schutz vor zwang (1 Betrachter)

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das finchen

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hallo da draussen.

ich habe viele seelische defizite. nicht vollständig belastbar im alltag.
im laufe der letzten jahre hab ich mich irgendwie nach oben gekämpft.
"nach oben" bedeutet in diesem fall:
ich habe vor vielen jahren versucht mir das leben zu nehmen, nachdem ich nach dem studium arbeitslos war. seit dieser zeit habe ich alles erdenkliche unternommen, das mir mein leben gefällt.
ich habe die stadt verlassen, mein leben neu begonnen.

seit 6 jahren geht es stetig bergauf und mit der zeit vergass ich, krank zu sein. nur die tabletten hab ich stets brav genommen. wurden zu meinem alltag. ich hab immer eine möglichkeit gefunden, an sie zu kommen. ich habe erst einen hilfsjob ein dreivierteljahr ausgehalten. danach einen halbtagsjob angemessener qualifikation. der job hatte lausige arbeitsbedingungen die mich fertig machten.
nach ein paar jahren habe ich ihn gewechselt. diesmal in einen vollzeitjob mit höherer qualifikation. also ich hab zwar eine gute ausbildung, aber in dem job war ich quereinsteiger und er war ne nummer zu groß. nicht unbedingt fachlich, vielmehr musste ich fehlende führung auffangen, was mich sehr verbrauchte. nach einigen monaten entwickelte ich psychosomatische beschwerden. pünktlich zum wochenende gings mir beschissen.
psychisch konnte ich nie abschalten nach der arbeit und mein partner litt da drunter.
ich wurde immer mehr krank und habe mich immer öfter krankschreiben lassen.
ein netter arzt hatte immer besonderen wert darauf gelegt, mir darzulegen und zu zeigen, wie toll eine unbefristete festanstellung, dann noch in dieser fachstufe ist.
eines morgens hatte ich im wartezimmer seiner praxis einen zusammenbruch. ich konnte die tränen nicht mehr halten und fing an zu heulen.
in seinem behandlungszimmer hat er mich gefragt, was ich mir vorstelle. ich sagte ihm, dass ich ein halbes jahr mind. krankgeschrieben sein möchte, um mich wieder zu stabilisieren.
er sagte, dass das ja keine firma mitmachen würde.
ich heulte rotz und wasser. hinter ihm auf dem schrank stand eine pappschachtel mit papiertüchern. ich bat ihn darum, weil ich mir den laufenden rotz abwischen wollte. er gab mir die schachtel, nahm sie aber sofort wieder weg, als ich ein tuch hatte. ich musste ihn insgesamt 5 mal bitten, mir ein tuch zu geben. es war sehr demütigend. ich fragte ihn, wie ich aus dem job käme und trotzdem alg bekommen kann, weil die firma mir von selbst nicht kündigen wollte. er zeigte auch hier wieder deutlich, wie froh ich sein sollte, überhaupt einen job zu haben. jemand mit so einem knall. (unausgesprochen, aber bedeutungsgemäß)
er schrieb mich 3 tage krank und die sache war für ihn erledigt.

daraufhin wechselte ich den arzt. dieser schrieb mich mehr krank und war verständnisvoller. er stellte mir ein attest aus, in dem die weiterbeschäftigung zu gesundheitlichen einschränkungen führt. ich kündigte beim arbeitsamt meine kündigung an und kündigte.
mein zustand wurde irgendwas zwischen burnout und worcoholic eingestuft, weil ich unter dem zwang leide, stärke vorzuspielen, die keine ist.

krankgeschrieben war ich seitdem nicht. der arzt lies mich orientierungslos zurück. ich habe zwar alg ohne weiteres bewilligt bekommen, bin aber sofort in die vermittlung geraten.

ich habe den mitarbeitern versucht zu erklären, dass ich nicht voll belastbar bin. danach habe ich immer mehr über egv, jobcenter, vermittlungsgebahren und sanktionsgefahr erfahren. ich bin schockiert über gestapo-allüren der maschinerie. was für eine entrechtung und sklaverei!

nun habe ich gestern, zum stichtag zum nachweis meiner eigenbemühungen doch irgendwie 6 bewerbungen zusammen bekommen. darunter 2 vv.

natürlich zu personaldienstleister, in 50 km entfernung.
ich mailte meine bewerbung mit dem anschreiben, wie es hier geraten wird ab. leider ohne erfolg, denn ich hatt umgehend eine einladung zum vorstellungsgespräch für nächste woche.
bei einem arbeitgeber, der einen fürchterlichen ruf hat. und das in meinem zustand. ich war nach dem studium dieses forums wenigstens geistesgegewärtig genug, um bei der vermittlung keine tel.-nummer anzugeben und zu betonen, kein auto zu besitzen. da ich am a.. der heide lebe und ich von hier aus erst gegen 9.30 am hambuger hbf sein kann, habe ich geplant, das bei dem vorstellungsgespräch zu thematisieren. dass ich den arbeitsplatz aus eigenen mitteln nicht regelmässig erreichen kann.

nun habe ich gestern aus 2 verschiedenen richtungen den hinweis bekommen, mir einen schwerbehinderten-ausweis zu beantragen.
ich hab das erstmal nicht ernst genommen, weil ich mir unter leuten mit berechtigung für einen solchen ausweis wirklich körperlich beeinträchtigte menschen vorstelle (und bevor mich hier wieder jemand überheblich von der seite anmacht: die das doch viel eher verdient haben!!!)
nach einigen recherchen stutze ich jedoch. da ich vor vielen jahren die offizielle diagnose borderline-persönlichkeitsstörung erhielt und das bekanntermassen eine unheilbare, also chronische krankheit ist, kann man bis zu 60% erhalten.

der ratschläger gab den hinweis, dass ich ab dem tag des antrages nicht mehr von der vermittlungsfolter behelligt werden würde. ich habe nach eigener recherche nichts darüber gefunden (auch hier nicht) und möchte euch fragen, ob ihr darüber irgendwas wisst.
mein ziel ist - wie schon in meinem vorigen thread beschrieben - der behördenwillkür und zwängen zu entkommen, aber trotzdem genug im rücken zu haben, um meinen möglichkeiten entsprechend wieder arbeiten zu können. ich möchte auf keinen fall mehr für andere arbeiten gehen und begrüße die erschwerte perspektive in der freien wirtschaft durch diesen ausweis.
liebe grüße
das finchen
 
E

ExitUser

Gast
Hallo,

die Beantragung des Schwerbehindertenausweises hat erst einmal keinen Einfluss auf die Vermittlungsbemühungen vom Amt.

Auch mit psych. Problemen kann man einen GdB (Grad der Behinderung) bekommen.

Beim Versorgungsamt kannst Du Dir die entsprechenden Formulare zuschicken lassen.

Auf dem Amt sagst Du, dass Du gesundheitliche Einschränkungen hast und um eine Vorstellung beim Ärztlichen Dienst bittest.
Man wird Dir einen Gesundheitsfragebogen und Formulare für Schweigepflichtsentbindung geben - bitte nimm diese mit nach Hause und unterschreib dort nichts!
Denn das Ausfüllen ist freiwillig. (das erzählen die Dir beim JC aber meistens erst gar nicht, sondern wollen alle Infos sofort haben).
Informationen über Erkrankungen und Diagnosen gehören auch nicht in Sachbearbeiter-Hände. Diese gibst Du am Besten erst direkt beim Arzt ab, wenn Du Deinen Termin beim ÄD hast.

Wenn der ÄD Einschränkungen feststellt, werden diese in Deiner Akte festgehalten, und das JC darf (rein theoretisch) Dich nicht mehr in Stellen vermitteln, die Du laut Gutachten des ÄD nicht ausführen kannst.

Solltest Du trotzdem mal einen VV (Vermittlungsvorschlag) auf eine unpassende Stelle erhalten, kannst Du diesen wegen Unzumutbarkeit mit Hinweis auf Deine Einschränkungen ablehnen.

Bezüglich "in Ruhe-gelassen-Werden" vom JC kann ich Dich leider nicht beruhigen. Dies käme allenfalls in Betracht, wenn der ÄD feststellt, dass Du für wenigstens 6 Monate so geringfügig belastbar ist, dass Du dem Arbeitsmarkt nur weniger als 3 Stunden zur Verfügung stündest.

Grüße
Arbeitssuchend
 

gelibeh

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Was hilfreich sein kann, ist, immer mit einem Beistand nach §13 SGBX da hinzugehen. Das kann jeder machen, der braucht nur zuzuhören. Dann niemals sofort irgendetwas unterschreiben. Es kann nicht sanktioniert werden, wenn Du nicht sofort unterschreibst. Eine eventuelle EGV dürfen die erst abschließen, wenn Deine Erwerbsfähigkeit festgestellt wurde. Dazu hat @Arbeitssuchend ja schon alles geschrieben. Beantrage schriftlich die Feststellung des Umfangs Deiner Erwerbsfähigkeit und gib den Antrag nachweislich ab. Diagnosen gehen den SB nichts an!
 

das finchen

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hallo da draussen,
danke eure infos und einschätzungen.

nun habe ich gestern bereits eine einladung zu einem vorstellungsgespräch angenommen - am 14.9.
kann ich das stellenangebot trotzdem absagen?

ich war zwischenzeitlich beim zuständigen versorgungsamt und habe einen antrag ausgefüllt abgegeben. ausser diesem antrag musste ich nichts unterschreiben oder ausfüllen.


@arbeissuchend
Auf dem Amt sagst Du, dass Du gesundheitliche Einschränkungen hast und um eine Vorstellung beim Ärztlichen Dienst bittest.
zum verständnis, meinst du nun das versorgungsamt oder das arbeitsamt?
falls du das versorgungsamt meintest: habe ich nun nachteile, weil ich nicht nach einer vorstellung für den amtsärtzlichen dienst gefragt habe? (ich wurde zu beginn abgewimmelt und war froh überhaupt zum zuständigen beamten zu kommen, weil ich hartnäckig blieb)
soll ich das nachholen? ansonsten "behelligen" die meinen hausarzt, der zwar meine krankengeschichte kennt, aber eben kein psychomann ist.

@gelibeh
Beantrage schriftlich die Feststellung des Umfangs Deiner Erwerbsfähigkeit und gib den Antrag nachweislich ab. Diagnosen gehen den SB nichts an!
hab ich das richtig verstanden, dass ich diesen antrag beim arbeitsamt stellen muss?
EDIT: habs gefunden (goggel hilft: https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbii/44a.html

danke euch *pfannkuchen hinstellt*
das finchen
 

Sansiveria

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Bezüglich GdB (Schwerbehindertenausweis)

Den kannst du einfach aus dem Net runterladen und ausfüllen.

Es wäre von Vorteil, dass du die Diagnosen deiner behandelnden Ärzte gleich beilegst - die vom Amt sind oft nicht in der Lage alle Ärzte anzuschreiben und die Diagnosen anzufordern :icon_neutral:


Die Diagnosen alleine sind aber gar nicht so wichtig - wichtiger sind deine persönlichen Einschränkungen, die du im täglichen Leben hast - durch deine Krankheiten.

Das machst du in einem extra Begleitschreiben:

Also wie kommst du zurecht, durch wen brauchst du Hilfe und in welchem Umfang?
Welche Medis nimmst du - welche Nebenwirkungen haben die (Schwindel, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen etc.)?
Wie schränken dich deine Krankheiten sozial ein (Hobbys, Sozialkontakte)?
Dieses Begleitschreiben legst du bei - das kann durchaus mal 2-3 Seiten lang sein - je nachdem, wie Umfangreich deine Krankheiten sind oder wie viele Krankheiten vorhanden sind.

LG C.
 

gelibeh

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Beim Versorgungsamt hab ich damals auch nur einen Antrag abgegeben mit den Addressen meiner Ärzte.
Beim Arbeitsamt/ARGE/Jobcenter musst Du den Antrag stellen, dass die Deine Erwerbsfähigkeit klären. Und der §44a ist ganz richtig.
 

Ein Hartzianer

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Mal noch kurz zur Frage, ob der Behindertenausweis vor Schikane schützt:

Nach meiner Erfahrung bietet er etwas Schutz, ja.
Vor allem, wenn man zum Sklavenhändler zitiert wird. :biggrin:
Und das Affenamt neigt dazu, jemanden mit SB-Ausweis als
unvermittelbar im Aktenstapel verschwinden zu lassen.

Das sind aber explizit nur meine Erfahrungen.
 
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