Nahtlos-Arbeitslosengeld I und die berühmten "15 Stunden" - Kann das jemand für jedermann verständlich erklären?

Alo455

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Ich habe ALG I in Form der Nathlosigkeit beantragt, da ich ausgesteuert werde, eine LTA Maßnahme in der Schwebe ist und ich weiter krankgeschrieben bin.

Eine Fachklinik bescheinigte mir eine Beurteilung des Leistungsvermögens von 3 bis unter 6 Stunden.

Dazu findet sich folgendes:

...um von dieser Nahtlosigkeitsregelung zu profitieren und weiterhin ALG I zu beziehen, prüft die Bundesagentur für Arbeit, ob die Leistungsminderung nur vorübergehender Natur ist. Dies ist dann der Fall, wenn - im Wege einer Prognose - nicht innerhalb von sechs Monaten die Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit zu einer versicherungspflichtigen, mindestens 15 Stunden wöchentlich umfassenden Beschäftigung auf dem für den Arbeitslosen in Betracht kommenden Arbeitsmarkt mit Sicherheit zu erwarten ist (siehe LSG Bayern, Beschluss vom 25.02.2013 - L 9 AL 8/13 B ER).

In einem Schreiben an mich von der Arbeitsagentur heißt es wörtlich:

"Wird vom ärtzlichen Dienst festgestellt, dass die Leistungsfähigkeit > 6 Monate auf weniger als 15 Stunden beschränkt ist, kann Nahtlosengeld gezahlt werden. Die Nahtlosigkeit kommt auch zur Anwendung, wenn das Leistungsvermögen zwar zwischen 15 und 30 Stunden/Woche umfasst, jedoch nicht den üblichen Bedingungen des für Sie erreichbaren Arbeitsmarktes entspricht."

Das mit den 15 Stunden verstehe ich einfach nicht. Andere Quellen sagen man muss mind. 15 Stunden fähig sein, sonst kein ALG I. Auch auf dem Arbeitslosenantrag soll man laut Muster von Doppeloma angeben, dass man mit seinem "Restleistungsvermögen" zur Verfügung steht, bzw. alles tut um die Arbeitslosigkeit zu beenden.

Kann das jemand wirklich verständlich erklären?
Was bedeutet das jetzt für jemanden, der

- mit 3 bis unter 6 Stunden
- oder mit unter 3 Stunden beurteilt wird?

Bekomme ich eventuell wegen der Beurteilung 3 bis unter 6 Stunden kein Nahtlosengeld? Das wäre für mich ruinierend.
Aufgrund einer schweren Sozialphobie mit weiteren psychischen Erkrankungen sehe ich mich selbst ohne LTA Maßnahme überhaupt nicht in der Lage zu arbeiten. Mehrere Ärzte haben auch bescheinigt, dass ich meiner letzten Tätigkeit sowie einer selbständigen beruflichen Umorientierung bzw. Bewerbungsprozess nicht gewachsen bin.

Ich bin stark verunsichert, da ich auch gefunden habe:

bescheinigt der Arzt, dass Sie
  • leichte Arbeit
  • sofort
  • mehr als 3 Std./Tag
verrichten können, gilt Nahtlosigkeit für Sie nicht. Sie gelten als leistungsfähig für den Arbeitsmarkt.
 
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BerndB

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Ein Vesuch

Annahme:
  • Eine Person ist nicht mehr leistungsfähig (unter 3 Std./Tg. bzw. unter 15 Std./Wo.)
  • Krankengeld ist beendet.
Möglicher Fall:
  • Über die Rente ist noch nicht entschieden.
  • Normales Alg kann nicht gezahlt werden, da nicht leistungsfähig.
  • Diese Person würde ohne Leistungen dastehen.
Für diese Fälle wurde die Ausnahme-Möglichkeit des Nahtlosigkeits-Alg eingeführt. Und nur bei diesem Nahtlosigkeits-Alg gibt es zusätzlich eine 6-Monatsgrenze.

Das Nahtlosigkeits-Alg dient nur der Überbrückung bis zur Rentenbewilligung. Deshalb muss bei Bewilligung dieses Nahtlosigkeits-Alg vom Antragsteller auch Rente bzw. eine REHA-Maßnahme beantragt werden (falls nicht schon geschehen).

Die Leistungsfähigkeit für die AA wird vom AA-Arzt geprüft.

Er kann folgende Prognosen abgeben:
  1. 0 - unter 15 Std./Wo. und das über 6 Monate
    Nahtlosigkeits-Alg wird gezahlt, da nicht mehr mit Leistungsfähigkeit gerechnet wird.

  2. 0 - unter 15 Std./Wo. und das nur bis zu 6 Monate
    kein Nahtlosigkeits-Alg, da mit Wiedereintritt der Leistungsunfähigkeit gerechnet wird
    kein normales Alg weil unter 15 Std./Wo.
    kein Alg / kein Nahtlosigkeits-Alg / nur Alg II, falls keine Ersparnisse

  3. 15 - unter 30 Std./Wo.
    normales Alg (geschätzt für ca. 29,? Std.)

  4. 30 Std. - vollschichtig
    normales Alg (Vollzeit, falls vorher VZ tätig)
Natürlich liegen in der Regel weiter gesundheitliche Einschränkungen vor, die bei der Arbeitsaufnahme beachtet werden müssen.
 

Alo455

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Sehe ich das richtig, dass man also nur "beruhigt" in das Nahtlosgeld kommt wenn man unter 15 Stunden arbeiten kann und das voraussichtlich für länger als 6 Monate?

Das wäre ja für jeden fatal.

In konkretem Beispiel:

jemand wird bei der Krankenkasse ausgesteuert und ist auch weiterhin arbeitsunfähig krankgeschrieben.
Der ärztliche Dienst ist zwar der Meinung, dass derjenige unter 15 Stunden aber voraussichtlich weniger als 6 Monate in dem Ausmaß leistungsgemindert ist. LTA Antrag läuft paralell.

Muss derjenige tatsächlich befürchten, dass er dann weder Nahtlosengeld noch normales ALG I bekommt?
 
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Lucky Luke

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Ja.

Das hatte mich "damals" als ich Nahtlosigkeits-ALG beantragen musste, auch stark verwundert (gelinde gesagt).

Aber nach logischem Nachdenken sagte ich mir, dass es für den ÄD der AfA bei einem Aktenlage-Gutachten doch nicht gar so einfach sein dürfte - bei jemand, der bereits über 78 Wochen definitiv erkrankt war - zu dem Schluss zu kommen, dass innerhalb eines halben Jahres soz. eine Wunderheilung stattfinden könnte...

Ähnliches schrieb Kerstin_K, glaube ich, bereits in deinem anderen Thread; und ich habe hier im Forum auch noch nie gelesen, dass so ein Fall hier einmal thematisiert wurde.

Wart's doch einfach mal ab und mach' dich nicht dauernd im Vorfeld verrückt, und stell' erstmal den Antrag....
 

Alo455

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Hallo Lucky,

es tut mir leid, wäre das nicht alles so kompliziert....
Du meinst mit so einem Fall thematisiert den Bezug auf die Nicht-Gewährung des Nathlosengelds?

Ich kann mir einen finanziellen Ausfall einfach nicht leisten, deswegen ist das Thema äußerst prekär.

Eine Frage deshalb bitte noch:

wenn man Schweigepflichtsentbindungen unterschreibt, bzw. der ärztliche Dienst Unterlagen bekommt, in denen die Tagesklinik eine Leistungsfähigkeit von 3 bis unter 6 Stunden einschätzt.
Das wären ja Minimum 15 Stunden / Woche.

Hat man dann quasi schon verloren was die Nahtlosigkeit angeht weil nicht unter 3 Stunden attestiert wurde?
Immerhin bin ich Seit März 2019 (auch nach der Aussteuerung) weiter krankgeschrieben und eine Wunderheilung in 2 Monaten ist eher nicht zu erwarten, zumal ich auch noch immer auf eine Entscheidung bezüglich des LTA Antrags warte.

Andererseits steht im Info Blatt von der Arbeitsagentur:

Die Nahtlosigkeit kommt auch zur Anwendung, wenn der ärztliche Dienst feststellt, dass das Leistungsvermögen zwar zwischen 15-30 Stunden liegt, jedoch nicht den üblichen Bedingungen des erreichbaren Arbeitsmarktes entspricht.

Bitte um Verständnis, dass man einfach nicht schlau wird, weil man andererseits ja grade im Rahmen des "Restleistungsvermögens zur Verfügen stehen soll.
 

Lucky Luke

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So, das ist jetzt aber echt mein letzter Versuch, dann geb ich's auf😢....

Ja, ich hatte damit gemeint, dass ich von so einer Ablehnung des Nahtlosigkeits-ALG hier im Forum noch nie gelesen habe (und Kerstin_K offensichtlich auch nicht) - scheint also nicht wirklich häufig vorzukommen.

Und das, was du aus dem Info-Blatt zitierst

Andererseits steht im Info Blatt von der Arbeitsagentur:
Die Nahtlosigkeit kommt auch zur Anwendung, wenn der ärztliche Dienst feststellt, dass das Leistungsvermögen zwar zwischen 15-30 Stunden liegt, jedoch nicht den üblichen Bedingungen des erreichbaren Arbeitsmarktes entspricht.
das scheint doch (deiner Schilderung nach) genau auf dich zuzutreffen?!?
-> ... Nahtlosigkeit kommt AUCH zur Anwendung....
-> zwischen 3 und 6 Std. täglich bzw. zwischen 15 und 30 Std. wöchentlich?!?
So steht's doch in deinen Arztberichten?!?

Und was dein Restleistungsvermögen angeht: DU gibst hier NIEMALS eine Stunden-Zahl an!
Du stellst dich nur mit deinem Restleistungsvermögen zur Verfügung!!
Nicht mehr und nicht weniger, sondern ausschließlich mit DEINEM Restleistungsvermögen, capisce?!
 

BerndB

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Nahtlosigkeits-Alg und normales Alg sind von der Höhe identisch, wenn du laut Arzt Vollzeit arbeiten kannst.

Natürlich gibt es das Problem, dass das Alg bei "3 bis unter 6 Stunden" auf Teilzeit gekürzt werden müsste, wenn vorher VZ gearbeitet wurde. In diesem Fall muss man sich der Vermittlung zur Verfügung stellen. Zur Verfügung stellen bei weiter vorherrschenden gesundheitlichen Einschränkungen bedeutet nicht, dass man morgen vermittelt ist.

Nahtlosigkeit bei 3 bis unter 6 Std./Tg. kommt dann zur Anwendung, wenn diese Stundenzahl im angestrebten Beruf nicht üblich ist. Es bedeutet nämlich dann, dass diese Person eben auch nicht vermittelt werden kann. Dann tendiert das Ganze auch Richtung Rente. Falls jemand aber im Büro oder Verkauf arbeitet, ist Teilzeit üblich. Dann gibt es bei 3 bis unter 6 Std. kein Nahtlosigkeits-Alg, sondern normales Alg. Und es gibt sicher viele Berufe, bei denen Teilzeit üblich ist.
 

BerndB

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O.k. @Alo455, ich geb dir recht. Trotzdem muss ich noch einen letzten Satz zur Bemessung schreiben:
Das Gesetz besagt "Einschränkungen des Leistungsvermögens bleiben unberücksichtigt, wenn Arbeitslosengeld nach § 145 geleistet wird." In der Regel muss bei 3 bis unter 6 Stunden von "normalem" Arbeitslosengeld ausgegangen werden, also nicht von Alg nach § 145. Vielleicht gibt es noch eine andere Regelung, habe ich aber nicht gefunden.
 

Antik 63

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Hallo @Alo455,
Merkt ihr, dass der Fragesteller nur noch verwirrter wird und dadurch Existenzängste hat?
Nein,ich merke nur das du alles zerredest und immer wieder neue Threads für das gleiche Thema auf machst.

Ich hab versucht dir das zu erklären in deinen anderen Threads,ich habe die Aussteuerung auch hinter mir,aber du willst das wohl nicht verstehen.:unsure:

Hast du den deinen ALG 1 Antrag überhaupt schon abgegeben ?


So, das ist jetzt aber echt mein letzter Versuch, dann geb ich's auf😢....
Ich geb jetzt auch auf.😥
 

Alo455

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Es gibt ja letztlich keine Patenterklärung, da ich wohl ab jetzt vom guten Willen des ärztlichen Dienstes abhängig bin.

Ich muss wohl einfach damit leben dass es ein gewisses Risiko gibt dass die Nahtlosigkeit nicht so läuft wie ich mir das gedacht habe. Auch wenn Kerstin wieder schreibt, dass das Arbeitslosengeld auch bei lediglich geringerem Leistungsvermögen nach Aussteuerung nicht abgesenkt werden darf.

Im Schreiben selbst steht ja, dass Nahtlosigkeit eventuell auch bei 15 bis 30 Stunden gegeben sein kann. Aber man ist da einfach in den Händen des Gutachters. Was eigentlich für einen psychisch wirklich schwer erkranken Menschen ohnehin eine Zumutung ist sich erneut dem ganzen Prozedere zu unterwerfen. Ist jedes Mal sehr belastend. Man ist ja schließlich nicht umsonst schon mittlerweile bei der Aussteuerung angekommen. Und nur weil jetzt ein anderer Leistungsträger eintritt kann man plötzlich vom Gutachter geheilt werden, obwohl ja schon drei unabhängige Ärzte festgestellt haben was los ist.

Es wird einfach generell niemand sagen können wie es dann nachher kommt. Antrag und Arztberichte habe ich jetzt abgegeben und harre der Dinge, was anderes bleibt mir ja auch nicht übrig.

Sollte es dann dumm laufen, kommt halt der Totalabsturz. Trotzdem danke für eure Zeit und Nerven.
 
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Antik 63

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Alo455

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So, ich habe ja letzte Woche sämtliche (aktuellen) Berichte meines Facharztes für Psychiatrie an den ärztlichen Dienst und separat die ALG-1 Meldung eingeworfen.

Wie erwartet, verlangt der ärtzliche Dienst jetzt weitere Schweigepflichtsentbindungen für den Gutachter der DRV (woher wissen die überhaupt, dass ich dort war?) sowie den Entlassbericht der Klinik. Letzterer ist vom Januar, mittlerweile hat sich der Zustand deutlich verschlechtert. Daher ist das imho sowieso sinnlos.

Den aktuellen Gesundheitszustand kann somit nur mein behandelnder Arzt oder der ärztliche Dienst selbst feststellen.
Den Bericht vom Gutachter habe ich selbst nie zu Gesicht bekommen, ich weiß nur dass er einer LTA Maßnahme auch zugestimmt hat.

Dann läuft noch immer der Antrag auf LTA bei der Rentenversicherung, auch nach mehrfachem Nachfragen tut sich hier einfach nichts.

Allein durch dieses Hin-und Her bin ich wieder deutlich mehr belastet.

Was ist jetzt nun der richtige Weg?
Sich auf die Freiwilligkeit berufen?

Mir stinkt das irgendwie, da ja nur mein Arzt den Ist-Zustand beurteilen kann und das eigentlich ja freiwillig ist, man aber letztlich doch unter Druck gesetzt wird.

Andererseits kann ich es mir nicht leisten dann keine Leistung zu bekommen.

Oder wär der bessere Weg die Unterschrift zu verweigern, sich aber gerne persönlich beim ärztlichen Dienst vorzustellen?
 
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Ruhrpottmensch

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Welche Unterschrift verweigern?

Es sei zudem gesagt, dass man gegen ein Sozialmedizinisches Gutachten -an sich- kein Widerspruch einlegen kann.
Dies geht im Grunde nur gegen den darauf folgenden Bescheid. Auch wird eine "persönliche Vorstellung" bei einem/dem Gutachter kaum ein anderes Ergebnis bringen. In der Tat ist es beim "ÄD der AfA" wohl äußerst selten, dass dort ein "Kunde" persönlich vorstellig werden muss/darf.

Und auch ich muss nochmals in die selbe Kerbe hauen...
Hier geht es nicht darum, ob Du wieder "Gesund geschrieben" wirst. Hier zählt einzig und allein das Restleistevermögen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt (Im Kern ist dies nämlich die Voraussetzung um ALG1 Leistungen in Anspruch zu nehmen). ALG1 nach §145 ("Nahtlosigkeit") ist hierbei quasi ein "Zwischending", bei dem Menschen "aufgefangen" werden sollen, die eventuell in einem EMR-Antragsverfahren oder -so wie Du- in einem Rehaverfahren sind (Eine LTA ist ja im Prinzip nichts anderes als eine Reha).

Fühlst Du Dich allerdings selbst nicht mehr in der Lage einer Arbeit nachzugehen (Bist also nach eigenen Empfinden Erwerbsunfähig), bleibt ja immer noch die Möglichkeit einen EMR Antrag zu stellen und somit -bei Erfolg- über diesen "Träger" finanziell abgesichert zu sein. Ich schätze aber, dies ist nicht Dein Weg. Somit muss man halt leider auch mit einer Ablehnung des ALG1 nach §145 rechnen. Dann gibt es halt "ganz normales" ALG1... Was ja nicht heißt, dass Du gleich morgen in einer Lohnschufterei 12h am Tag Kullis schrauben musst...

Mal aus eigener Erfahrung:
Nachdem ich Anfang des Jahres ausgesteuert worden bin (Ebenfalls psychische Erkrankung), habe ich ALG1 beantragt, wurde "überprüft", letztendlich wurde ALG1 nach §145 abgelehnt. Ich bekomme also "ganz normal" ALG1 und habe in den letzten sieben Monaten wirklich nur sehr, sehr sporadisch mit der AfA zu tun gehabt (Okay, hat sicherlich auch was mit der gesamten Situation zu tun). Habe also noch mehr als genug Zeit um mich auf meinen "Genesungsprozess" zu konzentrieren und die Dinge -da bin ich ganz ehrlich- in meinem ganz eigenen Tempo anzugehen. Natürlich hatte/habe ich auch immer mal wieder Phasen, in denen ich mich tierisch verrückt mache und am liebsten das gesamte Internet nach zuverlässigen Informationen durchkämmen möchte... Aber im Endeffekt bingt mich das a) nicht wirklich weiter & b) macht es mich nur noch viel verrückter...

Also einfach mal ein bisschen durchatmen und die Dinge erst einmal auf sich zukommen lassen...
Wenn man schon Vorfeld die Kühe wild macht, gibt es am Ende mehr saure Milch als notwendig. So zumindest meine Erfahrung...
 

Alo455

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Und was soll ich deiner Meinung nach jetzt tun? Einfach alles (wie gefordert) von der Schweigepflicht entbinden?
Die Freiwilligkeit kann man sich doch glatt sparen, wenn durch die Hintertür dann eh wieder der §66 kommt.

Meine Ist-Lage:

1. Ausgesteuert
2. LTA Antrag nach Widerspruch, unzähligem Schriftverkehr und doppelt und dreifachem Gutachter noch immer nicht entschieden.
3. Klinikbereicht vom Januar bescheinigt zwischen 3 und unter 6 Stunden, im Grunde veraltet, da aktueller Arzt eine Zustandsverschlechterung atterstiert. Sogesehen geht es ja ohnehin um den aktuellen Zustand und nicht um den Zustand vor fast 9 Monaten.

Ich habe auch ehrlich gesagt nicht die Kraft, täglich stundenlang in Foren unterwegs zu sein und Paragraphen zu studieren. Allein diese monatelange Ungewissheit ist schon extremst belastend.

Anbei möchte ich mich hiermit auch noch "outen": meine psychische Krankheit hatte (leider) vor dem Klinikaufenthalt zu einer Straftat geführt, wofür ich mich in Kürze auch noch vor Gericht verantworten muss. Eine Haftstrafe wird wahrscheinlich nicht kommen, ist aber auch nicht restlos ausgeräumt. Da soll ich auch noch mal zu einem Gutachter wegen Schuldfähigkeit.

Das heißt für mich: zusätzlich zu verschiedenen psychischen Diagnosen kommt noch eine ständige Angst vor der Verhandlung, jetzt zusätzlich noch Ungewissheit ob ich im September die Miete noch zahlen kann. Das macht einen völlig fertig!

Ergo: Ich kann derzeit überhaupt nicht arbeiten, da ich mich auf nichts konzentrieren kann und in ständiger Angst leben muss. Dazu kommt eine starke soziale Phobie.
Aber ich sehe es kommen: ich könnte ja auch 3 Stunden am Tag allein auf dem Acker Kartoffel pflücken gehen...
Dass es in der Situation vor der Verhandlung gar keinen Sinn macht vermittelt zu werden, verstehen die wohl auch nicht.
 
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Ruhrpottmensch

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Die "Lage" mag sehr "unentspannt" sein, für Dich persönlich sehr belastend und nicht zufriedenstellend, änder aber nun mal nichts an der Tatsache, dass Du Leistungen (von der AfA) möchtest. Also muss Du -im gewissen Maße- auch mit denen zusammenarbeiten.
Und nein: Ich meine das nicht zynisch! Siehe oben, ich war/bin in einer ähnliche Situation.

Und was soll ich deiner Meinung nach jetzt tun? Einfach alles von der Schweigepflicht entbinden?
Ja natürlich! Lass doch den ÄD erstmal seine Arbeit machen.
Ich greife jetzt mal ganz tief in die Glaskugel... Und schwör Dir schon fast, dass Du da nicht persönlich antanzen muss.

Schon ein "Problemchen" oder eine Baustelle weniger...

Bist Du wirklich so "kaputt" wie hier beschrieben, wird auch ein vernünftiger Gutachter so urteilen. Falls dem nicht so ist, gibt es aber auch dagegen Mittel & Wege... ;)

Zu guter Letzt: Sei mir bitte nicht böse... Aber ein "Wunschkonzert" ist auch die AfA nicht. Das habe ich auch erfahren müssen, hab mir vielleicht dabei auch ein bisschen "die Knie aufgeschrammt", die Welt ist davon aber nicht untergegangen. Das mag jetzt ein bisschen salopp klingen... Aber nimm es ein bisschen sportlicher. Denn wie gesagt... Wenn man jetzt schon die Kühe wild macht...
 
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Alo455

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Ich habe halt einfach eine riesen Angst davor, dass sich der ÄD irgendwas rauspickt, was dann wieder als Grund genutzt wird um zu kürzen oder nicht zu zahlen.
Wenn ich nicht weiß ob ich die nächste Miete noch zahlen kann, ich kann schon nicht mehr schlafen...

Den Klinikbericht könnte ich auch selbst schicken, habe ich ja hier.

Zudem liegt an Bericht meines Therapeuten an den MDK der Krankenkasse vor. Die haben daraufhin ja auch nichts mehr verlangt.
Warum reicht das der ARGE nicht ??

Den Gutachterbericht von der RV hab ich nichtmal selbst gelesen, Habe ich eigentlich ein Recht darauf den einzusehen?
Wie lange darf sich die RV zudem Zeit lassen bis endlich entschieden wird?

Einerseits leben wir im Sozialstaat, andererseits werden die Leute durch das Prozdere ja noch kaputter, oder sollen zermürbt werden?

Die Klinik schreibt z.B: "der Patient ist aufgrund seiner Psyche einem Bewerbungsprozess, beruflichen Neuorientierung oder einem Arbeitsplatz gemäß seiner letzten Tätigkeit nicht ausreichend gewachsen. Trotzdem wird attestiert: 3 bis unter 6 Stunden. Also kann ich sinngemäß ja auch 3 Stunden am Tag daheim Kugelschreiber zusammenschrauben.
 

Ruhrpottmensch

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Ich habe halt einfach eine riesen Angst davor, dass sich der ÄD irgendwas rauspickt, was dann wieder als Grund genutzt wird um zu kürzen oder nicht zu zahlen.
Am ALG1 wird in diesem "Stadium" nicht gekürzt oder verweigert. Entweder Du bekommst ALG1 nach §145 oder eben nicht. Dann bekommste ALG1 nach §138... 🤷‍♂️

Zudem liegt an Bericht meines Therapeuten an den MDK der Krankenkasse vor. Die haben daraufhin ja auch nichts mehr verlangt.
Warum reicht das der ARGE nicht ??
Die AfA ist halt die AfA... Und haben -mit ihren Mitteln- jedes Recht es erneut zu überprüfen...

Den Gutachterbericht von der RV hab ich nichtmal selbst gelesen, Habe ich eigentlich ein Recht darauf den einzusehen?
Klar... Forder den doch einfach mal bei der RV an...

Einerseits leben wir im Sozialstaat, andererseits werden die Leute durch das Prozdere ja noch kaputter, oder sollen zermürbt werden?
Sorry... Das ist aber -gelinde gesagt- völliger Quatsch!
Es ist nun mal der -vielleicht auch nicht ganz so ausgereifte- gesetzliche Weg. Da mussten schon viele, viele andere Menschen durch und sind -irgendwie- immer zum Ziel gekommen. Es ist auch immer ein bisschen, was man selbst draus macht. Wenn ich da schon von Beginn an mit so einer negativen/feindseligen Grundhaltung dran gehe...Na ja... Kühe... Milch... Und so!

Die Klinik schreibt z.B: "der Patient ist aufgrund seiner Psyche einem Bewerbungsprozess, beruflichen Neuorientierung oder einem Arbeitsplatz gemäß seiner letzten Tätigkeit nicht ausreichend gewachsen. Trotzdem wird attestiert: 3 bis unter 6 Stunden. Also kann ich sinngemäß ja auch 3 Stunden am Tag daheim Kugelschreiber zusammenschrauben.
Richtig... Denn ARBEITSunfähig heißt nicht gleich ERWERBSunfähig... 🤷‍♂️
 

Kerstin_K

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Wie lange darf sich die RV zudem Zeit lassen bis endlich entschieden wird?
Sechs Monate. Dann kannst due eie Untätigkeitsklage einreichen.

Die AfA ist deshalb so wild auf die Sachen von der DRV, weil die entscheidung der DRV für alle anderen Sozialversicherungsträger verbindlich ist.
 

Alo455

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Ich hatte aber in dem Gesundheitsfragebogen überhaupt nicht erwähnt dass ich bei einem Gutachter der Rentenversicherung war. Woher wissen die das also?

Ich finde es zudem irgendwie absurd, dass ich die Rentenversicherung von der Schweigepflicht entbinden soll und somit die Arbeitsagentur letztlich vor mir Kenntnis darüber hat, was der Gutachter der Rentenversicherung überhaupt geschrieben hat.
 

Ruhrpottmensch

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Also da die Zeit läuft: du würdest einfach die Schweigepflichtsentbindungen unterschreiben und warten?
Ja sicherlich...

Wenn Du Dich jetzt wegen einer (!) Schweigepflichtentbindung an die DVR -die übrigens durchaus auch untereinander/miteinander der AfA kommuniziert- "weigerst", stehste im schlimmsten Fall ganz ohne da. Stichwort: Fehlende Mitwirkungspflicht!

Nochmals: Du möchtest eine Leistung von der AfA. Da ist ein wenig "Mitarbeit" schon nicht all zu schlecht... ;)

Ich finde es zudem irgendwie absurd, dass ich die Rentenversicherung von der Schweigepflicht entbinden soll und somit die Arbeitsagentur letztlich vor mir Kenntnis darüber hat, was der Gutachter der Rentenversicherung überhaupt geschrieben hat.
Die AfA kann ja nicht wissen, dass Du das Gutachten von der DRV nicht erhalten/vergessen/in die Ablage-P gepackt hast... 🤷‍♀️
 

Alo455

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Nochmals: Du möchtest eine Leistung von der AfA. Da ist ein wenig "Mitarbeit" schon nicht all zu schlecht... ;)

Ich kann mir dabei aber trotzdem nicht verkneifen zu sagen, dass man ja offensichtlich - obwohl zahlreiche Berichte eines Facharztes vorliegen - Zweifel am Zustand des Patienten hat.

Sozial finde ich das ganze nicht gerade, vor allem auch was die Rentenversicherung seit fast 9 Monaten treibt. Immerhin hat die ja nochmals einen Gutachter beauftragt, um den aktuellen Zustand zu beurteilen. Das heißt, der Klinik Bericht vom Januar bringt somit eigentlich auch den ärztlichen Dienst nichts.

Ich finde, man wird rgendwie im Regen stehen gelassen und kommt in einen ewiges Prozedere bzw wird im Ungewissen darüber gelassen was passiert. Oder anders formuliert: wahrscheinlich windet man sich mit Händen und Füßen irgendeine Leistung zu gewähren bevor der Patient nicht völlig mürbe gemacht wurde.

Für den einen oder anderen Menschen kann so eine ewige Warteschleife absolut existenzgefährdend werden. Das kann bedeuten die Wohnung zu verlieren und so weiter. Und um da lange zu klagen hat manch einer auch nicht das Geld für.

Und genau das meinte ich auch damit dass die Menschen dadurch noch kränker werden. Ich wollte eigentlich gar nicht ausgesteuert werden, hatte mich frühzeitig bemüht um eine LTA Maßnahme weil ich ja wieder in die Spur kommen wollte. Aber durch dieses ganze Hin und Her und diese ewige Warteschleife geht es mir eigentlich noch schlechter wie vorher.

Ich bin mir einfach schon fast sicher wenn die den Klinikbericht lesen und da steht zwischen drei und sechs Stunden picken die sich genau das raus um wieder zunächst keine Leistung zu zahlen.
 
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Hallo Alo455
Wie erwartet, verlangt der ärtzliche Dienst jetzt weitere Schweigepflichtsentbindungen für den Gutachter der DRV

Oder wär der bessere Weg die Unterschrift zu verweigern, sich aber gerne persönlich beim ärztlichen Dienst vorzustellen?
Den Klinikbericht könnte ich auch selbst schicken, habe ich ja hier.
Die Schweigepflichtsentbindung für die der DRV,würde ich dem ÄD nicht unterschreiben.Dann weiß die ÄD/AFA schneller über alles bescheid,wie du selber.

Du kannst schreiben,das du dich gerne persönlich beim ÄD vorstellen möchtest und dann den Klinikbericht zur Einsicht mitbringen wirst.Oder den Klinkbericht selbst hinschicken,das musst du selber wissen,wie du das machen möchtest.
Ergo: Ich kann derzeit überhaupt nicht arbeiten, da ich mich auf nichts konzentrieren kann und in ständiger Angst leben muss. Dazu kommt eine starke soziale Phobie.
Das darfst du aber nicht sagen !!! Du kannst und willst Arbeiten und stellst dich mit deinem Restleistungsvermögen(was der ÄD/AFA feststellen muss)der Vermittlung zu Verfügung.
Aber für Vollzeit/Teilzeit,für genau soviel Stunden wie du vorher auch gearbeitet hast !!!
 
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