Schonarbeitsplatz statt Bett für kranke Mitarbeiter einer Firma aus Lippstadt (1 Betrachter)

Betrachter - Thema (Registriert: 0, Gäste: 1)

wolliohne

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Als Reaktion auf eine Grippe- und Erkältungswelle hat eine Firma aus Lippstadt Ärzte aufgefordert, ihre Arbeitnehmer nur teilweise krank zu schreiben. Im Bangen um die Produktion wolle man erkrankten Mitarbeitern “Schonarbeitsplätze” anbieten. Die Brief-Aktion sorgt jetzt für reichlich Ärger.
Dr. Heinz Ebbinghaus von der Ärztekammer Westfalen-Lippe äußert sich sachlich zu dem Fall: „Die Empörung hat sich in den letzten Stunden ein wenig gelegt.“ Er empfindet die Aktion der 100-prozentigen Campina-Tochter allerdings als Vertrauensbruch: „Unterschwellig wird den Ärzten unterstellt, sie könnten einen arbeitsunfähigen Bürger nicht von einem arbeitsfähigen unterscheiden.“ Die Brief-Aktion grenze an Manipulation. Firmen sollten nicht ins Hoheitsrecht der Mediziner eindringen. „Wenn wir eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung unterschreiben, dann denken wir uns auch etwas dabei.“
Quelle: Der Westen Anmerkung unseres Leser W.K.: Nach der medizinischen Jagd auf kranke Alg II-Empfänger nun auch die Jagd auf Lohnempfänger?
Passend dazu: Diese Hartz-IV-Empfänger …

Quelle: Hans-Günter Glaser
 
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ich hoffe die Ärztekammer empört sich genauso um die AU Methoden der JC.
 
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So lange die breite Masse immer auf diesen Zug der Hetze aufspringt, so lange gelten wir eben als faules arbeitsscheues Pack.
Daran wird sich nichts ändern.

Im Gegenteil, es wird noch schlimmer kommen.

Denn durch die fortlaufende Lohndrückerei wird der Hass und Neid auf die ALG II Bezieher noch zunehmen.
 
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Das perfide an dieser Firma ist: Campina ist ein Lebensmittelhersteller. Dann auf gute Gesundheit.:icon_motz::icon_motz::icon_motz:
 

JulieOcean

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Eigentlich verwundert der Artikel nicht: Der Sozialstaat wird abgebaut, das ist nicht erst seit gestern so.

Jetzt sind halt die Kranken dran. Krank sein und zu Hause bleiben? Gibts nicht mehr! Es wird gearbeitet bis zum bitteren Ende. Und wer nicht mehr kann, der ackert seinen Teil an einem "Schonarbeitsplatz" ab, wie ihn die Firma im Artikel vorschlägt. (Wo und woher hat die Firma diese Schonplätze eigentlich?)

Vielleicht wird als nächstes die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gestrichen/gekürzt, oder die Krankenversicherung überhaupt. Spart alles Geld. Schlechte Ideen gibts da sicher viele. :icon_kotz:

Dennoch dürfte es für die meisten Leute auch jetzt mal wieder interessanter sein, auf kranke Arbeitslose einzuschimpfen, Sanktionen und "hartes" Vorgehen gegen die "Arbeitssscheuen" zu fordern, anstatt sich ein sachliches Bild der Lage zu machen.
 

Donna Quichote

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Die sind ja wohl mit'm Klammerbeutel gepudert :icon_motz: Aber in die Richtung geht's ja schon länger.
Eigentlich verwundert der Artikel nicht: Der Sozialstaat wird abgebaut, das ist nicht erst seit gestern so.

Jetzt sind halt die Kranken dran. Krank sein und zu Hause bleiben? Gibts nicht mehr! Es wird gearbeitet bis zum bitteren Ende. Und wer nicht mehr kann, der ackert seinen Teil an einem "Schonarbeitsplatz" ab, wie ihn die Firma im Artikel vorschlägt. (Wo und woher hat die Firma diese Schonplätze eigentlich?)
In einer Firma, wo ein paar Bekannte von mir arbeiten, ist vor einiger Zeit jemand während der Arbeit einfach umgekippt - tot. Reaktion in der Chefetage (ohne Scheiß!): "Haha, haben wir mal wieder einen totgearbeitet. Schön, da können wir uns ja das Gehalt für diesen Monat sparen." Worauf dann erstmal zwei Abteilungsleiter empört gekündigt haben... Daraus ergibt sich dann das Problem, daß am Ende nur noch die Total-A....löcher übrig bleiben, die sich einen Dreck um Menschenleben scheren. Und ich bezweifele mal stark, daß das ein Einzelfall ist. :frown:
Vielleicht wird als nächstes die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gestrichen/gekürzt, oder die Krankenversicherung überhaupt. Spart alles Geld. Schlechte Ideen gibts da sicher viele. :icon_kotz:
Wird teilweise schon (illegal) praktiziert, gibt genug Leute, die zuviel Angst haben, um sich zu wehren :mad:
Gleiche Firma wie oben: Mitarbeiter geht wochenlang trotz schwerer Erkältung brav arbeiten. Dann entwickelt sich das zum handfesten grippalen Infekt, zwei Wochen krank, heftigste Antibiotika nötig, Bettruhe usw. Abteilungsleiter macht vor der versammelten Mannschaft einen auf HB-Männchen "Der ist doch gar nicht krank, was bildet der sich ein. Wenn der glaubt, die Tage kriegt er bezahlt, dann spinnt der..." Naja, hab meinem Anwalt schon angekündigt, da demnächst mal jemanden vorbeizuschicken...

Wobei es partiell in dem Laden in letzter Zeit wohl nicht so ganz rundläuft mit dem erwünschten devoten Verhalten der Mitarbeiter. Ob da wohl jemandem ein bisserl was über seine Rechte gesteckt und zum Arbeitsvertrag erklärt wurde? :icon_pfeiff:
 

XxMikexX

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Es scheint ein Generalangriff auf krankgeschriebene Arbeitsunfähige stattzufinden.

-Bei Arbeitslosen eine Überprüfung durch den MDK mit Sanktionsdrohung.

-Bei Arbeitnehmern "Schonarbeitsplätze" was das auch immer sein soll. Bei Nichtannahme droht hier die Kündigung.


Wenigstens wehrt sich die Ärzteschaft. Von Gewerkschaften hört man wieder nichts.
 

jimmy

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ich hoffe die Ärztekammer empört sich genauso um die AU Methoden der JC.
Nein! Inge Hannemann ist auch AU, und wird mit Sicherheit so schnell nicht zum MDK müssen. Und wenn doch, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie da heil rauskommt, relativ hoch. Man muss nur rhetorisch begabt sein. Oder ist dir noch nie aufgefallen, wer hier so alles in EM-Rente ist? Sind seltenst die rhetorisch weniger begabten.
 
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Snickers

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Ist es eine dieser Firmen, die sich die erste Million Reichsmarkt auch mit unbezahlten KZ Mitarbeitern "verdiente"?
 
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Das perfide an dieser Firma ist: Campina ist ein Lebensmittelhersteller. Dann auf gute Gesundheit.:icon_motz::icon_motz::icon_motz:
Jo - auf so einem "Schonarbeitsplatz" ist der Grippe-Erkrankte bestimmt nicht mehr ansteckend.

Wobei es gerade "als Reaktion auf eine Grippe- und Erkältungswelle" in meinen Augen hirnrissig ist, die Mitarbeiter trotz Erkrankung ins Haus holen zu wollen. Nicht nur, weil es hier um Lebensmittel geht.

Ich arbeite in einem IT-Unternehmen - unsere Programme und Rechner mögen vor meinen Grippenviren geschützt sein, aber die "Firewall" meiner Kollegen durchbrechen die doch mit Leichtigkeit. Eine zu frühe Rückkehr an den Arbeitsplatz generiert doch mit jedem meiner Nieser mindestens einen Neu-Kranken. Und ich niese schon ohne Grippe viel.

Abgesehen davon: welche "Schonarbeitsplätze" soll es für Grippekranke oder stark Erkältete schon geben? Mit dickem Kopf bin ich nicht nur unfähig zu körperlich anstrengender Arbeit, ich kann auch nicht klar denken. Welche wertvolle Dienstleistung kann ich da wohl erbringen? Abgesehen davon, daß jede Tätigkeit alle paar Minuten von Naseputzen usw. unterbrochen wird - wer will sich da konzentrieren?


Die Überlegung, einen Mitarbeiter mit gebrochenem Fuß, der an Krücken laufen, aber nicht stehen kann, vorübergehend auf eine sitzende Tätigkeit zu versetzen, kann ich ja noch halbwegs nachvollziehen - sofern man sicherstellt, daß


  • der MA auch mit gebrochenem Fuß ohne Schwierigkeiten ins Büro kommt
  • der MA den Fuß hochlagern kann
  • der MA bei auftretenden Schmerzen ohne Ärger gehen kann


Allerdings muß der MA auch die Kenntnisse haben, die für diese Tätigkeit erforderlich sind. Daran würde es vermutlich in vielen Unternehmen scheitern...





Die Idee scheint mir schlecht durchdacht zu sein...
 

Anna B.

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Hallo,

so eine Wichtigtuer Firma....

es gibt Arbeitsunfähigkeitsrichtlinien und dort steht genau drin, das die Tätigkeit vom Arzt überprüft werden muss...wenn er es nicht weiß, muß die KK eine Arbeitsplatzbeschreibung anfordern....

der Arzt fragt aber in der Regel::muss ich dir ne AU ausstellen? was machst du beruflich?

dann kommt: Maurer...naja, mit dem gebrochenen linken Zeigefinger..ne, da geht das arbeiten nicht...und nen Schonarbeitsplatz für nen Maurer kann ich mir auch nicht vorstellen..

hätte er gesagt:Büroangestellte...überwiegend PC..auweia..na, da wäre sie zu Hause geblieben...

da können noch so viele Firmen fordern was sie wollen...es gibt die Richtlinien und die stehen davor...

auf solche Spielchen muss man sich auch nicht einlassen..

mein Chef wollte mal, dass ich dann während der AU Telefon-Marketing mache..."kannst doch alles mitnehmen und von zu Hause TErmine vereinbaren..ha.ha.ha.."...

was hab ich gemacht? richtig..:icon_lol: und ihm nen Vogel gezeigt...

(gut, das kann man nicht bei allen Chefs machen, aber bei meinem ging das)
 
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ja das ist sie snickers,

Ist es eine dieser Firmen, die sich die erste Million Reichsmarkt auch mit unbezahlten KZ Mitarbeitern "verdiente"?

eigentlich solltem man denken das solche praktiken nicht mehr denkbar wären.

ich erzähle euch mal eine kleine geschichte so von 82 oder 83. es geht darin um meine tante lisbeth (damals schon um die 50) und einige ihrer freundinnen. die arbeiteten damals alle im "dorndorf" bzw. "servas" - ich nenne die namen bewust weil es diese ausbeuterläden nicht mehr gibt, mit ihren menschenverachtenden methoden und solch O Tönen wie: "früher sind die frauen auf dem feld niedergekommen und haben weitergearbeitet...."

es war fließbandarbeit, schuhe machen am fließband. stehen, im accord, meist gingen noch die pausen drauf, überstunden en mass.

wer krank wurde und krankgeschrieben wurde, wurd zuhaus besucht vom "meister" und vom werksarzt auf einen "sitzplatz verwiesen (natürlich auch im accord...), schwangere wurden gefeuert wegen zu hoher fehlequote beim steppen. ich konnte mich daran erinnern, das die tante sogar mal die arbeit heimgebracht wurde zum bukken. kistenweise lederstücke die umgebördelt werden mußten per hand. mein onkel willy hat es gemacht, nach feierabend wenn er von der schlosserei heimkam, weil die tante zu krank war für den ganzen tag mit dem schweren hammer leder umzuklopfen. warum? angst um den arbeitsplatz, angst um den kleinen bescheidenen wohlstand, in dem falle ein älterer fiat panda. ein einfaches leben ohne größere not, weil auch schon in der zeit die einfache arbeiterschaft nicht ohne zwei jobs über die runden kam. glaubt mir die waren noch weit entfernt von der damals aufstrebenden "spaßgesellschaft".

eigentlich sollte man meinen das solche miesen arbeitsbedingungen geschichte wären, auch im hinblick auf gewerkschaften und betriebsräte. ich find das inzwischen unglaublich.

LG von barbara
 

hemmi

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So was gab es bis in die 70er auch bei den Saarbergwerken, hatte jemand einen leichten Unfall z.B. Quetschung wurde er nicht AU geschrieben sondern bekam 3 Wochen Schonung, was bedeutete das er in dieser Zeit dem Sani half oder dem Portier Gesellschaft leistetet.:smile:
 
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