Sondierung: "Neustart" nach Krankheit, Möglichkeiten der Finanzierung, Umschulung/LTA

Ruhrpottmensch

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Hallo liebe Forum

Ich hätte gern mal einen "Erfahrungsaustausch", da ich momentan etwas ratlos bin...

Erst einmal zur Ausgangssituation:
Ich, Ende 30, schlechter Schulabschluss über eine Berufsschule, keine "klassische" Ausbildung, nach Bundeswehr mehr oder weniger immer mal wieder in verschiedenen Jobs gearbeitet, dann vor vielen Jahren (2008/2009) übers Amt (JC) den BKF (Berufskraftfahrer - Beschleunigte Grundquali) gemacht/finanziert bekommen, allerdings nie in dem Bereich gearbeitet, dann 2010 (bis Mitte 2011) über MeisterBafög (Ja, der BKF wurde als Ausbildung anerkannt) eine "Umschulung/Ausbildung" gemacht (Ähnliches Berufsfeld wie BKF). Die "Ausbildung" verlief aber nicht ganz reibungslos, so dass ich nach dem eigentlich Ende nochmals kurz in Leistungsbezug war (JC) und dort nochmals eine Übernahme für einen Folgekurs bekam um die "Umschulung" zu schaffen. Als diese bestanden war, habe ich auch von 2010 bis 2017 durchgehend in dem Berufsfeld gearbeitet. 2017 wurde ich dann spektakulär gekündigt (inkl Strafanzeige und Verfahren vor Gericht), geriet dadurch in finanzielle & gesundheitliche Schieflage (Wobei ich schon seit 2004 diagnostiziert gesundheitlich "angeschlagen" bin). Habe zwischen 2017 und 2019 mehrfach versucht wieder in den Beruf einzusteigen, dies scheiterte aber an meiner Erkrankung. 2018 erfolgte dann auch noch die Privatinsolvenz.

Nachdem ich Anfang 2017 gekündigt wurde, bezog ich ca. ein halbes Jahr keine Leistungen (Weder Krankengeld noch ALG), habe dann im Sommer 2017 nochmals ein halbes Jahr im alten Beruf gearbeitet, Ende 2017 dann kurz ALG1 bezogen. Im Frühjahr 2018 bin ich dann ins Krankengeld gerutscht und dies auch (mit Unterbrechungen) bis Anfang 2020 in Anspruch genommen. Inzwischen wieder im ALG1-Bezug. Zwischenzeitlich war ich aufgrund meiner (psychischen) Erkrankung/en für mehrere Wochen in einer Teilstationären Einrichtung, bin jetzt seit über einem Jahr in ambulanter (therapeutischer) Behandlung, habe letztes Jahr im Herbst abermals versucht in den alten Beruf einzusteigen (was aber nur drei Monate gut ging) und bin jetzt an dem Punkt, an dem ich ziemlich ratlos bin.

Mir ist klar, dass ich in den "alten" Beruf nicht mehr zurückkehren kann/möchte. Zumal da jetzt auch die gesetzlichen Voraussetzungen fehlen (Ich müsste eine Weiterbildung machen, um den "Berufsstand" aufrecht zu halten).

Mein Gedanke war/ist, eine erneute Umschulung zu machen, aber auf jeden Fall mit psychologischer Begleitung, spricht eine LTA oder in einem BfW. Allerdings habe ich, trotz langer & intensiven Internetrecherche, noch nicht wirklich den Durchblick, wer dafür Träger sein könnte. Zumal mir natürlich auch meine Privatinsolvenz etwas "im Nacken" sitzt (Erwerbsobliegenheit).

Konkreten Fragen sind für mich jetzt:

- Kann die AfA eine LTA o.ä. fördern (Obwohl ich im Sozialmedizinischen Gutachten für 6h+ auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt begutachtet worden bin und es KEINE Empfehlung auf eine LTA gibt)?

- Sollte ich vielleicht warten, bis ich in den ALG2-Bezug fallen und mich dann beim JC um eine Förderung kümmern?

- Was gibt es für konkrete Voraussetzungen bei der DRV um eine "Förderung" zu bekommen?

Gibt es da eventuell jemanden, der da ähnliche Erfahrungen/eine ähnliche "Laufbahn" hinter sich hat und mir ggf. etwas "Input" geben kann?

Würde mich sehr freuen.

Gruß
 

Fox29

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Die erste Frage, die sich bei beruflicher Reha immer stellt ist : Kannst du deinen gelernten Beruf/letzte Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben? Und wird sich dieser Zustand in den nächsten 6 Monaten verändern?

Kann die AfA eine LTA o.ä. fördern (Obwohl ich im Sozialmedizinischen Gutachten für 6h+ auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt begutachtet worden bin und es KEINE Empfehlung auf eine LTA gibt)?
Eine Umschulung in einem BFW kann nur über einen LTA und entsprechender beruflicher Reha gefördert werden.
Dass die Agentur als Reha-Träger einen LTA bewilligt ohne entsprechende medizinische Veranlassung ist sehr unwahrscheinlich.
Antrag kann man trotzdem stellen und dann gegen die Ablehnung in Widerspruch.

Eine Umschulung aus arbeitsmarktlicher Notwendigkeit kann gefördert werden, wenn die Voraussetzungen vorliegen. Ist aber eine Ermessensentscheidung. Hier agiert die Agentur nicht als Reha-Träger, demnach sind die allgemeinen Umschlungen aber auch ohne spezielle psychologische Betreuung.


Sollte ich vielleicht warten, bis ich in den ALG2-Bezug fallen und mich dann beim JC um eine Förderung kümmern?

Berufliche Reha gibt's vom JC nicht. Dann wäre wieder die Agentur /DRV zuständig. Das Jobcenter kann auch Umschulungen fördern, allerdings ist da die Chance eine zu bekommen noch geringer. Ansonsten gilt das gleiche wie bei der Agentur s.o.

Was gibt es für konkrete Voraussetzungen bei der DRV um eine "Förderung" zu bekommen?

Dein zuständiger Reha-Träger wird die Agentur sein, da du vermutlich keine 180 Kalendermonate Erwerbstätigkeit nachweisen kannst. Selbst wenn du bei der DRV den Antrag stellst, wird sie diesen einfach weiterleiten. Die DRV könnte aber zuständig sein, wenn du innerhalb der letzten 6 Monate eine medizinische Reha gemacht hast.
 

Ruhrpottmensch

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Vielen Dank @Fox29 schon mal für den Input... (y)

Die erste Frage, die sich bei beruflicher Reha immer stellt ist : Kannst du deinen gelernten Beruf/letzte Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben? Und wird sich dieser Zustand in den nächsten 6 Monaten verändern?
Eigeneinschätzung: Definitiv. Der Beruf hat mich erst in diese (psychologische) "Krise" gebracht, zudem habe ich in den (eigenständigen) Versuchen wieder einzusteigen, sehr deutlich bemerkt, dass ich dieses Berufsumfeld nicht mehr schaffe.

Therapeut: Geht meine Einschätzung mit.

Einschätzung der Klinik & dem Facharzt: Bedingt, eventuell nach medizinischer Reha.

Laut Sozialmedizinischem Gutachten AfA: Ja, mit Einschränkungen (Keine Nachtschicht & kein Zeitdruck) - Mit diesen Einschränkungen ist der Beruf nur sehr schwer machbar (Im Sommer Nachtschichtiges Arbeiten unabdingbar & Zeitdruck durch enorm hohes Kundenaufkommen ebensfall gegeben)

Eine Umschulung in einem BFW kann nur über einen LTA und entsprechender beruflicher Reha gefördert werden.
Dass die Agentur als Reha-Träger einen LTA bewilligt ohne entsprechende medizinische Veranlassung ist sehr unwahrscheinlich.
Antrag kann man trotzdem stellen und dann gegen die Ablehnung in Widerspruch.
Das ist halt auch eine Frage die ich sondieren möchte...
Ich würde ungern in "zig" Widersprüche gehen (müssen), wenn die Chance auf Bewilligung eh sehr gering ist. Leider kann ich auch sehr schlecht meine "medizinische" Situation selbst einschätzen/einordnen. Vom eigenen Gefühl würde ich mich durchaus "berechtigt" fühlen... Gesetzlich ist das natürlich immer eine ganz andere Nummer...

Berufliche Reha gibt's vom JC nicht. Dann wäre wieder die Agentur /DRV zuständig. Das Jobcenter kann auch Umschulungen fördern, allerdings ist da die Chance eine zu bekommen noch geringer. Ansonsten gilt das gleiche wie bei der Agentur s.o.
Was heißt, dann wäre die Agentur/DVR zuständig?
Als der Träger, der die Kosten übernehmen würde?

So wie ich das bislang verstanden habe, gibt es -im Prinzip- ja zwei Möglichkeiten um auch weiterhin einigermaßen Lebensunterhalt zu haben (bei einer "Umschulung"):
- Man ist weiter im Leistungbezug AfA o. JC und bekommt während der "Umschulung" weiter Leistungen von einen der beiden...
- Wenn die DRV Träger ist, bekommt das s.g. Übergangsgeld für den Zeitraum der "Umschulung"

Dein zuständiger Reha-Träger wird die Agentur sein, da du vermutlich keine 180 Kalendermonate Erwerbstätigkeit nachweisen kannst. Selbst wenn du bei der DRV den Antrag stellst, wird sie diesen einfach weiterleiten. Die DRV könnte aber zuständig sein, wenn du innerhalb der letzten 6 Monate eine medizinische Reha gemacht hast.
Nein... Medizinische Reha ist noch nicht gemacht. Auch da überlege ich, ob ich diese eventuell beantragen soll, hatte aber dann die Sorge, dass eine Umschulung eventuell nicht mehr übernommen wird bzw. ich erst wieder einen gewisse Zeit im alten Beruf schaffen muss (Was ich wirklich ungern machen würde)

Nein... Volle 15 Jahre Erwerbstätigkeit steht bei mir leider nicht auf dem Zettel.
Wie sieht das denn aus, wenn ich bei der DRV einen Antrag stelle, die den weiterleiten (Weil Versicherungstechnische Voraussetzungen nicht erfüllt sind), würde die AfA dann nochmals komplett neu prüfen (Auf was?)?

Ich bedanke mich schon mal bis dahin... Bringt schon mal ein bisschen "Licht ins Dunkle"...
 

Fox29

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Leider kann ich auch sehr schlecht meine "medizinische" Situation selbst einschätzen/einordnen. Vom eigenen Gefühl würde ich mich d
Nein... Medizinische Reha ist noch nicht gemacht. Auch da überlege ich, ob ich diese eventuell beantragen soll, hatte aber dann die Sorge, dass eine Umschulung eventuell nicht mehr übernommen wird bzw. ich erst wieder einen gewisse Zeit im alten Beruf schaffen muss (Was ich wirklich ungern machen würde)

Ich an deiner Stelle würde eine med. Reha beantragen. Zum einen ist ein LTA bei einer unbekannten/instabilen Gesundheitssituation sehr schwierig durchzubekommen und zum andern kann der Entlassbericht der med. Reha die Empfehlung eines LTA enthalten. Das ist dann nochmal ein Argument für die Bewilligung.

Woher du den Zwang der Tätigkeit im alten Beruf nimmst weiß ich nicht. Den gibt es nicht, egal welche Form der Umschulung angestrebt wird. Eine Garantie, dass eine Umschulung gezahlt wird hast du eh nie, allerdings sind die Chancen für eine für dich passende Umschulung über einen LTA besser.

Mach dir aber bitte keine Illusion, dass die Umschulung bei einem LTA direkt losgehen würde. In den meisten Fällen wird erst eine Art Belastungserprobung vorgeschaltet, um zu sehen wie stabil du bist. Wenn du noch nicht weißt welcher Beruf es für dich sein soll gibts noch eine Berufsfindung.
Im Anschluss daran erhalten die meisten einen Reha-Vorbereitungskurs, der auf die Umschulung vorbereitet. Das zusammen dauert gerne mal 5-6 Monate. Kommt auch auf den Starttermin der Umschulung an.

Was heißt, dann wäre die Agentur/DVR zuständig?
Als der Träger, der die Kosten übernehmen würde?

Ja, der zuständige Reha-Träger würde die Förder Entscheidungen treffen, dafür die Kosten tragen und die dazugehörigen Beratungen durchführen.

So wie ich das bislang verstanden habe, gibt es -im Prinzip- ja zwei Möglichkeiten um auch weiterhin einigermaßen Lebensunterhalt zu haben (bei einer "Umschulung"):
- Man ist weiter im Leistungbezug AfA o. JC und bekommt während der "Umschulung" weiter Leistungen von einen der beiden...
- Wenn die DRV Träger ist, bekommt das s.g. Übergangsgeld für den Zeitraum der "Umschulung"
Im Prinzip ja, man kann aber auch von der Agentur Übergangsgeld erhalten, wenn der AlG Anspruch aufgebraucht ist. Das Jobcenter hat nur peripher was damit zu tun. - > gilt im Fall von beruflicher Reha

Bei einer normalen Umschulung gibt's entweder AlG oder AlG II, je nachdem was was Anspruch zu Beginn der Umschulung besteht.

Wie sieht das denn aus, wenn ich bei der DRV einen Antrag stelle, die den weiterleiten (Weil Versicherungstechnische Voraussetzungen nicht erfüllt sind), würde die AfA dann nochmals komplett neu prüfen (Auf was?)?

Die DRV prüft erstmal nur 180 Kalendermonate voll oder nicht? Wenn nicht Weiterleitung an die Agentur. Die Agentur schaltet dann meist den ärztlichen Dienst ein, um eine medizinische Einschätzung zu erhalten (wenn Reha-Berichte oder eindeutige Unterlagen vorliegen muss das nicht zwingend passieren) und fällt anhand dessen dann die Entscheidung über die eigene Zuständigkeit (könnte ja auch eine Berufskrankheit sein, dann wäre die VG zuständig) und entscheidet dann über den LTA. Meist hat man dann noch ein Reha-Vorgespräch, um zu sehen wohin die Reise gehen soll.
 

Ruhrpottmensch

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Super die Gedanken gerade gerückt... Vielen Dank @Fox29 (y)

Ja... Eine (medizinische) Reha wäre wohl angebracht um sich "besser" für das weitere Vorgehen zu positionieren.
Wer wäre denn in meinem Fall (Ausgesteuert seit Anfang des Jahres) der erste Ansprechpartner? KK oder DRV?
 

Fox29

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Ja... Eine (medizinische) Reha wäre wohl angebracht um sich "besser" für das weitere Vorgehen zu positionieren.
Wer wäre denn in meinem Fall (Ausgesteuert seit Anfang des Jahres) der erste Ansprechpartner? KK oder DRV?

Ich tippe auf DRV, weil es um den Erhalt der Erwerbsfähigkeit geht. Aber da bin ich doch bissl überfragt 😅 vielleicht weiß einer der Reha-Experten hier weiter
 
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