Regelinsolvenz oder Verbraucherinsolvenz - klare Trennung? (1 Betrachter)

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Taurus50

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Ich bin seit 3 Monaten ALG II Empfänger. Trifft auf mich nun Regelinsolvenz oder Verbraucherinsolvenz zu? Ich war immer freiberuflich als Sprachlehrer tätig und habe ca. 6000€ Schulden beim FA und 1000€ bei der Bank. Ich möchte in die Insolvenz gehen, da ich mit 56 Jahren keinen Weg mehr sehe, jemals die Schulden abzubezahlen. Ich bin mittellos.

Zwar bin ich noch freiberuflich tätig, aber nur geringfügig. Im Januar z.B. hatte ich überhaupt keine Aufträge, in diesem Monat sind es etwa 4 Stunden pro Woche. Ist das geringfügig genug, um eine Verbraucherinsolvenz zu beantragen? Schulden und Schuldner sind überschaubar. Als Freiberufler muss ich auch kein Gewerbe anmelden, kann mich also umgekehrt auch nicht irgendwo abmelden.

Empfiehlt es sich, sämtliche Aufträge ruhen zu lassen oder abzusagen, um somit die Vorschriften zur Verbraucherinsolvenz zu erfüllen? Das werde ich wahrscheinlich auf jeden Fall tun müssen, das die Münchener ARGE nicht weiß, wie man Einnahme / Überschussrechnungen liest. Mir wurde z.B. die Umsatzsteurvorauszahlung im Januar für das IV. Quartal 05 nicht als Ausgabe anerkannt.

Kann oder sollte ich beim FA eine Einstufung als Minderkaufmann anstreben (§ 1, Abs 2, HGB)? Ginge das überhaupt?
 

Martin Behrsing

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Wenn Du nur 2 Gläubiger hast machst Du eine Verbraucherinsolvenz. Dies empfiehlt sich erst bei 20 und mehr Schuldnern.

Als Sprachlehrer bist Du nicht kaufm. tätig, sondern freiberuflich. Deshalb gibt es keinen Grund eine Einstufung als Minderkaufmann zu machen.

Hast Du gegen die Nichtanerkennung der Umsatzsteuervorauszahlung Widerspruch eingegt?
 

Taurus50

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Martin Behrsing meinte:
Wenn Du nur 2 Gläubiger hast machst Du eine Verbraucherinsolvenz. Dies empfiehlt sich erst bei 20 und mehr Schuldnern.

Als Sprachlehrer bist Du nicht kaufm. tätig, sondern freiberuflich. Deshalb gibt es keinen Grund eine Einstufung als Minderkaufmann zu machen.

Hast Du gegen die Nichtanerkennung der Umsatzsteuervorauszahlung Widerspruch eingegt?
Ja, schon 2mal. Nach Meinung meines Sachbearbeiters dürften Selbständige sowieso keinen Anspruch auf ALG haben. Im Grunde weiß der aber nicht mal, was der Unterschied zwischen Umsatz und Gewinn ist.
Du meinst also, dass ich als Freiberufler nicht selbständig erwerbstätig bin? Im Gesetz steht doch was von selbständiger Tätigkeit. Betrifft das nur solche, für die man einen Gerwerbeschein braucht?
 

Martin Behrsing

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Als Freiberufler bist du nicht Gewerbetreibend und somit kein Kaufmann im Sinne des HGB. Du unterliegst auch nicht der Buchführungspflicht (selbst, wenn 10 Mio EUR Umsatz hättest), sondern brauchst nur eine E/Ü-Rechnung zu machen.
Du kannst Dich allerdings von der Umsatzsteuer befreien lassen, da Dein Umsatz geringfügig ist.
Ich würde dir aber raten erstmal alles ruhen zu lassen und die Insolvenz angehen. Der Inso-Berater kann dir nämlich Selbstständigkeit untersagen. Mehr wird dir wahrscheinlich Silvia dieser Tage sagen.
 

Silvia V

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So nun werde ich hier mal alle Klarheiten beseitigen.... ;)

Die zum Zeitpunkt der Antragstellung "aktiven" Selbständigen, Freiberufler, Gewerbetreibende, juristische Personen usw.,fallen unter die Vorschriften des Regelinsolvenzverfahren.

Ehemals wirtschaftlich selbstständig tätige natürliche Personen, die zum Zeitpunkt der Antragstellungen keine selbständige Erwerbstätigkeit mehr ausüben, fallen ebenso unter das Regelinsolvenzverfahren, wenn (§ 304 InsO)

-Forderungen von mehr als 19 Gläubiger bestehen
-Forderungen aus Arbeitsverhältnissen bestehen
-die Vermögensverhältnisse unüberschaubar sind


Gruß

Silvia

Alle Verbraucher (Nichtselbständigen) und ehemals, nicht mehr aktiv selbständig tätigen natürlichen Personen, welche die oben genannten Voraussetzungen nicht erfüllen, fallen unter die Vorschriften des Verbraucherinsolvenzverfahren.
 

Taurus50

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Silvia V meinte:
Die zum Zeitpunkt der Antragstellung "aktiven" Selbständigen, Freiberufler, Gewerbetreibende, juristische Personen usw.,fallen unter die Vorschriften des Regelinsolvenzverfahren.

Ehemals wirtschaftlich selbstständig tätige natürliche Personen, die zum Zeitpunkt der Antragstellungen keine selbständige Erwerbstätigkeit mehr ausüben, fallen ebenso unter das Regelinsolvenzverfahren, wenn (§ 304 InsO)

-Forderungen von mehr als 19 Gläubiger bestehen
-Forderungen aus Arbeitsverhältnissen bestehen
-die Vermögensverhältnisse unüberschaubar sind

Gruß
Silvia

Alle Verbraucher (Nichtselbständigen) und ehemals, nicht mehr aktiv selbständig tätigen natürlichen Personen, welche die oben genannten Voraussetzungen nicht erfüllen, fallen unter die Vorschriften des Verbraucherinsolvenzverfahren.
"Ehemals" heißt? "Aktiv" heißt? Gibts dazu Abgrenzungsregeln? Vielleicht ein paar Gerichtsurteile? Soll ich gleich zum Amtsgericht und dort nachfragen? Bitte nicht die Schuldenberatung empfehlen, da krieg ich gleich 'nen Hals. "Vielleicht mal im Frühling wenn die Sonne scheint und ich ausgeschlafen habe. Also nein, schnell geht hier schon mal gar nicht!!!" ...... so in etwas die Reaktion.
 

Silvia V

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also ehemals heißt,Du übst Deine freiberufliche Tätigkeit nicht mehr aus.Aktiv dann folglich Du bist noch dabei und führst Kundenaufträge aus.

Der Weg zum Amtsgericht kann nie verkehrt sein,ein Rechtspfleger kann
Dir dann den weiteren Weg weisen.

Sag mal Bescheid,welche Meinung dort vorherrscht.

Gruß

Silvia
 

Taurus50

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Wie wirkt sich eigentlich eine in der EkSt-Erklärung eingebaute Ansparabschreibung auf die Insolvenz aus?
Konkret: ich muss noch die Erklärung für 2004 abgeben. Habe sonst immer Ansparabscheibungen genutzt, um die Unterschiede zwischen den Jahren etwas auszugleichen. Erkennt das FA denn das noch an?

Oder sollte ich dazu einen neuen Thread aufmachen?
:kinn:
 

Silvia V

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Solange die Firma besteht,kann auch die Ansparabschreibung geltend gemacht werden.

Ich verstehe jedoch Deine Absicht dabei nicht so ganz,denn
Du mußt beachten, dass die bei Bildung der Ansparrücklage genannten Wirtschaftsgüter,später auch wie geplant angeschafft oder hergestellt werden müssen.
Und was bringt das,wenn Du in die Insolvenz mußt....nichts außer zusätzlichem Ärger mit dem FA.

Kontaktiere dazu bitte einen Steuerberater.


Gruß

Silvia
 

Taurus50

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Silvia V meinte:
Ich verstehe jedoch Deine Absicht dabei nicht so ganz,denn Du mußt beachten, dass die bei Bildung der Ansparrücklage genannten Wirtschaftsgüter,später auch wie geplant angeschafft oder hergestellt werden müssen.

Gruß

Silvia
Das ist nicht ganz so. Die Ansparabschreibung dient hauptsächlich zum Ausgleich zwischen den fetten und mageren Jahren. Du kannst nämlich nach 2 Jahren die Rücklage auflösen und musst nur 6% Zinsen ans FA darauf zahlen. Das ist erheblich weniger als bei einem Kontokorrentkredit o.ä. Es ist eine der ganz wenigen vom Gesetzgeber noch zugelassenen steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten für Kleinunternehmer, Freiberufler u.ä.

Natürlich kann man das auch zur Anschaffung benutzen, falls man idauerhaft nvestieren will.
 

Silvia V

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Das ist nicht ganz so. Die Ansparabschreibung dient hauptsächlich zum Ausgleich zwischen den fetten und mageren Jahren. Du kannst nämlich nach 2 Jahren die Rücklage auflösen und musst nur 6% Zinsen ans FA darauf zahlen. Das ist erheblich weniger als bei einem Kontokorrentkredit o.ä. Es ist eine der ganz wenigen vom Gesetzgeber noch zugelassenen steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten für Kleinunternehmer, Freiberufler u.ä.

Natürlich kann man das auch zur Anschaffung benutzen, falls man dauerhaft investieren will.
Ds hast Du aber nicht vor und deshalb ist es relativ egal,denn selbst
wenn Du eine Steuererstattung erhalten solltest,dann wird diese vom Insolvenzverwalter zur Masse gezogen.
Es kan aber auch sein,das Dein FA sofort verrechnet.
 
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