Nach eigener Einschätzung nicht arbeitsfähig, Erkrankung physischer Natur, Vorgehen bei Antrag Alg II (1 Betrachter)

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Jobhändla

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Hallo zusammen,

ich war nun eine Probezeit lang beschäftigt und auch recht zufrieden mit dem Job welchen ich selbst gefunden hatte. Leider wurde der Vertrag innerhalb der Probezeit gekündigt. Der Grund war das sich eine Krankheit der Hand welche ich mir in der Zeitarbeit durch zu lange Exponierung an vibrierenden Maschienen zugezogen hatte wieder "gemeldet" hat. Damals wurde ich operiert doch die Symptome treten bei Krampfhafter Handhaltung über längere Zeit wieder auf.

Nun geht es aber vorrangig darum das ich anderweitig gesundheitlich eingeschränkt bin, ich verspüre dauerhafte Übelkeit und habe ziemliche Probleme bei der Verdauung. Das erste mal beim Arzt war ich deswegen Ende 2017. Dort wurde alles geschallt und es wurden nur kleine Nierensteine festgestellt. Da ich bislang wirklich Angst vor Spiegelungen und ähnlichem hatte, habe ich einfach weiter gearbeitet und dachte das sich das schon wieder geben wird.

Nun habe ich einen Antrag auf ALG II gestellt und beim Menschen der mir den Antrag ausgehändigt hat angegeben das ich wohl evtl. ins KH muss.
Er sagte mir er notiert das ich Krank bin, ich solle aber bitte zum Arzt gehen.


Meine Frage ist im Prinzip, wird wenn ich im Antrag ankreuze das ich eigener Einschätzung nach nicht zur Arbeit von 3 Stunden Täglich in der Lage bin und einige Zeilen weiter unten, das vorausichtlich der Aufenthalt in einer stationären Einrichtung bevor steht, überhaupt Anspruch auf ALG II geltend?
Sollte ich diese Kreuze eher nicht machen und im Nachhinein Krankmeldungen sowie weitere Nachweise erbringen?

Ich ringe mit mir da ich wirklich Angst vor Krankenhäusern habe und mich so fühle als wird eine Operation bevor stehen. Spätestens Anfang nächster Woche begebe ich mich aber notgedrungen zu meinem Hausarzt und werde dort weitere Untersuchungen in die Wege leiten.

Ich habe schon ein wenig hin und her gelesen aber nichts vergleichbares im Forum gefunden. Jedenfalls ist es super das es dieses Forum gibt.

Vielen Dank fürs Lesen und den Erfahrungsaustausch
 

gila

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Wenn ich es jetzt richtig verstanden habe, bist du da gerade bei, einen Antrag auf Arbeitslosengeld 2 erst einmal zu stellen.
Du füllst momentan diese Formulare aus.
ich würde jetzt mal raten in keinem Falle auszufüllen, dass du nicht über 3 Stunden erwerbsfähig bist, denn dann ist das Jobcenter nicht für dich zuständig und dann fangen die gleich mal an mit Sozialamt und Rente beantragen.
Das Arbeitslosengeld II ist für Menschen, die erwerbsfähig sind und mindestens drei bis sechs Stunden arbeiten können.
Etwas anderes wurde bei dir ja bisher offiziell nicht festgestellt.
Damit deine Existenz gesichert ist kann ich dir nur raten dich als erwerbsfähig und nur vorübergehend arbeitsunfähig hier vorzuführen.

Sicherlich kannst du, weil du wahrscheinlich zum Arbeitsvermittler auch vorsprechen musst und eine Eingliederungsvereinbarung dir unter die Nase gelegt werden wird, angeben, dass du momentan gesundheitliche Probleme hast, die aber in Behandlung befindlich sind und eventuell ist eine Operation erforderlich.

Dann müsstest du eben regelmäßig ganz normale Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen einreichen. Beim Arbeitslosengeld II geht es nur um die grundsätzliche Erwerbsfähigkeit und darüber ist bis jetzt bei der noch nichts befunden worden. Also erwähne es auch nicht sonst wird es für dich unnötig kompliziert. Eine Eingliederungsvereinbarung, solange du eine AU hast und die dem Jobcenter vorlegst, auf keinen Fall unterschreiben, sondern sehr schnell und sehr freundlich in deiner Tasche verschwinden lassen und dem Vermittler sagen das schaue ich mir zu Hause genauer an.
Auch wenn man dir vormachen sollte, dass du das unterschreiben musst besteht hierzu überhaupt gar keine Pflicht
zu diesem Thema kannst du dich unter Eingliederungsvereinbarung und weiteren Stichworten hier einlesen.

Also noch mal zusammengefasst du bist AU zurzeit, das heißt arbeitsunfähig... es steht dir eventuell eine Operation bevor aber es beeinträchtigt nicht deine grundsätzliche Erwerbsfähigkeit.

Selbst wenn du selbst befürchten solltest für dich, dass deine Erwerbsfähigkeit eventuell gemindert wäre, würde ich das jetzt in keinem Falle sagen, denn es ist noch überhaupt kein Fakt.
Bringe erst mal deine Existenzsicherung ans Laufen und geh ins Krankenhaus und lasse machen, was notwendig ist und danach wird man weitergehen!
 

Jobhändla

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Vielen Lieben Dank für die ausführliche Antwort gila!

Den Antrag hätte ich wohl falsch ausgefüllt. Die EGV werde ich mir genauer anschauen und ggf. Gegenvorschläge unterbreiten da ich bestimmte Punkte gern mit aufgenommen hätte und sowieso ein ordentliches Gespräch sowie eine Verhandlung und Mitspracherecht bekommen möchte.
Zu dem Thema habe ich mich schon ein wenig einlesen können. Bislang muss ich sagen das meine EGV eigentlich in Ordnung waren soweit ich es beurteilen kann. Trotzdem bin ich natürlich Sanktionsmäßig und im Bereich der allgemeinen Arbeitsvermittlung vorbelastet.

Beispielsweise hatte ich nun den ersten VV im Briefkasten wobei es sich um eine Schleiftätigkeit im Metallbereich handelt. Komischer weise bekomme ich im Falle der Arbeitslosigkeit dauernd Vorschläge in diese Richtung. Wobei ich ja auch aus dem Bereich komme, mich diese Tätigkeit aber schon einmal krank gemacht hat..

Ich hoffe allgemein auf ein positives Urteil des BVV damit den Menschen des Landes auf einer der unteren Stufen der Gesellschaft ein wenig mehr Selbstbestimmung und Souveränität zu Teil wird. Zumindest die 100% Sanktion sollte wirklich gekippt werden finde ich, aber das ist ein anderes Thema...
 

gila

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Das ist gut dass du dich umfassend über die ganze Thematik erkundigst und dir ein Grundwissen hier an eignest. Wenn du falsche Vermittlungsvorschläge bekommst, auch wenn sie mit Rechtsfolgenbelehrung sind, kann man Jobcenter schreiben
, dass man sich auf diese Vermittlungsvorschläge nicht bewerben kann, da diese Arbeitsstellen ungeeignet sind . Wenn Du das mit dem Sachbearbeiter so klar hast, dass der genau weiß welche Einschränkungen da hast, oder wenn das mal definiert worden ist durch ärztlichen Dienst, was du tun kannst und was nicht, dann hat er sich auch daran zu halten, dass nur passende Vermittlungsvorschläge rausgeschickt werden. Manchmal ist es aber auch so dass VV von anderen Abteilungen versandt werden
 
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