Neues zum Mindestlohn – die miesen Tricks der Arbeitgeber (1 Betrachter)

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ExitUser

Gast
Manche Arbeitgeber lassen sich einiges einfallen, um trotz der Einführung des allgemeinen flächendeckenden Mindestlohns möglichst nicht mehr zahlen zu müssen als zuvor. Beliebter Ansatzpunkt ist immer wieder die Frage, ob Sonderzahlungen und Urlaubsgeld anrechenbar sind oder nicht. Zum Thema Mindestlohn gibt es nun neue Gerichtsentscheidungen.
(ArbG Herne, Urteil v. 07.07.2015, Az.: 3 Ca 684/15)

Referenz: Neues zum Mindestlohn ? die Tricks der Arbeitgeber | Arbeitsrecht

Fazit: Lasst euren Arbeitsvertrag anwaltlich / gewerkschaftlich prüfen bevor ihr ihn unterzeichnet!
 

Der Auflehnende

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espps:
Fazit: Lasst euren Arbeitsvertrag anwaltlich / gewerkschaftlich prüfen bevor ihr ihn unterzeichnet!
Alternativ kann man einen unterschriebenen Arbeitsvertrag auch beim Arbeitsgericht im Nachhinein prüfen lassen.

Das Problem ist leider, das die Meisten alles mit sich machen lassen. Insbesondere aus Unwissenheit und Angst.
 

Cosima

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Uns hat man das Urlaubs-und Weihnachtsgeld ersatzlos gestrichen.

Dafür steht auf jeder Lohnabrechnung jetzt

Stundenlohn 8,00 €
WG/Url. 0,51 €

Ob das so rechtens ist, keine Ahnung.
 

Cosima

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:dank: @ Der Auflehnende

Danke für den Link.

Nächsten Monat ist Betriebsratsitzung, dort werde ich das zur Sprache bringen.

Doch wenn der lügt wie bei der letzten Sitzung werde ich mir einen Anwalt suchen.
 

Texter50

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Immer noch aktuell und hier wieder ein Beispiel:

Mindestlohn - von wegen. Wie Frauen um ihr Recht auf faire Bezahlung betrogen

In manchen Branchen wie bei den Reinigungskräften gelten zwar je nach Region höhere Mindest-Stundenlöhne. Aber – welch Wunder – die werden nicht immer eingehalten. Was Sabine aus Düsseldorf in ihrer Putzkolonne erlebt hat, zeigt, wie skrupellos und erfindungsreich manche Arbeitgeber sein können….
Mindestlohn - von wegen. Wie Frauen um ihr Recht auf faire Bezahlung betrogen werden. | Frau tv Video | ARD Mediathek
 

jockel

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Urlaubs- und Weihnachtsgeld dürfen nicht einfach gekappt werden:
Urteil zu Mindestlohn: Urlaubs- und Weihnachtsgeld dürfen nicht einfach gekappt werden - Wirtschaft - Aktuelle Wirtschafts- und Finanznachrichten - Augsburger Allgemeine

Ist das Gleiche LAG Urteil wie in #1.

Erkundige Dich ggf. beim Fachanwalt.
Wenn der Arbeitgeber in der Vergangenheit mindestens 3mal freiwillige Leistungen, eben Weihnachtsgeld gezahlt hatte, darf er das in der Zukunft nicht mehr verweigern. Dann wird es zum Gewohnheitsrecht und damit zur Pflichtleistung.
 

Bananenbieger

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Jetzt geistert das Argument der Arbeitgeber um den Mindestlohn (im BR3 gehört) herum.
Habe bis jetzt keinen Link.

Unverschämtheit von diesen Arbeitern. Die wollen einen Lohn.
Wenn alle Ehrenamtlich arbeiten würden, würde man mehr einstellen.


Übrigens: Urban Priol kommt am 20.12. um 22.xx im ZDF.
 

doppelhexe

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Wenn der Arbeitgeber in der Vergangenheit mindestens 3mal freiwillige Leistungen, eben Weihnachtsgeld gezahlt hatte, darf er das in der Zukunft nicht mehr verweigern. Dann wird es zum Gewohnheitsrecht und damit zur Pflichtleistung.
mein ex-arbeitgeber hat bei sonderzahlungen einen wisch mitgegeben, das die zahlung freiwillig ist und daraus kein recht auf zukünftige zahlungen abzuleiten ist... dann ists egal, ob 3 mal hintereinander oder 10 mal ... leider...
 

Gehatzter

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Jetzt geistert das Argument der Arbeitgeber um den Mindestlohn (im BR3 gehört) herum.
Habe bis jetzt keinen Link.
https://www.welt.de/wirtschaft/article160390731/Ohne-Mindestlohn-gaebe-es-heute-60-000-Jobs-mehr.html

Wirtschaftsforscher ziehen eine verheerende Bilanz - zum Unmut von Arbeitsministerin Nahles.
Korrupte Mietmäuler der Arbeitgeber- und Industrielobby

Ökonomen bezweifeln allerdings, dass sich die Stundenlohnsteigerung in einer Einkommenssteigerung in gleicher Höhe niedergeschlagen hat. Arbeitsmarktexperte Ronnie Schöb, Ökonom an der Freien Universität Berlin, sieht Hinweise darauf, dass bei den Beschäftigten, die jetzt Mindestlohn verdienen, die Zahl der Arbeitsstunden reduziert wurde. „Der Bericht der Mindestlohnkommission hat gezeigt, dass die Arbeitszeiten der vom Mindestlohn betroffenen Vollzeitbeschäftigten deutlich sinken.“
Ja, das ist wirklich ärgerlich für die Betroffenen, sind sie ja länger als früher daheim, das hebt ja die Stromkosten.

„Der Rückgang der Arbeitszeit beträgt nach einer Untersuchung in Ostdeutschland sechs Prozent und in Westdeutschland drei Prozent.“ Besonders stark seien die Effekte an der 450-Euro-Grenze.
Ist ja klar, die Arbeitgeber wollen keine Sozialversicherungsbeiträge zahlen.
Kurz, die gekaufte Saubande stellt ohne Belege ne Behauptung auf und argumentiert, weil die Faktenlage und gesunder Menschenverstand absolut dagegen spricht, völlig krude.
Sowas schmiert in Deutschland die Politiker, lebenslänglich in ein nasses Lehmloch gesteckt, ist noch zu milde für diese Saubande, die "normales Arbeitsleben" auf dem für Millionen von Menschen auf dem Gewissen haben.
Bei Kommentaren kommt auch der eine oder andere Lohndrücker vor, der mit Integration von Flüchtlingen daherkommt, dass man doch bitte schön weiter wie früher oder gar noch stärker die Löhne dafür drücken soll. Alle vor den Volksgerichtshof...
 

jockel

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mein ex-arbeitgeber hat bei sonderzahlungen einen wisch mitgegeben, das die zahlung freiwillig ist und daraus kein recht auf zukünftige zahlungen abzuleiten ist... dann ists egal, ob 3 mal hintereinander oder 10 mal ... leider...
Das ist von Arbeitgeberseite ein rechtswidriges Verhalten und dieser Schriebs ist rechtlich damit gegenstandslos. Aber wir wissen, was passiert, wenn Du den Rechtsweg verfolgst. Dann ist man den Job los und er sucht sich einen neuen willigen Untertan.
 

pinguin

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„Der Bericht der Mindestlohnkommission hat gezeigt, dass die Arbeitszeiten der vom Mindestlohn betroffenen Vollzeitbeschäftigten deutlich sinken.“
Es ist ja auch ein Ziel der Übung, rechtlich zulässige Arbeitszeiten zu erreichen und dennoch einen halbwegs akzeptablen Gesamtlohn zu erzielen.

Sofern es noch nicht alle kapiert haben; gemäß den europäischen Vorgaben beim Arbeitszeitrecht beträgt die höchstzulässige, regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit inklusive aller Überstunden 48 Stunden. Arbeitszeitrecht ist europäisches Recht, welches Rahmenkriterien vorgibt, die nur zugunsten des Arbeitnehmers geändert werden dürfen, weil es in wesentlichen Teilen den europäischen Binnenmarkt berührt und hier gemäß der EU-Verträge, die alle Mitgliedsländer ja gemeinsam beschlossen haben, die alleinige Reglungsbefugnis bei der EU liegt.

Aus diesem Grunde ist auch die 7-Tage-Arbeitswoche als Regelarbeitswoche eu-weit untersagt; 1x ist's zulässig, aber nur dann, wenn der Arbeitgeber in der Folgewoche einen Ersatzruhetag gewährt, zusätzlich zu jenem Ruhetag übrigens, der in jeder Woche zu gewähren ist, weil je 7-Tages-Zeitraum 1x 24h am Stück zur freien Verfügung des Arbeitnehmers verbleiben müssen und sie der Arbeitgeber nicht belegen darf.
 
E

ExitUser0090

Gast

Diese Propaganda ist tatsächlich unfassbar dreist.

"Manche sind einfach schlechte Verlierer". Keine Beschäftigungsverluste durch den Mindestlohn? Dann ist er eben für keine möglicherweise entstandenen Jobs verantwortlich
Markus Krüsemann hat in seinem Blog-Beitrag Ein Nicht-Plus als Minus? Dann schadet auch der Mindestlohn irgendwie so auf den Punkt gebracht: »Faktisch sind so gut wie gar keine Arbeitsplätze abgebaut worden, denn der negative Beschäftigungseffekt, die „employment reduction“, von der Bossler/Gerner ausdrücklich sprechen, beruht hauptsächlich auf einer Zurückhaltung bei Neueinstellungen.«

Alles klar? Es geht nicht um Jobs, die wegen des Mindestlohns verloren gegangen sind, denn die vom Mindestlohn betroffenen Betriebe haben ihr Personal weitgehend konstant gehalten, sondern um mögliche Jobs, die ohne Mindestlohn möglicherweise entstanden wären, wenn die ökonometrischen Gleichungen (denen ja ganz bestimmte Annahmen zugrunde liegen, wie sich die Unternehmen hinsichtlich Jobaufbau und –abbau verhalten werden), stimmen. Eine Menge „wenn’s“.
https://aktuelle-sozialpolitik.blogspot.de/2016/12/273.html
 

jockel

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Das klingt sehr nach Glaskugelreinschauen, Kaffeesatz- und Handlinienlesen und astrologisches Horoskop a la Ifo-Geschäftsindex zusammengeballt in einem Punkt. Wunschzetteldenken der Unternehmerverbände zu Weihnachten und fürs neue Jahr.

Warum sind Unternehmen so verhalten?

Sie leben im Profitwahn und tragen ihn auf dem Buckel der Belegschaften durch kostenlose Mehr- und Überstundenarbeit und Erhöhung der Arbeitsintensität (Stresserzeugung) aus. Folge - Erhöhung des Krankenstands.

Was ist Arbeitsintensität?

Das pure Arbeitsantreiben der Belegschaften, in immer weniger Zeit immer mehr an Arbeitsleistung und Waren zu erbringen - also das Akkord- und Fließbandtempo erhöhen - ohne den Einfluß technisch-technologischer Mittel und Methoden und ohne verbesserter Arbeitsorganisation frei nach der Nazimethode mit dem Spruch am Lagertor "Arbeit macht frei".

Sind die Menschen dann ausgebrannt, weil sie körperlich und geistig verschlissen sind, kommen die Massenentlassungen. Die Arbeitsagenturen und Jobcenter schleusen sie verwaltungsmäßig per Gesetz und Verwaltungsvorschriften schnell durchs Alg I durch und parken Sie als denkbare Arbeitskraftreserve im ALG II mit dem Wiederverwendungsdruck auch Niedriglohnjobs jeglicher Art annehmen zu müssen. Und an diesen Gesetzen und Verwaltungsvorschriften wirken wieder profitgestaltend die Denkfabriken der Unternehmerverbände - freilich ohne sichtbaren Fachkräftemangel. Fachkräfte müßten ja bildungsmäßig auf Kosten der Unternehmen laufend aktuell gehalten werden. Diese notwendigen Kosten in die Belegschaft will man sich als Unternehmensleitung nicht antun, weil es den zusammengerafften Profit schmälert.

So spart man sich technische Investitionen über längere Zeit und eine verbesserte, arbeitserleichternde Arbeitsorganisation - was die Erhöhung der Arbeitsproduktivität wäre.

Daß sowohl die Erhöhung der Arbeitsintensität als auch die Erhöhung der Arbeitsproduktivität mehr Arbeitsvergütung verlangt, liegt ja auf der Hand - interessiert aber die Unternehmensverbände nicht die Bohne.

Das hatte selbst die Politik erkennen müssen und sich notdürftig zum Mindestlohngesetz durchringen müssen - aber nicht ohne die lohnsteuer- und sv-beitragshinterziehende Niedriglohnpolitik aufgeben zu müssen.

Die deutsche Niedriglohnpolitik ist auf Dauer in einer deutschen, exportlastigen Wirtschaftspolitik den anderen EU-Mitgliedsländern nicht zu vermitteln. Die Marktanteile verschieben sich innerhalb der EU zugunsten Deutschlands. Und die anderen EU-Mitglieder zahlen die wirtschaftspolitische Zeche. Deswegen die miserablen Abbildungen über die Bundesmutti, die ja immer die deutschen Unternehmensverbandsinteressen unterstützt und fördert.

Warum man nicht in die Belegschaften investiert?

Die Wirtschaftsunternehmen sind im Verbund mit ihren Großbanken die Verursacher der selbstangezettelten Wirtschafts- und Finanzkrise, die allein mit dem Absenken der Guthabenzinsen, Erhöhen der Kreditzinsen und Börsenspekulationen nicht zu heilen sind.

Die Konzentration von immer mehr Kapital und Profit in immer weniger Hände Richtung Monopolisierung und Imperialismus (Weltherrschaft des Kapitals) ist ein Irrweg, wenn die Völker keinen Vorteil an dieser Wohlstandsvermehrung erhalten.

Das Raffen von Kapital und Profit in immer weniger Unternehmerhände bei Wirtschaftsunternehmen und Banken kann nicht die Lösung sein. So vergrößert sich die Schere von Reich und Arm und so vergrößert sich die soziale Sprengkraft.

Wie steht's in der Bibel, was die ach so christliche, abendländische Unternehmerlandschaft längst wissen müßte?

Weniger ist mehr!!! - Also das Verteilen des erzeugten gesellschaftlichen Reichtums aufs ganze Volk, auf die gesamte EU-Staatengemeinschaft anstelle des Hortens von Kapital und Profit.

Aber darin zeigt sich ja der unüberwindliche Grundwiderspruch des Kapitalismus - Arbeit und Kapital nicht zielgerichtet in die gleiche Richtung zum Wohle Aller entwickeln zu wollen. Das wäre ja gleichzusetzen mit dem Ende dieser Gesellschaftsordnung Kapitalismus, der Überwindung der privatwirtschaftlichen Eigentumsformen an Produktionsmitteln und langfristig der sozialen Klassen und Schichten, indem alle gleichermaßen zunächst nach dem Leistungsprinzip ihren Anteil am gesellschaftlichen Reichtum erhalten und nicht nur die Wirtschafts- und Bankenbosse, zusammen mit ihren käuflichen Politikern.
 
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