Sperrzeit umgehen indem man ein Jahr wartet mit der Abgabe des Antrages

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chris1984

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Also - ich habe eben den Leistungsantrag persönlich abgegeben und den netten Herrn von der Leistungsabteilung nochmal gefragt:

"Angenommen ich hätte diesen Antrag nich heute, sondern erst im Januar 2015 abgegeben - hätte ich dann das ALG 1 für die Sperrfrist ausgezahlt bekommen?"

Und die Antwort war: JA

Vorgeschichte:
1) Ich kündige zum Ende November 2013 -> Sperrfrist 3 Monate
2) Ich melde mich direkt am 1. Dezember 2013 persönlich arbeitslos
3) Ich trete eine neue Stelle an zum 1. Juli 2014

So jetzt gibt es zwei Szenarios:

A) Abgabe sofort im Dezember 2013 (bzw. wie ich heute im Juni 2014 - was effektiv das selbe bedeutet)
B) Abgabe erst im Januar 2015

Was ist der Unterschied?

A) Ich bekomme ALG 1 für die Monate März bis Juni 2014
B) Ich bekomme ALG 1 für die Monate Dezember 2013 bis Juni 2014

Das macht einen Unterschied für mich von fast 5000 Tausend Euro.

Laut dem Typ von der Leistungsabteilung ist der springende Punkt der, dass die Agentur nach einem Jahr nicht mehr prüfen darf/kann, ob die Voraussetzungen der Sperrfrist wirklich erfüllt sind.

Warum gibt es zu dieser SAUWICHTIGEN Frage keine klaren Antworten???

Das Thema wurde hier schonmal diskutiert: https://www.elo-forum.org/alg/127979-umgehung-dreimonatigen-sperrfrist-alg1.html

Ich meine das würde im Endeffekt mehr Freiheit für alle Menschen die in Deutschland arbeiten bedeuten. Man kündigt, wenn die Arbeitssituation zu unangenehm wird und fertig. Dann sucht man Arbeit und gibt den Leistungsantrag einfach ein Jahr später ab und unterm Strich macht man kein Minus.

Könnnen wir allen Deutschen nicht einfach mal einen Dienst erweisen und diese Frage ein für alle mal klären?
 

Fritz Fleißig

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Leider hast du einen wichtigen Punkt nicht richtig verstanden, beziehungsweise er wurde dir nicht richtig erklärt.

Es ist richtig, daß bei eigener Arbeitsaufgabe ohne wichtigen Grund eine Sperrzeit und damit verbunden eine Minderung der Anspruchsdauer auf ALG von zwölf Wochen oder rund drei Monaten eintritt. Die Minderung der Anspruchsdauer unterbleibt, wenn zwischen Entstehung des Anspruchs auf ALG und dem maßgebenden Ereignis (Arbeitsaufgabe) mehr als zwölf Monate liegen.

Die Arbeitsaufgabe wäre in deinem Beispiel am 01. Dezember 2013.

Die Entstehung des Anspruchs auf ALG erfolgt, wenn alle Voraussetzungen vorliegen: Beschäftigungslosigkeit, Verfügbarkeit, Eigenbemühungen und persönliche Arbeitslosmeldung. Mit der "Antragsabgabe" hat das nichts zu tun. Die Antragstellung auf ALG erfolgt implizit bereits durch die Tatsache der Arbeitslosmeldung, sofern man nichts Gegenteiliges erklärt. Man kann weiterhin bis zur Entscheidung über das ALG auch erklären, daß der Anspruch auf ALG erst zu einem späteren Termin entstehen soll.

Wenn du also bei Arbeitslosmeldung erklärst, daß dein Anspruch auf ALG erst am 01. Dezember 2014 entstehen soll, tritt keine Minderung der Anspruchsdauer mehr ein. Dir steht dann ALG erst ab diesem Datum zu.

Du bekommst dann aber nicht etwa ALG für die zurückliegende Zeit der Arbeitslosigkeit ab 01. Dezember 2013 rückwirkend ausgezahlt, sondern eben erst für die Zeit ab 01. Dezember 2014, weil vor diesem Termin aufgrund deiner Entscheidung eben kein Anspruch auf ALG bestand.

Das heißt, dir steht zwar der erarbeitete ALG-Anspruch in voller Länge zu, aber das setzt voraus, daß du ab 01. Dezember 2014 auch die volle Zeit arbeitslos bist. Du mußt also voraussehen können, daß du ab eigener Kündigung längere Zeit arbeitslos sein wirst, sonst bringt das alles nichts.

So eine Konstruktion wird meistens angewandt, wenn jemand mit einer guten Abfindung und einem sofort wirksamen Aufhebungsvertrag vorzeitig in den Ruhestand gehen will.
 

chris1984

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Zusammengefasst ist also Deine Aussage, dass ich in Fall A und B am Ende die gleiche Summe von der Arge überwiesen bekomme. Ist das so richtig?

Weil mich interessiert nur ein Aspekt der ganzen Überlegung - die Menge an Euros, die mir das Amt überweist für die selbe Dauer an Arbeitslosigkeit. Und diese Menge will ich maximieren.

Die Frage ist: Welcher Algorithmus bzw. Folge von Handlungen führt zu "mehr Geld" für "keine Arbeit", weil man auch die Knete für die ersten drei Monate bekommt?
Wann muss ich wie mit was zum Amt - in welcher Terminierten abfolge - und was muss man bedenken, damit die Rechnung aufgeht?
 

Fritz Fleißig

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Nein, das kann man eben nicht so einfach zusammenfassen.

Du mußt dich zunächst fragen, ob du voraussichtlich ein Jahr nach eigener Arbeitsaufgabe noch arbeitslos sein wirst, und wenn ja, für wie lange. Nur dann hast du nach einem Jahr überhaupt Anspruch auf ALG. Wenn du innerhalb des ersten Jahres wieder eine neue Beschäftigung findest, bist du nach einem Jahr nicht mehr arbeitslos, und es steht dir dann keinerlei ALG zu.

Vorausgesetzt, daß du nach Arbeitsaufgabe längere Zeit arbeitslos bist (beispielsweise weil du sowieso in den Ruhestand gehen willst und eigentlich gar keine neue Arbeit suchst), sieht die Sache so aus:

a) wenn du sofort nach eigener Kündigung ALG beantragst, wird eine Sperrzeit von zwölf Wochen verhängt und parallel dazu deine Anspruchsdauer für diese zwölf Wochen gemindert. Falls dir beispielsweise 12 Monate ALG ab 1. Dezember 2013 zustehen würden, würde hier (angenähert) ab dem 1. März 2014 für neun Monate bis zum 30. November 2014 ALG gezahlt. Immer vorausgesetzt, daß du während dieser Zeit arbeitslos bleibst.

b) wenn du nach eigener Kündigung dich arbeitslos meldest, aber den Anspruch auf ALG erst nach einem Jahr entstehen läßt, wird dir für die Zeit vom 1. Dezember 2014 bis 30. November 2015 ALG für zwölf Monate gezahlt. Wiederum vorausgesetzt, daß du während dieser (späteren!!) Zeit arbeitslos bleibst.

Du kannst also in Fall (b) insgesamt "mehr" herausholen, aber das ist immer von der Voraussetzung der weiteren Arbeitslosigkeit abhängig, die man meistens nur schwer vorhersagen kann. Du kannst dich hier leicht verkalkulieren.

Beachte: es gibt kein ALG für längst abgelaufene Zeiträume rückwirkend, sondern immer nur für die aktuelle Arbeitslosigkeit!

Es gibt im Normalfall nur einen "optimalen Algorithmus". Keine eigene Kündigung und kein Aufhebungsvertrag, sofern nicht klar dokumentiert ein wichtiger Grund (beispielsweise gesundheitliche Unzumutbarkeit) vorliegt. Immer die Kündigung dem Arbeitgeber überlassen. Das läßt sich mit etwas Geschick auch meist erreichen.
 
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