Niederschmetternde Kritik der Beratungsstellen 01.07.2005

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Niederschmetternde Kritik der Beratungsstellen

Hartz IV - "Fordern, verfolgen und verwalten"

Nein, Positives zu Hartz IV will Harald Thomé nicht einfallen. Ein halbes Jahr lang hat der Leiter der Beratungsstelle und Selbsthilfeorganisation "Tacheles" in Wuppertal nun Erfahrung gesammelt mit dem Arbeitslosengeld II. "Fordern und Fördern" sollte die Devise der Arbeitsgemeinschaften aus Kommune und Arbeitsagentur sein, die das Arbeitslosengeld II verwalten. "Doch die Behörde funktioniert nicht", erzählt Thomé. "Fordern, verfolgen und verwalten" beschreibe die Arbeit besser.

"Die Behörde ist einfach nicht erreichbar", sagt Thomé. Noch immer wüssten zahlreiche Arbeitslose nicht die Telefonnummer oder den Namen ihres Sachbearbeiters - nicht nur in Wuppertal, sondern auch in zahlreichen anderen Kommunen. "Wenn der Strom abgeschaltet wird oder Leute schlicht nichts zu Essen haben, dann muss die Arbeitsgemeinschaft erreichbar sein", fordert Thomé.

"Das System ist immer noch stark auf Verwaltung abgestellt", formuliert etwas vorsichtiger Thomas Becker, Bereichsleiter Sozialpolitik bei der Deutschen Caritas in Freiburg. Die Beratung durch Fallmanager sei offenbar noch im Aufbau.

Mit der Leistungsgewährung machen die Behörden es sich denn auch nicht leicht. Beispiel Unterkunft: Reihenweise würden Arbeitslose zum Umzug aufgefordert, häufig wegen nur weniger Quadratmeter oder Euro, berichtet Thomé. Die gesetzte Frist betrage fast durchgehend nur drei Monate, genau die gesetzliche Kündigungsfrist für die alte Wohnung. Dabei klärten die Behörden nicht darüber auf, dass sie für die Umzugskosten aufkommen müssen. Der geforderte Umzug sei häufig schlicht unwirtschaftlich, den Arbeitsgemeinschaften fehle jedes Fingerspitzengefühl, kritisiert Thomé.

Besonders ernst nehmen die Behörden auch ihre Ermittlungen zur Bedürftigkeit. Außendienstmitarbeiter forschen nach möglichen Partnern, zur Überwachung der Einkünfte sollen Antragsteller ihre Kontoauszüge für sechs Monate vorlegen. "Dazu werden Fragebögen ausgepackt, bei denen jeder Datenschützer den Kopf schütteln würde", erzählt Martin Behrsing vom Erwerbslosen Forum Deutschland in Bonn.

Probleme gibt es auch mit den Eingliederungsvereinbarungen - eine Art Selbstverpflichtung, sich um Arbeit und Geld zu bemühen. Wobei das Wort Vereinbarung nach den Erfahrungen Behrsings eher schmeichelhaft schient. "Die Arbeitslosen werden zu Eingliederungsvereinbarungen genötigt, auf deren Inhalt sie keinen Einfluss haben."

Renate Walter-Hamann, Caritas-Referatsleiterin Basisdienste und besondere Lebenslagen, richtet ihr Augenmerk insbesondere auf Menschen mit besonderem Beratungsbedarf, etwa Suchtkranke und Obdachlose. Und die, so ihre Erfahrung, "sind noch nicht so sehr im Focus". "Die Agenturen konzentrieren sich auf diejenigen, die leicht zu vermitteln sind", kritisiert auch Tina Hofmann, Referentin für Jugendsozialarbeit beim Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband. "Diejenigen, denen man sich intensiver widmen müsste, werden aussortiert."

FREIEPRESSE 01.07.2005
 
E

ExitUser

Gast
Prima Statement. :D :D :D

Aber das wissen die Verantwortlichen auch , aber die sind unfahig und unwillig was zu tun .
Die interessiert das überhaupt nicht :party: , ganz im gegenteil , die Lachen sich halb tot über die bedürftigen , weil die sich das gefallen lassen. :mrgreen:

Noch ein bisschen verunsichern und am besten garnicht Beraten , dann klappt das schon !!!!! :p :p :p

Gruss
Rüdiger
 
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