Norbert Blüm: Die neoliberale Revolution frisst ihre Kinder (1 Betrachter)

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Paolo_Pinkel

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Von allen Märchen, die meine Mutter mir erzählte, hat das von des Kaisers neuen Kleidern mir am meisten Spaß gemacht. Über die Blamage des eitlen Kaisers, der für vermeintlich schöne Kleider sein ganzes Geld ausgibt, in Wahrheit aber nackt ist, habe ich immer schon herzhaft laut gelacht. „Des Kaisers neue Kleider“ ist die märchenhafte Antizipation der Finanzkrise 2008. Stellen wir uns vor, der Kaiser hätte Analysten, Bankexperten, Ratingagenturen, gar kluge Professoren an die Börsen der Welt geschickt, um den universalen Reichtum und die globale Konjunktur zu bestaunen. „Die Aussichten sind prima“, hatten sie allesamt gemeldet. Die Staatslenker der G 7 lobten noch zu Beginn des Jahres 2008 die robuste Weltkonjunktur. Mitte Juli 2008 erklärte das Deutsche Institut für Wirtschaft: „Der Aufschwung geht in Verlängerung.“ Das Hamburger Weltwirtschaftsinstitut gab selbst nach dem Zusammenbruch von Lehman-Brothers noch Entwarnung für alle Befürchtungen. Keiner der „gescheiten Leute“ hat das Desaster kommen sehen. Nie hat sich eine Zunft, die das Etikett Wissenschaft in Anspruch nimmt, mehr blamiert als die der Ökonomen. Sie ist auf dem Seriositätsstatus der Astrologie gelandet. Die Suggestion des Finanzkapitalismus wurde mit der Realität von Gütern und Dienstleistungen verwechselt. Erwartungen wurden für Wirklichkeit gehalten. Illusion, Hoffnung und Erwartung stapelten sich wechselseitig hoch...
Tagesspiegel

Gruss

Paolo
 
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