S 21: Risse kratzen am Jahrhundertprojekt

wolliohne

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Knapp drei Jahre nach dem offiziellen Baustart und dem Schwarzen Donnerstag sowie rund anderthalb Jahre nach dem Südflügelabriss zeigen sich erste Risse beim Milliardenprojekt Stuttgart 21. Genauer gesagt an der Fassade des denkmalgeschützten Bahnhofsturms. Neue Erkenntnisse gibt es hinsichtlich der Frage, auf welchen Gründungspfählen das Wahrzeichen steht.
Was nicht ist, kann ja noch werden – frei nach diesem Motto machte die Bahn bislang Stimmung für Stuttgart 21. Erst recht, wenn wieder mal milliardenschwere Kostenexplosionen, fahrlässige Zugentgleisungen und stümperhafte Fehlplanungen das unterirdische Bahnhofsprojekt aus der Bahn zu werfen drohten…
Tatsache ist, dass durch die östliche Fassade des vor rund 100 Jahren erstellten Bahnhofsturms feine Risse verlaufen. Wann genau sie entstanden sind, ist unklar…
Da in jüngster Vergangenheit, außer politischen, keine seismischen Erdbeben die baden-württembergische Landeshauptstadt erschütterten, könnte nach Ansicht von Bauingenieuren der Abriss des Bahnhofssüdflügels die Rissbildung ausgelöst haben. Denkbar ist, dass das mächtige Flügelbauwerk dem Turm als Stütze diente. Auch lässt sich nicht ausschließen, dass die schweren Abrissbagger so starke Erschütterungen auslösten, die das Gestein sprengten.
Quelle: Kontext: Wochenzeitung Dazu: Baden-Württembergs Verkehrsminister Hermann: “Hier wird nichts durchgewinkt”
Bei S 21 muss man doch sehen: Wo sitzen die wahren Verantwortlichen auf Landes- und Bundesebene? Das sind die Granden der CDU, die Bundeskanzlerin, Bundesverkehrsminister Ramsauer und ein Teil der SPD. In der ganzen Geschichte um Stuttgart 21 sind die Eigentümer der Bahn, diejenigen, die im Bund Verantwortung tragen, viel zu gut weggekommen. Wenn Angela Merkel, die Hauptvertreterin des Eigentümers der Deutschen Bahn, auch nur einmal tatsächlich so gedacht hätte wie die von ihr gern zitierte schwäbische Hausfrau, hätte sie sich anders entschieden. Dann hätte Wolfgang Schäuble, der den Sparkommissar wider die Verschwendung in Europa gibt, sagen müssen, dass Geld auch bei Stuttgart 21 eine zentrale Rolle spielt. Der knausert seit Jahren bei der Finanzierung des Schienentunnels in Offenburg, gibt aber für Stuttgart 21 *– angeblich ein Projekt von nationaler Bedeutung *– locker weitere Milliarden. Wie geht das zusammen? Und dann sagt die Kanzlerin, sie mische sich nicht ein. Das ist verantwortungslos, so darf sich ein Eigentümer nicht verhalten. Es gibt bei Stuttgart 21 nicht nur ein Managementversagen der DB, es gibt insbesondere auch ein Eigentümer- und Politikversagen.
Quelle: Kontext: Wochenzeitung
Hinweis: Weitere Beiträge in der neuen Kontext: Wochenzeitung u.a.

  • Grün ist aufgewacht: Wer gedacht (oder gehofft) hat, Stuttgart 21 im Wahlkampf unter die Erde legen zu können, hat sich getäuscht. Cem Özdemir versichert den 400 Zuhörern im DGB-Haus, er sei schon immer gegen das “Unsinnsprojekt” gewesen. Die Linke hielt das Projekt schon immer für „100 %“ asozial. Fehlt nur noch die SPD.
  • Im Märchenland: In einem Drittel von Baden-Württemberg liest man die “Südwest Presse”. Der Monopolist aus Ulm produziert die am weitesten verbreitete Zeitung im Land. Die Macher des Blattes haben Visionen und blicken deshalb mit weniger Angst als andere in die Medienzukunft. (Teil III unserer Zeitungsserie)
  • Räuberschach am Nesenbach: Das Wissenschaftsministerium entblöde sich nicht, die Sparvorgaben des Rechnungshofes zu übernehmen und viele Studienplätze an Musikhochschulen zu streichen. Das kritisiert der Präsident der Universität der Künste in Berlin, Martin Rennert, in einem Exklusiv-Beitrag für Kontext.
  • Giftgas im Einsatz: Unser Wetterer Grohmann fragt, wo es denn her kommt, das Giftgas in Syrien. Und erinnert daran, dass auch die Alliierten damit hantiert haben.
  • 90 Sekunden in… Burladingen auf der Schwäbischen Alb – das ist natürlich die Textilfabrik Trigema mit ihrem exzentrischen Inhaber Wolfgang Grupp und seiner gläsernen Hubschraubergarage. Das ist aber auch Albidylle, zerschnitten von der B 32. Unsere Schaubühne aus dem Land.
Kontext:Wochenzeitung ab heute am Kiosk und am Samstag als Beilage der taz.
 
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