Selbständigkeit und Verfall ALG1 Anspruch (1 Betrachter)

Betrachter - Thema (Registriert: 0, Gäste: 1)

StPaul

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Hallo,

bin neu hier ;-) Tachchen!
So, bin in folgender Situation: werde nächste Woche meinen festen Job nach 2,5 Jahren zu Ende Oktober kündigen. Warum spielt keine Rolle. Anspruch hab ich 12 Monate auf ALG1, ich weiss dass ich 12 Wochen ne Sperre kriege, egal. Nehm ich in Kauf und kann ich finanziell überbrücken. Bleiben danach noch ca. 9 Monate Anspruch übrig.
Werde mich nach der Kündigung anschliessend gleich arbeitslos melden, also ALG1 ab November 2012, und Sperre bis zum 23. Januar 2013.
Nun spiel ich mit folgendem Gedanken: bin seit Jahren nebenbei selbständig und möchte die Zeit bis Ende des Jahres dafür nutzen
- als Selbständiger Projekte zu realisieren (natürlich nur max. 15 Stunde/Woche)
- mich in Eigeninitiative fortzubilden.

Nehmen wir mal an dass ich mich zum 01. Januar 2013 beim Amt abmelde und erst mal 3 - 6 Monate komplett selbständig arbeite um mich in Ruhe weiterzubilden und zu schauen wie ich auf dem Markt bestehen kann, wie verhält sich das dann mit dem Restanspruch ALG1? Ich hätte ja eigentlich noch 10 Monate Anspruch auf ALG1 (mit einer restlichen Sperrzeit von ca. 3 Wochen), wie lange ist dieser Anspuch noch gültig? Wann verfällt er?

Ich hab was im Netz gelesen dass der Anspruch nach 4 Jahren verfällt. Also könnte ich mich z.B. - wenn erforderlich - im Juli 2013 wieder arbeitslos melden nachdem ich von Januar 2013 - Juni 2013 selbständig war? Und hätte dann noch 10 Monate Anspruch?

Vielen Dank schon mal im Voraus für Eure Antworten.
 
E

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Verjährung/Erlöschen des Anspruchs

..."Der erworbene Anspruch auf Arbeitslosengeld bleibt Ihnen nach seiner Entstehung vier Jahre lang erhalten. Das bedeutet, dass Sie innerhalb dieser Frist auf eine nicht verbrauchte Anspruchsdauer zurückgreifen können, falls Sie durch eine neue Beschäftigung oder durch andere Versicherungszeiten nicht erneut die Anwartschaftszeit erfüllen. Sind vier Jahre vergangen, kann der (Rest-)Anspruch nicht mehr geltend gemacht werden."...

Sonderfälle bei der Anspruchsdauer - www.arbeitsagentur.de
 
E

ExitUser

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Hallo,

die Sperrzeit bei Kündigung wäre ein VIertel des gesamten Anspruchs von 12 Monaten. Also 3 volle Monate. Dies könnte man umgehen, indem man einen Aufhebungsvertrag mit dem Arbeitgeber vereinbart.
So wie ich das herauslese, möchtest du das aber nicht richtig?

Der Anspruch auf die restlichen 9 Monate ALG2 verfällt, wenn du einen neuen sozialversicherungspflichtigen Job für mindestens 12 Monate oder 360 Tage lang ausgeübt hast. Wie das mit den 4 Jahren ist, kann ich nicht verifizieren, aber 2013 hast du absolut kein Problem das geltend zu machen. Das habe ich selbst vor einigen Jahren so praktiziert.
 

StPaul

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Nein, ein Aufhebungsvertrag will die Firma mit mir nicht machen, die wollen mich gerne behalten. Ich will aber nicht mehr, meine alte Position ist weggefallen, soll stattdessen nun was machen was mir garnicht liegt. Krieg ich Bauchschmerzen bei, so psychisch geht mir das voll aufn Sack.
Also werde ich gehen denn das ist ne berufliche Sackgasse bzw. 2 Stufen unter dem was ich da vorher gemacht habe.
Da wo ich hin will, da komm ich auch noch hin, muss dafür aber noch viel lernen, alles im Web-Frontendbereich.
Ich will vom Amt in Ruhe gelassen werden die ersten Monate, ein halbes Jahr Auszeit nehmen und Projekte realisieren. Daher wohl der radikale Weg in die Selbständigleit ab Januar oder Februar 2013.
Wenn alles gut läuft werden nächstes Jahr so ab April - Juni 2013 meine Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt wesentlich besser aussehen. Das ist mein Plan.
 
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Das kann ich vollends verstehen. Mir ging es ähnlich, bis auf dass ich von vorne herein eine Beschäftigung hatte, die mir Bauchschmerzen bereitete. DIe Kündigung war dann eine sehr wohltuende Erleichterung.

Wenn du eine Sperrzeit hast, heißt das nicht, dass das Amt dich in Ruhe lässt. Du wirst trotzdem eingeladen und dir werden trotzdem Stellen angeboten, wo du dich bewerben musst. Allerdings ist das ein Zuckerschlecken verglichen mit den Schikanen im ALG2-Bezug.

Meldest du dich erst 3 Monate später arbeitslos, dann bekommst du wegen einer Spätmeldung auch eine Sperrzeit.

Da du ja einen konkreten Plan zu haben scheinst, würde ich direkt auf das AAmt zugehen und nach einer Weiterbildung fragen, die du dir selbst ausgesucht hast. Vielleicht gibt es ja eine Zertifizierung o.ä., die dir wirklich was bringen würde. Die kann man teilweise im Selbststudium machen, so dass du nur zu den Prüfungen gehen musst.
 

StPaul

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Vielen Dank für Deine Antwort.

Eine Frage kommt da auf: Wenn ich, sagen wir mal in der Zeit November 2012 bis Dezember 2012 die Auflagen der EGV nicht erfülle, z.B. keine 5 Bewerbungen im Monat oder ich trete eine aufgedrückte Maßnahme nicht an, dann kann ich ja sanktioniert werden, z.B. 30%. Wie wird sanktioniert wenn man aber eh schon ne Sperrzeit hat? Verschiebt sich das dann in die Zukunft, in den Zeitraum der 9 restlichen Monate, wo ich dann Geld kriegen würde? Ich find da nix konkretes im Netz.

Ich weiss genug über EGVs, ist mir klar mit unterschreiben/nicht unterschreiben und Verwaltungsakt etc. Meine Frage ist theoretischer Natur.
 

Roter Bock

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Ich muss hier glaube ich mal korrigieren.

Neben der Eigenkündigung ist der Aufhebungsvertrag die sicherste Art sich eine "Sperre" einzufangen. Aufhebungsveträge taugen nichts - es sei den Sie enthalten einen Passus der sinngemäß besagt, das der Job ohnehin weggefallen wäre (z. B. Umstrukturierung). Macht man nur zusammen mit "Abfindung".

Vergiss nicht Deine Krankenkasse, wenn Du gesperrt wirst musst Du die Beiträge selbst zahlen. Das macht 14- 15 % des letzten Bruttos aus. Du musst Dich freiwillig versichern. Das Wort "muss" zusammen mit "freiwillig" ist grotesk, aber es ist so.

Je nachdem welche Geldmittel Du hast um die Zeit durchzustehen, kannst Du Dich als Selbstständiger in der Arbeitslosenversicherung versichern. Lies hierzu mal das da:https://www.arbeitsagentur.de/zentr.../Hinweise-freiwilligen-Weiterversicherung.pdf

Wenn das geht, stellt sich die Frage nach verfallenen Ansprüchen nicht.

Roter Bock
 

StPaul

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@ Roter Bock: meine Infos zur Krankenversicherung in einer Sperrzeit sind aber anders, siehe z.B.
Krankenversicherung fr Arbeitslose whrend einer Sperrzeit
oder
Einige Fragen zur Sperrzeit bei Arbeitsaufgabe Sozialrecht
siehe Frage und Antwort Punkt 3

Worauf beruhen Deine Infos? Oder hab ich den verlinkten Text falsch verstanden? was bedeutet "Im ersten Monat nach der Beschäftigung erfolgt keine Übernahme der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, denn die gesetzlichen Krankenkassen sind nach Beendigung eines Versicherungsverhältnisses für einen Monat zur Nachversicherung verpflichtet."?

Hm, mein 2ter Link beantwortet ja eigentlich die Frage ;-) Die Krankenversicherung muss 1 Monat lang den Beitrag übernehmen.
 
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Vielen Dank für Deine Antwort.

Eine Frage kommt da auf: Wenn ich, sagen wir mal in der Zeit November 2012 bis Dezember 2012 die Auflagen der EGV nicht erfülle, z.B. keine 5 Bewerbungen im Monat oder ich trete eine aufgedrückte Maßnahme nicht an, dann kann ich ja sanktioniert werden, z.B. 30%. Wie wird sanktioniert wenn man aber eh schon ne Sperrzeit hat? Verschiebt sich das dann in die Zukunft, in den Zeitraum der 9 restlichen Monate, wo ich dann Geld kriegen würde? Ich find da nix konkretes im Netz.

Ich weiss genug über EGVs, ist mir klar mit unterschreiben/nicht unterschreiben und Verwaltungsakt etc. Meine Frage ist theoretischer Natur.
Ich denke hier werden 2 Dinge durcheinander gebracht, nämlich ALG1 und ALG2.

Gehe ich recht in der Annahme, dass du kein ALG2 beantragen willst während der SPerrzeit des ALG1 und dass du das finanziell alles selbst überbrücken willst? Sanktioniert wird nur bei ALG2, bei ALG1 gibt es Sperrzeiten.
Sperrzeiten addieren sich und wenn eine Gesamtdauer von mindestens 21 Wochen zusammengekommen ist, dann erlischt der Anspruch auf ALG1 komplett.

Der ALG1 Bezug ist jetzt ne Weile her bei mir, aber ich kann mich nicht an EIngliederungsvereinbarungen erinnern. Ich musste mich weder bewerben, noch musste ich sonst irgendwas, außer alle 6 Monate mal vorbeischauen beim Amt.

@Roter Bock: Das mit der Krankenversicherung ist nicht richtig. Diese wird bezahlt, es sei denn man hat eine Abfindung bekommen.
In allen mir bekannten Fällen hat ein Aufhebungsvertrag eine Sperrzeit verhindert. Aus eigener Erfahrung kann ich da leider nicht sprechen.
 

StPaul

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Hey MorrisonHotel,

Jim Morrison war ne coole Sau ;-) Habe vor 1,5 Jahren das Buch gelesen Die Doors,Jim Morrison und ich: Mein Leben mit den Doors: Amazon.de: Ray Manzarek,Kirsten Borchardt: Bücher hat mir sehr gefallen.

Ich denke hier werden 2 Dinge durcheinander gebracht, nämlich ALG1 und ALG2.

Gehe ich recht in der Annahme, dass du kein ALG2 beantragen willst während der SPerrzeit des ALG1 und dass du das finanziell alles selbst überbrücken willst?
korrekt.

Sanktioniert wird nur bei ALG2, bei ALG1 gibt es Sperrzeiten.
ok. Das wusste ich noch nicht. Hab das letzte mal ALGII vor 6 Jahren bekommen, gottseidank nur 2,5 Monate, dann hatte ich nen Job. ALGI hingegen das letzte mal vor 2,5 - 3 Jahren, vor meinem jetzigen Job.

Sperrzeiten addieren sich und wenn eine Gesamtdauer von mindestens 21 Wochen zusammengekommen ist, dann erlischt der Anspruch auf ALG1 komplett.
Ach herrje, das ist ja krass. Gut zu wissen!

Der ALG1 Bezug ist jetzt ne Weile her bei mir, aber ich kann mich nicht an EIngliederungsvereinbarungen erinnern. Ich musste mich weder bewerben, noch musste ich sonst irgendwas, außer alle 6 Monate mal vorbeischauen beim Amt.
doch, ich hatte eine vor knapp 3 Jahren. Bewerben musste ich mich, allerdings ohne konkrete Zahl. Und Bewerbungen musste ich nachweisen, aber ich gebe zu, war alles sehr entspannt. Habe damals meiner Beraterin von vornerein gesagt: Sie brauchen mich garnicht erst in irgendwelche Maßnahmen zu stecken, das was ich brauche bring ich mir selber bei ;-)
 
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ExitUser

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Ja Jim Morrison war schon einzigartig! Ich bin vor über einem Jahr mitten im Buch von Aldous Huxley "The Doors of Perception" stehen geblieben. Dann ging es mit der Selbständigkeit richtig los und seit dem ist Entspannen oder ein Buch lesen ein Fremdwort für mich^^

An deiner Stelle würde ich mir das gut überlegen, ob du die Sperrzeit ohne ALG2 überbrücken willst. Das würde ich nur tun, wenn du ohnehin zu viel Geld hast, so dass verlangt werden würde dass du dieses erstmal verbrauchst. Ansonsten wenn das nicht der Fall ist, würde ich das ALG2 für die 3 Monate beantragen. Da kann dir nicht viel passieren, weil die ja wissen dass du danach ALG1 bekommst und raus aus dem ALG2 Bezug bist.

Wenn dich der Job "krank" macht, würde ich das dem Arzt meines Vertrauens sagen und mich krankschreiben lassen, so dass du gekündigt wirst. Das ist zwar unmoralisch, aber dies ist ebenso die Aktion deines Arbeitsgebers.

Wenn du jetzt natürlich sagst du hast deinen Stolz und kannst auf sowas verzichten, dann kann ich das auch verstehen. So habe ich damals auch gehandelt. Im Nachhinein war es aber meiner Meinung nach falsch.

Ich denke das Schlimmste an nicht gewollten Maßnahmen, wo sie dich reinstecken könnten, wäre ein Bewerbertraining für 2 Wochen. Sonst denke ich wirst du da ohne große Probleme durchkommen. Deine EIgenbemühungen kannst du steuern und potenitelle Stellenangebote wirst du nicht viele bekommen, welche tatsächlich passen. Wenn du nicht qualifiziert bist, musst du dich auch nicht bewerben.
 
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