Soll ich selbst kündigen wegen Krankheit?

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Elsa61

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Hallo! Ich bin 58 Jahre alt und seit 13 Monaten krank geschrieben wegen Burnout und schweren Depressionen und komme gerade aus einer psychosomatischen Klinik in der ich 9 Wochen Therapie gemacht habe. Ich habe dort beschlossen nicht wieder in meiner alten Firma, in der ich seit 18 Jahren beschäftigt bin, anzufangen. Mein Chef würde mich am liebsten weiter beschäftigen, aber ich fühle mich nervlich außerstande dort wieder zu arbeiten. Meine Hausärztin unterstützt meine Entscheidung. Soll ich selbst kündigen oder mit meinem Chef sprechen, ob er mir krankheitsbedingt kündigen kann? Was ist günstiger bzw. wie kann ich eine Sperre vom Arbeitsamt verhindern? Die Kündigungsfrist ist 6 Monate.
Ich habe morgen ein Gespräch mit meinem Chef. Für Hinweise wäre ich sehr dankbar.
 

Onkel Tom

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Auf keinen Fall selber kündigen oder sich auf ein Aufhebungsvertrag einlassen..

Wenn Du ein Attest von einem Facharzt bekommen kannst, der belegt, das die
Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zumutbar ist, schaut das schon
besser aus.. Der Rat des Hausarztes ohne jegliches Attest, reicht der AfA nicht
und kannst anbei mit einem Sperrversuch rechnen.

Wenn das in der FA nicht weiter geht, gelbe Fahne hissen.. Immer wieder, bis
AG kündigt.. Auch dem Boss keine Kündigung wegen Krankheit vorschlagen.
Er kann dir im nachhinein damit eine reinhauen, um keine Abfindung blechen
zu müssen.. Nach 18 Jahren wird Mauscheleien gefährlich, weil AfA darauf
bestehen würde das Du dich gegen Kündigung wehren sollst.
Klaro, das Boss anbei sagen würde, das Du sowas vorgeschlagen hättest.
 

Casimir72

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Hallo,

ich kann Dir von meinen persönlichen Erfahrungen berichten. Ich war bei meinem Arbeitgeber (~2750 Angestellte) seit 14 Jahren angestellt, war gleichgestellt schwerbehindert mit GDB30 und habe aufgrund meiner Erkrankungen pro Jahr 130-160 Krankentage gehabt. Eine Reha hat mir nicht geholfen.

Ich hatte ein recht gutes Verhältnis zu meinem Arbeitgeber bzw. der Personalabteilung, dem Betriebsrat, der Schwerbehindertenvertretung und dem Betriebsarzt. Alle genannten hatte ich bei den Verhandlungen hinzugezogen.

Ich habe mich zur Vermeidung einer schwierigen eventuell sogar gerichtlichen Kündigung (wg. meines Kündigungsschutzes) für die Unterzeichnung eines Aufhebungsvertrages entschieden, obwohl ich von einer evtl. Sperre natürlich wusste. Wir haben vereinbart, dass ich meine gesamte Kündigungsfrist von 6 Monaten noch offiziell angestellt, aber vollständig und unwiderruflich freigestellt war. Darüber hinaus habe ich eine Abfindung bekommen. Es wurde tatsächlich zunächst eine Sperre verhängt, aber schnell zurückgenommen, da mein AG mit bescheinigt hat, dass ich bei Nichtunterzeichnung eines Aufhebungsvertrages andernfalls zum gleichen Datum und mit der gleichen Kündigungsfrist entlassen worden wäre. Das hat die AfA akzeptiert, u.a. da es einige Urteile gibt, die Kündigungen trotz besonderem Kündigungsschutz für Schwerbehinderte bestätigt haben, wenn in der Vergangenheit lange Krankheitsphasen vorlagen.

Eine Eigenkündigung hätte ich allerdings auch nicht gemacht, falls es keinen Aufhebungsvertrag gegeben hätte.
 

Elsa61

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Hallo!
Danke euch für die Antworten. Ich will halt immer klare Verhältnisse schaffen.
Einen Facharzt habe ich leider nicht. Außerdem hängt immer der Medizinische Dienst der Krankenkasse während der AU wie ein Damoklesschwert über mir und das macht mich fertig.
Vielleicht ist der Aufhebungsvertrag mit der Klausel "bei Nichtunterzeichnung ebenfalls Kündigung" und Freistellung während der Kündigungsfrist eine Alternative?!
 
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Vielleicht ist der Aufhebungsvertrag mit der Klausel "bei Nichtunterzeichnung ebenfalls Kündigung" und Freistellung während der Kündigungsfrist eine Alternative?!
Bevor du einen Fehler machst, würde ich mir erst mal die Frage stellen was danach kommen soll. Und so stelle ich dir auch mal die Frage. Was stellst du dir nach der Kündigung vor? Wie soll es da für dich weiter gehen? Du wirst doch nicht automatisch gesund wenn du kündigst.

Vielleicht kann man dir gezielter Hilfe und Tipps geben, wenn man weiss was du vor hast?!
 

Karinik

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... hängt immer der Medizinische Dienst der Krankenkasse während der AU wie ein Damoklesschwert über mir und das macht mich fertig.
Vielleicht ist der Aufhebungsvertrag …..eine Alternative?!

Der MdK ruft doch nur an, weil die KK nicht länger Krankengeld bezahlen will. Ob du nach Einstellung des Krankengeldes wieder arbeitest oder ALG 1 beziehst, ist der Kasse egal.
Kurz gesagt, der MdK lässt dich auch nach einer Kündigung nicht in Ruhe.
 

Elsa61

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Ich hoffe, dass ich nach dem halben Jahr Kündigungsfrist (oder schon vorher) wieder eine Arbeit gefunden habe. Wenn nicht, muss ich mich erstmal arbeitslos melden. Und dann wäre eine Sperre blöd. Ich hab auch überlegt vielleicht eine Teil-Erwerbsunfähigkeitsrente zu beantragen, wenn es mir bis in einem halben Jahr nicht besser geht.
 
E

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Gast
@Elsa61
OK, dann hast du dich zumindest gedanklich schon mal mit dem Thema Rente befasst. Dann würde ich auf keinen Fall selber kündigen. Führe deine AU einfach weiter fort und nutze die Zeit für dich. Wenn deine KK mit der Aussteuerung auf dich zukommt, dann brauchst du dich auch erst bei der AfA melden und mit dem Thema ALG1 auseinander setzen.

So hättest du aber erst mal Zeit dich mit den ganzen Themen auseinander zu setzen und kannst in Ruhe überlegen was du tust. Nur den Arbeitsplatz zu kündigen wäre doof und auch nicht nötig um dahin erst mal nicht zurück zu müssen.

Und während du weiter AU bist, oder dann im ALG1 Bezug der Nahtlosigkeit, kannst du jederzeit einen neuen Job suchen und dann kündigen. Oder das Thema mit gesundheitlichen Einschränkungen weiterführen in Richtung EM-Rente, usw.
Aber selber zu kündigen ist die schlechteste Wahl.
 

Schmerzgrenze

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Elsa61

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Vielen Dank euch Allen!
Irgendwie ist ziemlich Verwirrung in meinem Kopf. Ich werde heute sehen, was mein Chef vorschlägt. Ich muss mich ja heute noch nicht entscheiden bzw. werde ihm erstmal keinen Vorschlag zur Eigenkündigung machen.
LG Elsa61
 
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Irgendwie ist ziemlich Verwirrung in meinem Kopf.
Total verständlich und darum solltest du einen Schritt nach dem anderen machen und nicht unüberlegt einfach selber kündigen. Es kann ja sein das die "Eigenkündigung" für dich der richtige Weg ist, aber man sollte es nicht voreilig machen.

Wenn du gesundheitlich top bist und einen neuen Job in der Tasche hast, würde ja nichts gegen eine Kündigung sprechen. Nach deinen Ausführungen ist das ja eher nicht der Fall, daher alles gut überlegen.
 

Elsa61

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Hallo alle zusammen!
Mein Chef hat mir angeboten mir aus dringenden betrieblichen Gründen zu kündigen mit dem Zusatz: sollte ich keine Klage vor dem Arbeitsgericht erheben, auch eine kleine Abfindung bzw. Anerkennung meiner Leistungen für die lange Zeit.
Ich bin heilfroh und denke ich werde darauf eingehen. So muss ich nicht selbst kündigen.
Vielen Dank euch allen für eure Tipps!
LG, Elsa61
 

apfelkuchen

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Ich würde auch auf den Zusatz verzichten. Das kann dich in Schwierigkeiten bringen und wie oben schon gesagt, als Aufhebungsvertrag gewertet werden.
 

Nena

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Die Abfindung kann er Dir auch zahlen, wenn Du keine Kündigungsschutzklage einreichst, ohne dass das wo steht.
 

apfelkuchen

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Klar will der AG so eine Garantie, aber diese Garantie kann sie nur teuer bezahlt vom eigenen Geld geben. Dann soll sie sich halt unterschreiben lassen, dass er für alle daraus resultierenden Sperren den finanziellen Schaden ersetzt.
 
E

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Dann soll sie sich halt unterschreiben lassen, dass er für alle daraus resultierenden Sperren den finanziellen Schaden ersetzt.

*Ironie an*
Ja genau, dass wäre die perfekte Lösung. Dann kassiert sie die Abfindung und kann der AfA in aller Ruhe mitteilen das sie selbst gekündigt hat. Die garantierte Sperre dann wäre kein Problem, der Ex-Arbeitgeber zahlt das ja alles. Danach wäre alles gut, man hätte sogar ein reines Gewissen 😇
*Ironie aus*
 
E

ExitUser

Gast
Der langzeitkranke Arbeitnehmer ist aus der Lohnfortzahlung raus und kostet kein Geld mehr.
Im Prinzip hast du ja recht, allerdings hat der AG keine Planungssicherheit. Er ist ja erst mal gezwungen einen Arbeitsplatz frei zu halten, so lange das AV besteht. Und wenn er nicht weiss ob der AN zurück kommt, oder nicht, kann er auch nicht groß die Stelle neu besetzen.
 
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Wenn ein vernünftiged Verhältnis zwischen Abrbeitgeber und Arbeitnehmer besteht, kann an sowas klären. Und jemenden befristet als Klarnheitsvertretung einstellen geht auch.

Es kann mir doch keiner erzählen, dass ein langzeitkranker Arbeitnehmer urplötzlich wieder fit ist und dann gleich wieder Vollzeit loslegen kann. Das dürften eher seltene Ausnahmefälle sein.
 
E

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Und jemenden befristet als Klarnheitsvertretung einstellen geht auch.
Ja, am besten noch eine Zeitarbeitsfirma beauftragen (n)

Es kann mir doch keiner erzählen, dass ein langzeitkranker Arbeitnehmer urplötzlich wieder fit ist und dann gleich wieder Vollzeit loslegen kann. Das dürften eher seltene Ausnahmefälle sein.
Da gebe ich dir recht. Aber du weisst doch auch selber wie viele Jahre sich z.B. ein EMR-Antrag hinziehen kann.
 
E

ExUser 2606

Gast
Ja, am besten noch eine Zeitarbeitsfirma beauftragen (n)
Nö, das muss doch nicht sein.

Wenn ein Arbeitgeber von Anfang an mit offenen Karten spielt und einem Bewerber sagt, dass die Stelleninhaberin langzeitkrank ist und er deshalb eine Vertretung braucht, fnde ich nicht, dass gegen eine Befristung etwas einzuwenden ist. Nicht selten sind aus solchen Arbeitsverhältnissen später Dauerarbeitsverhältnisse geworden.

Beim Arbeirgeber ist Arbeit zu erledigen und eine Krankheisvertretung ist allemal besser, als dass die Kollegen die Arbit mit übernehmen und Überstunden machen müssen.

Ich habe das auch gemacht, als meine Haushaltshilfe erkrankt ist. Gut, ist nur Minijob, 2 Stunden in der Woche, aber ich sehe da jetzt nicht den riesen Unterschied. Es war von Anfang an klar, dass sie mindestens 6-8 Wochen ausfällt und das habe ich euch den Bewerbern gesagt. Dann fand sich eine, die sowieso nur was für kurze Zeit suchte. DIe bleib dann ein dreiviertel Jahr, dann wollte sie nicht mehr. Ich suchte neu, fand wieder jemanden, habe immer Mit offenen Karten gespielt, dass die Stelleninhaberin krank ist. Irgendnwann entschied sich, dass sie gar nicht mehr wiederkommt, ich habe die Vertretung gefragt, ob sie unbefristet bleiben will und sie wollte.

Für mich war klar, dass eine Vertretung her musste, denn 6 Wochen ohne Haushaltshilfe geht einfach nicht.

Zeitarbeit auf Dauer oder sachgrundlose Befristung, das ist Mist, aber wenn man von Anfang an mit offenen Karten spielt, ist das was anderes.
 
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Nena

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Ich denke der AG will einfach die schriftliche Garantie das sie das nicht macht.
Ich las nichts davon, dass TE was unterschreiben soll. Eine Kündigung ist eine einseitige Willenserklärung, bedarf nicht der Zustimmung.
Ich hatte es so verstanden, dass die AG das so in die Kündigung schreiben will.
 
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