Selbständigkeit und Investitionen bzw. Betriebsausgaben (1 Betrachter)

Betrachter - Thema (Registriert: 0, Gäste: 1)

Aufstockerseo

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
16 März 2017
Beiträge
25
Bewertungen
3
Nachdem ein neuer Sachbearbeiter für mich zuständig ist, habe ich nur noch Probleme mit der Anerkennung von Ausgaben und Investitionen. Unter diesen aktuellen Zuständen ist es aus meiner Sicht fast Unmöglich ein Unternehmen aufzubauen, um damit aus dem Leistungsbezug zu kommen. Unfassbar wieviel Zeit, Geld und Nerven es kostet sich mit dem Jobcenter "herumzuschlagen". Zur genaueren Erklärung worum es geht. Also ich arbeite im Bereich Suchmaschinenoptimierung und werde aller Voraussicht dieses Jahr um die 15.000 EUR Umsatz machen. Vergangenes Jahr sah es durch Absprünge, nicht zahlende Kunden, etc. viel schlechter aus. Da lag der Umsatz so bei 4000 EUR. Insgesamt also eine ganz gute Steigerung, allerdings versuche ich schon seit einigen Jahren aus dem Bezug zu kommen, was mir nur mit Suchmaschinenoptimierung einfach nicht gelingt. Aus dem Grunde habe ich parallel vor einigen Jahren begonnen ein eigenes Projekt hochzuziehen. Aus dem Bereich sehr hochpreisige Luxusprodukte. Sind zwar keine Immobilien, aber was anderes wo ein Verkauf einen theoretisch über die Provision völlig aus dem Bezug katapultieren könnte. Es läuft gut, bekomme jeden Monat Anfragen herein und ich war einige Male knapp vor einem Abschluss. Leider eben nur fast, wobei das aus meiner Sicht nur eine Frage der Zeit ist.
Beim vorherigen Sachbearbeiter war es nie ein Problem die Seite aufzubauen und zu finanzieren. Ich konnte den Programmierer bezahlen, die Webseite, Verbesserungen der Webseite, Hilfskraft die mir bei Einträgen hilft, usw.

Dann beim vorletzten Bescheid der Schock, insgesamt wurden knapp 800 EUR die ich definitiv nicht für Privatzwecke ausgegeben habe oder für überteuerte und unnötige Dinge, wurden nicht anerkannt. Als Begründung wurde lapidar angegeben das ich sie nicht vorab mit meinem persönlichen Sachbearbeiter abgesprochen hatte. Andere Dinge sind Skuril, beispielsweise benötige ich für meine Arbeit einen DSL Anschluss, wofür ich 30 EUR im Monat bezahle. Hier will man nur 50% übernehmen, weil ich damit ja auch privat telefonieren kann. ??? Ich müsste Belege einreichen, dabei ist beim DSL Anschluss quasi eine Flat als Bonus mit dabei ( Internettelefonie). Dabei geht es doch ums DSL und das brauche ich zu 95% für meine Arbeit als Suchmaschinenoptimierer. Den Businesstarif würde man hingegen anstandslos bezahlen. Dieser kostet aber auch knapp 125 EUR mehr im Jahr, ausserdem gibt es keine kostenlose Zusatzkarte mit der ich völlig Kostenlos vom Handy ins deutsche Festnetz telefonieren kann. Ich gehe daher davon aus das dieser tolle Vorschlag knapp 140 EUR Mehrkosten verursachen würde. Da versucht man die Ausgaben so niedrig wie möglich zu halten und wird dafür bestraft. Kann nur mit dem Kopf schütteln. Aber das war nur einer von vielen Punkten. Deshalb habe ich auch Widerspruch eingelegt. Läuft noch, habe aber seit 5 Monaten nichts mehr davon gehört.

Neben der Sache wurden auch Ausgaben für Verbesserungen, Pflege und Ausbau der Luxusproduktseite teils in Frage gestellt und nicht übernommen, weswegen ich auch schon Probleme mit der Definition von Investitionen und Betriebsausgaben habe. Was wird übernommen, wo muss ich nicht nachfragen, ... Ich habe es mir sowohl vom Sachbearbeiter wie Ansprechpartner mehrmals erklären lassen, aber ehrlich gesagt konnten selbst die mir das nicht eindeutig erklären. Manchmal sagt der Sachbearbeiter ich soll das mit dem Ansprechpartner klären, mal sagt der Ansprechpartner ich soll das mit dem Sachbearbeiter klären. Achja, und manchmal verweist man mich auf den BNW.

Vor einigen Monaten hatte ich einen Termin beim Ansprechpartner, um die persönliche Perspektive zu besprechen. Es ging darum Möglichkeiten zu erarbeiten, wie ich mehr Einnahmen generieren könnte um aus dem Bezug zu kommen. Hatte ich auch im Vorfeld fein säuberlich ausgearbeitet.

- Einnahmen über Suchmaschinenoptimierung
- Einnahmen über Werbung ( die Luxusproduktseite hat mittlerweile knapp 12.000 Besucher im Monat )
- Einnahmen über Vermittlungsprovisionen
- Einnahmen über einen Marktplatz für jedermann, wo Hersteller und Händler eine monatliche Pauschale bezahlen müßten
- Erhöhung der Chancen, Werbeeinnahmen, etc. über die Erstellung einer englischen Version ( scheitert allerdings momentan daran, weil hier zuviel Geld nötig wäre )

Insbesondere der Marktplatz würde gute und regelmäßige Einnahmen generieren können. Die Erstellung würde aber ca. 3000 EUR kosten. Diese Investition wird mir aber bis heute verwehrt. Der Ansprechpartner lehnt ab, weil er das nicht beurteilen kann, obwohl die Vorteile ganz Offensichtlich sind. Brauche für SEO Referenzprojekte, Generierung von Grundeinnahmen, Werbeeinnahmen, etc. Er verwies mich dann an den BNW, allerdings halte ich von denen nichts. Zur Gründung war ich schonmal da, gebraucht hat es wie gesagt nichts. Zumal das mit ziemlich viel Aufwand verbunden wäre und negativen Konsequenzen wenn es nicht so wie vorhergesagt läuft. Die Einwilligungserklärung konnte ich einfach nicht unterschreiben. Dann hatte ich den Vorschlag, ob ich nicht den Markt statt in einer Summe in 150 EUR Schritten erstellen könnte. Sollte ich mit der Leistungsabteilung absprechen ( was hat die jetzt damit zu tun ? ). Gesagt getan, warte aber auch da seit fast 4 Wochen auf Antwort.

Anderes Problem, die Luxusproduktseite hat noch diverse Probleme, einige Darstellungssachen, lange Ladezeit, ... Sind knapp 80 Punkte. Solange die Seite aber nicht fertig ist, kann ich auch nicht Werbekunden kontaktieren und Werbung schalten. Ein anderes Projekt was durch die Kopie der Luxusprodukseite entstehen soll kann auch nicht angegangen werden. Deshalb hatte ich beim Ansprechpartner gefragt, ob ich nicht für ein paar Monate das Programmiererbudget auf 300 von 150 EUR erhöhen könnte, damit man mal bald fertig wird. Nach 3 Wochen kommt die Antwort das man das bereits besprochen hat und ich das mit der Leistungsabteilung klären soll. ??? Hatte er sich meine Nachricht überhaupt durchgelesen ? Das hatte mit dem Marktplatz überhaupt nichts zu tun. Jetzt habe ich zurückgeschrieben und warte vermutlich wieder zig Wochen auf Antwort.

Es ist alles ein einziges Chaos, bei dem keiner zuständig ist und Anliegen immer weitergeschoben werden. Ich komme überhaupt nicht weiter. Als Suchmaschinenoptimierer ist es normal nicht nur Kundenprojekte zu betreuen, sondern auch mit eigenen Projekten Umsätze zu machen. Dafür muss man aber doch erstmal investieren. Wenn ich 15.000 EUR Umsatz mache, dann muss das doch Möglich sein. Ich komme mir völlig hörig vor und muss Leute fragen die davon keine Ahnung haben. Bin schon fix und alle und fühle mich fast in der Existenz bedroht. Man kann ja als Aufstocker keine Rücklagen oder so generieren. Bestenfalls kommt man so also auf 0. Wenn dann aber munter Ausgaben und Investitionen nicht anerkannt werden hat man ein Problem.

Abschließend geht es mir darum zu erfahren, wie denn jetzt überhaupt der rechtlich richtige Weg ist. Scheinbar wissen das mein Sachbearbeiter und persönlicher Ansprechpartner anscheinend nicht. Laut Urteil gibt es nicht die Pflicht Investitionen und Betriebsausgaben vorab bewilligen zu lassen. Infolgedessen kann man diese dann auch nicht einfach nicht bewilligen. Auf der anderen Seite wäre eine Vorabbewilligung schon ganz gut, weil man dann Sicherheit erlangt. Irgendwo meine ich auch gelesen zu haben, dass die nicht die Zweckmäßigkeit einer Investition / Betriebsausgabe in Frage stellen dürfen, weil das eine Sache des Selbständigen ist und unternehmerisches Risiko. Ich bin mit sowas noch nie vor Gericht gewesen, aber wenn es so weitergeht wird das wohl so kommen. Was haltet ihr von dieser Sache und wie sollte ich vorgehen ? Bin total verunsichert und komme so mit der Selbständigkeit einfach nicht weiter. Fühle mich wie von denen gelähmt und mit Eisenkugel am Bein.

Hatte schon die Idee mal bei einem Frag nen Anwalt Portal mein Anliegen einzustellen, damit jemand mal richtig mit Paragraphen um sich wirft die ich dann gegen das Jobcenter benutzen könnte. Wollte aber erstmal hören was ihr so sagt.

Gruss
Aufstockerseo
 

Koelschejong

StarVIP Nutzer*in
Mitglied seit
20 Juni 2005
Beiträge
5.186
Bewertungen
1.641
- Einnahmen über Suchmaschinenoptimierung
- Einnahmen über Werbung ( die Luxusproduktseite hat mittlerweile knapp 12.000 Besucher im Monat )
- Einnahmen über Vermittlungsprovisionen
- Einnahmen über einen Marktplatz für jedermann, wo Hersteller und Händler eine monatliche Pauschale bezahlen müßten
- Erhöhung der Chancen, Werbeeinnahmen, etc. über die Erstellung einer englischen Version ( scheitert allerdings momentan daran, weil hier zuviel Geld nötig wäre )
Es gibt absolut keine Pflicht, irgendeine Betriebsausgabe/Investition vorab "genehmigen" zu lassen - es kann aber das "Leben erleichtern". Nur kenne auch ich das (bis auf zwei Ausnahmen bisher) so, man fragt vorab an und erhält keine Antwort.

Nichtanerkennung ist leider "unser täglich Brot", dazu kann man im Detail wenig sagen.

Wenn ich aber Deine obige Aufstellung sehe, bekomme ich gewaltige Zahnschmerzen. Jede dieser Einnahmequellen wird das JC als separates Gewerbe ansehen, und die unvermeidlichen Anfangsverluste in dem einen Gewerbe (nur mal an den Shop und die Luxartikelwebseite gedacht) können nicht aus Gewinnen der anderen Gewerbe kompensiert werden. Das Stichwort ist horizontaler Verlsutausgleich und den hat das BSG (für mich immer noch nicht überzeugen) untersagt. Wobei man mir jetzt beim LSG aufgezeigt hat - das ist sogar ein "alter Hut", bereits zu BSHG-Zeiten hat das BSG den horizonatlen Verlustausgleich mal unersagt. Wusste ich bis zur Verhandlung dort nicht.
 

hunter11

Elo-User*in
Mitglied seit
21 September 2013
Beiträge
248
Bewertungen
28
Wenn das JC sich auch sonst gerne von den steuerrechtlichen Vorschriften fernhält und seine eigenen Gesetze
vorzieht, zum Nachteil des Leistungsempfängers wird die Regelung der "horizontalen Verlustausgleichs" dann doch gerne genommen...
 

Koelschejong

StarVIP Nutzer*in
Mitglied seit
20 Juni 2005
Beiträge
5.186
Bewertungen
1.641
Wobei der horizontale Verlustausgleich im Steuerrecht aber erlaubt ist
 

hunter11

Elo-User*in
Mitglied seit
21 September 2013
Beiträge
248
Bewertungen
28
Wobei der horizontale Verlustausgleich im Steuerrecht aber erlaubt ist
horizontaler Verlustausgleich = Verlustausgleich innerhalb der selben Einkunftsart , die hier dann aber gerade nicht vorliegt, oder ?

somit wäre es doch ein vertikaler Verlustausgleich = Verlustausgleich verschiedener Einkunftsarten, den das JC
aber gerade NICHT akzeptiert - so korrekt, Koelschejong ;-) ?
 

Koelschejong

StarVIP Nutzer*in
Mitglied seit
20 Juni 2005
Beiträge
5.186
Bewertungen
1.641
Für meine Begriffe sind das alles Einnahmen aus Gewerbebetrieb (§ 2 Abs. 1 Nr. 2 EStG), also eine Einkunftsart also horizontaler Verlustausgleich
 

Aufstockerseo

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
16 März 2017
Beiträge
25
Bewertungen
3
Ich weiss worauf ihr hinauswollt mit dem horizontalen Verlustausgleich. Man darf natürlich nicht einfach ohne Sinn in andere Bereiche investieren und sich dadurch den Gewinn absichtlich klein rechnen. Dennoch ist es als Suchmaschinenoptimierer absolut Üblich sich andere Projekte aufzubauen, um damit eine weitere "Einnahmequelle" anzuzapfen. Nebenbei sind das die besten Empfehlungen, wodurch man super Neukunden für SEO überzeugen kann. Bei Kundenprojekten ist man ja quasi vom Budget limitiert und das Design ist meist ebenfalls nicht Optimal. Eigenprojekte kann man hingegen optimal aufbauen und so zeigen was man drauf hat. Regelung hin oder her, Sinnvoll ist es in jedem Fall.
 
Oben Unten