Obwohl mittellos Ersttermin erst in über einer Woche (1 Betrachter)

Betrachter - Thema (Registriert: 0, Gäste: 1)

Leonie513

Neu hier...
Startbeitrag
Mitglied seit
11 Januar 2016
Beiträge
1
Bewertungen
0
Hallo,

kurze Info zu meiner Situation:
Nach Eigenkündigung aufgrund längerem Mobbing ("Bossing") zum 31.3.16 bekam ich zum 29.12 die fristlose Kündigung und mein Dezembergehalt nicht ausgezahlt. Rein rechtlich müsste eine Klage Erfolg haben, aber ich will ja selbst nicht mehr zurück, habe da die letzten Wochen die Hölle durchlitten.

Nun war ich am 04.01. erst beim Arbeitsamt, da ich ALG I kriegen würde. In meiner Kündigung steht drin, dass mir das Gehalt nicht ausbezahlt wird. Auf meinen Hinweis, dass ich nun mittellos sei (und zwar wirklich...) ein Schulternzucken mit dem Hinweis, dass es keine Zahlung gebe, alles geprüft werden müsse und in welchem Bereich ich denn arbeiten will. Herrgott, ich weiß nicht, wie ich diesen Monat überleben soll - da steht mir der Kopf nun wirklich nach was anderem als direkt eine Arbeit zu finden, deren Hin- und Rückweg ich mir natürlich auch nicht leisten könnte... . Nun gut, taggleich Antrag gestellt und nun habe ich meinen ersten Termin am 02.02...

Wurde von da zum Jobcenter verwiesen, evt. könne man dort eine Vorauszahlung leisten. Was passierte dort? Sämtliche Antrage ausgehändigt, einen Termin am 19.01 bekommen mit dem Hinweis, dass das dann aber auch noch was dauert, bis das alles durch ist.

Nach wie vor bin ich mittellos. Keiner hat mich da mal gefragt, wovon ich Miete bezahle oder was ich esse. Das kann doch nicht wahr sein? Gibt es keine Möglichkeit, schon mal einen Vorschuss zu kriegen oder das Ganze zu beschleunigen? Was sagt eure Erfahrung dazu?

Viele Grüße
 

Ines2003

VIP Nutzer*in
Mitglied seit
30 April 2013
Beiträge
1.413
Bewertungen
434
Erfolgte die Kündigung auf Ärztlichen Rat?
Ansonsten besteht die Gefahr, das dein Alg 1 Anspruch um 12 Wochen gekürzt wird, du würdest also 12 Wochen kein Alg 1 bekommen und müsstet Ergänzend Alg 2 beantragen, das für 3 Monate auch um 30% gemindert wird.
 
G

Gast1

Gast
Hi Leonie513,

zwei Fragen eingangs:

1. Hast Du bis zum 29.12.2015 mindestens die letzten 12 Monate lang in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis gestanden?

2. Würde Dein Arbeitslosengeld I laut Rechner der Agentur für Arbeit höher ausfallen als die Summe aus Deiner Warmmiete plus 404 Euro*?

Falls Du beide Fragen mit "Ja" beantworten kannst, bin ich der Meinung, dass Du keinen Anspruch auf einen Vorschuss von seiten des Jobcenters hast. Du hast aber meiner Meinung nach Anspruch auf einen Vorschuss bei der Agentur für Arbeit.

* Falls Du mit einem Beziehungspartner oder Ehegatten in einer gemeinsamen Wohnung wohnst, verringert sich dieser Betrag um 10% für Dich. Unter gewissen Umständen hättest Du gar keinen Anspruch auf einen Vorschuss von seiten des Jobcenters, und zwar dann, wenn a) Du zu viel Vermögen hast (Berechnung des maximal zulässigen Vermögens bei Bezug von Arbeitslosengeld II/Hartz IV: 150 € pro Lebensjahr plus 750 €), und/oder b) wenn Dein Beziehungspartner/Ehegatte einfach zu viel verdient, womit er Euch beide unterhalten könnte. Ich gehe aber davon aus, dass Du alleinstehend bist.

Lösungsvorschlag, falls Du die beiden Fragen mit "Ja" beantworten konntest:

1. Bereite ein Schreiben vor, in dem Du die Agentur für Arbeit aufforderst einen Vorschuss auf Deine ALG-I-Leistungen auszuzahlen. Nehme in diesem Schreiben Bezug auf den § 42 SGB I und erwähne, dass Du "dem Grunde nach" leistungsberechtigt bist im Sinne des SGB III, weil Du a) rückwirkend ab dem 29.12.2015 mindestens die letzten 12 Monate sozialversicherungspflichtig beschäftigt gewesen bist und Du b) keinen Anspruch auf aufstockende Leistungen durch das Jobcenter im Sinne des SGB II hast. Schreibe im Betreff des Schreibens "Antrag auf Vorschuss gemäß § 42 SGB I". Beziffere in Deinem Antrag den Betrag in €, den Du unbedingt brauchst bis zur ersten Auszahlung Deines ALG I, das wohl erst im Februar angewiesen wird.

2. Drucke das Schreiben zwei Mal aus und unterschreibe es 2 Mal.

3. Gehe damit zur Eingangszone Deiner Agentur für Arbeit. Lege dort beide Ausfertigungen Deines Schreibens vor. Nimm einen Beistand mit.

4. Lasse Dir auf der einen Ausfertigung Deines Schreibens einen Posteingangsstempel durch die Agentur für Arbeit geben. Diese Ausfertigung nimmst Du zu Deinen Akten. Die andere Ausfertigung ist für die Behörde.

5. Fordere den Mitarbeiter der Eingangszone auf, dass er/sie Deinen Antrag umgehend bearbeitet bzw zur umgehenden Bearbeitung weiterleitet.

6. Beharre darauf, dass Dir schon heute der Vorschuss ausgezahlt wird.

7. Wenn Dir gesagt wird, dass die umgehende Bearbeitung Deines Antrags nicht möglich ist, verlange vom Mitarbeiter der Eingangszone, dass der Teamleiter mit Dir und Deinem Beistand über Dein Anliegen spricht. Lass Dich nicht abwimmeln.

8. Fruchtet das Gespräch nicht mit dem Teamleiter, verlange vom Teamleiter, dass der Geschäftsführer der Agentur für Arbeit mit Dir und Deinem Beistand spricht. Lass Dich nicht abwimmeln.

9. Falls der Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Dir auch den Vorschuss verweigert, fordere ihn auf, dass er Dir das schriftlich gibt.

10. Mit der schriftlichen Verweigerung Dir einen Vorschuss zu bezahlen gehst Du zu Deinem zuständigen Sozialgericht. Nimm außerdem Deine Eigenkündigung, die fristlose Kündigung des Arbeitgebers und Deine monatlichen Gehaltsabrechnungen der letzten 12 Monate mit. Lasse dort den Rechtspfleger einen Antrag auf eine einstweilige Anordnung erstellen. Falls dieser Antrag vom Sozialgericht akzeptiert wird (dies sollte nur ein paar Tage dauern), wird die Agentur für Arbeit vom Sozialgericht verpflichtet Dir den Vorschuss zeitnah auszuzahlen.
 
G

Gast1

Gast
Erfolgte die Kündigung auf Ärztlichen Rat?
Ansonsten besteht die Gefahr, das dein Alg 1 Anspruch um 12 Wochen gekürzt wird, du würdest also 12 Wochen kein Alg 1 bekommen und müsstet Ergänzend Alg 2 beantragen, das für 3 Monate auch um 30% gemindert wird.
Falls dem so ist (bin mir grad nicht sicher), wäre dann doch das Jobcenter für einen Vorschuss zuständig.
 
G

Gast1

Gast
Leonie513, angesichts der fristlosen Kündigung durch Deinen Arbeitgeber ist eine 12wöchige Sperrfrist wohl unausweichlich, es sei denn, Du legst Kündigungsschutzklage innerhalb von 3 Wochen nach Ausstellungsdatum der fristlosen Kündigung ein mit dem Ziel, dass das Arbeitsgericht Deinen Arbeitgeber dazu verpflichtet die fristlose Kündigung zurückzunehmen. Damit könnte die 12wöchige Sperrfrist verhindert werden, bin mir aber nicht sicher. Weil Du ja, bevor Dir fristlos gekündigt worden ist, die Eigenkündigung beim Arbeitgeber eingereicht hast.
 

Hannes63

Priv. Nutzer*in
Mitglied seit
21 März 2015
Beiträge
629
Bewertungen
704
Kündigungsschutzklage würde ich immer anstreben, auch wenn man selbst da nicht mehr arbeiten möchte, vor Gericht kann man sich dann noch unter Umständen über eine kleine Abfindung einigen,
denn der AG hat ja auch kein Interesse mehr jemanden einzustellen den er gekündigt hat.
 

gelibeh

StarVIP Nutzer*in
Mitglied seit
20 Juni 2005
Beiträge
23.664
Bewertungen
17.055
Wurde von da zum Jobcenter verwiesen, evt. könne man dort eine Vorauszahlung leisten. Was passierte dort? Sämtliche Antrage ausgehändigt, einen Termin am 19.01 bekommen mit dem Hinweis, dass das dann aber auch noch was dauert, bis das alles durch ist.
Und darum steht einem dann ein Vorschuss zu, weil man eben nicht immer warten kann. Da musst Du dann aber hartnäckig sein und notfalls auch das Sozialgericht hinzuziehen.
Rein rechtlich müsste eine Klage Erfolg haben, aber ich will ja selbst nicht mehr zurück, habe da die letzten Wochen die Hölle durchlitten.
Du musst nicht zurück, aber ich würde trotzdem die Kündigungsschutzklage erheben. Geht nur bis 3 Wochen nach Kündigung. Schenk dem AG doch kein geld.
 

kaiserqualle

VIP Nutzer*in
Mitglied seit
23 November 2011
Beiträge
2.499
Bewertungen
1.660
Hallo @Hannes63, @Gelibeh,
@Leonie513

eine Kündigungsschutzklage und Ich würde vor dem AG auf den ausstehenden Lohn klagen und zwar unverzüglich.
Ausserdem ggf. auf Auszahlung/Vergütung nicht genommenen Urlaubs, Weihnachtsgeldanspruch auch noch gegeben? und alles zzgl. Verzinsung 5% über Basiszinsatz.
Ausserdem die Rechtmässigkeit der Kündigung anfechten. (Kündigungsfrist/fehlende Abmahnunge(n)

Hinweis:
Eine Freistellung ist kein "Abfeiern" eines Urlaubsanspruches oder Überstunden.
 
Oben Unten