Oscar L. Alle Verfassungsfeinde (1 Betrachter)

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wolliohne

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Was spricht denn gegen das Konjunkturpaket, das die Regierung am Montag geschnürt hat?

Es kommt zu spät, es ist kleines Karo, es verschärft die soziale Schieflage. Die Hälfte der Bevölkerung, die keine Lohnsteuer zahlt, hat bis auf Almosen gar nichts davon. Wenn jetzt aus SPD und Union gefordert wird, dass die Rentnerinnen und Rentner für die Milliarden-Schecks gerade stehen sollen, die die Bundesregierung ausstellt, zeigt das nur, dass die Umverteilung von unten nach oben in verschärfter Form weitergehen soll. Das ist ein Skandal. Die Bundesregierung hat das Wesen der Krise nicht verstanden und macht Beschäftigte, Rentner und Arbeitslose zu Verlierern der Krise.



Interview mit Oskar Lafontaine: "Jetzt sind alle Verfassungsfeinde" | Frankfurter Rundschau - Top-News
 

Dora

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Auweia!! Da bin ich seit meinem Abi Verfassungsfeind und hab das nicht einmal gewusst!:icon_pfeiff:

Unser Mathelehrer auch! Der hat sich immer Aufgaben mit Zins- und Zinseszinsrechnungen, wechselnder, durchschnittlicher Rendite, usw, usw. ausgedacht und wir mussten dann ausrechnen, in wieviel Jahrzehnten die künstliche Geldmenge x-mal größer ist als die Werte-gedeckte Geldmenge. Dann hat er uns immer erklärt, in welchen Zyklen das System zusammenbricht bzw. die Blase platzt!

Naja, in Bayern hieß es damals nicht Verfassungsfeind, sondern Symphatisant. Das waren auch fast alle, die nicht in der CSU waren. :icon_smile:

Immerhin: Nach dem Hinweis eine Erhöhung des Regelsatzes durchbreche nicht die Hartz-IV-Logik räumt O. L. ein, dass dazu die Zumutbarkeitregelungen weg müssten.

Und O. L. versucht nichts schön zu reden an den Verhältnissen in Hessen, so wie viele der Parteifunktionäre dort. Ist doch schon mal was. Wenngleich es nicht so sehr um den Kurs geht, wie er meint, sondern mehr um den internen Zustand der Partei geht, das Miteinander und Strukturen.
.
 

Dora

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Man kann Artikel auch absichtlich falsch verstehen.
Da hast du vollkomen recht!

Albern finde ich es, O. L. und der Partei Die LINKE zu unterstellen, sie seien verfassungsfeindlich, weil sie die Systemfrage stellen oder mal gestellt haben. Das haben übrigens auch schon andere getan und tun es immer noch. Und machen darüber hinaus Vorschläge zu Änderungen (z. B. attac, Wirtschaftswissenschaftler, usw.) Und Oskar amüsiert sich - so meine Wahrnehmung - angesichts der Reaktionen auf die Systemkrise völilig zu recht darüber und sagt: "Jetzt sind plötzlich alle Verfassungsfeinde."
Finde ich gut! :icon_daumen:

Müsste nicht gerade die Linke zurzeit viel offensiver die Systemfrage stellen?

Wir sind die Einzigen, die die Systemfrage schon vor der Krise gestellt haben. Da hieß es, das sei verfassungsfeindlich. Jetzt sind plötzlich alle Verfassungsfeinde.

Zitat aus: FR-online
 

Jenie

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tja wo er recht hat hat er nunmal recht. Und Verfassungsfeind bin ich wenn ich mit dem was uns als Verfassung gegeben wird nicht einverstanden bin. Ich bin auch gegen die EU verfassung also...
 

Volker

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tja wo er recht hat hat er nunmal recht. Und Verfassungsfeind bin ich wenn ich mit dem was uns als Verfassung gegeben wird nicht einverstanden bin. Ich bin auch gegen die EU verfassung also...
Die EU Verfassung gibt es gar nicht. Es ist nur noch ein Vertrag.
Volker
 

HajoDF

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Mal etwas zum richtigen Lesen und zur Interpretation von Texten
am Beispiel:

Müsste nicht gerade die Linke zurzeit viel offensiver die Systemfrage stellen?

Wir sind die Einzigen, die die Systemfrage schon vor der Krise gestellt haben. Da hieß es, das sei verfassungsfeindlich. Jetzt sind plötzlich alle Verfassungsfeinde.
Damit ist eindeutig gemeint, dass die politischen Gegner der LINKEN (SPD, CDU FDP) vor der Krise die Systemfrage und damit die LINKE als verfassungsfeindlich bezeichnet haben.
Jetzt fordern diese politischen Gruppen aber das Gleiche und vor allem handeln sie danach und sind ihren eigenen Worten zu Folge nun auch Verfassungsfeinde.
 

Dora

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Mal etwas zum richtigen Lesen und zur Interpretation von Texten
am Beispiel:



Damit ist eindeutig gemeint, dass die politischen Gegner der LINKEN (SPD, CDU FDP) vor der Krise die Systemfrage und damit die LINKE als verfassungsfeindlich bezeichnet haben.
Jetzt fordern diese politischen Gruppen aber das Gleiche und vor allem handeln sie danach und sind ihren eigenen Worten zu Folge nun auch Verfassungsfeinde.
Genauso seh ich das auch.
.
 

Dora

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Die EU Verfassung gibt es gar nicht. Es ist nur noch ein Vertrag.
Volker
Hallo Volker,

da muss ich dir widersprechen. Die älteste Verfassung eines europäischen Landes (Polen) ist ein Vertrag. Erklär doch mal den Unterschied zwischen Vertrag und Verfassung. Ob einVertrag den Rang einer Verfassung hat, hängt doch z. B davon ab, wer die Vertragspartner sind und auf was sich der Inhalt des Vertrages bezieht, welchen Geltungsbereich und welche Wirkung der Vertrag entfaltet.

Dora
.
 

a f a

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Müsste nicht gerade die Linke zurzeit viel offensiver die Systemfrage stellen?

Wir sind die Einzigen, die die Systemfrage schon vor der Krise gestellt haben. Da hieß es, das sei verfassungsfeindlich. Jetzt sind plötzlich alle Verfassungsfeinde.
Diese Umdefinierungen von Begrifflichkeiten gehen mir ja fast zu schnell, bisher war doch die Systemfrage, die Hinterfragung des kapitalistischen Gesellschaftssystems.

Jetzt, so scheint es, ist gezähmter (keynesianischer) oder entfesselter (neoliberaler) Kapitalismus die Systemfrage.

Damit mich auch niemand falsch versteht, sicher ist der gezähmte dem entfesselten Kapitalismus vorzuziehen, aber "die Systemfrage" ist es eben nicht.

Gruß
Norbert

Her mit dem schönen Leben
 

Dora

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Diese Umdefinierungen von Begrifflichkeiten gehen mir ja fast zu schnell, bisher war doch die Systemfrage, die Hinterfragung des kapitalistischen Gesellschaftssystems.

Jetzt, so scheint es, ist gezähmter (keynesianischer) oder entfesselter (neoliberaler) Kapitalismus die Systemfrage.

Damit mich auch niemand falsch versteht, sicher ist der gezähmte dem entfesselten Kapitalismus vorzuziehen, aber "die Systemfrage" ist es eben nicht.

Gruß
Norbert

Her mit dem schönen Leben
Da sprichst du etwas Grundlegendes und sehr Wichtiges an. Und es zeigt, dass man genau hinhören bzw. lesen muss, was gesagt und geschrieben wird und was unter den Begrifflichkeiten verstanden wird. (Siehe auch bei EU- "Verfassung" und "Vertrag") Ohne exakte Definition der Begriffe kann es eigentlich nur zu Mißverständnissen kommen.

Für mich ist die DiLi dabei, die, durch die dem kaptalistischen Gesellschaftsystem imanente Krise, eingetretene historische Chance der Systemfrage im Sinne von z. B "Kapitalismus oder eben ein anderes Gesellschaftssystem" zu verschnarchen, weil es ihr meiner Meinung nach nur um "gedrosselten" Kapitalismus geht und das kapitalistische Wirtschafts-Finanzsystem nicht grundlegend von ihr in Frage gestellt wird.
Gysi sagte auf einer Wahlveranstaltung: "... das Rettungspaket über 480 Mrd. zugunsten der Banken sei zwar grundsätzlich in Ordnung" , kritisierte aber die mangelnde Beteiligung des Staates an den Banken im verhältnis zur geleisteten Finanzspritze.
Persönlich finde ich das Rettungspaket nicht in Ordnung und schon gar nicht grundsätzlich!
Siehst du da deine Feststellung bestätigt, dass die Systemfrage nicht mehr gestellt wird bzw. die Begrifflichkeiten verändert wurden?

Aber innerhalb der Terminologie der Parteien werden keynesianischer und "neoliberaler" Kapitalismus inzwischen offensichtlich als unterschiedliche Systeme gehandelt.

Bezeichnend fand ich schon immer, dass gleich der Vorwurf der Verfassungsfeindlchkeit erhoben wurde, was ja völlig überzogen ist und für mich nicht nachvollziehbar ist.
.
 
E

ExitUser

Gast
Lafontaine spricht vielen von uns aus der Seele.

Aber dieses hin und her seiner Partei muss gestoppt werden. Das macht ihn nur unglaubwürdig.

Wie das mit dem Hartz Kern. Das der beibehalten werden soll.

Aber ich denke man sollte die Linke wählen. Schon aus Protest. Den "Volksparteien" CDU und SPD mal endlich zeigen wer die größere Macht hat.

Nämlich das Volk
 
B

B. Trueger

Gast
Aber ich denke man sollte die Linke wählen. Schon aus Protest.
Sehe ich nicht ganz so. Da kann ich doch besser die Piraten oder Violetten oder was weiß ich aus Protest wählen.

Die Linke scheidet für mich persönlich jedenfalls aus. Aber das kann ja jeder handhaben, wie er/sie möchte. Vor allem nervt dieses ewige Gewese um die Linke. Ist das hier schon ein Parteienforum?
 

a f a

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Siehst du da deine Feststellung bestätigt, dass die Systemfrage nicht mehr gestellt wird bzw. die Begrifflichkeiten verändert wurden? Knappe Antwort, Ja

Aber innerhalb der Terminologie der Parteien werden keynesianischer und "neoliberaler" Kapitalismus inzwischen offensichtlich als unterschiedliche Systeme gehandelt. Ja, soweit ist es schon, soll man da nun lachen oder weinen ?:icon_hihi:
Nebenbei, normalerweise achtet gerade Oskar Lafontaine, sehr genau auf die exakten Begrifflichkeiten:

Interview mit dem Linken-Chef: Sind Sie etwa ein Liberaler, Herr Lafontaine? - Nachrichten Politik - WELT ONLINE

Bezeichnend fand ich schon immer, dass gleich der Vorwurf der Verfassungsfeindlchkeit erhoben wurde, was ja völlig überzogen ist und für mich nicht nachvollziehbar ist.dito
Gruß
Norbert

"Die Menschen waren in der Politik stets die einfältigen Opfer von Betrug und Selbstbetrug, und sie werden es immer sein, solange sie nicht lernen, hinter allen möglichen moralischen, religiösen, politischen und sozialen Phrasen, Erklärungen und Versprechungen die Interessen dieser oder jener Klassen zu suchen."Lenin
 

Dora

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Gruß
Norbert

"Die Menschen waren in der Politik stets die einfältigen Opfer von Betrug und Selbstbetrug, und sie werden es immer sein, solange sie nicht lernen, hinter allen möglichen moralischen, religiösen, politischen und sozialen Phrasen, Erklärungen und Versprechungen die Interessen dieser oder jener Klassen zu suchen."Lenin
Hallo Norbert,

Danke für den Link. Das Interview kannte ich nicht. Ist ja hoch interessant! Die von dir angesprochene Stelle, das ganze Interview lässt keine Zweifel:
WELT ONLINE: Interessant: Wir finden keine gemeinsame Sprache.

Lafontaine: Sie müssen die Begriffe klären, sonst reden wir munter aneinander vorbei.
...
Quelle: Welt-online
Zu deiner Frage: Wenn schon, dann lieber lachen. Aber es zeigt, dass die Bedeutung von Parteien und Wahlen völlig überschätzt wird.

Noch was aus dem Interview, was Oskar zur Partei gesagt hat und auch hier schon zu Diskussionen führte:
Lafontaine: "Wir wollen mehr Demokratie wagen. Richtungsentscheidungen müssen bei der Linken von den Mitgliedern getroffen werden. Das ist eine deutliche Absage an eine Bevormundung durch Vorstände oder Parteitage."
Da ist wohl noch ein weiter Weg hin!
Von Lenin kenne ich nicht viel, aber das Zitat trifft den "Nagel auf den Kopf"!

Gruß
Dora
 
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