst spät anerkannt wurden, jedoch damals auch keine Aussichten auf eine EMR hatte, und vom Rentenalter noch ein ganzes Stück entfernt war.
Einkommensmäßig hätten wir lange Zeit einen ALGII-Anspruch theoretisch gehabt, aber wegen der sehr engen Vermögensgrenzen waren wir nicht bedürftig. Zudem war z.B. mein Vater schlecht informiert, da er z.B. bis heute kein Internet nutzt, und davon ausging, dass es noch so ähnlich wäre wie der früheren Sozialhilfe, also noch weniger Vermögen oder wie auch immer.
Wir hatten dann zwischenzeitlich Geld von einem Grundstücksverkauf bekommen, also eine Art Schenkung.
Eine Zeit lang hätten wir wohl sogar ALG II bekommen können, weil unsere Ersparnisse da soweit geschmolzen waren, dass es unter die Schonvermögensgrenze gefallen wäre, aber meine Eltern wollten sich mit dem Amt nicht anfangen, meine Mutter rechnete damit, dass man sie in den erstbesten Job pressen wollen würde, denn sie aber in ihrer persönlichen Einschätzung wahrscheinlich gesundheitlich gesehen nicht ausüben könne.

Ich denke, so gibt es etliche Leute, die eine Zeit lang mal Anspruch auf etwas Aufstockung gehabt hätte, aber nicht in Anspruch nahmen, aus Angst vor Gängelung und Schikane, seitens der Behörden, oder theoretisch auch seitens des persönlichen Umfelds.
Später hatten wird dann ohnehin wieder keinen Anspruch, weil wir einiges geerbt haben, und heute wäre wohl auch der Anspruch wegen zu viel Einkommen nicht mehr vorhanden, seit meine Mutter auch Rentnerin ist.

Ich persönlich, bin zwar nicht im ALG-II-Bezug, aber eben in einer ähnlichen und teils noch prekäreren Situation, und es ist mir sehr unangenehm, damit an die Öffentlichkeit zu gehen.
Also ich finde, auch "nur" Arbeitslosigkeit, wie ALG I oder ohne einen Leistungsanspruch zu haben, ist schon erheblich stigmatisiert und fast ein Tabu-Thema, außer im näheren Umfeld, wo man sich wirklich gut kennt.

Wobei es da auch Unterschiede gibt, wenn jemand wie manche hier quasi von der Alters-Arbeitslosigkeit, nach jahrzehntelanger Erwerbstätigkeit, betroffen ist, so ist dies weniger negativ konnotiert als bei jungen Menschen, die noch nie gearbeitet hatten.

Ich kenne auch viele die finden es ok, wenn jemand, aus welchem Grund auch immer, nicht arbeitet und keine Hilfen in Anspruch nimmt. Weil derjenige etwas Geld hat um damit um die Runden zu kommen, oder von Mann/Familie/Erbe etc. unterstützt wird.
Auch das ist eher negativ konnotiert, wie ich schon persönlich erfahren musste, also es gibt und gab Leute, die durchaus ein Problem damit hatten/haben, dass meine Mutter "Hausfrau" war.
Wobei auch dies kontextabhängig zu sehen ist. Es gibt ja immer noch viele Zahnarztgattinen und dergleichen, wo es sich steuerlich rechnet, wenn der Mann sehr gut verdient und dann quasi für zwei verdient, während es bei der Gattin eines EM-Rentners oder Geringsverdieners, eher unüblich ist, wenn sie nicht berufstätig ist.
 

Allimente

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Bei dieser Gruppe denke ich auch, sind die Vorbehalte geringer, wenn man seine Situation erläutert.
Es würde glaube ich schon reichen, wenn RTL2 den Harzi nicht mit beklemmender Regelmäßigkeit als Schuldigen durchs Dorf treibt. Da werden nur gescheiterte Menschen und extrem faule Menschen gezeigt. Was aber in keinster Weise den tatsächlich durchschnittlichen Harzi darstellt. Das kommt mir vor wie "Brot und Spiele". Geben wir dem unzufriedenen Aufstockern, Mindestlohnverdienern und armen Rentner doch ein Feindbild, wo er sie sich drauf abarbeiten kann. Dabei geraten die tatsächlichen gesellschaftlichen Missstände doch ganz schnell mal in den Hintergrund. Aus den Augen, aus dem Sinn. Hauptsache der geneigte Niedriglöhner hat jemanden, den er hassen kann, ohne seine eigene Situation richtig einzuschätzen. .
 

Badener

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Eben diese Meinung vertrete auch ich.
Dennoch stolpert man immer wieder über Menschen die ihren Leistungsbezug verschleiern, oder gar Nachteile befürchten, wenn sie zu ihrem Bezug von Leistungen stehen würden.

Ist das SGB dahingehend ein Stigma?
Hat jemand reale Erfahrungen in Sachen Benachteiligung durch Hartz IV gemacht.
Hi,
natürlich (behaupte ich mal) macht jeder der H4 ist und dies auch ehrlich "zugibt" Benachteiligungen ausgesetzt!
Das fängt an mit "Freunden" die einem ins Gesicht sagen, wer arbeiten will, findet auch Arbeit, über Nachbarn die einen bedauern, bis hin zu Vermietern die einem keine Wohnung geben wollen oder AG die "blöd" fragen ... warum man H4 war/ist.

Und, ja es kommt immer drauf an ... die H4 ler die "nur" rauchen, saufen und ihre Kinder vernachlässigen, die alleinerzeihenden Mütter die keine Betreuung haben und sich um ihre Kinder kümmern, kranke die nicht arbeiten können oder "die" die nebenher schwarz Geld ohne ende verdienen und dicke Autos fahren.

LG
 

Teebaum

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@Allimente Das ist der Gesellschaft aber egal. Abschreckende Beispiele, wie man sein Leben nicht führen sollte, sind immer ein guter Grund sein eigenen Lebenslauf zu rechtfertigen mit allen Schweinereien. Das sprengt aber den Rahmen, da kann man Bücher drüber schreiben. Das schlimme ist ja, die meisten mit gesunden Menschenverstand wissen es und der Karren wird weiter gegen die Wand gefahren.
 

Allimente

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Das fängt an mit "Freunden" die einem ins Gesicht sagen, wer arbeiten will, findet auch Arbeit...
Und genau an diesem Punkt muss man sich ernsthaft überlegen, ob diese Menschen auch tatsächlich jemals richtige Freunde gewesen sind! Echte Freunde machen das nicht. Diese Leute kannst Du getrost entsorgen - ist nicht Schade drum.
 

Harzfünfer

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Und genau an diesem Punkt muss man sich ernsthaft überlegen, ob diese Menschen auch tatsächlich jemals richtige Freunde gewesen sind! Echte Freunde machen das nicht. Diese Leute kannst Du getrost entsorgen - ist nicht Schade drum.
Es gibt irgendwie in der Gesellschaft zunehmend völlig unterschiedliche Wahrnehmungen der Realität, aufgrund unterschiedlicher Lebenswelten.
Ich hatte in meiner Ausbildung eine Lehrerin, die auch ständig solche Sprüche auf Lager hatte. Sie war selbständig und Freiberuflerin, nebenbei auf Honorarbasis tätig. Und ihr Mann Anwalt, auch selbständig.
Ein Schelm, wer böses dabei denkt...
 

Allimente

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Und, ja es kommt immer drauf an ... die H4 ler die "nur" rauchen, saufen und ihre Kinder vernachlässigen, die alleinerzeihenden Mütter die keine Betreuung haben und sich um ihre Kinder kümmern, kranke die nicht arbeiten können oder "die" die nebenher schwarz Geld ohne ende verdienen und dicke Autos fahren.
Dann haben die Medien ja ihr Ziel erreicht. Dieses Bild wird sehr gerne verbreitet, entspricht aber keinesfalls der Realität vieler Millionen Arbeitsloser, Aufstocker oder Niedriglöhner.
 

Allimente

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Es gibt irgendwie in der Gesellschaft zunehmend völlig unterschiedliche Wahrnehmungen der Realität, aufgrund unterschiedlicher Lebenswelten.
Stimmt. Das ist mir aber egal. Ich gehe alleine von mir und meiner individuellen Situation aus. Ich habe absolut keinen Bock, mich auch noch mit Befindlichkeiten Dritter zu beschäftigen. Wir haben selber genug zu kämpfen und ich lasse einfach nicht zu, dass mir einer ein schlechtes Gewissen suggerieren kann.
 

Teebaum

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So Jammern auf hohem Niveau. First-World Problems, aber wir sind hier halt in einem hochentwickelten Land mit dem Namen BRD. Ich denke Arbeit etc. macht schon Sinn, aber Fördergelder müssen auch in Masse vernünftig eingesetzt werden. Digitalisierung macht vieles möglich und Hartz4 / ALG2 ist ein System aus der Steinzeit.
 

Harzfünfer

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Also was ich meinte ist, dass man mal schauen sollte, welche Leute sind, die sowas behaupten wie dass die Arbeit geradezu auf der Straße läge.
Und das stellt sich oft heraus, dass es Leute sind, die von der tatsächlichen Lage gar keine Ahnung haben, weil sie damit nicht konfrontiert sind.
Ein weiterer Aspekt ist, dass es den Leuten ja auch von den Medien so vermittelt wird- "Fachkräftemangel" etc., "Lehrlingsmangel", alles Phänomene, die es eigentlich kaum gibt, wo m.E. Einzelfälle hochgepusht werden..

Noch was anderes: Ich denke nicht, dass vor Hartz IV die Arbeitslosenhilfeempfänger oder gar die Sozialhilfeempfänger wirklich einen besseren Ruf hatten.
 
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Teebaum

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Nein, aber die äußeren Umstände waren andere. Die Löhne waren gedeckelt. Da war fûr den Durchschnitt auch ein Haus möglich etc. Dies ist heute nicht mehr der Fall. Es wurde uns damals schon verklickert, wenn Ihr den Lebensstandard eurer Eltern genießen möchtet, dann 3. Jobs. D.H. amerikanische Verhältnisse. Wer sich damals gewehrt hat, landet in ALGII, so in der Art. Wir sind nicht USA und alle wollen aber anscheinend diese Verhältnisse, ohne Gegenwehr. Der Mensch wählt immer den Weg mit dem geringsten Widerstand.
 
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Andromeda82

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Nein,
denn in diesen verrückten Endzügen des globalen Finanzsystems ist es das gute Recht, wenn nicht sogar die Pflicht eines jeden Bürgers, prekäre Beschäftigung jeglicher Art abzulehnen und sich bedürftig beim Staat zu melden, wenn dieser nicht dafür sorgen kann, ein System zu bieten, in dem Jedem, der Vollzeit einer Arbeit nachgeht, ein anständiges Leben zu ermöglichen.
Wenn also Jemand trotz Vollzeitarbeit, egal wie unqualifiziert der Job auch sein mag, am Ende des Monats im Endeffekt nicht mehr als Sozialhilfeniveau zum Leben hat, so ist es meiner Auffassung seine Pflicht, entweder einen deutlich besseren Lohn beim AG auszuhandeln oder den Job zu kündigen.
Und genau deswegen wurde dieses Angstsystem medial seit gut 17 Jahren so durchgeführt, damit die jeweiligen Niedriglöhner aus Angst vor dem Damoklesschwert namentlich "Sanktionen" genannt, weiter in ihrer Lebenssituation bleiben.
Ein äusserst perfides Gesellschaftsmodell, was die wenigsten Betroffenen jemals durchschauen.

Sehen wir uns nur einmal an, welche Bevölkerungsgruppen für den Erhalt des bestehenden Zwangssystems sind:
- Beamte
- Staatsbedienstete
- Kirchen
- Gewerkschaften
- Stammbelegschaften großer Konzerne
- Arbeitgeber, dessen Geschäftsmodell hauptsächlich auf Ausbeutung von Menschen beruht
- Bildungsträger und andere Nutznießer (z.B. Anwälte), welche von diesem Theater profitieren

Also exakt die Bevölkerungsgruppen, die vom bestehen System aus Angst und Ausbeutung maßgeblich profitieren.
Klar, es gibt unter den genannten Gruppen sicherlich auch vereinzelt humane Menschen, die sich für das jetzige System schämen, doch die überdeutliche Mehrheit davon ist skrupellos im eigenen Egoismus.
Diese äusserst krassen Missverhältnisse in der Bezahlung von Staatsbediensteten in Relation zu Jobs in der "freien" Wirtschaft sind so eklatant, dass diese medial unter den Teppich gekehrt bleiben.

Denn die meisten hart arbeitenden Niedriglöhner, die trotz Arbeit bitterarm sind, würden ihren Job sofort aufgeben, wenn sie erführen, dass ein pensionierter Schrankenwärter heute noch mit 55 in den Ruhestand geht und eine Pension von mindestens 2100 Euro zzgl 70% PKV-Zuschuss erhält. Damit hat dieser Pensionär mit einfachsten Qualikationen ein höheres Einkommen, als ein Erzieher aktiv nach 20 Jahren Zugehörigkeit in einer Kita.
Noch ein Beispiel: Ein verbeamteter Postbote erhält in Altersteilzeit mit 54 einen Sold von ca. 3100Euro und damit gut 1400 Euro im Monat mehr, als ein nicht verbeamteter Kollege, der nur zwei Jahre weniger bei der Post arbeitet und exakt dieselbe Arbeit mit doppeltem Pensum macht.
Noch einmal zur Erinnerung:
Die durchschnittliche Rente in Deutschland beläuft sich auf ca. 1200 Euro.- Die Durchschnittspension: 3200 Euro.
Die staatliche Rente ist bei 2600 Euro gedeckelt. - Die Pensionen ungedeckelt und bei Mindestens 1750 Euro, zzgl. PKV-Zuschuss.

Mitarbeiter von Jobcentern und der BfA sind oftmals ganz besonders heuchlerisch. Diese verdanken ihre berufliche Existenz einzig und alleine diesen Missständen und reden deswegen in der Regel krasse Verwerfungen an der Humanität schön.
Es zeigt auch hervorragend, wie ausgelastet jene Mitarbeiter dieser fragwürdigen Anstalten sind, wenn diese tagsüber und den Rest des Tages noch genügend Zeit und Energie finden, hier gegen Menschen am Existenzminimum zu hetzen. Einige User hier, die offen zugegeben, im JC zu arbeiten, betteln sogar wortwörtlich nach mehr Widersprüchen von Leistungsbeziehern, damit diese besser ausgelastet sind. Einfach nur noch krank , was dort so abläuft.
Vor Jahren las ich hier im Forum mal die treffende Bezeichnung "Bodensatz der Gesellschaft" für Mitarbeiter in diesen fragwürdigen Behörden.

Viele einfache Niedriglöhner werden genau deswegen wortwörtlich unwissend gehalten, damit dieses elendige Trauerspiel in der Gesellschaft noch eine Runde weiter geht. Subtil spüren die Betroffenen jedoch die massive Ungerechtigkeit. Deswegen verfällt der gesellschaftliche Zusammenhalt auch stetig weiter.

Erst wenn für Jeden, der Vollzeit arbeiten geht, anständige Löhne gezahlt werden und die restlichen krassen Verwerfungen in Relation zur Versorgung der Staatsbediensteten eingestellt werden , erst dann darf man mit dem Finger auf Leistungsbezieher zeigen!

Ich persönlich gehe ohnehin davon aus, dass es mittelfristig eine Art universelles BGE mit neuer digitaler Zentralbankwährung geben wird. Bis dahin leiste ich im privatem Umfeld weiter Aufklärungsarbeit über die Missstände in diesem Staat. So Manchem konnte ich schon nachhaltig die Augen öffnen.
 
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Andromeda82

Elo-User*in
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Wir sind nicht USA und alle wollen aber anscheinend diese Verhältnisse, ohne Gegenwehr. Der Mensch wählt immer den Weg mit dem geringsten Widerstand.
Die Eliten spielen die Bevölkerungsgruppen gegeneinander aus, bis die ältere Generation ausgestorben ist.
Viele gut situierte Boomer, die mit einfachsten Qualifikationen noch ein stattliches Vermögen ansparen konnten, haben bis heute nicht geblickt, wie sich die Reallohnsituation für die jüngere Generation krass verändert hat.
Ich würde wahrscheinlich als gut situierten Rentner auch schön die Füße stillhalten und lieber meinen Lebensabend genießen, in der subtilen Angst, dass dieses System mit jedem Augenblick zu ende sein kann.
Und die Regierung weiß diese Zusammenhänge. Deswegen lässt sie die ältere Generation auch noch die Vorzüge der vorangegangenen goldenen Jahrzehnte genießen.
In der Zwischenzeit wird die Wirtschaft komplett transformiert, zum Leidtragen der jüngeren Generation.
 

Teebaum

Elo-User*in
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@Andromeda82 Sehr gute und ausführliche Beschreibung der aktuellen Situation. Hier spielen dann nach oben, VWL technisch und regierungstechnisch noch mehr und größere Probleme eine Rolle, aber diese sind nicht mit stupiden ZAF Vermittlungen zu beseitigen. Grüsse!

Wie war das: Ich rufe dich Andromeda vom fernen Stern Galaktika..achnee andersrum ;)
 
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