Psychiater entlastet Arbeitgeber von aller Verantwortung

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Ferdinand456

Gast
Professor U. Hegerl entlastet mit folgender Aussage beinahe sämtliche Arbeitgeber von ihrer Verantwortung und reduziert den Menschen auf seine Gehirn-Chemie, bzw. genetische Prädisposition:

[Zitat]: "Dieser Leitfaden sollte berücksichtigen, dass die meisten psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz nicht durch die Arbeit verursacht sind und Arbeit hinsichtlich psychischer Erkrankungen sogar protektiv wirken kann. Da psychische Erkrankungen bei Arbeitstätigen, ähnlich wie auch in der Allgemeinbevölkerung, sehr häufig sind, ist ein kompetenter Umgang der Betriebe mit den psychisch Erkrankten unabhängig von der Verursachung bedeutsam". [Zitat Ende]

Zu finden in einem Artikel über Frau von der Leyens Pläne, Arbeitgeber in Zukunft zu einer Art "Pseudo-Psychiater" auszubilden:

Stiftung Deutsche Depressionshilfe: Besserer psychischer Arbeitsschutz braucht konkrete Handlungsleitfäden für die Unternehmen

Mich erinnert dies an meine Zeit als Buchhalterin in einem Großraumbüro und Versandhaus: 66.000 Stammkunden alleine buchhalterisch verwalten, dies bei drei Radios auf denen drei verschiedene Sender eingestellt waren (Jahrmarkt ist Nichts dagegen), nie länger als 5 Tage Urlaub am Stück, stetiger Zeit- und Termindruck, streckenweise bis 15 Stunden Arbeit am Tag und Brüllerei wie Tobsuchtanfälle vom Chef, wenn ich ein kleines Fehlerchen machte. Später erfuhr ich, dass er (nach meiner Eigenkündigung) einmal sogar mit erhobenem Stuhl auf eine Mitarbeiterin losging.

All diese Arbeitsbedingungen waren gesetzeswidrig. Er war Alkoholiker und Kettenraucher. Begann aber mit der Psychoschiene, als ich die Kündigung einreichte, dies im Sinne von "mit Kranken arbeiten wir hier nicht gerne", hetzte das gesamte Team gegen mich auf im Sinne von "hat einen an der Klatsche, ich dagegen bin unschuldig". (Das Team hat später übrigens bereut, schleimigerweise zu ihm gehalten zu haben, aber das war mir dann längst egal, ich war draußen aus dem Höllenladen).

Gut, ich bekam dort keine Depression, aber ich kündigte. Problematisch: Vor Gericht versucht der Chef natürlich alles auf die Gehirn-Chemie seiner Ex-Angestellten zu schieben. Das geht zu Gunsten der Arbeitgeber und auf Kosten der Arbeitnehmer. Wer ohne Rechtsschutzversicherung ist oder bei einer arbeitgeberfreundlichen Gewerkschaft, wie ich hier in meinem Dorf, hat keine Chance, auch nur ansatzweise Schmerzensgeld oder Abfindung einzuklagen, denn er wird in Verruf gebracht und von der Gegenseite (auch vor Gericht) als "geisteskrank" nieder gemacht.

Danke Frau von der Leyen. Wieder einmal bauen Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit Bockmist. Und das Menschenbild des Herrn Professor Hegerl klammern wir aus der Diskussion besser einmal aus, es ist eine Katastrophe, und "Burnout" gibt es für ihn nicht. Liegt "alles in der Gehirn-Chemie und an den geisteskranken Vorfahren", um es einmal zu übersetzen (dies kann man googeln, einfach seinen Namen in Kombination mit dem Begriff "Burnout" eingeben, am Besten nur "Hegerl" ohne den Begriff "Professor").

Kürzlich in Wieland Backes "Nachtcafé" sah er als einzige Lösung gegen die "Volkskrankheit Depression":

Fresst mehr Psychopharmaka.

Möchte an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass nicht nur unsere Politik in enger Verflechtung und Abhängigkeit großer Konzerne handelt, sondern auch unser Gesundheitswesen ist in hohem Maße abhängig von großen Konzernen, wie z. B. Pharmakonzernen. Kein Kongress würde stattfinden, denn sämtliche Gelder pro Kongress werden ausschließlich von mindestens 3 verschiednen Pharma-Unternehmen bereitgestellt und investiert, dementsprechend pharmaziefreundlich sind Forschungsergebnisse wie dortige Fortbildungen, Informationen und Vorträge.

Arbeitgeberpräsident Hundt reibt sich schon die Hände. Das Konzept ist angeblich vorgesehen, um "hochwertige Arbeitnehmer" nicht zu verlieren, in Wahrheit, zumindest auf produktiver und teils administrativer Betriebsebene, wird es folgendermaßen aussehen:

Arbeitnehmer ausnehmen wie eine Weihnachtsgans, ihn für Cent-Löhne schuften lassen, dies mit Aussicht auf Armut im Alter, und wenn er dabei traurig wird, ihn für "genetisch vorbelastet chronisch depressiv" oder anderweitig geisteskrank (paranoid, schizophren, borderline, manisch-depressiv) erklären (lassen), natürlich mithilfe des betriebseigenen Arztes, ihn mit Psychopharmaka abfüllen, aber an den Arbeitsbedingungen nichts ändern, ihn in die Klapse schicken, damit er bloß nicht auf die Idee kommt, einen Anwalt einzuschalten, ihn feuern - nächsten einstellen.

Vorsorglich ließ der Bundestag schon mal satte 38 Prozent aller Europäer für geisteskrank erklären:

https://www.elo-forum.org/news-disk...rklaert-38-aller-europaeer-geisteskrank.html?

Na bitte, geht doch. :icon_twisted:

(Wie wir nun mit der Tatsache umgehen sollen, dass Frau von der Leyen im Verlauf des letzten Jahres medienwirksam auftrat und mehrfach erzählte, sie selbst habe einmal "kurz vor einem Burnout" gestanden, weiß ich nicht. Vermutlich ist sie genetisch vorbelastet und stimmt ihre Chemie im Gehirn aufgrund irgendwelcher geisteskranker Vorfahren nicht? Frau von der Leyen, sollten Sie dies hier jemals lesen, möchte ich lediglich erreichen, dass Sie einmal nachfühlen können, was eine solche Aussage beim Empfänger bewirkt: Nämlich das, was sie bezweckt. Sie soll verletzen, diffamieren und beleidigen. Wenn Arbeitgeber beginnen, ihren Krieg gegen Arbeitnehmer mithilfe von Medizinern zu führen, ist ein zweites "Drittes Reich" nicht mehr weit).
 

zalino

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Vielleicht rundet dieser Artikel die Möglichkeit zu verstehen, was da gerade abgeht, ab.

Psychiatrie als „Polizey-Wissenschaft“
Die aktuelle Ausgabe des Nachrichtenmagazins Der Spiegel widmet sich dem Thema: Wahnsinn wird normal. Jörg Blech, bekannt als Verfasser der Bücher Die Krankheitserfinder und Gene sind kein Schicksal, blickt voraus auf die demnächst erscheinende neue und damit fünfte Version des DSM – eine gängige Abkürzung für Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders. Dieses Diagnose-Handbuch existiert seit 1952 und wird von der American Psychiatric Association herausgegeben. Es will und soll weltweit die Kriterien dafür festlegen, wann ein Mensch im psychiatrischen Sinn für gestört zu erklären ist. Der DSM ist so etwas wie diagnostisches Weltgeld. Was der Dollar für die Weltwirtschaft ist – oder sollte man heute besser sagen: war – ist der DSM für die Psychiatrie. Von Götz Eisenberg

Nachdenkseiten: Psychiatrie als

Wohin die Reise geht und was damit angedacht wird, sollte nach der Lektüre dieses Artikels ziemlich klar sein.

Gruß,
Zalino
 
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Ferdinand456

Gast
Ich möchte an dieser Stelle dringend erwähnen: Es gibt ein Urteil, das den Einspruch des Arbeitgebers, sein Angestellter habe eine narzisstische Persönlichkeitsstörung und deswegen aufgrund einer Beleidigung eine Depression entwickelt, in den Wind schießt, und dem Arbeitnehmer 24.000,- Euro Schmerzensgeld zuspricht:

24.000 Euro Schmerzensgeld für Depression nach erlittener Beleidigung - Landesarbeitsgericht Niedersachsen, Urteil vom 12.10.2005, 6 Sa 2132/03

Wem so etwas passiert ist, der hat Probleme, einen Anwalt zu finden, der ihn ohne Ängste und Vorbehalte vertritt, immerhin war der zukünftige Mandant ja einmal in der "Irrenanstalt", und "so jemanden" vertritt man nicht gerne als Anwalt.

Deswegen: Druckt dieses Urteil aus und / oder speichert es auf Festplatte. Es hat Mustergültigkeit, da vom Landesarbeitsgericht gesprochen. Legt es Euren Anwälten vor, damit sie etwas in der Hand haben und ihre Scheu verlieren, ehemals "Geisteskranke" zu vertreten (genau darauf zielen boshafte Arbeitgeber ab).

Ich hänge es als pdf-Datei hier noch an.

Zur weiteren Sensibilisierung der Thematik empfehle ich den Erna Kronshage Gedenkblog. Eine intelligente junge Frau geriet aufgrund von Kriegs- und Traumageschehnissen in ein unheilvolles Fahrwasser, das sie geradewegs in den Tod führte. Heutzutage wäre sie vielleicht Anwältin oder Richterin:

ERNA-K-GEDENKBLOG - NS-Euthanasie-Opfer
 
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