Probleme mit "irreführendem" Ausbildungszeugnis bei Bewerbungen (1 Betrachter)

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DerChris

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Guten Morgen liebes Forum,

ich bin aktuell im ALG I und II Bezug (Aufstockung) und habe ein Problem mit der AfA und mit meinen Bewerbungen. Das Problem ist im Grund mein Ausbildungszeugnis meines ersten Ausbildungsbetriebes. Ich habe während der Ausbildung den Betrieb gewechselt, da ich in meinem ersten Betrieb so gut wie nichts gelernt habe. Innerhalb von 18 Monaten hat dreimal der Ausbilder gewechselt und am Ende hatten wir mehrere Monate garkeinen, da habe ich mir mit Hilfe der IHK einen neune Betrieb gesucht. Im Prinzip konnte mein erster Betrieb nicht direkt was dafür, es haben innerhalb eines halben Jahres einfach sehr viele Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Gut, man hätte natürlich schauen können, dass das Unternehmen einfach attraktiver ist, dann wären die Leute nicht so leicht gegangen oder man hätte schneller neue gefunden, ich wollte damit nur sagen, dass es keiner dieser Betriebe ala "Azubi ist nur billige Arbeitskraft" war.

Jedenfalls habe ich in meiner Zeit im Betrieb alles und nichts gemacht und daher jedes Thema nur sehr oberflächlich kennen gelernt. Fachwissen wurde gern über irgendwelche Online-Tutorials geschult oder man konnte sich im Internet belesen. Durch eine Abteilungsrotation war ich am Ende aber auch einfach viel in relativ fachfremden Abteilungen wie Sekretariat, Buchhaltung etc. Sprich die Zeit in den relevanten Fachabteilungen war recht kurz und sehr obeflächlich und die Zeit in anderen Abteilungen immer sehr lang.

Nun habe ich von diesem Ausbildungsbetrieb ein Zeugnis bekommen in dem mir attestiert wird, dass ich eine Hand voll fachliche Kenntnisse kennen gelernt habe und auch sehr gut beherrsche. Das Problem ist nun aber, dass das einfach nicht der Fall ist. Ich habe die Themen wie schon gesagt nur sehr obeflächlich kennen gelernt und betrieblich auch fast nicht angewendet. Im Prinzip könnte jeder, der sich ein paar Abende Youtube-Videos zu dem Thema anschaut, das Thema schon besser als ich. Ich hatte das Thema auch bei meinem Ausbildungsbetrieb angesprochen, der beruft sich aber darauf, dass mir ja zu den Themen etwas vermittelt worden sei und auch die viele Zeit in den anderen Abteilungen seine Berechtigung hatte, weil im Ausbildungsrahmenplan ja auch immer viel Wirtschaft mit drin ist (Ich habe eigentlich eien technische Ausbildung, die bei der IHK aber aus irgend einem Grund im kaufmännischen Bereich geführt wird) und ihrer Einschätzung nach, könnte ich die Themen eben sehr gut. Einerseits glaube ich, dass man sich mit dem Zeugnis nach dem Wechsel mit Hilfe der IHK jetzt keine Blöße geben will und nicht angreifbar machen mag und darum eben schreibt, man hätte brav alles vermittelt. Andererseits hat mein Ausbildungsbetrieb mit seiner Argumentation auch nicht ganz unrecht, weshalb ich leider auch nicht einfach sagen kann, das Zeugnis wäre quasi von Grundauf falsch.

Nun hängt mir dieses Zeugnis aber bei meinen Bewerbungen und dem Prozess beim Jobcenter aktuell ganz schön nach. Denn natürlich bekomme ich jetzt Vermittlungsvorschläge und auch Vorstellungsgespräche in Bereichen in denen ich auf dem Papier sehr gute Kenntnisse habe, in Realität aber einfach nicht mal das absolute Minimum weiß, was ein Arbeitgeber erwarten würde. Das JC hält meine Einwände, dass ich in diesen Bereichen keine Kenntnisse habe aber für unbegründet, weil ich habs ja schriftlich und sieht weiterhin meine besten Vermittlungschancen dort. Und so hab ich jetzt ein unangenehmes Bewerbungsgespräch nach dem anderen in dem ich auf die Fragen "haben sie schon man damit gearbeitet" oder " könnten sie dieses und jenes problem lösen" immer nur sagen kann "nein, so tief bin ich leider nicht in dem Thema drin". Ich mache mir da mittlerweile ein bisschen Sorgen, weil ich hier ja regelmäßig lese, dass einem das JC oder auch Arbeitgeber, die Rückmeldung an das JC geben, sowas gerne mal als "Keinen Bock auf die Stelle" auslegen und Richtung Sanktion schielen. Das ganze ist um so ärgerlicher, da ich mich während der Ausbildung Abends hin gesetzt habe um mir selbst Fachkenntnisse anzueignen, die ich auch praktisch gut beherrsche, für die ich nur eben leider kein Zeugnis vorweisen kann und die darum für das JC und auch für die Arbeitgeber erst mal keine Rolle spielen.

Nun mal ganz konkret: Gibt es eine Möglichkeit dem JC miitzuteilen, dass man diese Fähigkeiten trotz Zeugnis tatsächlich einfach nicht hat und die Bewerbungsstrategie und damit auch die Vermittlungsvorschläge einfach in eine andere Richtung gehen sollten?
 

Nena

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Nun mal ganz konkret
Ich würde anders herangehen:
Du hast die Ausbildung abgeschlossen? Dann "kannst" (bzw. kennst) Du auch alles, was die IHK (?) bezüglich dessen erwartet.

Nach der Ausbildung haben alle vieles "mal gesehen". Aber natürlich KANN kein Azubi irgendwas richtig. Woher denn auch? Nur aufgrund Deiner wenigen Wörter habe ich den Eindruck, dass Du Dich unterschätzt. Echt. Denk mal drüber nach, ob Dir das auch in anderen Lebenssituationen so schon passiert ist.

Mit ein paar Abenden Filmchen gucken kannst Du Dich Deiner Ausbildung entsprechend weiterbilden? Warum machst Du das nicht? Und wenn es nur für Deine (Selbst-)Sicherheit ist.
 

franzi

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Ich kann das Problem durchaus verstehen, da ich es in ähnlicher Weise kenne. Ich habe eine schulische Ausbildung absolviert, die mehrere Berufsabschlüsse bzw. Lehrabschlüsse sowie teilweise Ersatz der Lehrzeit inkludiert. In der Tat hatte ich dadurch kaum praktische Erfahrung und auch in der Theorie nur sehr allgemein gefasste Kenntnisse. Das kann man mit dem Besuch einer Berufsschule nicht vergleichen.
In meinem Zeugnis stehen aber all die Abschlüsse, die ich erworben habe, drin.

Ich würde bei Bewerbungen immer ehrlich bleiben. Wenn du nämlich anfängst, etwas geschönt darzustellen und hinterher kannst du das nicht bringen, was du behauptet hast, gibt es Ärger mit dem Arbeitgeber. Nicht alles kann man mit einer "Einarbeitungszeit" abdecken und vertuschen.

Ich würde meine Defizite jedoch nicht schon im Anschreiben erwähnen, sondern erstmal deine Vorzüge und Stärken unterstreichen.
Du könntest aber eventuell im Lebenslauf eine Rubrik "besondere Kenntnisse" einfügen. Dort in Stichworten, was du wirklich kannst.
Auch im Anschreiben würde ich das betonen, wo deine Schwerpunkte liegen, sodass der Arbeitgeber "zwischen den Zeilen" lesen kann, ob du überhaupt für ihn in Frage kämest.

Wenn dann tatsächlich ein Vorstellungsgespräch zustande kommt, und du zu anderen Bereichen gefragt wirst, sagst du einfach ganz sachlich, wie dein Kenntnisstand ist, z. B. Grundkenntnisse im Bereich X, Teilkenntnisse im Bereich Y. Die Bereiche, in denen du dich gar nicht auskennst, würde ich im Gespräch nur dann nennen, wenn du direkt dazu gefragt wirst.
Du kannst dann noch hinzufügen, dass du gerne bereit bist, auf diesen Kenntnissen aufzubauen und dir weitere anzueignen. Du bist lernwillig und leistungsbereit.
Hier könntest du dann erwähnen, dass du dich auch für die Bereiche A, B und C interessierst.

Daraus kann man dir keinen Strick drehen. Und bloß nicht mit negativer Grundstimmung zum Vorstellungsgespräch gehen. Dafür, dass am Anfang deiner Ausbildung Umstände herrschten, die du nicht beeinflussen konntest, kannst du nichts. Du bist ein junger, motivierter Mensch, der ins Berufsleben einsteigen will.
 

vidar

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Moin @DerChris und :welcome:

Ich setze voraus, dass du deine Ausbildung erfolgreich mir einer IHK-Prüfung beendet hast.

Um dir einen erfolgreichen Abschluss gewährleisten zu können hat dein Ex – Ausbildungsbetrieb sich sicherlich auch an die zeitliche und sachliche Gliederung des Ausbildungsplans gehalten. Über die dort aufgeführten theoretischen und praktischen Berufsanforderungen wirst du auch vor der Kammer anschließend geprüft worden sein.

Mit dem Abschluss deiner Ausbildungszeit hast du somit diese Erfordernisse mit einer Abschlussprüfung vor der Kammer erfolgreich bestätigt. Ergo, kann man davon ausgehen, dass dir entsprechende Fähigkeiten auch vermittelt worden sind. Insofern bewerte dich nicht schlechter als du wirklich bist.

Also Kopf hoch, und sei Stolz darauf, dass du deine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und vorweisen kannst. Als Berufseinsteiger wird niemand erwarten, dass hier sofort eine „Eierlegende Wollmichsau“ am Start ist.

Wieso bewirbst du dich überhaupt mit dem Zeugnis des Ausbildungsbetriebs?

Für die Bewerbung dürften für mich in erster Linie das Schul- und Berufsschulabschlusszeugnis und der Gehilfen/Gesellenbrief der Kammer relevant sein, die deine erfolgreichen Abschlüsse bestätigen können.
.
 

DerChris

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Hallo nochmal und erst mal vielen Dank für die vielen, freundlichen und unterstützenden Worte :cheer2:

Zu ein paar Sachen möchte ich aber gern noch etwas sagen.

Um dir einen erfolgreichen Abschluss gewährleisten zu können hat dein Ex – Ausbildungsbetrieb sich sicherlich auch an die zeitliche und sachliche Gliederung des Ausbildungsplans gehalten. Über die dort aufgeführten theoretischen und praktischen Berufsanforderungen wirst du auch vor der Kammer anschließend geprüft worden sein.
Da hast du erst mal vollkommen Recht! Ich sag jetzt aber mal ganz blöd, dass das in der Praxis leider nicht immer gut ist. Ich hatte ja schon gesagt, dass mein Beruf bei der IHK als kaufmännisch eigeordnet ist, obwohl es ein technischer IT-Beruf ist. Dementsprechend hatten wir in der Berufsschule und im Rahmenplan auch sehr viel Betriebswirtschatslehre etc und daneben natürlich noch Fächer und Themen, die einfach vom Schulsystem her abgedeckt werden müssen, wie Sozialkunde, Deutsch, Religion und so weiter. Das heißt es wir auch einfach viel Zeit in der Ausbildung darauf verwendet Inhalte zu haben, mit denen man dann später aber im praktischen Beruf nix anfaken kann bzw. will, weil ich habe als Techniker/ITler nicht die Absicht Kaufmann zu werden und ob ich jetzt 10 Vor- und Nachteile jeder Unternehmensform aufzählen kann und solche Späße interssiert daher meinen zukünftigen Arbeitgeber eher wenig. Das heißt, an den Rahmenplan halten, heißt im Zweifelsfall eben leider auch mehr "Unnützes" bzw. für den Beruf weniger relevantes mitbekommen.

Wieso bewirbst du dich überhaupt mit dem Zeugnis des Ausbildungsbetriebs?

Für die Bewerbung dürften für mich in erster Linie das Schul- und Berufsschulabschlusszeugnis und der Gehilfen/Gesellenbrief der Kammer relevant sein, die deine erfolgreichen Abschlüsse bestätigen können.
Dafür gibt es zwei Gründe:

1. Aus den Stellenbeschreibungen in meinem Gebiet ist sehr klar ersichtlich, dass Firmen nicht primär jemanden mit einem bestimmen Abschluss suchen. Sie suchen primär jemanden der die dort genannten und konkrete Tools und Methoden beherrscht. Der konkrete Abschluss ist da von untergeordneter Bedeutung (mit Außnahme von öffentlichem Dienst etc.) Ich glaube das lässt sich in meinem Bereich ganz gut mit z.B. einem Fremdsprachenkorrespondente oder so vergleichen. Sicher suchen viele Firmen einen Fremdsprachenkorrespondenten, aber wichtiger ist eigentlich, dass die Person für den konkreten Job zum Beispiel Spanisch kann. Da hilft es einfach wenig wenn einer Fremdsprachenkorrespondent ist, aber eben nur Englisch und Französisch kann. Und solche konkreten Kenntnisse, die für den Arbeitgeber aber wichtig sind werden mit dem normalen IHK-Zeugnis aber nicht belegt (oder sind auch garnicht wirklich enthalten siehe oben). Über sowas gibt (leider) nur ein Arbeitszeugnis Auskunft, in dem konkret steht, mit was für Tools man in welchen Projekten schon gearbeitet hat.

2. Mein Schul- und Abschlusszeugnis sind leider nicht so gut. Konkret habe ich eigentlich überall 1er und 2er aber in meiner Fachqualifikation (die wohl die wichtigste ist) hab ich im 2. Berufsschuljahr und auch im Abschlusszeugnis leider eine 5.was leider einfach mies aussieht. Das liegt zum Teil an Defiziten, die ich einfach über die ersten zwei Jahre hatte und die die Berufsschule sogar noch "verschlimmert" hat (Lehrplan wurde zwischen 1. und 2. Lehrjahr geändert und Themen, die sonst Anfang des 2. Jahres behandelt wurden wurden ins 1. Verschoben und wurden dann bei uns einfach vorausgesetzt, ohne sie je behandelt zu haben. Als wir uns beschwert haben hieß es es ginge organisatorisch nicht anders un die Betriebe müssten die Themen eben selbst schulen ausnahmsweise was meinen Betrieb natürlich nicht interessiert hat). Und zum anderen habe ich leider einfach eine ziemlich schwere Prüfung erwischt (laut Statistik die schlechteste der letzten 4 Jahre) bei der Aufgabenstellung und Themen einfach ganz anders waren, als man es aus der Prüfungsvorbereitung gewohnt war und ich und viele andere leider einfach die Aufgaben nicht verstanden haben bzw. ich dann auch einfach irgendwann Panik bekommen habe weil mir in der Prüfung die Zeit davongelaufen ist o_O Das wollte ich ein bisschen durch andere Zeugnisse ausgleichen.
 
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