OECD für höhere Mehrwertsteuer in Deutschland

Regelsatzkämpfer

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Deutschland muss für Wachstum sorgen, empfiehlt die OECD. Sie schlägt eine höhere Mehrwertsteuer und geringere Lohnsteuern vor.

Arbeit wird in Deutschland laut OECD zu stark mit Steuern und Abgaben belastet, Konsum und Immobilien dagegen zu wenig. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) empfiehlt der Bundesregierung in ihrer am Dienstag veröffentlichten Studie deshalb einen Umbau des Steuersystems. "Das Gewicht der Besteuerung liegt nach wie vor zu stark auf den Arbeitseinkommen, insbesondere wegen der hohen Sozialversicherungsbeiträge", heißt es darin. Das sei bedauernswert, weil es das Wachstum bremse. Um das zu ändern, schlägt die OECD eine höhere Mehrwertsteuer vor.

Diese wurde zwar 2007 von 16 auf 19 Prozent angehoben, sei aber immer noch niedriger als in vielen anderen europäischen Ländern. "Das Hauptproblem ist jedoch die Besteuerung zahlreicher Güter zu einem ermäßigten Satz", schreibt die OECD. So gilt für Lebensmittel der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent, aber beispielsweise auch für Hundefutter. Dadurch entgehen dem Fiskus Einnahmen in zweistelliger Milliardenhöhe. ...
Wirtschaftsbericht: OECD für höhere Mehrwertsteuer in Deutschland | Wirtschaft | ZEIT ONLINE

Und gleichzeitig werden Sozialleistungen etc. deutlich erhöht, um die Nachteile auszugleichen?
 
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FrankyBoy

Gast
Was sind das denn für Ökonomen bei der OECD? Die Erhöhung der MwSt. ist doch ein Garant dafür, dass die Binnenkonjunktur abgewürgt wird.

Unsere Lohn- und Einkommensteuern liegen knapp unter OECD-Durchschnitt aber die Körperschaftssteuer (einstmals die 3. größte Einnahmequelle der Republik) und die Vermögenssteuern liegen ganz ganz weit unten und die müssten erhöht werden.
 

AsbachUralt

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Was sind das denn für Ökonomen bei der OECD? Die Erhöhung der MwSt. ist doch ein Garant dafür, dass die Binnenkonjunktur abgewürgt wird.
Diese "Fachleute"sollte man nicht zu Ernst nehmen.


So wurde Mitte der 1990er Jahre noch eine Liberalisierung der Arbeitsmärkte mit Abbau von Kündigungsschutz, Einschränkung von Gewerkschaftsmacht und Kürzung von Arbeitslosenunterstützung nach angelsächsischem Modell propagiert. Mit der revidierten Job Strategy von 2006[17] erkennt nun neben dem angelsächsischen auch das skandinavische Modell der Arbeitsmarktpolitik mit geringem Kündigungsschutz aber gute Absicherung bei Arbeitslosigkeit und aktiver Vermittlung in den Arbeitsmarkt als Erfolg versprechend an.
OECD
 
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FrankyBoy

Gast
Deren Vorstellungen aus der Mitte der 90iger Jahre wurde ja wohl mehr als umgesetzt.

Wir haben aber mittlerweile set Jahrzehnten ein Problem mit der Binnennachfrage oder wie erklärt man, dass Vielerorts ganze Straßenzüge mit leeren Ladenlokalen existieren?
 

AsbachUralt

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Deren Vorstellungen aus der Mitte der 90iger Jahre wurde ja wohl mehr als umgesetzt.

Wir haben aber mittlerweile set Jahrzehnten ein Problem mit der Binnennachfrage oder wie erklärt man, dass Vielerorts ganze Straßenzüge mit leeren Ladenlokalen existieren

Das ist aber eher eine Folge des vollkommen geänderten Kaufverhaltens.
Supermärkte auf der Grünen Wiese,Outlet Center und gleichzeitig der Mangel an Parkplätzen in der Innenstadt.
Dazu müssen Einzelhändler sich gegen die Geballte Einkaufsmacht der Großen Konzerne behaupten.
Und letztendlich Kunden,die sich in den Geschäften beraten lassen und dann im Internet kaufen.
Der Einzelhandelsumsatz ist ja,nach dem Einbruch 2009 wieder gestiegen,also ist die Binnennachfrage ok.

Handelsverband Deutschland (HDE) - Umsatzentwicklung im Einzelhandel
 
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FrankyBoy

Gast
Das ist aber eher eine Folge des vollkommen geänderten Kaufverhaltens.
Supermärkte auf der Grünen Wiese,Outlet Center und gleichzeitig der Mangel an Parkplätzen in der Innenstadt.
Dazu müssen Einzelhändler sich gegen die Geballte Einkaufsmacht der Großen Konzerne behaupten.
Und letztendlich Kunden,die sich in den Geschäften beraten lassen und dann im Internet kaufen.
Der Einzelhandelsumsatz ist ja,nach dem Einbruch 2009 wieder gestiegen,also ist die Binnennachfrage ok.

Handelsverband Deutschland (HDE) - Umsatzentwicklung im Einzelhandel
Die Grafik weist ja nur die Umsatzzahlen seit 2002 aus und erfasst somit nur einen Zeitraum, in dem die Lohnzurückhaltung in Deutschland und die damit verbundenen Reallohnverluste schon lange Realität in Deutschland waren.

Im Jahr 2005 hat der Nationalökonom Albrecht Müller einmal ausgerechnet, dass schon vor 7 Jahren die Lohnsumme für eine Nation wie Deutschland, um etwa 33% zu niedrig ausfällt weil die neoliberale Politik nicht nur die Lohnquote drückt sondern auch Infrastrukturmaßnahmen etc. nicht stattfinden lässt.

Durch die Lohnzurückhaltung, die bereits in den 80iger Jahren stattgefunden hat und seit Anfang der 90iger Jahre ohne Unterbrechung die Realität der Deutschen Volkswirtschaft ist, sind natürlich die "frei verfügbaren Einkommen" mächtig geschrumpft und durch weitere neoliberale Gesetzesänderungen (Riesterrente, Praxisgebühr, Medikamentenzuzahlungen etc.) weiter geschrumpft.

Die letzten Reallohnsteigerungen in Deutschland gab es 1992 und wer jetzt noch die Mehrwertsteuer erhöht hat volkswirtschaftlich nicht mehr alle Latten am Zaun!
 

pinguin

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Die Erhöhung der MwSt. ist doch ein Garant dafür, dass die Binnenkonjunktur abgewürgt wird.
Die höhere Mwst. um die 22% wird aber kommen, so oder so, alleine deswegen, um ein innereuropäisches, einheitliches Level zu erreichen.

Das allerdings
So gilt für Lebensmittel der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent,
ist ok und muß auch so bleiben und übrigens freilich für alle Arten von Lebensmitteln, also auch für Hundefutter.
 

Regelsatzkämpfer

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Das ist aber eher eine Folge des vollkommen geänderten Kaufverhaltens.
Supermärkte auf der Grünen Wiese,Outlet Center und gleichzeitig der Mangel an Parkplätzen in der Innenstadt.
Dazu müssen Einzelhändler sich gegen die Geballte Einkaufsmacht der Großen Konzerne behaupten.
Und letztendlich Kunden,die sich in den Geschäften beraten lassen und dann im Internet kaufen.
Der Einzelhandelsumsatz ist ja,nach dem Einbruch 2009 wieder gestiegen,also ist die Binnennachfrage ok.

Handelsverband Deutschland (HDE) - Umsatzentwicklung im Einzelhandel
Das Argument zieht aber spätestens dort nicht, wo die Kunden kein Auto haben, öffentliche Verkehrsmittel zu teuer sind oder die Leute krank, schwerbehindert und oder alt sind. Hier in meiner Gegend macht ein Geschäft nach dem anderen dicht. Von 6 Supermärkten ist einer geblieben. Kein Metzger mehr, kein Bäcker, kein Obstgeschäft. Der Elektrohändler ist weg, das Fischgeschäft ebenso. Selbst der kleine Secondhandelektro ist dicht und das Computergeschäft auch.

Ich kannte die Leute in allen Geschäften gut und sie litten nicht unter geändertem Kaufverhalten, sondern darunter, dass einfach die Leute immer weniger kauften, weil sie kein Geld hatten. Was hier floriert ist ein Sozialladen der Stadtmission mit Kleidung und Haushaltswaren. Ebenfalls floriert ein Tafelladen.

Diese Gegend war noch vor 15 Jahren eine recht gute mit Park usw. Selbst der Park ist heruntergekommen und die Stadt versuchte gegen den Willen der Anwohner diesen zu einem Gewerbegebiet zu machen. Da sind sie massiv gegen die Wand gelaufen.

Wo kein Geld ist, da ist halt nichts mehr zu verdienen. Und es starben eben gerade die Geschäfte, die im direkten Umkreis ihre Kunden hatten. Kunden, die nicht durch die halbe Stadt fahren /können/ um in einem Superstore etc. einzukaufen.
 

physicus

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Die höhere Mwst. um die 22% wird aber kommen, so oder so, alleine deswegen, um ein innereuropäisches, einheitliches Level zu erreichen.
gemessen an wem?
an den ländern die eine höhere haben als schland...?
dann sollten wir viell. im umkehrschluß die beiträge senken auf den sektoren wo wir teurer sind als andere innereuropäische staaten?

nein nein, schon klar, billiger wird es bei uns nicht, nur weil andere das sind, wir gleichen uns nur dort an wo andere teurer sind als wir. :icon_neutral::icon_neutral:

soviel zum erreichen des levels, welchen levels eigentlich, den die umnachtetste nation zu sein?

gruß physicus
 

spin

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Man muss doch das Geld denen geben, die es auch ausgeben. Mehr braucht man von Volkswirtschaft nicht zu wissen.

Was soll das Geld auf den Konten der Reichen sinnlos herumliegen?
Also einfach von oben nach unten umverteilen. So läuft die Wirtschaft. Gelobt sei Ludwig Erhard. Der wußte das noch. Er war ja auch kein CDu-Mitglied.
 

Hotti

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und die Vermögenssteuern liegen ganz ganz weit unten und die müssten erhöht werden.
Ich bin ab einer bestimmten Summe für eine Reichensteuer von 50%. Dazu sollte keiner mehr Geld haben als er im Leben ausgeben kann. Dazu bin ich noch für eine Erbschaftssteuer. Jeder sollte die Chance haben sich selber was zu erarbeiten, und nicht als Papas Sohn reich erben. Damit meine ich nicht Omas klein Häuschen. Die Kohle muss im Umsatz gebracht werden, und nicht immer mehr angelegt werden.
 

spin

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U. a. aus den heutigen Nachdenkseiten:
Die Wirtschaftskrise geplant?
Dazu ein Kommentar von Ulrich Engelke
Diejenigen, die auf diesem Weg die die Hoheit der Staaten zurückdrängen wollen, sollten vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Denn es sind diese, die die geltende demokratische Ordnung beseitigen (wollen).
Es sind Politiker wie Merkel und Schäuble und Institutionen wie europäische Zentralbank und Internationaler Währungsfonds, die mit dem Mittel der Verarmung von Staaten die Demokratie beseitigen.
 
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