Petition gegen Gefährdung des Berufes "Hebammen"

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spin

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In Deutschland droht, dass der Berufsstand der Hebammen ausstirbt. Dies wird im wesentlichen durch nicht mehr zahlbare Berufshaftpflichtversicherungen bewirkt. Dagegen gab es auch schon etliche Aktionen, u. a. von Campact. Wer die BT-Petition mitzeichnen möchte, dann bitte: hier (mitzeichen).
 

Nimschö

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Hmhm, eine Hebamme in meiner Verwandtschaft klassifiziert zwei Probleme beim Hebammenstand:
1. Sowohl bei der Steuer wie auch bei der (Pflicht-)Versicherung werden Hebammen behandelt als würden ihnen die Goldklumpen nur so aus der Tasche fallen.
2. Die typische( es gibt natürlich Ausnahmen) "Junghebamme" ist nach 2 Monaten Tätigkeit vollkommen überfordert und nach weiteren 2 Monaten selber schwanger, bekommt ein Kind und ist meist direkt 2 Monate später wieder schwanger...
 

Nimschö

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So beschrieben von besagter Verwandter, die sich darüber auskotzte, dass sie im Kreissaal gnadenlos unterbesetzt sind, weil 2/3 der angesetzten Stellen dort mit "zur Kundschaft übergelaufenen" Damen besetzt sind, die selbstmurmelnd nicht arbeitsfähig sind, und deren Stellen nicht neu besetzt werden...

Ich kann das nur so wiedergeben. Wenn wer andere Infos hat, immer her damit...

Nebenbei: Meine Hochachtung vor den Hebammen, die den Job durchziehen. Das ist sowohl körperlich als auch psychisch nichts für Zartbesaitete.
 
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So beschrieben von besagter Verwandter, die sich darüber auskotzte, dass sie im Kreissaal gnadenlos unterbesetzt sind, weil 2/3 der angesetzten Stellen dort mit "zur Kundschaft übergelaufenen" Damen besetzt sind, die selbstmurmelnd nicht arbeitsfähig sind, und deren Stellen nicht neu besetzt werden...

Nun, das ist hier nicht das Thema. Es steht ohnedies zu befürchten, daß die oder der Fredstarter(in) das Problem selbst nicht richtig erfaßt hat. Es gibt in Deutschland Hebammen, die in einem Krankenhaus angestellt sind - Deine Verwandte zum Beispiel. Sollte denen ein Fehler unterlaufen, dann haftet dafür das Krankenhaus bzw. dessen Haftpflichtversicherung.

Außerdem gibt es in Deutschland freiberufliche Hebammen. Die müssen selbst eine Haftpflichtversicherung abschließen. Kostet dem Vernehmen nach so um die 5.000 Euro im Jahr. Und der letzte verbliebene Versicherer, der diese Policen anbietet (die Nürnberger), will sich im nächsten Jahr von diesem Geschäftssegment zurückziehen. Ohne Haftpflichtversicherung gibt es im Gesundheitsbereich - und das bitteschön völlig zu Recht - keine Selbständigkeit.

Kommen wir also zurück zum Thema. Entgegen der Behauptung der / des Fredstarterin soll der Beruf der Hebamme mitnichten abgeschafft werden. Es ist auch nicht so, daß bundesweit an sämtlichen Krankenhäusern die Geburtsabteilungen geschlossen würden. Zumindest noch nicht, denn die Privatisierung der Krankenhäuser wurde in den letzten Jahren zum Lieblingsspiel der Kommunalpolitiker. Und in der Folge haben diese Krankenhäuser einen Betreiber, der nur rentable Abteilungen behalten will. In der Beziehung ist die Geburtshilfe nun nicht gerade die Perle im Portfolio, was Deine Verwandte offenbar ganz deutlich zu spüren bekommt.

Die Frage ist jetzt nur, was eine Petition gegen die Entscheidung dieser Versicherungsgesellschaft bewegen soll. Der Gesetzgeber wird mitnichten ein Gesetz beschließen, welches die Haftpflichtversicherer zwingt, selbständigen Hebammen Policen zu akzeptablen Konditionen anzubieten. Er müßte allerdings dafür Sorge tragen, daß ein Krankenhausbetreiber (egal ob kommunal oder privat) die Grundversorgung der Bevölkerung in seinem Einzugsbereich sicherstellt. Und da gehört die Geburtshilfe mit dazu. Schließt man nicht aus bloßer Profitgier eine Geburtenstation nach der anderen, dann hat der Berufsstand der Hebammen wieder eine Zukunft.

Bis dahin sollten sich die Frauen eine Schwangerschaft auch nach dem Gesichtspunkt überlegen, ob sie wenigstens bei der Niederkunft noch mit fachlich adäquater Hilfe rechnen können oder ob da wie im Mittelalter die werdende Großmutter ran muß.
 

Nimschö

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Jau, P123, das ist mir schon klar.
Meine Verwandte hat das Doppelte Lottchen in der Hinsicht: Sie ist in einem KH TZ angestellt UND macht noch freiberuflich Vor- und Nachsorgen.

Du sprichst aber schon den kritischen Punkt an: Direkten, konkreten Einfluß auf diese Versicherungshansel hat Pabba Staat nicht. Nichtsdestotrotz kann es helfen, wenn der zumindest mal "freundlich" ansagt", dass die derzeitigen Versicherungsmodalitäten "fürn Popo" sind. Jeder Support hilft...
 

hartz5

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wenn Frau/Familie die ENTSCHEIDUNG trifft, eine Hausgeburt zu wollen, dann sollte es eine Versicherung geben, die die werdenden Eltern abschliessen müssen, die die Risiken dieser persönlichen Entscheidung abdeckt.
 
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Eigentlich hat man schon lange gemerkt, wie wichtig Hebammen sind:

In D darf kein Arzt ohne Hebamme eine Geburt durchführen (außer Notfall), umgekehrt eine Hebamme ohne Arzt aber schon.

Nur honoriert man das ihnen nicht, wie man sehen kann.
 

spin

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In Deutschland droht, dass der Berufsstand der Hebammen ausstirbt. Dies wird im wesentlichen durch nicht mehr zahlbare Berufshaftpflichtversicherungen bewirkt. Dagegen gab es auch schon etliche Aktionen, u. a. von Campact. Wer die BT-Petition mitzeichnen möchte, dann bitte: hier (mitzeichen).
Mein lieber P123, ich hatte geschrieben, dass das Aussterben des (freiberuflichen) Berufsstandes droht. Ich hatte nicht geschrieben, dass er abgeschafft werden soll! Aber by the way, durch Nichthandeln der Regierung werden freiberufliche Hebammen angesichts des Versicherungsdesasters tatsächlich möglicherweise vorsätzlich abgeschafft. Denn "alle Macht den Konzernen" steht immer hinter dem Regierungshandeln.
 
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Mein lieber P123, ich hatte geschrieben, dass das Aussterben des (freiberuflichen) Berufsstandes droht.

Lies mal Deine Überschrift: "Gefährdung des Berufes "Hebammen". Und im Eingangsbeitrag differenzierst Du mitnichten zwischen Angestellten und Freiberuflern. Auch wenn Du damit Recht hast, daß der Berufsstand insgesamt gefährdet ist, so kann man die beiden "Spezies" nicht einfach in einen Topf hauen und umrühren. Denn die Probleme sind je nach Beschäftigungsverhältnis grundverschieden: Die angestellte Hebamme braucht keine Berufshaftpflichtversicherung. Dafür wird sie arbeitslos, wenn die Geburtenzahl im Einzugsgebiet nicht mehr paßt und die Station zugemacht wird. Und die freiberufliche Hebamme hat durchaus nicht nur das Problem, jetzt die Versicherung kaum noch zahlen zu können und nächstes Jahr gar keine mehr zu haben.

Aber by the way, durch Nichthandeln der Regierung ...

Was für ein Unsinn. Die Zeiten, da die Regierung jedem im Staate nahezu alles vorgeschrieben hat, sind seit fünfundzwanzig Jahren vorbei. Wo der Staat allen und jedem Vorschriften macht, ist kein Platz für Freiberufler. Abgesehen von ein paar Rechtsanwälten war die gesamte Intelligenz in der DDR angestellt. Anders läßt sich das mit dem konsequenten Reinquatschen nämlich nicht umsetzen.
 
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... Nichtsdestotrotz kann es helfen, wenn der zumindest mal "freundlich" ansagt", dass die derzeitigen Versicherungsmodalitäten "fürn Popo" sind. Jeder Support hilft ...

I wo. Wenn hierzulande einer jemandem sagt, wo's lang geht, dann die Bänker und Versicherungshanseln den Politikern und nicht umgekehrt. Schau Dir nur mal die Renditen und Bedingungen der Dinger an, die abzuschließen Vater Staat mit Steuergroschen versüßt hat. Falls Du mal was suchst, was "fürn Popo" ist ...
 
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Gast
In D darf kein Arzt ohne Hebamme eine Geburt durchführen (außer Notfall), umgekehrt eine Hebamme ohne Arzt aber schon.

Du meinst, die Facharztbezeichnung "Gynäkologie und Geburtshilfe" ist eine arglistige Täuschung? Wenigstens früher waren das nach dem Studium und dem AiP noch mal fünf Jahre obendrauf.

Leute, so leid mir das tut, aber das mit der Petition funktioniert in einer Marktwirtschaft nicht (und in einer Planwirtschaft gleich gar nicht).
Wir haben einen europäischen Binnenmarkt und die "Nürnberger" ist nicht die Staatliche Versicherung der Deutschen Demokratischen Republik in Europa. Wenn die deutschen meinen, das Geschäft nicht mehr machen zu wollen, dann wird man sich nach anderen Gesellschaften umsehen müssen. Zu verschenken haben die aber auch nichts.
 

spin

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Was für ein Unsinn. Die Zeiten, da die Regierung jedem im Staate nahezu alles vorgeschrieben hat, sind seit fünfundzwanzig Jahren vorbei. Wo der Staat allen und jedem Vorschriften macht, ist kein Platz für Freiberufler. Abgesehen von ein paar Rechtsanwälten war die gesamte Intelligenz in der DDR angestellt. Anders läßt sich das mit dem konsequenten Reinquatschen nämlich nicht umsetzen.
Was für ein Unsinn. In dieser Welt wird alles Großkonzernen in den Hintern geschoben und werden sowieso große zentralistische Strukturen gefördert (vergl. bsp. Untätigkeit des Staates bei der extremen Verarmung der Kommunen). Für Freiberufler ist kein Platz, da freie Menschen unerwünscht sind. DDR? Das hier wird schlimmer. Übertünch mit der Hetze gegen die DDR nicht die aktuelle Realität - sagt ein alter Wessi.
 
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Was für ein Unsinn. In dieser Welt wird alles Großkonzernen in den Hintern geschoben ...

Du sagst es. Deshalb ist es eine Träumerei zu glauben, daß die Politiker ausgerechnet wegen der Hebammen in die Hände beißen sollten, die sie so gut füttern.

Übertünch mit der Hetze gegen die DDR nicht die aktuelle Realität - sagt ein alter Wessi.

Du hast es immer noch nicht verstanden. Daß in der DDR (bis auf sehr wenige Ausnahmen) alle Angehörigen therapeutischer Berufe Angestellte des staatlichen Gesundheitswesens bzw. der SDAG Wismut waren, ist eine Tatsache und hat mit Hetze nichts zu tun. Es gab in der DDR auch nur eine Versicherungsgesellschaft, die staatliche. Und in den staatlichen Strukturen machte man damals eben, was von der Regierung bestimmt wurde.

Hier tanzen selbst die Vorstände hundertprozentiger Staatsbetriebe dem Parlament und der Regierung auf der Nase herum. Weshalb sollte sich dann irgendeine private Versicherungsgesellschaft Vorschriften machen lassen, welche Risiken sie versichern soll?
 
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Und hier

https://www.landtag.ltsh.de/oepetition/petitionsdetails?execution=e5s1

kann man eine Petition unterzeichnen, die den Schleswig-Holsteinischen Landtag auffordert, sich auch nicht von einem Klinikkonzern auf der Nase herumtanzen zu lassen.

Diese Petition hat gegenüber der obigen zum einen den Charme, daß der Adressat in der Sache tatsächlich tätig werden könnte, wenn er denn wollte. Und zum anderen wäre es ein dringender Hinweis an die übrigen Platzhirsche, entweder den sogenannten "Versorgungsauftrag" wirklich ernst zu nehmen oder die Finger von den kommunalen Kliniken zu lassen.

18.03.2014
Geburtshilfe auf Sylt


Wir, die Petenten, fordern den Schleswig-Holsteinischen Landtag auf:

1. Der Asklepios Nordseeklinik auf Sylt den Versorgungsauftrag für die Grund- und Regelversorgung auf Sylt zu kündigen,
2. die Landesregierung zu bitten, gemeinsam mit dem Kreis Nordfriesland und den Sylter Inselgemeinden die Nordseeklinik dem Asklepios-Konzern abzukaufen und
3. den Versorgungsauftrag in die Hand der Klinikum Nordfriesland gGmbH oder einem vergleichbaren öffentlichen Träger zu legen.

Des Weiteren fordern wir den Schleswig-Holsteinischen Landtag dazu auf, ein Konzept für eine Regelversorgung auf Sylt inklusive einer Geburtsstation in der Nordseeklinik erstellen zu lassen.


Begründung:

Die Asklepios Nordseeklinik hat die Abteilung der Geburtshilfe Anfang 2014 geschlossen, sodass Schwangere nur noch auf dem Festland medizinische Unterstützung erhalten können. Die Klinik hat aber einen unbefristeten, verpflichtenden Versorgungsauftrag für die Geburtshilfe auf Sylt und kommt somit ihrem gesetzlichen Versorgungsauftrag nicht nach. Die Art ihrer Argumentation legt nahe, dass es der Asklepios Nordseeklinik niemals um qualitative, sondern um wirtschaftliche Bedenken ging, als sie sich dem Versorgungsauftrag des Landes widersetze. Durch sein intransparentes und unkooperatives Verhalten bei der Suche nach einer Lösung für die Geburtshilfe auf Sylt hat der Asklepios-Konzern das Vertrauen der Sylter verloren.

Auch bei geringer Geburtenzahl kann die Qualität der Geburtshilfe gewährleistet werden. Kliniken mit niedrigerer Auslastung sind in der Lage, besser auf die einzelnen Patienten einzugehen. Der Inselklinik Föhr / Amrum zum Beispiel ist es sehr wohl möglich, Geburtshilfe auch bei Fallzahlen um die 50 Geburten im Jahr anzubieten. Das sind jährlich 30-40 Geburten weniger als auf Sylt. Das Fehlen einer Geburtsstation auf Sylt und der Transport einer Schwangeren mit Blasensprung und/oder einsetzenden Wehen hingegen gefährdet das Leben von Müttern und Kindern.

Eltern haben ein Recht auf freie Wahl des Geburtsortes. Das Fehlen einer Geburtsstation auf Sylt erschwert es den Anwohnern, dieses Recht in Anspruch zu nehmen. Viele gebürtige Sylter sind seit Generationen auf der Insel verwurzelt, haben eine eigene Sprache (Sölring), Kultur und Geschichte. In diesem Sinne sind sie als nationale Minderheit anzuerkennen. Das Bevölkerungsverhältnis in von Angehörigen nationaler Minderheiten bewohnten Gebieten darf nicht verändert werden. Sorgt das Land Schleswig-Holstein nicht für die Möglichkeit der stationären Geburt auf Sylt, wird sich dies auf das Bevölkerungsverhältnis der Sylter negativ auswirken.
 
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