Selbstständigkeit aus Langzeitarbeitslosigkeit?

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Gelöschtes Mitglied 34809

Gast
Hallo,

ich plane derzeit zusammen mit einem kleinen Team eine Selbstständigkeit aufzubauen. Nun bin ich jedoch als Langzeitarbeitslos gemeldet und werde mit EGVs zur Vermittlung in Helfertätigkeiten, Bürgerarbeit etc. zugeschüttet. Die Entlohnung solcher "Berufe" lässt sicher zu wünschen übrig.
Habe ich überhaupt eine Chance mich Selbstständig zu machen mit Förderungen für die Startphase oder gibt es da überhaupt keine Chancen als Lanzeitarbeitsloser? Ich kann leider keine Berufserfahrung (Bis auf ein paar kleine Minijobs und den Zivildienst) nachweisen. Eine Ausbildung habe ich ebenfalls nicht. Besitze nur die Mittlere Reife. Vergangene Bewerbungen sind leider immer negativ ausgefallen, weshalb ich den Schritt der Selbstständigkeit nun in erwägung ziehe, da ich nicht mein Leben lang als Helfer arbeiten möchte und vom Amt schikaniert werden will.

Ich weiss bisher, dass ich dafür Gründerseminare besuchen kann und einen Businessplan aufstellen sollte. Nun wird es denke ich jedoch an der Akzeptanz der arge scheitern, da diese mir nicht mal mehr erlauben weiterhin einen Ausbildungsplatz zu suchen (Bin ü 25) und mich zwingen eine Helfertätigkeit aufzunehmen. Die Ausbildung solle ich mir in meiner Freizeit suchen und ausüben (Neben der Arbeit versteht sich). :icon_dampf:
 

DeppvomDienst

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Du kannst eines der staatlich geförderten Gründerseminare besuchen, die kosten 30 Euro Selbstbeteiligung, welche ggf. sogar auf vorherigen Antrag beim Jobcenter erstattet werden können (nicht müssen).

Diese Seminare gehen meist 3 Abende, dort werden erst einmal grundlegende Fragen geklärt.

Du solltest aber schon gut vorbereitet sein, eine Idee haben, die auch funktionieren kann und auch wirklich wissen, was Selbständigkeit bedeutet. Ein Gewerbe anmelden und dann das Sofa wärmen ist nicht nur sinnlos, sondern wird auch zu zahlreichen Problemen führen.

Bisher war es so, dass Du Einstiegsgeld beantragen konntest, das wurde meist 6 Monate gewährt und umfasste in etwa 50% des Regelsatzes zusätzlich. Diese "Förderung" musste alle 6 Monate neu beantragt werden, wurde maximal 2 Jahre gezahlt.
Aus der Praxis ist es realistisch zu sagen, dass wenn Du es 1 Jahr lang bekommst, schon richtig gut dabei ist, oft ist nach den 6 Monaten Schluss und mit dem Geld kannst Du sicher nicht sonderlich viel ausrichten.

Außerdem kannst Du ein zinsfreies Darlehen bis 5.000 Euro beim Jobcenter beantragen, allerdings musst Du nachweisen, für was das Geld benötigt wird und dass sich durch diese Investitionen auch Gewinne erwirtschaften lassen und die Tragfähigkeit gewährleistet ist. Also Darlehen und dann erstmal nen schicken Fernseher kaufen ist nicht.
Und Du musst Dir bewusst sein, dass auch wenn es ein zinsfreies Darlehen ist und man die Raten ggf. auch stunden lassen kann, wenn der Gewinnfall nicht eintritt, es Schulden sind, die in jedem Falle zurückgezahlt werden müssen.

Faktisch ist es jedoch so, dass Selbständigkeiten heute dank Ursula von der Laien so gut wie nicht mehr "gefördert" werden.

Dich selbständig machen ist Dein gutes Recht, allerdings wird man Dir viele Steine in den Weg werfen.
Ein sehr gut ausgearbeitetes Konzept ist also zwingend erforderlich, man wird Dich diesbezüglich zu einem Prüfer schicken, der das Konzept mit Dir durchgehen soll und dann eine Empfehlung ausstellt oder nicht.
Der Witz ist, dass diese Unternehmen.. sagen wir mal "jobcenternah" zusammenarbeiten, dementsprechend ist der Auftraggeber klar vergeben und somit auch die Loyalität. Unabhängigkeit kannst Du dort keine erwarten.

Es ist bedeutend problematischer und schwieriger geworden.

Solltest Du mit der Selbständigkeit durchkommen und in die Gründerphase eintreten, kannst Du neben dem bereits erwähnten Seminar noch ein sogenanntes Coaching beantragen. Das ist auch eine Kannleistung, muss also nicht gewährt werden, aber es lohnt sich zumindest, nachzufragen.
Der Coach (das Unternehmen solltest Du Dir selbst suchen) wird Dir dann in den ersten Monaten helfen, Dir zeigen, wie Rechnungen auszusehen haben, wie die Buchhaltung zu führen ist, wie das ggf. mit der Umsatzsteuer läuft oder ob Du die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nimmst etc.
Er ist aber kein Buchhalter oder Steuerberater, das ist trotzdem Deine Aufgabe oder Du musst Dir eine qualifizierte Kraft suchen, die die Buchhaltung für Dich übernimmt, wenn Du es nicht selbst kannst.

Du musst dann jeweils VOR dem neuen Bewilligungszeitraum eine Prognose EKS ausfüllen und einreichen, auf Startseite - www.arbeitsagentur.de findest Du in den Formularen für ALG-II-Bezieher das Formular zum Download, kannst es Dir da mal angucken.
Das ist so ähnlich wie Lotto spielen und bereitet gerne auch mal massive Probleme, siehe hier zahlreiche Threads zum Thema EKS...

2 Monate nach dem Bewilligungszeitraum musst Du dann die endgültige EKS abgeben, auch hier wirds meist sehr holperig. Aber auch hier kann geholfen werden :)

Wenn Du nicht genug Umsätze hast, zahlt das Jobcenter weiterhin Krankenversicherung und Pflegeversicherung.
Solltest Du betriebliche Versicherungen benötigen (z. B. Unfallversicherung etc.), musst Du diese auch selbst bezahlen!
Gleiches gilt für Mitgliedsbeiträge in IHK oder HWK bzw. Berufsgenossenschaften.
Hier solltest Du Dich vorher erkundigen, wer für Dich zuständig ist und ob das etwas kostet... nicht dass das böse Erwachen kommt... das können gut und gerne Jahrespflichtbeiträge im mittleren dreistelligen Bereich werden. Nenne es moderne Wegelagerei, ist es auch, aber die sind gesetzlich abgesichert und Du musst zahlen :)

Dann ist da noch die Laien'sche Idee, dass sich jeder Selbständige eine eigene Rentenversicherung suchen und bezahlen muss. Da würde ich mir erstmal keine Gedanken dazu machen, das kann nur verfassungswidrig sein und wenn nicht, dann dürften die Gerichte wohl entscheiden, dass wer hilfsbedürftig ist und ALG II bezieht, eben Anspruch darauf hat, dass das Amt diese dann auch bezahlen muss.
Dann freuen wir uns alle, denn dann sind wir endlich wieder rentenversichert :)

Laien kommt schon deswegen nicht damit durch, weil sie nicht gesetzlich bestimmen kann, dass Selbständige eine Rentenvorsorge zu treffen haben, wenn gleichzeitig bei knapp 6 Millionen ALG-II-Empfängern kein einziger Cent in die Rentenkasse bezahlt wird. Das aber nur am Rande.

Wenn Du Dich zu dem Schritt entschließt, sei Dir bewusst, dass dann, wenn Du es ernsthaft betreibst, Wochenenden erstmal gestrichen sind, ebenso Urlaube. Du arbeitest auch oftmals mehr als 8 Stunden am Tag und um 16 Uhr den Hammer fallen lassen gibt es nicht.
Der Vorteil: All das, was Du tust, machst Du für DICH - und nicht für andere.
 
G

Gelöschtes Mitglied 34809

Gast
Danke für den umfangreichen Kommentar :)
Das mir Steine in den Weg gelegt werden dachte ich mir schon. Man will mich ja jetzt unbedingt in eine EGV zur Bürgerarbeit vermitteln. Ich solle mich erst einmal 6 Monate Intesivst auf Helfertätigkeiten bewerben (12-15 im Monat) und diese sind auch noch aufgeschlüsselt in Schriftliche, Telefonische und Persönliche.

Ich habe die befürchtung, wenn ich denen jetzt erzähle, dass ich mich Selbstständig machen will, die das sofort ablehnen und nicht mit sich reden lassen, da ich keine Berufserfahrung nachweisen kann.

Ich gehe mal davon aus, dass ich die EGV, wenn per VA rausgeschickt, auch machen muss. Dadurch würde mir einiges an Freizeit genommen, die ich für das vorbereiten der Selbstständigkeit (Besuche von Seminaren, Informationen Sammeln, Planen, Businessplan etc.) brauche.

Edit: Ich weiss zu 100% das meine Idee bisher noch keine konkurrenz hat, da es sich hierbei um einen sich neu entwickelnden markt handelt, der aber derzeit rasant wächst. Daher wäre das Alleinstellungsmerkmal schon einmal erfüllt.
 

DeppvomDienst

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Ablehnen dürfen die nicht, denn es ist dein gutes Recht, Dich selbständig zu machen.
Was sie aber machen können: Dir massiv Steine in den Weg legen und es ist dann Deine Aufgabe, diese zu beseitigen (andererseits kannst Du natürlich auch auf Tipps hier aus dem Forum bauen).

Es ist möglich, aber der Weg ist steinig.

Dass Du keine Lust hast, Dich für irgendwelche billigsten Helfertätigkeiten verwursten zu lassen, das ist vollständig nachvollziehbar.

Wenn Du also eine gute Idee hast bzgl. Selbständigkeit, dann überlegs Dir gut und wenn Du der Ansicht bist, dass Du es packen kannst, dann versuche diesen Weg!

Die aktuelle Alternative, die Dir geboten wird, ist nämlich keine.
 
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Gelöschtes Mitglied 34809

Gast
Danke für die Aufmunternden Worte. Der letzte Termin bei meiner SB war sehr demotivierend. Musste mir sagen lassen ich habe keine chancen und müsse ewig als helfer arbeiten. Raus aus dem Leistungsbezug, sofort, waren die Worte.

Um die EGV kommt man aber nicht herum, oder? Ich würde es stattdessen für sinnvoller erachten wenn man mir Seminare o.ä. anbieten würde.
 

stummelbeinchen

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Wie wärs, wenn Du Deine Idee erstmal einem unabhängigem Berater vorstellst? In vielen Städten gibt es Gründerzentren, die kostenlos (aber nicht umsonst:biggrin:) Gründungswillige beraten.
Das wäre meines Erachtens der erste Schritt.

Dazu musst Du Dich auch intensiv mit Deiner Idee auseinandersetzen. Was kommen für Ausgaben auf Dich zu (Versicherungen, Werbungsmittel, etc.)? Wieviele Aufträge brauchst Du, um genug Einnahmen zu erzielen? Wie willst Du Auftraggeber anwerben? Wo sind Deine Büroräumlichkeiten?

Nimms mir nicht übel, aber Du sagst selbst Du hast keine Ausbildung, nur geringfügige Berufserfahrung, da stellt sich mir sofort die Frage, was willst Du denn machen und wieso hälst Du Dich dafür geeignet? Wie willst Du denn Deine Kunden von Dir überzeugen, denn im Prinzip bewirbst Du Dich da ja auch. Nur eben nicht für eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, sondern einen Auftrag. Warum sollten sie Dich nehmen und nicht Deinen Konkurrenten 2 Straßen weiter?
Bist Du der Büroarbeit (Buchhaltung) überhaupt gewachsen? Die meisten Selbständigkeiten scheitern nicht daran, dass sie nicht gut arbeiten würden, sondern dass die Büroarbeit vernachlässigt wird (weil unbeliebter).

Ist denn eine Erstausbildung wirklich nicht mehr drin? Eine Bekannte von mir hat mit 31 noch eine Lehre als Veranstaltungskauffrau begonnen. Klar ist das nicht üblich und da wirst Du eher die Ausnahme sein, aber ist dies wirklich wirklich wirklich nicht mehr möglich? Das neue Ausbildungsjahr fängt doch bald an und es sind noch ziemlich viele Lehrstellen frei bzw. in der ersten Zeit werden einige Auszubildende die Segel streichen und da gilt es auch für die Firmen Ersatz zu finden.
 
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Gelöschtes Mitglied 34809

Gast
Um Gründerseminare werde ich mich bemühen. Für meine Idee kann niemand einen 2. Auftraggeber nehmen, da es diesen noch nicht gibt.
Ich habe auch nicht vor dies allein zu machen. Ich bin gerade dabei mich intensiv zu informieren und fähige Mitgründer zu suchen.
 

Mollmops

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Der letzte Termin bei meiner SB war sehr demotivierend. Musste mir sagen lassen ich habe keine chancen und müsse ewig als helfer arbeiten.
Ohne Ausbildung und Berufserfahrung ist das aber sicherlich auch zutreffend. Wenn du im JC dein Konzept durchboxen willst, musst du dich in jedem Fall mit der garantiert aufkommenden Frage auseinandersetzen, welche fachlichen Qualifikationen du dafür mitbringst. (Nur als Beispiel: Nach mehreren Jahren Berufserfahrung und "nur" zwei Zertifikaten über scheißteure, selbstfinanzierte anderthalbjährige Fortbildungen in dem Bereich, in dem ich selbständig bin, wollte man mir schon fast den Riegel vorschieben, weil ich keinen Ausbildungsberuf dafür habe!)

Mir stellt sich auch die Frage, warum du dich nicht um einen Ausbildungsplatz kümmerst. Wir leben nun mal in einem Land, in dem ein Wisch der IHK oder HWK "Gold" wert ist und jede Fachkenntnis schwarz auf weiß nachgewiesen werden soll. Neben der Ausbildung könntest du parallel deine gewünschte Selbständigkeit aufbauen - falls du das damit ernst meinst und dies nicht nur eine Flucht vor der drohenden EGV ist (tut mir leid, so lese ich das aus deinen Postings heraus).

Desweiteren musst du dich intensiv mit Buchhaltung, Fristen, Unternehmesformen und deren Anforderungen und dergleichen befassen. Dazu gibt es in den bereits angesprochenen Seminaren einen Überblick, der reicht für die Praxis aber bei weitem nicht aus. Wenn du die Buchhaltung auslagern willst, bedenke, dass dir niemand den Monatsabschluss für 20 EUR macht.

Für meine Idee kann niemand einen 2. Auftraggeber nehmen, da es diesen noch nicht gibt.
Ich musste letztens so lachen. Eine junge Frau suchte Masseurinnen für ihr neues Massagestudio und ihr Konzept sei so originell und ausgefallen, das gäbe es noch nicht. Kurzum, ihre Mädels setzen sich einfach Masken auf, die Kundschaft bekommt auch welche, so bleibt alles hübsch anonym. Aus Frauensicht vielleicht DIE Idee - aus Männersicht eher nicht.
 

Seepferdchen 2010

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Hallo Sebastian,

auf eine Art finde ich es gut an eine Selbstständigkeit zu arbeiten, aber es gibt einen einfachen kfm. Grundsatz ohne EK, hast du ein schlechten Start, genau genommen
einen sehr schlechten!

Ich will dir das nicht vermiesen, hast du auch mal geschaut ob überhaupt der Bedarf
am Markt vorhanden ist und wenn ja wieviel Mitbewerber gibt es!?

Eine Selbstständigkeit kann schnell zur "Schuldenfalle" werden.

Dennoch wenn du alles "Für und Wieder" gegenübergestellt hast und dann immer noch
ein positiver Start möglich ist, dann kann ich nur viel Erfolg wünschen!

Gruß:icon_pause:
 
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