Organspende-Stiftung fordert neue Gesetze

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Gast
In Frankreich sollen die Regeln für Organspender geändert werden: Schon wenn ein Mensch einen Herzstillstand erleidet, sollen Ärzte zugreifen dürfen. Doch an dem Verfahren gibt es Zweifel - nachdem ein vermeintlich Toter auf dem OP-Tisch wieder aufwachte.

Die Grenze zwischen Leben und Tod verläuft von Land zu Land unterschiedlich. In Frankreich sogar von Klinik zu Klinik: In neun Krankenhäusern beginnt der Tod zurzeit früher als im Rest der Republik. Das zeigt ein Fall eines Mannes in Paris, der nach einem Herzstillstand für tot erklärt wurde und dem die Organe entnommen werden sollten. Die Chirurgen hatten nicht sofort Zeit, sich um den vermeintlich Toten zu kümmern. Das war sein Glück: Denn kurz vor der Organentnahme fing sein Herz wieder an zu schlagen.

Umstrittene Spenderauswahl: Schon Herzstillstand reicht Ärzten für Organentnahme - Wissenschaft - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten
 

MrsNorris

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Habe seit ich 16 bin, einen Organspendeausweis. Hadere aber mit mir, weil ich mich frage, WO ggf. meine noch nutzbaren Organe landen. sicherlich bei jemandem, der Kohle hat und/oder privat versichert ist. :icon_eek:
 

Hetman

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Viele Menschen haben allerdings noch immer Angst davor, dass ihnen Organe entnommen werden könnten, weil sie fälschlicherweise für tot erklärt werden. Tatsächlich hat sich im vergangenen Jahr ein dramatischer Fall in einer französischen Klinik abgespielt: Damals begann das Herz eines Mannes plötzlich wieder zu schlagen, obwohl dieser bereits für tot erklärt worden war. In der Klinik durften zu jener Zeit im Rahmen eines Experiments Organe schon nach einem Herzstillstand und nicht erst nach dem Hirntod entnommen werden.
Ähnliches könnte sich in Deutschland allerdings nicht abspielen, beruhigten damals Experten: "Ein Herz- und Kreislaufstillstand von zehn Minuten ist kein sicheres Äquivalent zum Hirntod", sagte Hans-Jörg Freese von der Bundesärztekammer im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Das hat die Ärztekammer schon vor zehn Jahren festgelegt, und das gilt2
es sei denn, einer der oberen 10000 benötigt dringend einige ersatzteile - schließlich kann man ja ein solch wertvolles mitglied der gesellschaft nicht einfach sterben lassen - da wird die staatsanwaltschaft oder der richter sicher verständnis aufbringen...
 

M.aus.B

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Sog. Bio-Ethiker diskutieren darrüber schon lange. Ein besonders perverses Zitat: "«Nach unserer Auffassung scheint es ganz natürlich zu sagen, daß die Organe lebendiger Personen lebenswichtige Gesundheitsressourcen sind, die, wie alle andern lebenswichtigen Ressourcen, gerecht verteilt werden müssen. Wir könnten uns daher gezwungen sehen, darauf zu bestehen, daß alte Menschen getötet werden, damit ihre Organe an jüngere, kritisch kranke Personen umverteilt werden können. [...] Schließlich benutzen die alten Menschen lebenswichtige Ressourcen auf Kosten von bedürftigen jüngeren Menschen.»"
gefunden bei:
https://bioethik.tripod.com/albonic0.pdf dort mit weiteren Quellen

Irgendwann wird sich die selbsternannte Oberschicht schon das nehmen was sie brauchen. Da gabs schon paar SF- Filme, die ich in dieser Richtung schon gar nicht für unreal halte. Und wenns keine Organe sind, dann halt der Rest (Soylent Green). Perverser gehts nimmer !
 
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dr.byrd

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Ein weiterer Priester führte mit der scharfen Obsidianklinge des Opfermessers bei dem vermutlich betäubten Opfer einen schnellen Längsschnitt über die Brust durch und durchtrennte damit das Brustbein und die Rippen.
Anschließend wurde dem noch lebenden Opfer sofort mit einem Ruck das pulsierende Herz, das man bei Gefangenen "Adlerfrucht" oder "Edelstein" nannte, herausgerissen.

Weiterlesen auf: Wikipedia :eek:
 

Hexe45

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Kann man hier eigentlich auch seriös über so etwas diskutieren.
Ich wär auch dafür, daß der der nicht spenden will widersprechen sollte und gut ist.

Wenn du schon mal so ein Drama mitgemacht hast, wenn jemand eine Leber braucht und du bekommst einfach keine, denkste ganz anders drüber.

Und was mich noch mehr ärgert, am lautesten schrein dann die nach einem Spenderorgan, die zuvor keinen Ausweis hatten.

Ein Link nach dem anderen über irgendwelche Bioethik Typen, aber kein einziger über das Leid der Empfänger.

Fakt ist- es sterben viele Menschen weil es nicht genug Spenderorgane gibt.

Nein aber lieber, in das Horn der Verschörungstheoretiker pusten.

Sich über die Vorurteile über HartzIV Empfäner beschweren, aber selbst die gleichen Vorurteile schüren.

Es geht hier weder um den Handel noch sonst was, es geht darum das es zu wenig Spenderorgane gibt und das müßte eigentlich nicht sein.

LG
Hexe
 
E

ExitUser

Gast
Wenn du schon mal so ein Drama mitgemacht hast, wenn jemand eine Leber braucht und du bekommst einfach keine, denkste ganz anders drüber.
Ein Link nach dem anderen über irgendwelche Bioethik Typen, aber kein einziger über das Leid der Empfänger.
Mein verstorbener Mann war Empfänger einer Lebensspende. Ihm wurde vieles erzählt, was sich nach der Transplantation ändern würde, doch nie die Wahrheit. Das Grauen und das Entsetzen, welches er 13 Monate durchleiden musste, bis er endlich erlöst wurde, vermag ich kaum in Worte zu fassen.
Mein Mann erzählte mir kurz vor seinem Tod, hätte er gewusst, was ihn alles erwarten würde, er hätte der Transplantation niemals zugestimmt, sondern mit den Medikamenten weitergemacht, bis nichts mehr gegangen wäre.
Ich habe meinen Organspendeausweis zurückgegeben, nachdem ich in der Nacht, als mein Mann im Sterben lag, von den Ärzten bekniet wurde, doch das immer noch starke Herz meines Mannes zur Entnahme freizugeben.
Ich lehnte ab. Mein Mann konnte kein Leben in Würde mehr leben, da sollte er doch zumindest in Würde sterben. Der langsame Prozess des Sterbens sollte durch keine ärztliche Handlung unterbrochen werden. Er sollte in Frieden gehen, und er ist mit Unterstützung eines sehr verständnisvollen Intensivmediziners ruhig aus dieser Welt gegangen.
Das es irgendwo jemanden gab, der dringendst ein Herz brauchte, war mir egal. Mir ging es in dieser Nacht nur um meinen Mann, und nicht darum, dass jemand auf seinen Tod wartete.

PS: Ich habe eine schwer herzkranke Tochter, und ich kann mich noch gut erinnern, als ich mit dem halbtoten Kind nach London flog, um sie wieder einmal operieren zu lassen. Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, eine Transplantation in Erwägung zu ziehen. Wie vermessen kann ich sein, auf den Tod irgendeines Kindes zu warten, damit mein Kind leben darf.
Das kann ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren.

LG
 

isabel

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Kann man hier eigentlich auch seriös über so etwas diskutieren.
Ich wär auch dafür, daß der der nicht spenden will widersprechen sollte und gut ist.

Wenn du schon mal so ein Drama mitgemacht hast, wenn jemand eine Leber braucht und du bekommst einfach keine, denkste ganz anders drüber.

Und was mich noch mehr ärgert, am lautesten schrein dann die nach einem Spenderorgan, die zuvor keinen Ausweis hatten.

Ein Link nach dem anderen über irgendwelche Bioethik Typen, aber kein einziger über das Leid der Empfänger.

Fakt ist- es sterben viele Menschen weil es nicht genug Spenderorgane gibt.

Nein aber lieber, in das Horn der Verschörungstheoretiker pusten.

Sich über die Vorurteile über HartzIV Empfäner beschweren, aber selbst die gleichen Vorurteile schüren.

Es geht hier weder um den Handel noch sonst was, es geht darum das es zu wenig Spenderorgane gibt und das müßte eigentlich nicht sein.

LG
Hexe

Ich muss Dir Recht geben.
Die Untersuchung von Hirnströme durch zumindest 2 unabhängige Gutachter ist schon richtig.
Ein meiner Bekannter wartet auch auf eine Spende, ist auf der Liste der Wartenden. Jetzt ist er unter 40, aber, wenn er an die Reihe kommt, wird er wahrscheinlich über 70, wenn er überhaupt das überlebt.

In Würde leben, in Würde sterben.
Das ist schon richtig.
Wie Hexe, bin ich auch aus dem Medizinischen Bereich.
Ich würde mir wünschen, dass die Familien der Verstorbenen (z.B. bei Unfall) doch die Organspende bewilligt.

Es ist auch würdevoll, nach dem Tod doch noch anderen Menschen, die Krank sind, zu helfen.

Mit Horrorberichten werden viele davon abgehalten, ein Organspendeausweis zu haben.

Klar, es gibt auf diesen Gebiet auch Schwarze Schafen.
Wo gibt es sie nicht?

DrByrd, schade, dass Du nicht gleich geschrieben hast: "Menschenopfer bei Azteken".
M.aus B.: Artikel vor 2000.

Hamburgeryn, es tut mir leid, dass Dein Mann so leiden musste.
Nicht jede Spende ist vernünftig eingesetzt, auch gibt es so was, wie Abstossreaktion.
In Würde sterben - sollte eine Selbstverständlichkeit sein.

"Wie vermessen kann ich sein, auf den Tod irgendeines Kindes zu warten, damit mein Kind leben darf.
Das kann ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren."

Das ist ein sehr tiefes moralisches Problem.
Auf Tod eines Kindes brauchst Du nicht warten, würde ich auch nicht tun.
Aber, Unfälle gibt es jede Menge.

Wenn für Dein Kind auf einmal eine Organspende verfügbar ist, mit allen Zellen-Merkmalen passend und für kein anderes Kind passend, würdest Du es ablehnen?
Aus welchen Grund?
Du hast nicht darauf gewartet, aber es ist eben passiert: ein anderes Kind ist ums Leben gekommen bei einem Unfall, die Merkmale passen nur für Dein Kind. Und die Eltern geben die Spende frei (was auch viel Überwiendung kostet).

Sagst Du: "nein, danke"?
Damit wird das tote Kind auch nicht mehr lebendig. Die Eltern vielleicht enttäuscht.

Ich denke, ich verstehe Dich schon. Für mich bist Du ein sehr starker Mensch, dass auch eigene Meinung hat und eingreifen kann (H4).

Versuch alles Mögliche, Deiner Tochter zu helfen, ohne Spende annehmen zu müssen.
Und, wenn es so weit sein sollte, denke, bitte, an Deine Tochter.
Und nicht an die Moralapostel.

Ich wünsche Dir alles Gutes und weiterhin: Kampfgeist.

LG
Isabell
 

HajoDF

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Hallo Isabell,
hier geht es doch um etwas ganz anderes.
Die Stiftung "Organspende" fordert eine andere Gesetzgebung, um den herrschenden Organmangel zu beheben.
Natürlich könnte man mehr Leben retten, wenn mehr Organspender da wären. Aber kann ich dies per Gesetz erzeugen? Woher nimmt die Stiftung das Recht auf diesen Anspruch, dass alle Gestorbenen ihre Organe hergeben müssen, sofern sie nicht ausdrücklich widersprechen?
Haben schwer Erkrankte einen Anspruch auf Rettung?
Das Prinzip der Freiwilligkeit und die persönliche Entscheidung, nach dem Tode als Organspender eventuell einem anderen Menschen zu helfen wird durch eine solche Forderung pervertiert in eine erzwungene Absage.

Wohin solche Gedanken führen, zeigt uns gerade und wiederholt Herr Prof. Oberender, der die Organspende ökonomisieren möchte und im Prekariat ein großes Reservoir für Organe sieht. Sozusagen eine lebende Organbank, bestehend aus sonst wertlosen Menschen.
Werden vielleicht in absehbarer Zukunft ALG II-Bezieger sanktioniert, wenn sie der Organspende als gegenleistung nicht zustimmen?

Ich fürchte, dass die Mehrheit gar nicht weiß, wie weit solche Diskussionen schon gediehen sind. Zufall ist es jedenfalls nicht, dass Herr Ober-ver-ender solche Forderungen aufstellt und gleichzeitig von anderer Seite die Forderung nach Gesetzesänderungen laut wird.
 

isabel

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Ich denke, ich weiss es, worum es gehen sollte. Leider, das Thema wurde nur von Muci im ersten Beitrag gestellt. Ich kenne die Problematik schon länger. Ich bin auch Deiner Meinung, dass die Mehrheit gar nicht begreift, worum es geht.

Sonst: das übliche: ohne es gelesen zu haben, Organspende abzulehnen und nur vermuten: die Spenden bekommen nur die Reichen.

Es ist mir klar und dafür werde ich auch nach Möglichkeiten kämpfen: jede Organspende muss freiwillig sein.

Nur, mit Horrorgeschichten, kann man überhaupt keinen bewegen, den OS-Ausweis zu besorgen oder Einwilligung von Verwandten zu erreichen.

Ich bin ausdrücklich dagegen:

„ dass alle Gestorbenen ihre Organe hergeben müssen, sofern sie nicht ausdrücklich widersprechen“.

Hajo, ich habe einfach die alle Beiträge wahrgenommen, die da geschrieben wurden.
Du hast auch Medizin studiert, also musst Du es wissen, wie wichtig Organspende sein kann. Fangen wir mal bei Knochenmark bei Leukämie Kranken.

Deswegen sind mir Menschen, wie o.g. Prof. und die Autoren von solchen Unsinn so verhasst.
Mehrheit der Menschen hat keine Ahnung davon und dann dürfen wir lesen, dass Organspenden nur für Reiche da sind, also müssen überhaupt verboten werden. Oder: alle Hilfeempfänger ihre Organe verkaufen müssen.

Ja, was ähnliches hat ein Prof gesagt. Ist den seine Meinung bindend?
Wahrscheinlich leidet er unter einer Psychose und sollte sich selbst in Obhut eines guten Psychiaters begeben. Psychopath?
Er hat ökonomische Ausbildung, aber keinesfalls, medizinische.

Das schlimmste dabei ist allerdings, dass ein paar skrupellose Gestalten sofort den Unsinn umsetzten wollen, um sich zu profilieren, mit einem Prof-Titel als Schutzschild.

Ob es Zufall ist?
Nein, das Beispiel von Mengele ist immer noch vorhanden.

Bis Perestrojka und Mauerfall hätte sich keiner erlauben dürfen, derart menschenverachtende Meinungen öffentlich zu äußern (das bedeutet nicht, dass damals noch keine derartigen Gedanken vorhanden waren).

INSM Watchblog

Neoliberale Propaganda schonungslos entlarven



Ãœber den INSM-Gesundheitsökonom Prof. Peter Oberender « INSM Watchblog


Ich hoffe, die Seite funktioniert.

Mit freundlichen Grüßen
Isabell

PS:
Ich muss zugeben, dass ich ein Satz nicht richtig in diesem Sinne interpretiert hatte:

„Ich wär auch dafür, daß der der nicht spenden will widersprechen sollte und gut ist"

Ich hatte dass eher so verstanden: wer nicht will, muss keinen Organspendeausweis haben.
Aktiv widersprechen zu müssen ist absolut unakzeptabel. Wie soll jemand widersprechen, der über die Gesetzte nichts weiss? Oder zu jung oder zu alt ist, um sich zu entscheiden?
Oder hatte gar keine Gelegenheit dazu, (z.B. durch Unfall), seinen Willen klar zu machen?

Sorry, habe ein paar private Probleme und deswegen ist mir das entgangen. Normalerweise passiert mir so was nicht.
 
E

ExitUser

Gast
Die Stiftung "Organspende" fordert eine andere Gesetzgebung, um den herrschenden Organmangel zu beheben.
Natürlich könnte man mehr Leben retten, wenn mehr Organspender da wären. Aber kann ich dies per Gesetz erzeugen? Woher nimmt die Stiftung das Recht auf diesen Anspruch, dass alle Gestorbenen ihre Organe hergeben müssen, sofern sie nicht ausdrücklich widersprechen?
Haben schwer Erkrankte einen Anspruch auf Rettung?
Das Prinzip der Freiwilligkeit und die persönliche Entscheidung, nach dem Tode als Organspender eventuell einem anderen Menschen zu helfen wird durch eine solche Forderung pervertiert in eine erzwungene Absage.

(Irgendwie war mir, als hätte ich vor einigen Monaten mal eine Doku im Fernsehen gesehen, wie Schindluder mit den Organen der Ärmsten der Armen getrieben wird. Leider weiß ich nicht mehr genau wo das war und um was es dabei genau ging. Erinnern kann ich mich aber noch, daß den Ärmsten der Armen irgendwo in Asien Geld angeboten wurde, wenn sie ein Organ spenden (ich glaub es war eine Niere). Sie taten dies um überleben zu können, jedoch war der Geldbetrag den sie dafür bekamen, ein Witz. Hat das noch jemand gesehen?)

Ich bin der Meinung, daß jeder der gerne spenden möchte, dies kundtun sollte - in seiner Familie klar zum Ausdruck bringen soll (für den Fall der Fälle) - und seinen Spenderausweis mit sich führen sollte. Auch bin ich der Meinung, daß man nicht hergehen sollte und generell ein Organspender sein soll, so man NICHT widersprochen hat. So darf das nicht sein!

Persönlich habe ich seit vielen Jahren einen Spenderausweis, den ich auch immer bei mir trage. Sollte mit mir irgendwann passieren, so kann man mich "ausschlachten" bis zum Letzten (so ich denn überhaupt mit meinen Organen noch jemand helfen kann) und ich hoffe, daß ich mit meinen "Überresten" vielleicht doch einem verzweifelten Menschen helfen kann. "Sterben" bedeutet für mich, daß "meine Hülle" abfällt - mehr aber auch nicht. Die Seele wird bleiben und die wird immer zu mir gehören - ich werde nur mit meiner Hülle nicht mehr sichtbar sein. Also kann man sich meiner ruhig bedienen.

Ich persönlich kenne die andere Seite, nämlich daß ein Spenderorgan nicht gefunden wird. Eine ehemalige, relativ "junge" Kollegin von mir (sie ist heute ca. 40 Jahre alt) wartet seit ungefähr 20 Jahren auf eine Spenderniere, hängt jeden 2. Tag viele Stunden an der Dialyse, ist verzweifelt.

Bin also der Meinung, wer helfen will, sollte dies mit einem Spenderausweis zeigen. Natürlich könnte es unter Umständen sein, daß man vielleicht "nicht so wirklich gerettet werden würde, falls ....." - aber auch das ist mir egal. Ewig Dahinsiechen, am Leben erhalten werden auf Teufel-komm-raus oder im Koma oder so liegen wäre auch nicht meins.

Muss also jeder für sich selbst entscheiden....
 

sickness

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also, wenn ich mal den löffel reiche, können die mit dem, was von mir übrig ist von mir aus machen, was sie wollen. hab da keinerlei probleme mit. allerdings befürchte ich, dass die "sozialgesetzgebung" dahingehend irgendwann angepasst wird, dass man nicht mehr bis zum normalen ableben des spenders (erwerbsloser oder anders gearteter "schmarotzer") warten wird um organe für leistungsträger entnehmen zu müssen. das ist dann so, wie in monty pythons film sinn des lebens, wo sie dem armen kerl die leber entnehmen...:icon_twisted:
 

Hexe45

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Mein verstorbener Mann war Empfänger einer Lebensspende. Ihm wurde vieles erzählt, was sich nach der Transplantation ändern würde, doch nie die Wahrheit. Das Grauen und das Entsetzen, welches er 13 Monate durchleiden musste, bis er endlich erlöst wurde, vermag ich kaum in Worte zu fassen.
Mein Mann erzählte mir kurz vor seinem Tod, hätte er gewusst, was ihn alles erwarten würde, er hätte der Transplantation niemals zugestimmt, sondern mit den Medikamenten weitergemacht, bis nichts mehr gegangen wäre.
Ich habe meinen Organspendeausweis zurückgegeben, nachdem ich in der Nacht, als mein Mann im Sterben lag, von den Ärzten bekniet wurde, doch das immer noch starke Herz meines Mannes zur Entnahme freizugeben.
Ich lehnte ab. Mein Mann konnte kein Leben in Würde mehr leben, da sollte er doch zumindest in Würde sterben. Der langsame Prozess des Sterbens sollte durch keine ärztliche Handlung unterbrochen werden. Er sollte in Frieden gehen, und er ist mit Unterstützung eines sehr verständnisvollen Intensivmediziners ruhig aus dieser Welt gegangen.
Das es irgendwo jemanden gab, der dringendst ein Herz brauchte, war mir egal. Mir ging es in dieser Nacht nur um meinen Mann, und nicht darum, dass jemand auf seinen Tod wartete.

PS: Ich habe eine schwer herzkranke Tochter, und ich kann mich noch gut erinnern, als ich mit dem halbtoten Kind nach London flog, um sie wieder einmal operieren zu lassen. Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, eine Transplantation in Erwägung zu ziehen. Wie vermessen kann ich sein, auf den Tod irgendeines Kindes zu warten, damit mein Kind leben darf.
Das kann ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren.

LG

Es tut mir wirklich leid was da geschehen ist und als Medizinerin wäre ich unseriös, wenn ich derartige Komplikationen abstreiten würde.

Eine sehr gute Freundin von mir hat HepatitisC die Leber zerfetzt. Die Leber war am Ende so schwach, daß der Körper kaum noch das Ammoniak abbauen konnte. Es war schrecklich ihr Leid mit anzusehen.
1993 bekam sie eine Spenderleber, sie sah es so, daß ihr das Schicksal eine zweite Chance gegeben hat. Sie hat danach noch bis 2007 gelebt und ein annähernd normales Leben geführt.

Es ist mir auch egal ob jemand dafür oder dagegen ist. Wer es nicht möchte, soll eine Erklärung abgeben- ich möchte das nicht und gut ist.

Aber du hast nicht das geringste Recht hier den moralischen Zeigefinger zu erheben.
Und ob der langsame Prozeß des Sterbens unterbrochen wird, muß jeder Mensch für sich entscheiden.
Es steht uns einfach nicht zu zu bestimmen was soll und was nicht.

Ich habe schon oft langsames Sterben mit ansehen müssen und du kannst mir glauben, das hat selten etwas mit Würde zu tun.

Auch Menschen ein schlechtes Gewissen zu machen, die auf ein Organ für ihr Kind warten ist voll daneben.

JA es ist grausam daß Kinder sterben und es ist zum Teil beklemmend, daß ein Kind weiterlebt weil ein anderes gestorben ist.

Aber leider sterben auch Kinder. Und mich würde mein Gewissen nicht beruhigen, wenn statt einem Kind zwei gestorben sind.

I´m so sorry, aber dann befürworte ich lieber, daß zumindest einem Kind eine zweite Chance gegeben wird.
LG
Hexe
 

Mandy32

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Um es vorneweg zu nehmen,ich bin in der DKMS Spendendatei registriert.
Ich habe grundsaetzlich nicht gegen Spenden im medizinischen Bereich,jedoch sollte in der momentanen weltpolitischen Lage Organspenden nicht vorrangetrieben werden.
Leider befuerchte ich auch,dass solche "Faelle"wie dem des Mannes in Frankreich zunehmen werden.
Ich habe ausserdem vor kurzem gelesen,wie massiv Eltern bedraengt werden,ihr noch nicht verstorbenes,aber im sterben liegendes Kind zur Organherrausnahme zu bewegen,sogar mit Drohungen und einreden schlechten Gewissens!Es ist unglaublich was in manchen Kliniken so abgeht.

Auch das mit dem Voranbringen der "freiwilligen"Spendenbereitschafft von Erwerbslosen ist sehr bedenklich.Eigentlich sollten bei jedem Menschen da die "Alarmglocken"schrillen.

In Erinnerung habe ich auch eine Info,wo es hiess,dass ueber 50jaehrige nicht mehr als Spender oder Spendenempfaenger in Frage kommen,wenn sie aus der eigenen Familie stammen!

Es gibt so viele Gruende momentan,gegen das Organspenden zu sein.
Da war doch vor paar Monaten auch was mit Kundschafft aus den Emiraten,die bevorzugt wurden gegenueber anderen Patienten,in einer deutschen Klinik.

Ich bin sehr gerne hilfbereit(darum auch DKMS)aber unter den momentanen,sehr bedenklichen politischen Zustaenden gegen Organspenden.
Es ist doch wirklich unglaublich,dass man nichtmal mehr den Hirntod abwarten moechte,obwohl der aus der neueren medizinischen Sicht,schon ziemlich knapp gehalten ist.

LG Mandy
 
E

ExitUser

Gast
Von der Gesetzesänderung diesbezüglich war, glaube ich, schon mal die Rede.
Vorher hatte ich einen Spenderausweis. Nachher habe ich ihn weggeworfen.
Es kann nicht sein, dass man per Gesetz erst mal Organspender ist, und man gezwungen wird dagegen zu sprechen. Organspende sollte freiwillig sein. Die, die davon überzeugt sind, haben ohnehin einen Spenderausweis.
Es besteht wohl die wage Hoffnung, dass viele Leute einfach vergessen, der Organspende zu widersprechen. Somit hofft man auf die Erhöhung von Organspende. Hinterher wird es dann wieder als Erfolg gefeiert.
 

Arania

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Du solltest den Ausweis nicht wegwerfen sondern ihn bei Dir tragen , denn darin wird auch vermerkt das Du der Entnahme widersprichst
 
E

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Es tut mir wirklich leid was da geschehen ist und als Medizinerin wäre ich unseriös, wenn ich derartige Komplikationen abstreiten würde.

Eine sehr gute Freundin von mir hat HepatitisC die Leber zerfetzt. Die Leber war am Ende so schwach, daß der Körper kaum noch das Ammoniak abbauen konnte. Es war schrecklich ihr Leid mit anzusehen.
1993 bekam sie eine Spenderleber, sie sah es so, daß ihr das Schicksal eine zweite Chance gegeben hat. Sie hat danach noch bis 2007 gelebt und ein annähernd normales Leben geführt.

Es ist mir auch egal ob jemand dafür oder dagegen ist. Wer es nicht möchte, soll eine Erklärung abgeben- ich möchte das nicht und gut ist.

Aber du hast nicht das geringste Recht hier den moralischen Zeigefinger zu erheben.
Und ob der langsame Prozeß des Sterbens unterbrochen wird, muß jeder Mensch für sich entscheiden.
Es steht uns einfach nicht zu zu bestimmen was soll und was nicht.

Ich habe schon oft langsames Sterben mit ansehen müssen und du kannst mir glauben, das hat selten etwas mit Würde zu tun.

Auch Menschen ein schlechtes Gewissen zu machen, die auf ein Organ für ihr Kind warten ist voll daneben.

JA es ist grausam daß Kinder sterben und es ist zum Teil beklemmend, daß ein Kind weiterlebt weil ein anderes gestorben ist.

Aber leider sterben auch Kinder. Und mich würde mein Gewissen nicht beruhigen, wenn statt einem Kind zwei gestorben sind.

I´m so sorry, aber dann befürworte ich lieber, daß zumindest einem Kind eine zweite Chance gegeben wird.
LG
Hexe
@Hexe
Ich glaube wir reden irgendwie aneinander vorbei, und meinen möglicherweise doch das gleiche - paradox, ich weiß.
Ich gebe zu, ich stehe Transplantationen kritisch gegenüber. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass ich gänzlich traumatisiert bin, und nicht immer die nötige Distanz walten lasse.
Meine Mann hatte Philadelphia Chromosom poitive reifzellige Chronisch myoloische Leukämie.
Die Ärzte erklärten ihm, dass seine Krankheit nur mit einer KMT zu heilen wäre, und mein Mann setzte alle Hoffnungen da rein. Seine einzige Schwester passte als Spenderin, und wenig später ging es los.
Man hatte uns erzählt, dass er, wenn das Knochenmark angewachsen sei, ein ganz normales Leben führen könnte. Gut er müsse Medikamente nehmen, und das ein Leben lang, usw. Ja, und es könne auch zu einer Gvhd kommen, aber die habe man schnell im Griff, kein Problem....
Nur auf das, was nun kam, hat uns niemand vorbereitet. Die Ärzte bekamen die Gvhd einfach nicht in den Griff, was sich in der Zeit bis zu seinem Tod abspielte, treibt mir heute noch die Tränen in die Augen....
Doch was ich als bald noch schlimmer empfand, war das Verhalten der Mediziner. Ich hatte den Eindruck, je schlechter es meinem Mann ging, desto interessanter wurde er als Fall, der nun sorgsam dokumentiert wurde.
Mein Mann gewann mehr und mehr den Eindruck Teilnehmer an einem Menschenexperiment zu sein. Es war so furchtbar.
In seinem Körper wüteten Pilze, sein Mund verfaulte, in seine Lunge hatte ein Virus Löcher gefressen und er magerte so sehr ab, dass er wie ein KZ-Häftling aussah. Seine Knochen wurden brüchig, seine Haut pergamentartig, er konnte kaum noch essen, ich fütterte ihn Tag und Nacht mit Babynahrung, wusch ihn und führte ihn zur Toilette. Ich gab ihm seine Medikamente, und manchmal blickte er mich wie ein waidwundes Tier an, und im Krankenhaus beschönigten die Ärzte den Zustand mit dem obligatorischen "Wird schon, wird schon". Wir fühlten uns nicht ernstgenommen in unserer Angst. Mein Mann litt, er hatte oft unerträgliche Schmerzen. Und immer wieder ging es auf die Intensivstation.
Selbst in der Nacht, als es ans Sterben ging, wanden sich die Ärzte wie die Aale. Keiner wollte mit der Sprache rausrücken, und mal Klartext reden.
Erst als die CTG-Bilder das Ende alles ärztlichen Könnens verkündeten, wurden sie wieder munter, und begannen auf mich einzureden, doch das Herz zur Entnahme freizugeben.
Doch ich wollte nicht. An meinem Mann war genug herumlaboriert worden, er sollte in Frieden sterben. Daraus resultiert auch meine Bemerkung
Der langsame Prozess des Sterbens sollte durch keine ärztliche Handlung unterbrochen werden. Er sollte in Frieden gehen
Das ich einer evtl. Transplantation meiner Tochter nicht zugestimmt hätte, liegt einfach an diesen sehr traumatischen Vorgängen. Ich hätte es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren können, auf den Tod eines Kndes irgendwo in D warten zu müssen, und zum anderen wollte ich nie wieder so ein grauenvolles Desaster erleben, wie bei meinemm verstorbenen Mann.

Um hier nicht falsch verstanden zu werden:
Ich respektiere den Wunsch eines jeden Menschen zu Leben, und wollte auch nie mit dem erhobenen Zeigefinger daherkommen.
Ich kann nachvollziehen, dass Menschen ihre Organe hergeben, es muss aber auch akzeptiert sein, wenn es wiederum andere nicht wollen.
Doch beides sollte freiwillig und ohne schlechtes Gewissen oder Zwang geschehen.
Ich möchte sowenig ein schlechtes Gewissen haben müssen, dass ich das Herz meines Mannes nicht freigab, sowenig wie ich dafür verurteilt werden möchte, wenn mein Gewissen es nicht zuläßt auf den Tod eines Menschen zu warten, damit ich leben kann. Es erscheint mir vermessen.
Würde meine Tochter eine Transplantation benötigen, würde ich sie dahingehend unterstützen, und den Eltern mein Leben lang dankbar sein.
Und sollte sich eines ´meiner Kinder zur Organentnahme bereiterklären, würde ich ihrem Wunsch selbstverständlich nachkommen.
Mein Gewissen ist schließlich nicht der Maßstab für alle.
@ Hexe45, ich hoffe, ich habe meine Beweggründe jetzt verständlicher ausgedrückt.

Liebe Grüße
 
E

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Du solltest den Ausweis nicht wegwerfen sondern ihn bei Dir tragen , denn darin wird auch vermerkt das Du der Entnahme widersprichst

Ja weiss ich. Nur auf meinem Ausweis war mein Einverständnis zur Entnahme angekreuzt.
Werd mir einen neuen zulegen und entsprechend ankreuzen.
 

neugierhoch10

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Ich finde das persönlich beängstigend.

Ich soll mit einem Ausweis zeigen, dass ich nicht bereit bin, zu spenden.

Wenn die Krankenhäuser aber Geld brauchen, wer garantiert mir, dass überhaupt ein Ausweis gefunden wird?

Jetzt kann man argumentieren, dann wird ja noch die Familie befragt.
Was, wenn man keine mehr hat, oder keinen (guten) Kontakt, wenn man über das Thema mit Ihnen nicht gesprochen hat?


Dann die immer wieder kehrende Aufforderung Blut zu spenden, weil die Reserven knapp wären.
Krankenhäuser benötigen unbedingt mehr Blut.

Aber dass das Rote Kreuz ca. 70 % der Blutspenden an die Industrie weiterverkauft, geht dann in Ordnung oder was?

Ich habe in dieses System kein Vertrauen.
 

Hexe45

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@Hexe
Ich glaube wir reden irgendwie aneinander vorbei, und meinen möglicherweise doch das gleiche - paradox, ich weiß.
Ich gebe zu, ich stehe Transplantationen kritisch gegenüber. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass ich gänzlich traumatisiert bin, und nicht immer die nötige Distanz walten lasse.
Meine Mann hatte Philadelphia Chromosom poitive reifzellige Chronisch myoloische Leukämie.
Die Ärzte erklärten ihm, dass seine Krankheit nur mit einer KMT zu heilen wäre, und mein Mann setzte alle Hoffnungen da rein. Seine einzige Schwester passte als Spenderin, und wenig später ging es los.
Man hatte uns erzählt, dass er, wenn das Knochenmark angewachsen sei, ein ganz normales Leben führen könnte. Gut er müsse Medikamente nehmen, und das ein Leben lang, usw. Ja, und es könne auch zu einer Gvhd kommen, aber die habe man schnell im Griff, kein Problem....
Nur auf das, was nun kam, hat uns niemand vorbereitet. Die Ärzte bekamen die Gvhd einfach nicht in den Griff, was sich in der Zeit bis zu seinem Tod abspielte, treibt mir heute noch die Tränen in die Augen....
Doch was ich als bald noch schlimmer empfand, war das Verhalten der Mediziner. Ich hatte den Eindruck, je schlechter es meinem Mann ging, desto interessanter wurde er als Fall, der nun sorgsam dokumentiert wurde.
Mein Mann gewann mehr und mehr den Eindruck Teilnehmer an einem Menschenexperiment zu sein. Es war so furchtbar.
In seinem Körper wüteten Pilze, sein Mund verfaulte, in seine Lunge hatte ein Virus Löcher gefressen und er magerte so sehr ab, dass er wie ein KZ-Häftling aussah. Seine Knochen wurden brüchig, seine Haut pergamentartig, er konnte kaum noch essen, ich fütterte ihn Tag und Nacht mit Babynahrung, wusch ihn und führte ihn zur Toilette. Ich gab ihm seine Medikamente, und manchmal blickte er mich wie ein waidwundes Tier an, und im Krankenhaus beschönigten die Ärzte den Zustand mit dem obligatorischen "Wird schon, wird schon". Wir fühlten uns nicht ernstgenommen in unserer Angst. Mein Mann litt, er hatte oft unerträgliche Schmerzen. Und immer wieder ging es auf die Intensivstation.
Selbst in der Nacht, als es ans Sterben ging, wanden sich die Ärzte wie die Aale. Keiner wollte mit der Sprache rausrücken, und mal Klartext reden.
Erst als die CTG-Bilder das Ende alles ärztlichen Könnens verkündeten, wurden sie wieder munter, und begannen auf mich einzureden, doch das Herz zur Entnahme freizugeben.
Doch ich wollte nicht. An meinem Mann war genug herumlaboriert worden, er sollte in Frieden sterben. Daraus resultiert auch meine Bemerkung
Das ich einer evtl. Transplantation meiner Tochter nicht zugestimmt hätte, liegt einfach an diesen sehr traumatischen Vorgängen. Ich hätte es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren können, auf den Tod eines Kndes irgendwo in D warten zu müssen, und zum anderen wollte ich nie wieder so ein grauenvolles Desaster erleben, wie bei meinemm verstorbenen Mann.

Um hier nicht falsch verstanden zu werden:
Ich respektiere den Wunsch eines jeden Menschen zu Leben, und wollte auch nie mit dem erhobenen Zeigefinger daherkommen.
Ich kann nachvollziehen, dass Menschen ihre Organe hergeben, es muss aber auch akzeptiert sein, wenn es wiederum andere nicht wollen.
Doch beides sollte freiwillig und ohne schlechtes Gewissen oder Zwang geschehen.
Ich möchte sowenig ein schlechtes Gewissen haben müssen, dass ich das Herz meines Mannes nicht freigab, sowenig wie ich dafür verurteilt werden möchte, wenn mein Gewissen es nicht zuläßt auf den Tod eines Menschen zu warten, damit ich leben kann. Es erscheint mir vermessen.
Würde meine Tochter eine Transplantation benötigen, würde ich sie dahingehend unterstützen, und den Eltern mein Leben lang dankbar sein.
Und sollte sich eines ´meiner Kinder zur Organentnahme bereiterklären, würde ich ihrem Wunsch selbstverständlich nachkommen.
Mein Gewissen ist schließlich nicht der Maßstab für alle.
@ Hexe45, ich hoffe, ich habe meine Beweggründe jetzt verständlicher ausgedrückt.

Liebe Grüße

OK ich kann dich da verstehen das war echt grausam. Und die KM Spende ist leider völlig schief gegangen.
Die sogenannte Blastenkrise war dadurch nicht aufzuhalten. In welchem Jahr war das?
Denke es war noch nicht die Zeit, als die neue Therapie zur Verfügung stand. Diese wurde erst seit 1999 erprobt.
Der Vater einer Freundin hatte auch CML. Zunächst wurde versucht mit Interferon zu therapieren. Was leider wie Teufel mit Bezelbub austreiben ist.
Ihm gings ziemlich schlecht und es sah gar nicht gut aus. Er hatte dann das Angebot bekommen, an die neue Therapie teilzunehmen.
Und die schlug an, seine Zusatand wurde immer besser. Die Prognose für eine CML ist max 5 Jahre, er lebt heute noch und zwar fast Beschwerdefrei.

Bei deinem Mann hat wohl die Blastenkrise zum fast völligen Zusammenbruch des Immunsythemes geführt. So das sich sogar die Pilze fast ungehemmt vermehren konnten.
Ja daß Drama kann ich nachvollziehen. Die Mediziner kann ich aber nur ansatzweise versthen.
Nachvollziehbar ist, daß diese es zunächst nicht wahr haben wollten. Ich ahne was sie dann versucht haben.
Aber sie hätten dann aber viel schneller akzeptieren müssen, daß sie nicht mehr helfen können.
Die CML betrifft ja ausgerechnet die pluripotenten Stammzellen,dadurch sind alle Zellinien der Leukozyten betroffem.
Ja so wie du das beschreibst, müssen sich die Mediziner sagen lassen, euch in eurer Angst allein gelassen zu haben.

Auch hätte man euch drauf hinwiesen müssen, daß es auch schief gehen kann.
Aber die Blastenkrise wäre auch ohne die OP gekommen.
Du schreibst von den Schmerzen, ein Indiz daß die Schmerztherapie wohl eher vernachlässigt wurde.
Aber ok. deine Einstellung ist zu verstehen, denn du hast da wirklich viel mitgemacht und bleibst auch noch allein zurück.

LG
Hexe
 
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