Prozeß vor dem Amtsgericht Senftenberg um Dumpinggehalt: 2,84 Euro Stundenlohn

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BiancaBerlin

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Vollzeit arbeiten, aber zu wenig Gehalt, um davon leben zu können: Vor dem Arbeitsgericht Senftenberg wurde ein Fall von Dumpinglohn verhandelt. Er endete mit einem Vergleich. Die Unternehmer müssen 1.560 Euro bezahlen.

2,84 Euro die Stunde – so wenig hat ein Mann aus Lübbenau bei einer IT-Firma verdient. Jede Woche ging er dafür als Verkäufer fast 15 Stunden arbeiten. Sittenwidrig sei der Lohn, so die Auffassung des Jobcenters Oberspreewald-Lausitz. Am Dienstag mußten sich die beiden Geschäftsführer der IT-Firma aus Lübbenau vor dem Arbeitsgericht in Senftenberg dafür verantworten. [...]

Prozeß um Dumpinggehalt: 2,84 Euro Stundenlohn | Brandenburg - Berliner Zeitung
 

Texter50

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Weil man ihn zwingt?
Das Amt hat wohl spät reagiert? Sind da bald Wahlen?
Weil man ihm erklärt, dass jede Arbeit besser sei als keine - vor allem die netten Gesprächspartner im Vollpfostenfunk? :biggrin:

Das Thema gibts hier schon mal, oder ist das erneut passiert? :icon_kinn:
 

SB Feind

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@ Texter50


Mich könnte keiner dazu zwingen für 2,84 Euro zu arbeiten.

Da können die noch so 10 bis 12 Euro drauflegen das wäre dann schon was anderes.
 

obi68

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Ganz ehrlich:

Ich weiß manchmal nicht, wen ich verachtenswerter finde - denjenigen, der solche Löhne zahlt oder denjenigen, der dafür arbeiten geht?

Und das Jobcenter hat ja auch nichts davon. Der Mann mag sozialversicherungspflichtig beschäftigt sein, aber muß ja "ein wenig" aufstocken.
 

Texter50

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Ich weiß manchmal nicht, wen ich verachtenswerter finde - denjenigen, der solche Löhne zahlt oder denjenigen, der dafür arbeiten geht?
Was, wenn da wer vorher reingeschubst wurde - von einem fleißigen SB? Dann konnte er vielleicht nicht anders? :icon_twisted:
Und das Jobcenter hat ja auch nichts davon. Der Mann mag sozialversicherungspflichtig beschäftigt sein, aber muß ja "ein wenig" aufstocken.
Das JobCenter hat aber vielleicht wieder eine Vermittlung in eine sozialversicherungpflichtigen Stelle geschafft, einen Strich mehr auf seiner Liste.
 

Gartenfreund

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Es muss endlich eine gesetzliche Lohnuntergrenze her!

Sofort 6,- € und dann alle 3 Monate 50 cent mehr bis auf 8,50 €.
 

Texter50

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Es muss endlich eine gesetzliche Lohnuntergrenze her!
Sofort 6,- € und dann alle 3 Monate 50 cent mehr bis auf 8,50 €.
Wer ist nicht für den Mindestlohn von 8,50 Euro? Da kenn ich keinen.
Aber meine Frage: wie wehrt man sich dann gegen die Modelle, in denen Zeitungen zum Beispiel nicht mehr nach Stundenlohn sondern nach Stückpreis verteilt werden? Da fällt der Stundenlohn schnell unter die Grenze.
Das mit der Bezahlung von Stückzahlen gibt es in zahlreichen Bereichen. Da sichert man den Leuten zu, der Stundenlohn beträgt X Euro, da aber die Stückzahl dazu nicht stimmt, gibt es weniger? :icon_twisted:
 

pinguin

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Sofort 6,- € und dann alle 3 Monate 50 cent mehr bis auf 8,50 €.
Was bringt das?

Jedes Einkommen sollte doch direkt an die vorhandene Auftragslage gekoppelt sein? Und dieses freilich von der höchsten Lohngruppe bis zur niedrigsten; der jeweilige Eigentümer ist doch sowieso im Boot? Als vorbildlich betrachte ich hier das geplante oder bereits umgesetzte französische Modell, wonach Managergehälter direkt an die untersten Lohngruppen gekoppelt sind.
 

obi68

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Was, wenn da wer vorher reingeschubst wurde - von einem fleißigen SB? Dann konnte er vielleicht nicht anders? :icon_twisted:

Würde voraussetzen, daß derjenige nicht weiß, daß ein Arbeitsplatz mit sittenwidrigen Löhnen sanktionsfrei abgelehnt werden kann.

Leider durchaus möglich, daß jemand so uninformiert ist.

Andererseits: wie kann man sich selbst so wenig wertschätzen, um für so einen Hungerlohn arbeiten zu gehen?
 

obi68

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Es muss endlich eine gesetzliche Lohnuntergrenze her!

Sofort 6,- € und dann alle 3 Monate 50 cent mehr bis auf 8,50 €.

Sowohl mit 6 als auch mit 8,50 Euro ist kein vernünftiges Leben möglich.

Dann geht man immer noch mehr für den Unternehmer als für sich selbst arbeiten. Und arbeiten, um gerade mal den Lebensunterhalt eben so bestreiten so können, ist ein sehr zweifelhaftes Lebenskonzept.

Dann doch lieber was Kriminelles, so wie die Politiker und Unternehmer auch.
 

biddy

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Sowohl mit 6 als auch mit 8,50 Euro ist kein vernünftiges Leben möglich.
Was heißt "vernünftig"? Auch bei 8,50 € brutto ist ein Single in Vollzeit hier, wo ich wohne (wg. angemesssenen KdU), Alg-II-Aufstocker. Wohngeld würde nicht gezahlt werden; Verdienst zu hoch. Alg II aufstockend schon.
 

Texter50

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Um nicht zu sagen: Auch bei 8,50 € ist ein Single in Vollzeit und angemessenen KdU jedenfalls hier, wo ich wohne, Alg-II-Aufstocker. Wohngeld würde nicht gezahlt werden.
Eine Untergrenze muss es doch geben und vor allem Regelungen, damit nicht ein anderes Modell das wieder aushebelt, wie die Berechnung nach Stückzahl und diese albernen Werkverträge.
Wenn ich so überlege, 1985 habe ich 12.50 DM / Stunde als Spülhilfe gehabt oder fast 12 Euro in der Seifenfabrik. :icon_kotz:
 

obi68

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Was heißt "vernünftig"? Auch bei 8,50 € brutto ist ein Single in Vollzeit hier, wo ich wohne (wg. angemesssenen KdU), Alg-II-Aufstocker. Wohngeld würde nicht gezahlt werden; Verdienst zu hoch. Alg II aufstockend schon.

Was ich unter vernünftig verstehe: daß man bei einer Vollzeitbeschäftigung den Lebensunterhalt ohne Aufstockung locker gewuppt bekommt, etwas zur Seite bringen kann und noch Kapazitäten für das "wirkliche" Leben hat.

Selbstverständlichkeiten halt. Schließlich geht man ja nicht für einen Unternehmer arbeiten, sondern in erster Linie für sich selbst. Und wenn das über einen längeren Zeitraum nicht der Fall ist, sollte sich jeder Mensch die Sinnfrage stellen und sich ausgebeutet vorkommen.
Sollte!

Es mag schon Gegenden geben, in denen das mit 8,50 Euro möglich ist, in den meisten Gegenden wird es jedoch so laufen wie bei dir.

Als Mindestgrenze ist alles unter 10 Euro in meinen Auge zynisch und indiskutabel, ich bin mir aber auch bewußt, daß dieser Betrag utopisch ist und nicht kommen wird.
 

Gartenfreund

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Aber meine Frage: wie wehrt man sich dann gegen die Modelle, in denen Zeitungen zum Beispiel nicht mehr nach Stundenlohn sondern nach Stückpreis verteilt werden? Da fällt der Stundenlohn schnell unter die Grenze.
Das mit der Bezahlung von Stückzahlen gibt es in zahlreichen Bereichen. Da sichert man den Leuten zu, der Stundenlohn beträgt X Euro, da aber die Stückzahl dazu nicht stimmt, gibt es weniger? :icon_twisted:

Da gibt es nur eine Möglichkeit: das bedingungslose Grundeinkommen in existenzsichernder Höhe. Dann kann der AN NEIN sagen zu zu niedrigen Löhnen.
 

SB Feind

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Also Leute die für sowenig Geld arbeiten gehen sind bestimmt diejenigen die sagen Hauptsache Arbeit oder welche die sich aufgegeben haben. :icon_kotz2:

Und die Unternehmer nehmen die natürlich gerne. :mad:
 
K

KAHMANN

Gast
Es muss endlich eine gesetzliche Lohnuntergrenze her!

Sofort 6,- € und dann alle 3 Monate 50 cent mehr bis auf 8,50 €.

Die gibts doch schon. :icon_biggrin:

Bundesagentur verbreitet seit Jahren jeder Lohn unter 3€ ist sittenwidrig, deshalb gibt es ja 1€ Jobs.

LOL

Die Schmarotzer Arbeitgeber leben halt nach dem Grundsatz
"Jeden Morgen steht ein Dummer auf"

Und dann gibt es noch Mitläufer in öffentl. Ämtern die sowas mit systematischer Bedrohung erzwingen.

Bei Praktiker sitzen heute noch Minijobber und keiner fragt wann Frau V.d. Lügen endlich eingebuchtet wird.

Da wurden MIO Steuergeld versenkt.
 
R

Ramblin Man

Gast
Ganz ehrlich:

Ich weiß manchmal nicht, wen ich verachtenswerter finde - denjenigen, der solche Löhne zahlt oder denjenigen, der dafür arbeiten geht?

Und das Jobcenter hat ja auch nichts davon. Der Mann mag sozialversicherungspflichtig beschäftigt sein, aber muß ja "ein wenig" aufstocken.

Ich verachte nicht den Menschen, der für so wenig arbeiten geht, ich verachte aber das, was er da macht.
Den Arbeitgeber , der solche Stellen anbietet, verachte ich aber von vornherein als Menschen.
 
K

KAHMANN

Gast
Ich verachte nicht den Menschen, der für so wenig arbeiten geht, ich verachte aber das, was er da macht.
Den Arbeitgeber , der solche Stellen anbietet, verachte ich aber von vornherein als Menschen.


Die vereinbarten Ziele mit dem Jobcenter sind ein Witz!

- Hilfebedürftigkeit beenden
- soz ver pflicht Beschäftigung aufnehmen

und dann wird rücksichtslos in Minijobs & Sinnlosmassnahmen (unter Sanktionszwang) vermittelt

einfach nur noch lächerlich - Papierwahn
 

Der Ratlose

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Wo genau schmarotz den nun ein Unternehmer wenn er einen Lohn von 3 € ausweist ?

Täuscht er den Betreffenden in dem er ihm durch irgend etwas vorgaukelt das der Lohn höher wäre? Wohl eher nicht.

Er macht ein offenes Angebot das niemand annehmen muß.
Ich weiß das das für viele schwer hier zu verstehen ist, niemand muß so einen Job annehmen.
Dafür haben wir das SGB II und den Regelsatz.

Mir scheint das die meisten hier der Meinung sind das die Leute unmündig sind, und der Staat das mit einem Gesetz ändern müßte.
Das ist eigentlich das größte Armutszeugnis das sich die Leute die den vom Gesetzgeber verordneten Mindestlohn fordern ausstellen können.

Das SGB II ist entstanden weil dem Staat aufgegangen ist das die meisten Leute eben unmündig sind und er ihr Leben regeln und gestalten muß.
Das drücken die Leute ja jetzt auch wieder aus, sie schreien:
"Mache es für uns,regel es für uns, wir sind zu doof, wir haben schlicht keine Lust für höhere Löhne zu kämpfen, mach einfach ein Gesetz."

Das ist das wahre Dilemma mit euch.
 

obi68

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Das SGB II ist entstanden weil dem Staat aufgegangen ist das die meisten Leute eben unmündig sind und er ihr Leben regeln und gestalten muß.

*lol*

Daß viele Menschen nicht willens oder fähig sind, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, da gebe ich dir völlig recht.

Daß der Staat aber irgendwas für diese Menschen macht und nicht in erster Linie für die Unternehmerlobby, ist schon eine sehr eigenwillige Interpretation der Agenda 2010.
 
F

fünfvorzwölf

Gast
Ob der Unternehmer schmarotzt oder nicht mag dahingestellt sein bzw. für mich gesehen eher das er schamlos die Notsituation der Menschen zu seinen Gunsten ausnutzt - das ist das wahre Dilemma.

Er täuscht die Menschen nicht sondern teilt es mit in den Wissen der Gegenüber nimmt spätestens dann an wegen einer vermeintlich Aussichtlosen Situation (Aufstockung fehlender Miete wäre z.Bsp. eine davon) ggf. noch Druck vom Arbeitsamt unter Androhung von Sanktion....

Wer Gewissenslos seine Angestellten nicht bezahlt oder bezahlen kann der soll seine "Fischbude" dicht machen oder Insolvenzverschleppung anzeigen!

Der Unternehmer wird jedoch juristisch kaum haftbar gemacht werden trotz m.E. Vorsatz solange er sich um wenige Cent über den ortsüblichen Lohn befindet.

In den Fall der Genickbruch die Stundenzahl:

"Was die beiden IT-Firmeninhaber offenbar nicht wussten: Sie hätten dem Mann auch nicht weniger als den ortsüblichen Lohn von 6 Euro die Stunde zahlen dürfen. Das heißt, er hätte im Monat nicht mehr als 27,5 Stunden arbeiten dürfen. Tatsächlich wirkte er binnen vier Wochen 58 Stunden."

Das war die Krux - dumm gestellt und ge(ver)rechnet?

"Die beiden Verklagten waren sich bei dem Gütetermin am Dienstag keiner Schuld bewusst. Man werde zum Sündenbock gestempelt, sagte Sven S., der sich selbst als völlig mittellos und „am Ende“ bezeichnete. Er habe sich beim Arbeitgeberservice Lübbenau erkundigt, was gestattet sei. „Eine Vollzeitstelle konnten wir nicht bezahlen, also hat man uns erklärt, dass wir erst einmal jemanden zur Probe einstellen könnten – für 165 Euro im Monat und 14,5 Stunden in der Woche“, erklärte der 50-Jährige. Sein einstiger Geschäftspartner Danny B. versicherte: „Wir haben uns nicht bereichert. Wir haben nichts unrechtes getan.“ Die Firma gibt es seit dem 30. Juni dieses Jahres nicht mehr."

Das ist gefühlte Gerechtigkeit - der Laden ist dicht. :icon_biggrin:
 

obi68

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Asoziale Arschlöcher - da kann es kaum zwei Meinungen geben.
 
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