Praktikum innerhalb einer Maßnahme vermeiden - Folgen?

Heinzelmann

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Hallo liebe Forengemeinde,

ich befinde mich aktuell in einer 6-monatigen Bewerbungsmaßnahme, die das Absolvieren von Praktikas beinhaltet. Gestern hatte eine der Sozialarbeiterinnen die glorreiche Idee, mich in einem Betrieb einzusetzen, der von meinem Wohnort rund drei Kilometer entfernt ist. Das Problem hierbei ist, dass ich an Gicht leide in den Füßen und das tägliche Ablaufen dieser Strecke höchstwahrscheinlich auf Dauer mit starken Schmerzen verbunden ist und ich irgendwann nicht mehr laufen kann erfahrungsgemäß. Es gibt keinerlei Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.

Aus diesem Grunde würde ich das Praktikum gerne ablehnen. Ich hab dem MT meine Bedenken aus gesundheitlicher Sicht mitgeteilt; die Argumente werden aber vonseiten des MT relativiert mit den Worten "man gewöhne sich daran" oder "das Praktikum dauert ja nur zwei Wochen, das halten Sie schon durch". Die Gicht wurde während einer stationären Reha festgestellt, ich habe bis auf ein Blutbild mit erhöhten Harnsäurewerten leider nichts schriftliches und leider auch keine Zeit mehr, mir da was zu holen, da das Praktikum schon Montag anfangen soll.

Meine Frage ist nun: Bin ich dazu verpflichtet, das Praktikum anzutreten? Kann man mir daraus einen Strick drehen? Einen entsprechenden Vertrag habe ich noch nicht geschrieben.
 

Der Auflehnende

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Die Verpflichtung für eine Maßnahme bei potenziellen Arbeitgebern (MAG) muss in der EGV oder dem EVA enthalten sein. Ist eine Verpflichtung hierfür nicht ausdrücklich in der EGV vereinbart oder im EVA festgelegt worden, bist Du i.d.R. nicht verpflichtet eine MAG (Praktikum) zu absolvieren. Ein Praktikum ist keine Arbeit im Sinne des SGB II.

Vergleiche FH der BA zu § 16 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 SGB II i. V. m. § 45 SGB III – Maßnahmen bei einem Arbeitgeber:
https://www.arbeitsagentur.de/web/wcm/idc/groups/public/documents/webdatei/mdaw/mti2/~edisp/l6019022dstbai410209.pdf?_ba.sid=L6019022DSTBAI410212

LSG Nordrhein-Westfalen, 02.05.2008 - L 7 B 321/07 AS ER
Entgegen der Ansicht der Antragsgegnerin hat sich der Antragsteller durch den Abbruch des Praktikums nicht geweigert, eine Arbeit, Ausbildung oder Arbeitsgelegenheit fortzuführen. Denn bei dem unentgeltlichen Praktikum handelt es sich nicht um eine Arbeit, Ausbildung oder Arbeitsgelegenheit im Sinne des § 31 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. c) SGB II.

Unter Berücksichtigung der Wertung des § 10 Abs. 1 und des § 2 Abs. 2 S. 2 SGB II ist "Arbeit" in diesem Sinne jede (lohn-)abhängige Erwerbstätigkeit, die sozialversicherungsrechtlich ein (sozialversicherungspflichtiges) Beschäftigungsverhältnis konstituiert (Rixen in Eicher/Spellbrink, SGB II, 2. Auflage 2008, § 10 Rn. 25). Ein Praktikum, für das kein Entgelt oder Lohn gezahlt wird, erfüllt diese Kriterien nicht.

Quelle: https://openjur.de/u/133740.html
 

Diplomjodler

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Natürlich wird das Jobcenter versuchen dir daraus einen Strick zu drehen, denn hier könnte man ja sanktionieren!

Deine gesundheitlichen Einschränkungen sind ein wichtiger Grund, der dagegen spricht -> dokumentieren lassen vom Arzt und so dann einreichen.
 

qwertz123

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Oder du trittst das Praktikum an und gehst eben dann zum Arzt weil du nicht laufen kannst, sagst das auch dem Arzt so und bist die ganzen 2 Wochen krank.
 

Diplomjodler

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Wenn man's in den Füßen hat, dann sollte man erst gar nicht zum Antritt erscheinen, sondern es gnadenlos durchziehen und fertig!
 
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