Nicht mein Tag der Deutschen Einheit! (1 Betrachter)

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wolliohne

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Eigentlich ist das Wort “Einheit” unmissverständlich: Einheit umfasst alle. Der koreastämmige Politikwissenschaftler Martin Hyun ist zum 3. Oktober allerdings nicht in Feierlaune, weil Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Ungleichheit präsenter seien als jemals zuvor. Denn sie, die einstigen Gastarbeiter und deren Nachfahren sind noch immer nicht zusammengewachsen mit dem, was zusammengehört. Und solange die Geschichte der Gastarbeiter im nationalen Gedächtnis keine Rolle spielt, als Geschichte der jeweiligen Entsendeländer abgetan wird und eben nicht als “deutsche Geschichte” angesehen wird, solange wird der dritte Oktober nicht mein Tag der Deutschen Einheit sein. Als Asylantenheime angezündet und ausländische Mitbürger gemobbt oder getötet wurden, versprach die Gesellschaft – und allen voran die Politik – Besserung. Doch sie blieb aus. Rassismus, Xenophobie und Diskriminierung sind omnipräsent und stärker wie je zuvor. Jedes Jahr verlassen 58.000 Schüler die Schule ohne einen Abschluss, ohne Aussicht auf eine faire Zukunft. Schnell werden sie begreifen, dass dieses Land keinen Platz für ihre Träume hat, schon gar nicht auf dem Arbeitsmarkt. Kinder von Migranten müssen dreimal so viele Bewerbungen schreiben, selbst Akademiker sind dreimal häufiger arbeitslos als ihre Alterskameraden aus einheimischen Familien. Denn der exotische Name, das andere Aussehen werden ihnen zum Nachteil. Hartnäckig halten sich Vorurteile. Wir klagen über einen Fachkräftemangel und erkennen die ausländischen Berufs- und Bildungsabschlüsse von 300.000 qualifizierten Menschen nicht an. Dies ist wahrlich nicht mein Tag der Einheit!
Mitten in Deutschland leben rund 2,5 Millionen Kinder am Rande des Existenzminimums. Fast jeder zehnte Deutsche ist von Sozialtransfers abhängig. Seit Jahren steigt die Zahl der Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor. Während sich der Wohlstand der oberen 10 Prozent rasant vermehrt, schwindet er beim Rest der Gesellschaft. Mein Herz schmerzt, beim Anblick älterer Menschen, wie sie Pfandflaschen sammeln oder Zeitungen austeilen, weil ihre Rente zu gering ist. Der dritte Oktober ist nicht mein Tag der Deutschen Einheit!
Quelle 1: Deutschlandradio (Artikel)
Quelle 2: Deutschlandradio [Audio - mp3] Anmerkung Orlando Pascheit: Vielleicht bedarf es eines koreastämmigen Mitbürgers, um nicht nur bezüglich unserer Zuwanderer und deren Nachfahren den Begriff der Einheit von seinem beschränkten Gebrauch zu lösen, sondern auch generelle, skandalöse Dissonanzen in unserer Gesellschaft in das Blickfeld dieses Begriffes zu bringen. Aber hierzulande wird zunehmend niicht nur von den üblichen Verdächtigen erklärt, es ginge uns ja Gold gegenüber der Situation in anderen europäischen Ländern geschweige denn in vielen Entwicklungsländern. Oder wie unser Bundespräsident bei “Maybrit Illner” bedauerlicherweise, aber nicht unerwartet, vom gefassten sich Einstellen auf eine Wohlstandsdelle, auf „eine gewisse Begrenzung der Freude am Leben“, die Europa aber „immer noch einen lebenswerten Raum“ sein lasse, meinte künden zu müssen – hier der europäischen Einheit wegen.
 

wolliohne

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Rückschau: Der skandalöse Ausverkauf der DDR
Dokumentarfilm über die Treuhand
Den Menschen in der DDR etwas davon zurückgeben, was sie in 40 Jahren erarbeitet haben – das war ursprünglich die Idee hinter der Treuhand. Am Ende blieben horrende Schulden. Was ist passiert? Der Dokumentarfilm “Goldrausch” erzählt erstmals aus der Sicht ehemaliger Treuhand-Manager die Geschichte des riesigen Ausverkaufs der volkseigenen Betriebe. Die meisten Investoren kamen aus dem Westen, und Banken aus der Bundesrepublik verdienten an den Krediten.
Quelle: DasErste Dazu: Beim Tupfen von Fettflecken
Reichlich und viel gestaltet sich heute wie ein Fettfleck. Wie jener berühmte Fettfleck, den Ingo Schulze in seinem herausragenden Essay zitiert – ein Fettfleck, von dem Schulze wiederum aus einem Essay von Franz Fühmann erfuhr. Der meinte, dass die Kritik im Lande DDR einem solchen Fleck auf den unsichtbaren Kleidern des Kaisers gleiche. Keiner sage nämlich, dass es da gar keine Kleider gibt. Der kindliche Ausruf Aber er hat ja gar nichts an! bleibe gänzlich aus. Anstelle dessen bekrittele man den einen oder andere Dreck- oder Fettfleck, den man auf dem unmerklichen Gewand entdecke. Eine solche Kritik an unsichtbarem Gestrick sei nicht weniger als eine Posse.
Quelle: ad sinistram
 
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naja deutsche einheit sind wir nicht
frage mich nur wo ?

es gibt zwar keine anfassbare mauer/grenze mehr aber die ist denoch da

man schaue nur auf sozialleistungen,lohn unterschiede und co

es wird immer noch zwischen ost und west lohn unterschieden
und das ist in meinen augen keine deutsche einheit
eine einheit sieht anders aus
 

Merkur

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Die Deutsche Einheit feiert und findet nur noch in den Köpfen der Elite statt. Das Volk denkt anders. In der DDR war das mal der Anfang vom Ende.
 

arbeitslos in holland

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Tag der westdeutschen Übernahme wäre passender.
sind merkeline und der gaukler westdeutsche ?

das einzige, was aus dem "osten" übernommen wurde, waren die betriebe, die man dann für''n und ein ei verkloppte.

wenn es desweiteren eine west->ostübernahme gegeben hätte, wäre ich wahrscheinlich noch in d.
 

arbeitslos in holland

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ja, wenn aber die zwei wichtigsten köpfe der regierung eine ostbiographie haben, kann wohl keine übernahme west->ost stattgefunden haben.

wo kommt denn der hype wegen der kitas her ? wo war denn arbeit reiner selbstzweck, egal was monitär herauskommt?

gestern noch im arbeitskollektiv, heute schon bei der gemeinsamen bürgerarbeit. :eek:

und wie können in einem rechtsstaat BRD, stasileute bei der bahn, der telekom und bei lidl untertauchen ?

das lohnniveau der BRD hat mich nicht aus dem land getrieben...........
 

roterhusar

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Der traum ist aus krähte rio. Doch seit 20 Jahren reproduzieren sie in Ermangelung eines Feindbildes, dass die Katastrophe kaschieren soll, die sie ihren Kindern hinterlassen haben, obwohl sie ihnen wenigstens in der osthälfte der Nation "blühende Landschaften" versprochen haben, den Einigkeitsspuk.
 
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ExitUser

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Der 3. Oktober hat mich und meine damalige Frau vor dem Internierungslager bewahrt.
Wir standen beide auf der Liste...

Der Grund, meine Frau war in der Kirche aktiv.
Mir wurde mein Klassenlehrer in der Ausbildung zum Verhängnis:
"Herr ###### hat noch keinen festen Klassenstandpunkt. An gesellschaftlichen Aktivitäten beteiligt er sich nicht."

Nachlesen konnte ich das wortgleich in meinem Facharbeiterzeugnis und meiner Stasiakte.

Zur Erklärung:
Isolierung am "Tag X": Die geplanten MfS-Lager für Regimekritiker | NDR.de - Geschichte - 20 Jahre Mauerfall - bleiben


Ich finde es fürchterlich, wie nicht nur hier einige das SED-Regime verharmlosen.
 

Radie

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Darf ich als "Outländerin" meinen Senf dazu geben?

Die deutsche Einheit gab es nie. Die Mauern und Grenzzäune verschwanden aus der Landschaft, aber nicht in den Köpfen der Deutschen. Auch nach über 20 Jahren gibt es noch Unterschiede zwischen "Ost" und "West".

Deutsche Einheit heisst auch gleiche Lebensbedingungen; gleicher Lohn für Ost und West, gleiche Marktchanzen. Davon ist das vereinigte Deutschland aber noch Lichtjahre entfernt.
 

roterhusar

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Ich respektiere die Bedeutung, die dieser Tag für Patenbrigade und Achim hat, falls er eine für sie hat.

Die Gleichheit zwischen Ost und West ist nie gewollt gewesen, ebenso wenig, wie die zwischen Nord und Süd und selbstverständlich für oben und unten und wird auch nie gewollt.
 

hartaber4

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Neben der Einheitssäuselei sollte nicht vergessen werden....,

dass sich damals die politische Landschaft im Ostblock im Umbruch befand .... eher KEIN Verdienst von Helmut Kohl....

dass die DDR finanziell auf dem letzten Loch pfiff..... und auch nicht mehr auf Unterstützung aus dem Osten bauen konnte...um das Unrechtssystem aufrecht zuerhalten....

dass sich im Nachwende-Taumel die üblichen Verdächtigen die Sahnestückchen geholt haben war ein Nebeneffekt..... den Restmüll hat man auf dem Rücken aller Bürger (Steuer- und Beitragszahler) abgeladen.... und das geschickt als "Aufbau-Ost" verkauft..... mit dem Ergebnis, dass heute viele Weststädte genauso ruininös dastehen wie viele Oststädte....
 

DeppvomDienst

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Ost und West spielt doch im Grunde gar keine Rolle mehr, auch wenn es einige Gestalten gibt, die immer noch davon faseln.
Vielmehr ist es doch eine Trennung zwischen Armut und Reichtum bei kontinuierlich schwindender Mittelschicht (nach unten).

Überproportional sind natürlich die Menschen im Osten betroffen, die nach der Wende schlicht und ergreifend ausverkauft wurden. Alles was gut war, wurde weggekauft, der Rest ist übrig geblieben.
Die Firmen, die nach der Wende in den Osten gezogen sind, haben diesen Schritt vollzogen, weil man dort qualifizierte Arbeiter finden konnte, die man deutlich schlechter bezahlen durfte und außerdem noch staatliche Subventionen ohne Ende oben drauf kamen.
Das ist nach wie vor ein Faß ohne Boden und wenn ein Großunternehmen mit der Schließung droht, wenn die Subventionen nicht weiterfließen oder die Ausbeutung der Arbeitnehmer nicht fortgeführt werden darf, dann robbt jede Regierung in der Region mit den Knien vor den Toren herum.

Das ist dann auch zugleich ein Erfolgsmodell, das sich zunehmend in ganz Deutschland ausbreitet, vor allem im Ruhrgebiet, wo natürlich viele Menschen leben, somit auch viele Lohnsklaven vorhanden sind.

Je mehr Arbeitslose, desto besser für Unternehmen, die Angestellte ohne großartige Qualifikation benötigen. Denn die kann man zu miesesten Bedingungen aus den Jobcentern heraus rekrutieren. Wer sich wehrt, wird sanktioniert.
Das schafft natürlich viele Probleme und ständige Fluktuation in den Unternehmen, weil die Leute dann eben häufiger krank sind oder andere Probleme bekommen - also wieder ein Grund zum Jammern und Heulen.

Korrekte Bezahlung und vernünftige Arbeitsbedingungen wären die Abhilfe. Aber wozu? Das ist nicht wirtschaftlich genug und irgendwoher müssen die 20 bis 30% Rendite doch kommen.

Es wird sich immer weiter verschärfen, die Spirale wird sich immer weiter drehen, eine "Einheit" existiert schon lange nicht mehr. Da muss man nicht nach Ost oder West schielen.

Die Trennung in den Köpfen vollzieht sich über das Vermögen bzw. Einkommen. Dort gibt es eine zunehmende strikte Trennung, die immer weiter forciert wird.
Hautfarbe oder Religionszugehörigkeit spielt dabei überhaupt keine Rolle mehr, wer reich ist, ist anerkannt. Wer arm ist, der eben nicht.

Natürlich gibt es in den unteren "Klassen" dann die üblichen Abgrenzungen... Migranten, Bildungsferne, Hartzi, Niedriglöhner und dergleichen - man hackt, haut und sticht sich untereinander.

Die Mittelschicht versucht krampfhaft ihren Status zu erhalten, hat Angst vor dem Absturz und merkt gar nicht, dass je mehr sie nach unten haut und tritt, desto mehr wird sie in die Unterschicht abrutschen.

Nach "oben" schafft es so gut wie niemand. Wohlstand zu erreichen ist fast unmöglich, wenn man nicht in die richtige Kaste geboren wurde oder eben extremes und unverschämtes Glück hat.
Die Oberschicht setzt auch alles daran, hier eine strikte Grenze zu ziehen, so dass Reichtum, Macht und Einfluß natürlich erhalten oder gar ausgebaut wird.
Da soll kein anderer mehr "dazwischenfunken", das wäre nur störend.

Zu welcher Kaste unsere Politiker zählen, das soll sich mal jeder selbst denken - aber es erklärt VIELES... sehr VIELES. Es erklärt auch die Politik, die wir täglich erleben.

Ost/West ist doch nur BlaBla... darum geht es doch schon lange nicht mehr.
Aber es ist lustig, wie wir uns als Gesellschaft immer wieder davon einlullen lassen. Für mich gibt es schon alleine aus diesem Grund nichts zu feiern. Ich bin geboren tieeef im Westen, lebe derzeit im Osten und mir persönlich ist es furzegal, wer wo her kommt.
 
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