Selbständigkeit, wie schnell sollte man Gewinne Einfahren?

The_Vulcan

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Ja also wenn es nach den Jobcenter geht natürlich ab dem 1. Tag der Gründung.

Aber wie ist es in der Realität?

Wann habt Ihr die ersten Gewinne eingefahren?


Empfohlen wird ja immer erst geringe Gewinne aufzuschreiben und sich langsam zu steigern.. sofern man denn Gewinn macht.

Nun mache ich in den paar Monaten meiner Selbständigkeit zwar etwas Umsatz, aber noch ist es recht wenig. Der aktuelle Monat läuft recht schlecht. Bleibt wohl sogar im 2 stelligen Bereich.

Gewinn werde ich wegen laufender Kosten da keine machen... generell habe ich aus zwei gründen bisher leider keine Gewinne gemacht. Selbst in der Zeit wo es gut lief.

1. Alles was an Gewinn übrig bleibt wird investiert in neue Ausrüstung.

2. Grundkosten die anfallen selbst wenn keine Kunden da sind

Nun hab ich aber noch nicht viel in Werbung investiert, was ich wohl nachholen werde.

Ich kenne aber auch noch vier weitere ALGII Selbständige.
Zwei davon sind nach 3 und nach 4 Jahren vom Jobcenter weg.
Wobei einer auch gut mit Fördermitteln versorgt wurde und keine Eigene Wohnung zu tragen hat.
Zwei andere sind seit mehreren Jahren dabei, machen aber auch nur wenig Gewinn. Einer so an die 2.000.- Umsatz im Jahr.


Ich frage mich jetzt wie lange man noch einigermaßen anständig behandelt wird wenn man 0.- Gewinn, ja sogar verluste verzeichnet... und wieviel Gewinn man nach sagen wir 1 Jahr aufweisen sollte.

Das Problem ist ja klar... wenn man keinen Cent investiert... kann man nicht ausbauen... mit Gummihammer arbeitet es sich schlechter als mit einem HighEnd Vorschlaghammer. Dadurch hat man natürlich auch weniger Aufträge...

Das andere ist, wenn man noch einen Job hat wird sowieso gleich jeder Cent an Gewinn an das JC zurückgeführt (zu 80%) bzw. wenn man pech hat wird immer mit Gewinn gerechnet und man hat am ende kein Geld für Investitionen oder Rechnungen.
Ich habe auch schon eine ALGII Bezieherin getroffen, welche genau dieses Problem hatte.

Hat etwas mehr an Gewinn angegeben und das wurde entsprechend gekürzt an ALGII, sie konnte Rechnungen nicht mehr bezahlen etc.... hatte nämlich dann doch weniger Gewinn und ausserdem konnte sie keine Investitionen mehr tätigen.


Kurz und knapp..zurück zur eigentlichen Frage... wieviel Gewinn (Umsatz ist ja relativ) sollte ein Selbständiger wohl im Monat nach einem Jahr verzeichnen? Oder gibt es hier auch welche die nach 1 Jahr noch keine Gewinne machen?
 

ZynHH

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Wie ist das eigentlich, müssen Selbständige Aufstocker eigentlich den Steuerbescheid beim JC vorlegen?
 

Roter Bock

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Das hängt auch immer von der Branche ab. Brauchst Du als Einsatz nur Deinen Rechner und bist in der Dienstleistung kann es schnell gehen. Wenn Du erst investieren musst, dann gehst Du (wie ich) steuerlich mit einen dicken Verlustabzug ins Folgejahr.

Nach 3 Jahren habe ich per anno im 2. Jahr 5 stelligen Umsatz per anno, der Gewinn ist aber noch niedrig.

Das Problem ist, das jede Investition Dich von der Unabhängigkeit zum Jobcenter rechnerisch entfernt - obwohl sie eventuell nötig ist. Das kann zu steigender Ungeduld beim SB führen. Auch Kredite abbezahlen sorgt dafür, das man rechnerisch nicht in die Puschen kommt.

Nach meinen Gesprächen mit anderen Unternehmern in meiner Branche weis ich das gut 4 Jahre nötig sind, bis ausreichend Geld fließt - alles unter der Prämisse das man sehr rege ist.

Soviel Geduld hat das JC heute nicht mehr.

Roter Bock
 
E

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Hi,

Aus Sicht eines selbständigen ALG2 Empfängers würde ich sagen nach 5- 7 Jahren sollten erhebliche Erfolge zu verbuchen sein. Wie viel Gewinn man dazwischen macht ist eigentlich egal, es zählt das Ergebnis nach dieser Zeit. Und die Zeit muss man sich ans Bein binden.

Ein "normaler" Selbständiger, der keine Sozialleistungen erhält, sollte wohl nach 5 Jahren soweit sein, denn er hat mehr Handlungsfreiheit und wahrscheinlich auch mehr Kapital.

Ich habe im ersten Jahr einen Umsatz von etwas mehr als 3K € gehabt und einen Verlust von 1K € bedingt durch hohe Werbekosten und die Investitionen in 2 Geschäftsbereiche.
Im zweiten Jahr blieb der Umsatz fast gleich, aber er verlagerte sich von einem Bereich zum anderen. Der Dienstleistungsbereich brachte mehr ein und der Handelsbereich weniger, weshalb ich den Handelsbereich auch im dritten Jahr abgestoßen habe. Der Verlust erhöhte sich auf über 2000 €, was das JC sehr freute^^. In dem Jahr investierte ich noch mehr in Werbung und in den Aufbau eines dritten Bereichs.
Im dritten Jahr waren die Werbekosten nicht mehr der größte Posten und die Investitionen fielen viel geringer aus. Der Umsatz vervierfachte sich und der Gewinn konnte zu 2 Dritteln meine Kosten decken.

Und in diesem Jahr, dem vierten Jahr werde ich mich vom JC verabschieden- hoffentlich auf Lebenszeit.

Im ersten Jahr braucht man sich eigentlich gar keine Gedanken um den Gewinn zu machen, der Umsatz ist hier die wichtigste Größe. Ohne Umsatz hat man auch keine Kunden. Mit einem hohen Umsatz und noch hohen Investitionskosten hat man zwar wenig oder keinen Gewinn, aber nur auf Zeit. Das sollte auch jeder SB verstehen.

Man braucht Durchhaltevermögen und in unserem Fall auch ein sehr dickes Fell. Mordgelüste und Suizidgedanken muss man unterdrücken^^.
Wenn man dann erstmal 300 € pro Monat Gewinn hat, kann man angedrohten Sanktionen viel leichter entgegen schauen und wenn man um die 500 € hat, kann man dem JC ab und zu auch mal den Stinkefinger zeigen, ohne gleich um seine Existenz fürchten zu müssen.

Ich hatte teilweise im ersten Jahr 6 Wochen lang oder mehr keine Kunden, obwohl ich jeden Tag Werbung machte. Das war schon echt deprimierend. Im zweiten Jahr verkürzte sich dieser Zeitraum auf 3 Wochen und im dritten Jahr auf eine Woche oder ein paar Tage.
 

The_Vulcan

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Nach meinen Gesprächen mit anderen Unternehmern in meiner Branche weis ich das gut 4 Jahre nötig sind, bis ausreichend Geld fließt - alles unter der Prämisse das man sehr rege ist.

Soviel Geduld hat das JC heute nicht mehr.
So sehe ich das auch...

Ich denke mir.. die ersten 2,3 Jahre werde ich nur Investieren... alle Einnahmen gehen wieder raus für Ausrüstung, Marketing etc.

Wenn das aber erledigt ist.. hat man Ausrüstung, mehr Bildung (Seminare etc.), einen Kundenstamm und ist bekannter.

Dann sind weniger Investitionen zu tätigen und man fährt steigende Gewinne ein.

Das darf man "denen" natürlich nicht sagen... die schlagen ja schon vor das Gewerbe abzumelden wenn man nach 4 Monaten noch keine Gewinne macht...


Mich hätte mal interessiert wie die anderen das so sehen (also Ihr).
Und scheinbar sind da doch einige derselben Meinung.
Das Deckt sich auch mit meinem Bekanntenkreis.

Mein Umsatz im ersten Jahr (12 Monate) dürfte sich auch in dem Bereich von 3K bewegen vermute ich. Aber der Verlust leider noch einiges darüber.


Aktuell komme ich mir recht faul vor... ein bisschen Werbung habe ich schon geschalten. Aufträge bleiben aus, meistens nur 1,2 Stammkunden die man hat (ein Kunde hat mir das Jobcenter verschafft... bei dem musste ich mich bewerben für nen schlecht bezahlten Job... ich überlege schon Bewerbungen noch Flyer beizulegen haha).


Ihr macht mir Mut mit der Info das es euch ähnlich ging (und die Tatsache das ich in manchen belangen mehr Umsatz mache als einer meiner Bekannten der das seit Jahren macht).

Und natürlich allen viel Erfolg komplett vom Amt weg zu kommen.


Wir WOLLEN ja Arbeiten!
 

BiancaBerlin

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Wann habt Ihr die ersten Gewinne eingefahren?
Ich hatte von Anfang an Gewinne zu verzeichnen, was aber daran lag, daß ich zu meiner damals wichtigsten Kundin schon während des Studiums Kontakt hatte und sie quasi nur darauf gewartet hatte, daß ich mich selbstständig mache. Des weiteren hatte ich nur sehr geringe Investitionskosten und benötigte keine eigenen Geschäftsräume.

Das Jobcenter ging damals sehr fair mit mir um und ließ mich während der ersten drei Jahre fast vollständig in Ruhe. Das scheint selten zu sein, wenn ich mir einige Beiträge hier so durchlese... :icon_kinn:
 

Solanus

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Aus der Arbeitslosigkeit (ALG 1) heraus gegründet, dann in ALG 2 gegangen. 2 Jahre dort, danach soweit fit, dass ich sogar Haus bauen (100% finanziert) konnte.

2 Jahre später aus gesundheitlichen Gründen wieder ALG 2 für 3 Monate, dann wieder auf eigenen Beinen für 2 Jahre, dann wieder ALG 2 für 3 Monate, wieder aus gesundheitlichen Gründen. Jetzt wieder auf eigenen Beinen.

Das Finanzamt kann nach 2 Jahren Verluste eine fehlende Gewinnerzielungsabsicht unterstellen und von Liebhaberei aus gehen. Im Normalfall, wenn stetige (auch geringe) Steigerung zu sehen ist, wird es vom Finanzamt her nicht so gesehen.

Beim JC hängt es da mehr oder weniger von der Gehorsamkeit des jeweiligen SB ab. Stramme SB machen schon nach 1 Monat Terror, mehr "Normaldenkende" SB lassen da mehr Ruhe.

Von Gesetz her gibt es da keine Einschränkung. Jeder LE kann im Nebenberuf eine Selbständigkeit betreiben mit einer Einschränkung, er muss sich bewerben. Macht er die Selbständigkeit als Haupterwerb, muss er sich mehr mit den SB rumschlagen, auch wenn da recht wenige rechtliche Möglichkeiten beim SB liegt. Eine Selbständigkeit kann von hier nach jetzt zum Nebenerwerb erklärt werden. Dazu gibt es keine Stundenvorgaben. Einzig der Gewinn macht den Unterschied.

Haupterwerb: Das meiste Einkommen kommt daher.
Nebenerwerb: Das geringere Einkommen kommt aus der Selbständigkeit.

Wichtig ist dies z. Bsp. auch für die KV.:
Haupterwerb: Man muss seine KV selbst tragen.
Nebenerwerb: Die KV zahlt das Amt.

Von daher würde ich mir an Deiner Stelle damit keinen grauen Haare machen. Mache Dein Ding, nach bestem Gewissen und Wissen, und reagiere wenn ein SB Terror macht.

Das Recht ist auf Deiner Seite.

Selbständigkeit kann nicht verboten werden. Höchstens mit Bewerbungen und VVs kann man dich schikanieren. Da ist dann Deine Intelligenz gefragt.

Viel Glück.
 
E

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Das Finanzamt kann nach 2 Jahren Verluste eine fehlende Gewinnerzielungsabsicht unterstellen und von Liebhaberei aus gehen. Im Normalfall, wenn stetige (auch geringe) Steigerung zu sehen ist, wird es vom Finanzamt her nicht so gesehen.
Das habe ich schon ab und zu von Leuten gehört, aber ich glaube nicht dass dem so ist. 2 Jahre sind nichts bei einer Existenzgründung. Ich denke das FA kann da unterstellen was es will, rein rechtlich gesehen kann es da nix machen.

Von Gesetz her gibt es da keine Einschränkung. Jeder LE kann im Nebenberuf eine Selbständigkeit betreiben mit einer Einschränkung, er muss sich bewerben. Macht er die Selbständigkeit als Haupterwerb, muss er sich mehr mit den SB rumschlagen, auch wenn da recht wenige rechtliche Möglichkeiten beim SB liegt. Eine Selbständigkeit kann von hier nach jetzt zum Nebenerwerb erklärt werden. Dazu gibt es keine Stundenvorgaben. Einzig der Gewinn macht den Unterschied.
Bewerben muss man sich immer, wenn der SB das so will.


Wichtig ist dies z. Bsp. auch für die KV.:
Haupterwerb: Man muss seine KV selbst tragen.
Nebenerwerb: Die KV zahlt das Amt.
Die Krankenversicherung muss man nie selbst tragen, wenn man sich im ALG2 Bezug befindet. Erst wenn man aus dem Bezug heraus ist, muss man sie selbst tragen. Alle anderen Behauptungen, auch vom JC selbst sind falsch. Ich kann mir natürlich vorstellen, dass die das gerne mal behaupten^^.
 

The_Vulcan

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Eine Selbständigkeit kann von hier nach jetzt zum Nebenerwerb erklärt werden. Dazu gibt es keine Stundenvorgaben. Einzig der Gewinn macht den Unterschied.

Haupterwerb: Das meiste Einkommen kommt daher.
Nebenerwerb: Das geringere Einkommen kommt aus der Selbständigkeit.
Aso was die 2 Jahre angeht... das dürfte dem Finanzamt relativ egal sein wenn man eh keine Vorsteuer zieht (Kleingewerbe). Aber nach 2 jahren sollte wenigstens mal nen Euro Gewinn drin sein denke ich.


Was das mit dem Nebenerwerb angeht.. das Geld spielt für das JC da keine rolle sondern wenn man mehr als 15h/Woche selbständig ist.. verlangen die das man es ummeldet auf Hauptberuflich Selbständig nicht Nebenberuflich.

Dem Finanzamt ist auch dies pupsegal.

Die Einnahmen können aber daran gekoppelt sein, ich denke das JC wundert sich wenn man mehr als 15h/Woche angibt aber nur 50eur umsatz machen würde im Monat.
 

Solanus

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.....

Was das mit dem Nebenerwerb angeht.. das Geld spielt für das JC da keine rolle sondern wenn man mehr als 15h/Woche selbständig ist.. verlangen die das man es ummeldet auf Hauptberuflich Selbständig nicht Nebenberuflich.
....
Zu den 15 Stunden kann ich nichts finden, gib mir mal Hilfestellung! N. m. W. gelten die 15 Stunden bei ALG 1, bei ALG 2 gibt es die Grenze nicht.

Wo meldet man ein Gewerbe als Haupt- oder Nebengewerbe? Ich war von 1995 bis 2003 nebenberuflich und bin ab 2003 Hauptberuflich Selbständig. Der einzige Unterschied war, dass ich 2003 meinen Angestelltenjob verlor und mich dann auf meine Selbständigkeit konzentrierte und nirgends mehr angestellt war. Gemeldet habe ich da niemanden irgend etwas, außer dem Ordnungsamt meine gewerbliche Tätigkeit, das aber schon 1995 bei Aufnahme der Tätigkeit. Hab ich da ein Meldeversäumnis begangen?

@morissonhotel

Zur KV stimmt wie von Dir gesagt. Bei ALG 2 zahlt immer das Amt, solange Aufstocker, so lange gesetzlich versichert. Fällt ALG 2 weg, gilt die Bestimmung des Haupterwerbseinkommens zur Einstufung. Je nach dem, woraus man seine Haupteinnahmen bezieht ist man Selbständig oder Angestellt.
 

Holger01

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Wo meldet man ein Gewerbe als Haupt- oder Nebengewerbe?
Die Ummeldung erfolgt auf dem Gewerbeamt der Wohnsitzgemeinde und ist meines Wissens nur beim Alg1-Bezug, möglicherweise auch bei der KK, erforderlich.

Bis vor wenigen Jahren gab es auf dem Gewerbe-An- bzw. Um-Meldeformular zwei Kästchen zum Ankreuzen: "Ausübung im 'Haupterwerb' ... 'Nebenerwerb'".

Ich habe mein Gewerbe zuletzt im August 2010 umgemeldet, da gab es diese Kästchen nicht mehr; das Gewerbeamt hat die Ummeldung dann manuell in die Spalte 16a eingetragen.
Dies hat der AfA dann als Nachweis genügt, dass ich mein Gewerbe unterhalb von 15 Wochenstunden ausübte.

Anlage: Auszug aus der damaligen Ummeldung zum Nebenerwerb.
 

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Koelschejong

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Es gibt kein Haupt- oder Nebengewerbe, es gibt nur Gewerbe.

Hauptberuflich und nebenberuflich spielt bei der KV eine Rolle und eben im ALG I. Dort findet sich auch die 15 Stunden-Grenze.

Im Bereich des ALG II spielt beides auch keine Rolle, keineswegs schützt der Haupterwerb vor Maßnahmen oder Bewerbungspflicht. Der einzige sichere" Schutz vor Maßnahmen sind Gewinne über € 400,00, bzw. wohl heute über € 450,00, da man Gewinn gleichsetzt mit Bruttolohn. Diese Gleichsetzung aber ist fragwürdig.
 

The_Vulcan

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Die 15h habe ich aus einem Fragebogen des JC entnommen.

Man ist dort ja auch zufrieden wenn man mehr als 15h/Woche Angestellt tätig ist, weil die KV dann vom AG getragen wird.


Wenn man mehr als 15h/Woche tätig ist dann ist dort im JC nicht mehr der Vermittler zuständig sondern man bekommt einen Berater für selbständige zugeteilt der für einen zuständig ist.

So jedenfalls bei unserem JC

Ich habe mein Gewerbe zuletzt im August 2010 umgemeldet, da gab es diese Kästchen nicht mehr; das Gewerbeamt hat die Ummeldung dann manuell in die Spalte 16a eingetragen.
Feld 16 ist es eigentlich immer noch

https://www.stmwivt.bayern.de/fileadmin/user_upload/stmwivt/Publikationen/GewA1.pdf
 

Mollmops

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Wann habt Ihr die ersten Gewinne eingefahren?
Das sollte differenziert werden. Tatsächlich Gewinne einfahren oder Gewinne nach Meinung des JC einfahren. Geht es nach dem JC, fahre ich seit einem halben Jahr Gewinne ein, was eine recht empfindliche Kürzung des Regelsatzes zur Folge hat. In der Realität kann ich, da mir viele Kosten nicht anerkannt werden, kaum noch Werbung machen. Mir werden, gemessen an den prognostizierten Einkünften, gerade mal 7-10 % davon als Werbekosten anerkannt. Aktuell muss ich das mir zugestandene Werbebudget ein bis zwei Monate sparen, um dann eine Werbeaktion finanzieren zu können. Dadurch verzögert sich die reale, tatsächliche Gewinnerzielung und ich werde auf diese Art und Weise nie aus dem Leistungsbezug herauskommen. Mein Widerspruch wird garantiert wieder als "unbegründet" zurückgewiesen. In zwei Monaten hab ich zwei Jahre rum.
 
E

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Das sollte differenziert werden. Tatsächlich Gewinne einfahren oder Gewinne nach Meinung des JC einfahren. Geht es nach dem JC, fahre ich seit einem halben Jahr Gewinne ein, was eine recht empfindliche Kürzung des Regelsatzes zur Folge hat. In der Realität kann ich, da mir viele Kosten nicht anerkannt werden, kaum noch Werbung machen. Mir werden, gemessen an den prognostizierten Einkünften, gerade mal 7-10 % davon als Werbekosten anerkannt. Aktuell muss ich das mir zugestandene Werbebudget ein bis zwei Monate sparen, um dann eine Werbeaktion finanzieren zu können. Dadurch verzögert sich die reale, tatsächliche Gewinnerzielung und ich werde auf diese Art und Weise nie aus dem Leistungsbezug herauskommen. Mein Widerspruch wird garantiert wieder als "unbegründet" zurückgewiesen. In zwei Monaten hab ich zwei Jahre rum.
Ich schreibe bei der EKS entweder einen sehr niedrigen Betrag für Werbung rein oder gar keinen, dann können sie auch im Voraus nichts kürzen. Bei der AEKS mosern sie dann immer rum, aber zu dem Zeitpunkt hast du das ALG2 für diesen Zeitraum ja schon bekommen und müsstest zurückzahlen. Im nächsten BWZ dürften sie deswegen eigentlich nichts verrechnen. Den Widerspruch würde ich notfalls gerichtlich versuchen durchzusetzen. Werbemaßnahmen sind nun mal das A und O. Du wirst ja wohl keine TV-oder Radiowerbung machen. Alles andere ist notwendig und nicht unverhältnismäßig.
 

Mollmops

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Du wirst ja wohl keine TV-oder Radiowerbung machen.
Nein. Zur Orientierung: Das monatliche Werbebudget, was mir zugestanden wird, reicht nicht einmal, um 500 Flyer DIN lang, vierseitig, in einer eh schon günstigeren Online-Druckerei herstellen zu lassen. Das wird erst nächsten Monat und so verzögert sich alles.
Laut JC habe ich anrechnungswürdige Gewinne, real zum wirtschaften habe ich im aktuellen BWZ jedoch ganze 72 EUR monatlich zur Verfügung. Der Widerspruch wird sicherlich wieder ein Vierteljahr dauern. Dieses Mal frage ich aber aller 2 Wochen schriftlich nach. Leistungsbescheide werden schließlich auch binnen einer Woche bearbeitet. :icon_pause:
 
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Mollmops, präge dir schon mal folgenden wunderschönen Satz meines Anwalts ein. Spätestens beim SG kommt das gut rüber:

"Die Beklagte ist Trägerin von Grundsicherungsleistungen und keine Unternehmensberatung".

:icon_pause::icon_pause:

:biggrin:
 

Roter Bock

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Meine Werbekosten betragen kaum 20,00 Euro im Monat. Ich habe nur eine Webseite als Werbung laufen. In der Zeit haben sich die Zugriffe um 100 % erhöht. Kann man mehr machen - gut. Da meine Kundschaft über Deutschland, Österreich und die Schweiz verteilt ist - ist z. B. der Tip mit "Flyern" die man an Haustüren verteilt zu arbeiten für mich sinnfrei.


Die Auseinandersetzung mit dem JC führen eher zu einer "Bewegungsstarre" - kann man jetzt was investieren oder nicht? Dazu kommt, das man im Ernstfall mit seinen Anliegen erst durch richterliche Entscheidung weiterkommt.

Meine These: Die Einmischung des JC's ist immer kontraproduktiv.

Zur Zeit habe ich den EGV-losen Zustand, den das JC dauernd beenden will. Weshalb ist klar! Sie haben keine Handhabe, aber jede Menge dummer Einfälle um einen Steine in den Weg zu legen.

Der Zeitverschleiss ist enorm.

Roter Bock
 

DeppvomDienst

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Ich spreche grundsätzlich keine Ausgaben mit dem Jobcenter ab.
Meine Geschäftskosten, davon ist auszugehen, entstehen aufgrund unternehmerischer Notwendigkeit, die ich im Grunde immer entsprechend begründen kann.

Meine vEKS ist grundsätzlich eine sogenannte 0-Prognose, in den Feldern für Werbung etc. steht bei mir nur ein Fragezeichen drin und in der Begründung dafür gebe ich an, dass hier je nach Bedarf Kosten entstehen können - oder eben auch nicht.
Die tatsächlichen Zahlen sieht das Jobcenter schließlich ohnehin in der aEKS, allerdings erstmal ohne Belege, welche ich nur persönlich vorlege und garantiert nicht als Kopien hinterlasse.

Bisher ging das in meinem Fall einmal vor Gericht (weil Werbekosten und Investitionskosten/Darlehen nicht anerkannt wurden), die Erstattung war in der Zeit ruhend gestellt. Das Sozialgericht hat dem Jobcenter sogesehen mächtig eins übergebraten, sämtliche Kosten waren "angemessen". Seitdem hat das Jobcenter nie wieder in meiner abschließenden EKS herumgestrichen.

Bei meinem Geschäftspartner sieht es anders aus, dem haben sie aus den letzten beiden abschließenden EKS zahlreiche Kosten als "nicht notwendig" oder "nicht abgesprochen" gestrichen. Beide Zeiträume wurden über eine Anwältin im Widerspruchsverfahren geklärt, das Jobcenter musste die Ausgaben anerkennen.
Im "schlimmsten" Fall wäre das auch vor das Sozialgericht gegangen, aber mir persönlich macht sowas keinen Kummer mehr, auch diese Klage hätten wir vollumfänglich gewonnen, dessen bin ich mir sicher.

@Roter Bock:
Ich habe in der Tat diesmal eine EGV unterschrieben, siehe anderer Thread hier im Selbständigen-Bereich. Im Grunde steht da nichts drin, was ich nicht ohnehin machen muss. Alles andere hätte ich nicht unterschrieben.
 
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