psychische Beeinträchtigung, wie geht JobCenter vor? (1 Betrachter)

Betrachter - Thema (Registriert: 0, Gäste: 1)

schuldenjenny

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hallo foris,

nächste woche begleite ich einen freund als beistand zum jobCenter, seine EGV ist abgelaufen u. ich vermute er soll wohl auch gleich ne maßnahme aufs auge gedrückt bekommen.

ok, nix unterschreiben, egv mitnehmen u. VA abwarten, is klar, aber kann ihn sein SB trotzdem in eine maßnahme zwingen, auch ohne EGV/VA oder hängt dies immer zusammen.

kann er bei diesem gepräch sagen dass er die maßnahme nicht machen will oder reicht dies schon als sanktionsgrund aus?

er leidet unter depressionen u. angszuständen, hat auch einen einzelfallhelfer - allerdings nur für 2 stunden/woche - dieser wurde vom sozialpsychiatrischen dienst bewilligt.

wie sieht es denn bei solchen menschen aus, müsste der SB dann nicht erstmal vom medizinischen dienst feststellen lassen in wieweit er überhaupt in der lage ist eine maßnahme zu machen, er ist ja nicht bettlägerig u. irgendwas werden die ihm schon versuchen aufzurücken, ich habe hier auch gelesen dass man keine schweigepflichtsentbindung bezügl. der ärzte unterschreiben soll.

ich habe gelesen, dass es auch ein sog. "fallmanagement" für leute mit beieinträchtigungen geben soll, macht es sinn zu versuchen dorthin zu wechseln, angeblich geht man dort mehr auf die bedürfnisse ein bzw. kann dann nicht so schnell eine sanktion aussprechen sollte man öfter in maßnahmen fehlen. kennt ihr sowas?

mhm, kurz um, habt ihr erfahrungen wie die jobcenter mit leuten umgehen die psychisch beeinträchtigt sind?

wäre, wie immer, über eure hilfe dankbar, da ich ihn gern bestmöglich bei dem termin unterstützen will.

lg

jenny :icon_smile:
 
E

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Gast
Wie du schon richtig bemerkt hast:

- keine EGV unterschreiben sondern diese mitnehmen und den VA abwarten
- grundsätzlich immer mit Beistand zum Termin
- vor Ort angebotene Maßnahmen nie ablehnen sondern Infomaterial mitnehmen und Bedenkzeit erbeten

Leistungsempfänger, die physische und/oder psychische Beeinträchtigungen haben, werden vom SB zum Ärztlichen Dienst geschickt zwecks Beurteilung der Leistungsfähigkeit. Anhand des Gutachtens wird dann ein Antrag auf eine medizinische und/oder berufiche Reha gestellt.
 

dwyre

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Hallo schuldenjenny,

nicht nur für eine Maßnahme ist die Abklärung beim ärztlichen Dienst sinnvoll und für deinen Freund wohl auch wichtig.
Wenn er noch nie beim ärztlichen Dienst war, woher will das JC dann wissen, dass er überhaupt erwerbsfähig ist ?
Ohne Abklärung der Erwerbsfähigkeit hätte eigentlich gar keine EGV abgeschlossen oder ein EGV/VA erlassen werden dürfen.
Also sollte dein Freund das bei diesem Termin unbedingt ansprechen, dass er einen Termin beim ärztlichen Dienst beantragt,
am besten gleich in schriftlicher Form mitabgeben, bei dem Termin.
Dann müßte er bis zum Ergebnis der Begutachtung eigentlich erstmal Ruhe haben.

Wie das JC allgemein mit psychisch Kranken umgeht ? Aus eigener Erfahrung kann ich dir da leider nichts Gutes sagen.
Ich habe eher das Gefühl, dass die Gangart härter geworden ist, seitdem sie das wissen.
Es muss sicherlich nicht immer so sein, aber es ist wichtig, dass man weiss, was sie dürfen und was eben nicht und
man ihnen da auch klare Grenzen aufzeigt.
Natürlich kann auch ein guter Arzt im Hintergrund nicht schaden, gerade wenn dein Freund für Sachen (Maßnahmen, etc.)
herangezogen werden soll,
die er eigentlich nicht machen kann.

Liebe Grüße und viel Glück bei dem Termin,
Dwyre.
 

ZynHH

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Ich habe sehr gute Erfahrungen mit dem Fallmanagement gemacht.
Einfach darum bitten ins FM zu wechseln wegen der genannten Probleme und dann ausprobieren, ihr könnt das FM jederzeit beenden ohne das das Folgen hat.

ich drück die Daumen.
 

guinan

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Erfahrung: Beeinträchtigung diagnostiziert bekommen führt dazu, dass der Bildungsgutschein gestrichen wird und gerade für Zeitarbeitsfirmen verschachert werden soll, weil man zu "höheren" Tätigkeiten ja nicht mehr in der Lage sein soll. Hilfe gibts nicht, nur weitere Verweigerungen von Leistungen.
 

schuldenjenny

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hallo u. danke für die antworten,

ja, dass dachte ich mir auch schon dass dann zb. bildungsgutscheine gestrichen werden u. die haben sicher auch maßnahmen für genau solche leute, von daher weiss ich nicht wie wir am besten vorgehen sollen.

wenn man nichts von den zeitweise beeinträchtigungen erwähnt kann man sich ja auch noch wehren gegen evtl. sinnlosmaßnahmen, ich weiss es echt nicht was ich ihm raten soll, denn es scheint wohl doch eher nachteil zu sein wenn man psychische probleme hat.

lg
 

guinan

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Die machen Probleme egal was du machst. Überleg dir lieber was du willst und wie du da hin kommst.
 

götzb

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ihr könnt das FM jederzeit beenden ohne das das Folgen hat.
.
Ist das so das der Arbeitslose entscheiden kann ob er einen Manager für "Gefallene" oder dem normalen Paperlapapp vorgesetzt wird?
Im normal Falle wird der FM einfach zugewiesen, bzw bekommt Vorladung.
 
G

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Gast
Ich habe auch Angst, in eine bestimmte Schublade gesteckt zu werden, wenn das JC von meinen Problemen (mein Nickname ist nicht ohne Grund) Bescheid weiß. Ich befürchte auch Drangsalierungen.

Was mir helfen würde, gesund zu werden, wäre ein angemessener Job in meinem Berufsfeld (daß ich schon sehr weit für mich abgesteckt habe) zu fairen Konditionen. Das und genau das würde mich gesund machen und erheblich zur Selbstachtung beitragen. Es ist das Schlimmste für mich, aus dem richtigen Arbeitsleben ausgeschlossen zu sein.

Bildungsgutscheine gibt es - jedenfalls in meiner Stadt - so gut wie gar nicht mehr. Ein Business-Englisch-Kurs würde mir sehr helfen, leider keinerlei Chance. Die Antwort auf die Anfrage eines solchen endete für mich in einer 8wöchigen Sinnlosmaßnahme.

Aber, wenn ich jetzt - z. B. als 1-€-Job in eine Küche gesteckt würde (tödlich - ich leide unter Eßstörungen).

Mein SB versucht mich, ins Call-Center zu pressen. Dem Streß, welcher aus den Arbeitsbedingungen sowie dem dort ausgeübten Druck gemacht wird, bin ich nicht gewachsen. Das hat mich erst richtig krank gemacht. Ich habe ihr gesagt, daß ich es nicht kann, aber was war die Antwort - sie müssen. Bis jetzt wollte mich keiner. Aber es kann passieren, dann befürchte ich, daß ich wieder abrutsche, hoffentlich nicht so tief, daß ich wieder auf die Beine komme. Die Stabilität, die ich aufgrund der mir verordneten Medikamente besitze, wäre dahin.

Es ist ein Teufelskreis.
 
E

ExitUser

Gast
@jenny und Fluoxetina:

also, wenn das erstmal vom ärztlichen Dienst bestätigt ist, dass man psychisch krank ist, dann habe ich damit eigentlich gute Erfahrungen gemacht. Alle SB, die ich bisher hatte - die wechseln leider andauernd, vermutlich, damit sie keine Sympathie aufbauen können zu ihren Kunden - , waren immer sehr verständnisvoll.
Ich muss mich nicht wahllos auf irgendeinen Mist bewerben, den ich krankheitsbedingt nicht ausüben kann. Ich bekomme auch keine derartigen Vorschläge geschickt. Bei mir wurde eigentlich immer Rücksicht genommen. Ich kann nicht sagen, dass mir das geschadet hat, dass die wissen, dass ich psychisch krank bin. Im Gegenteil.
 

hartaber4

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@jenny und Fluoxetina:

also, wenn das erstmal vom ärztlichen Dienst bestätigt ist, dass man psychisch krank ist, dann habe ich damit eigentlich gute Erfahrungen gemacht. Alle SB, die ich bisher hatte - die wechseln leider andauernd, vermutlich, damit sie keine Sympathie aufbauen können zu ihren Kunden - , waren immer sehr verständnisvoll.
Ich muss mich nicht wahllos auf irgendeinen Mist bewerben, den ich krankheitsbedingt nicht ausüben kann. Ich bekomme auch keine derartigen Vorschläge geschickt. Bei mir wurde eigentlich immer Rücksicht genommen. Ich kann nicht sagen, dass mir das geschadet hat, dass die wissen, dass ich psychisch krank bin. Im Gegenteil.
Das hängt immer sehr von der individuellen Situation vor Ort ab.

Wenn du dich hier im Forum zu ähnlichen Fällen umschaust..... wirst du zu dem Schluss kommen:

Du hast für deinen Fall (und deine Erwartungen) schlichtweg Glück gehabt.
 

hartaber4

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mhm, kurz um, habt ihr erfahrungen wie die jobcenter mit leuten umgehen die psychisch beeinträchtigt sind?
Der rechtliche Rahmen findet sich im § 44a SGB II (und in der entsprechenden BSG Judikatur dazu)

Für das "drumherum*" gelten entsprechende Nebenvorschriften.

*Fahrkosten, Sanktionen wegen evtl. Meldeversäumnis

Der Rest liegt wohl auch immer in der persönlichen "Prägung" und in der fachlichen Eignung des SB......

selten läuft das ganze Prozedere lehrbuchmässig ab..... sondern endet meist erst mal in einem Loch ohne Leistungsbezug und in einem Kompetenzgerangel von z.B. JC und Sozialamt....

Jeder behauptet sein eigenen Märchen...... um erstmal nicht leisten zu müssen, dabei ist die Lage eigentlich klar.

Diese Zusammenfassung unterstreiche ich auch mit den Erfahrungen/Schilderungen hier aus dem Forum:

Mir ist KEINE "§44aSGBII-Sache" bekannt..... die dem Sinne des Gesetzes "1:1" gefolgt ist.

Weil sich der Nonsens regelmäßig wiederholt..... habe ich auch echte Zweifel an der fachlichen Eignung der SB, FM oder pAP.....
 
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