Sie wissen nicht was sie tun, aber sie tun es (1 Betrachter)

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ExitUser

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Sie wissen nicht was sie tun, aber sie tun es

Ängste spielen im Zivilisationsprozess der Menschheit eine kontinuierliche Rolle. Dabei muss jedoch genauer differenziert werden, ob die Ängste, unter denen Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort leiden, für ihre evoltive Koexistenz unentbehrlich bzw. förderlich sind. Diese Frage kann nur nach Prüfung der jeweiligen Gegebenheiten beantwortet werden. Die Geschichte der Menschheit ist gekennzeichnet von Ängsten, hervorgerufen durch Seuchen, Hungersnöte oder Naturkatastrophen. Werden Ängste jedoch durch die ökonomische, soziale und politische Organisation ausgelöst, sind sie nicht zu rechtfertigen. Ein politisches System, dass auf die Organsisierung massiver Überlegensängste setzt, widerspricht seinem Zweck, eine Gemeinschaft in ihrem Inneren zu befrieden und läuft die Gefahr, zu erodieren oder zerrissen zu werden. Beobachtungen von Lothar Zedler.
Quelle: www.scharf-links.de
 

fritzi

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Die Nicht-Normarbeitsverhältnisse in Deutschland lassen sich wie folgt darstellen:

* etwa 2,5 Mio Menschen in unserem Land arbeiten in Befristungen

* ca. 7 Mio sind geringfügig beschäftigt

* fast 5 Mio davon verdienen ihr weniges Geld mit Minijobs

* 2 Mio müssen sich so ein Zubrot verdienen

* 300.000 arbeiten als Ein-Euro-Jobber

* 650.000 sind Zeitarbeiter
Falsch. Das da oben ist Norm.
 

mo

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einige von denen wissen aber vermutlich, was sie tun!

über diesen satz

Ein politisches System, dass auf die Organsisierung massiver Überlegensängste setzt, widerspricht seinem Zweck, eine Gemeinschaft in ihrem Inneren zu befrieden (...)
lässt sich trefflich streiten. was denn, wenn das herrschende system gar nicht primär dazu gedacht ist, das "innere" (aller mitglieder) zu befrieden, sondern dem ausagieren antisozialer impulse der herrschenden "eliten" gewidmet ist? dann lässt sich nämlich auch der verdacht formulieren, dass erstens eine derart wie beschrieben produzierte angst als eine art vorstufe der traumatisierung funktioniert:

(...)"Durch die Verlagerung der Arbeitsorganisation vom körperlichen auf den psychomentalen Bereich hat sich auch das Krankheitsbild verlagert. Die ersten medizinischen Langzeitstudien, die seit Beginn der 1990er Jahre insbesondere in Finnland, Schweden und Großbritannien das Verhältnis zwischen Stress und Gesundheit untersuchen, kommen nach ihren Auswertungen jetzt zu eindeutigen Ergebnissen: Die Auswirkungen des Arbeitsalltags auf die psychische Gesundheit des Einzelnen sind enorm. In den vergangenen 20 Jahren haben Begriffe wie Flexibilität, Mobilität und lebenslanges Lernen Karriere gemacht; die berechenbare Biografie wurde zum Märchen aus einer versunkenen Welt und die Unberechenbarkeit zu einer mentalen Dauerbedrohung.

Der Beruf hat für das seelische und körperliche Wohlergehen des Einzelnen heute eine immense Bedeutung, weil er drei elementare Existenzbedürfnisse befriedigt: das Selbstwertgefühl, die Erfahrung von Selbstwirksamkeit und das Gefühl von Zugehörigkeit. Wenn diese grundlegenden Bedürfnisse nun durch Radikalisierung des Wettbewerbs, durch Konkurrenzkämpfe, Verlagerung der Produktion ins Ausland, Lohndruck, Kostendämpfung, Stellenabbau, zunehmende Rationalisierung und Mobbing bedroht sind, pathologisiert sich die permanente Verunsicherung zur Angst. Jeder siebte Angstpatient stirbt von eigener Hand."(...)

in etwas anderen worten steht das auch schon im update des letzten beitrages, wobei der dort angesprochene aspekt der traumatisierung hier nur z.t. erfasst wird: "...pathologisiert sich die permanente verunsicherung zur angst." ich begreife das als eine art vorstufe des traumas, welches hier in seiner vollen wirkung vermutlich nur durch die noch vorhandene einbettung in die destruktive struktur paradoxerweise gebremst wird - die arbeitswelt, egal wie real zerstörerisch sie sich im einzelnen schon auswirken mag, bekommt dann sozusagen die funktion des letzten rettungsankers. allerdings eines sehr fatalen rettungsankers."(...)
- und sich zweitens traumatisierung inzwischen auch als machttechnik ansehen lässt, wie es bspw. naomi klein in ihrer "schock-strategie" beschreibt. von daher ist die beschriebene verängstigung vielleicht doch ein gewolltes produkt - wenngleich sie uns in den folgen zusehends allen um die ohren fliegen wird.

gruß
mo
 
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