Muss man jedem Jobangebot nachgehen? Unzumutbar?

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User78

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Hallo liebe Leserinnen und Leser,
als ALGII Empfänger (seit 10 Monaten) befinde ich mich derzeit in einer Maßnahme. Meine Leiterin hat mir heute so interessante Jobangebote vorgeschlagen bei den ich mich bewerben muss um keine Sanktionen zu bekommen.
Angebote wie:

-Laborhilfe, (einsammeln und endsorgen von Biomüll, Gläser spülen, etc.)
-Teilzeit Zeitungszusteller von 3.00Uhr bis 6.00uhr morgens auf 400€ Basis
-Helfer im Gartenbau
-Putzkraft für 8,80€ Brutto
-Produktionsmitarbeiter im Schichtbetrieb
-Und noch ein paar andere,…

Bei allen 8 Angeboten muss ich mich interhalb einer Woche bewerben.
Mit 10Jahren Berufserfahrung als selbstständiger Beschallungsakustiker (Jahresumsatz ca. 50.000€) und gelernter Versicherungsfachmann mit Abschluss nach §34d, halte ich diese Angebote für unzumutbar und beleidigend.
Als Fahrradkurier habe ich z.Z. zumindest eine Nebenbeschäftigung mit ca. 30std die Woche und etwa 400€ Einkommen im Monat.
Gibt es Angebote die ich aufgrund meiner Qualifikation als unzumutbar ablehnen kann und 8 Bewerbungen pro Woche halte ich ebenfalls für übertrieben.
Muss ich jeder dieser Angebote nachkommen um keine Sanktion zu bekommen?
Über reichlich Antworten und Meinungen freu ich mich jetzt schon und bedanke mich im Voraus.
 
E

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§ 10 SGB II Zumutbarkeit

(1) Einer erwerbsfähigen leistungsberechtigten Person ist jede Arbeit zumutbar, es sei denn, dass
1.sie zu der bestimmten Arbeit körperlich, geistig oder seelisch nicht in der Lage ist,
2.die Ausübung der Arbeit die künftige Ausübung der bisherigen überwiegenden Arbeit wesentlich erschweren würde, weil die bisherige Tätigkeit besondere körperliche Anforderungen stellt,
3.die Ausübung der Arbeit die Erziehung ihres Kindes oder des Kindes ihrer Partnerin oder ihres Partners gefährden würde; die Erziehung eines Kindes, das das dritte Lebensjahr vollendet hat, ist in der Regel nicht gefährdet, soweit die Betreuung in einer Tageseinrichtung oder in Tagespflege im Sinne der Vorschriften des Achten Buches oder auf sonstige Weise sichergestellt ist; die zuständigen kommunalen Träger sollen darauf hinwirken, dass erwerbsfähigen Erziehenden vorrangig ein Platz zur Tagesbetreuung des Kindes angeboten wird,
4.die Ausübung der Arbeit mit der Pflege einer oder eines Angehörigen nicht vereinbar wäre und die Pflege nicht auf andere Weise sichergestellt werden kann,
5.der Ausübung der Arbeit ein sonstiger wichtiger Grund entgegensteht.

(2) Eine Arbeit ist nicht allein deshalb unzumutbar, weil
1.sie nicht einer früheren beruflichen Tätigkeit entspricht, für die die erwerbsfähige leistungsberechtigte Person ausgebildet ist oder die früher ausgeübt wurde,
2.sie im Hinblick auf die Ausbildung der erwerbsfähigen leistungsberechtigten Person als geringerwertig anzusehen ist,
3.der Beschäftigungsort vom Wohnort der erwerbsfähigen leistungsberechtigten Person weiter entfernt ist als ein früherer Beschäftigungs- oder Ausbildungsort,
4.die Arbeitsbedingungen ungünstiger sind als bei den bisherigen Beschäftigungen der erwerbsfähigen leistungsberechtigten Person,
5.sie mit der Beendigung einer Erwerbstätigkeit verbunden ist, es sei denn, es liegen begründete Anhaltspunkte vor, dass durch die bisherige Tätigkeit künftig die Hilfebedürftigkeit beendet werden kann.

(3) Die Absätze 1 und 2 gelten für die Teilnahme an Maßnahmen zur Eingliederung in Arbeit entsprechend.
 
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Du beziehst ALGII und da ist als gesunder Mensch ziemlich jede Tätigkeit zumutbar auch wenn du ein studierter Sonstirgendwas bist, da wird hier jeder (fast) gleich behandelt.

Du stellst dich hier ein wenig überheblich dar, das ist hier nicht wirklich angebracht.
 

gelibeh

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8 Bewerbungen pro Woche halte ich ebenfalls für übertrieben.
Wer übernimmt die Kosten für 32 Bewerbungen Monat? Im Regelsatz ist dafür nichts vorgesehen. Also, wenn Kosten übernommen werden, dann ja, ansonsten :icon_evil:
 

Linare

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Hallo Janis,
wie aber kann ich beweisen, dass ich seelisch (mental?) nicht geeignet bin, eine mir seitens des Amtes zugewiesenen Vermittlungsvorschlag anzunehmen? In meinem Fall wurde mir ein Vermittlungsvorschlag für ein Call-Center unterbreitet, ich hab mich daraufhin beworben und bin am gleichen Tag von dem Call-Center zurückgerufen worden und für eine sogenannte Info Führung eingeladen worden. Bei der genannten Info Führung war mir sehr schnell klar, dass es sich um (für mich) ungebetene Werbeanrufe handelt. Hierzu sehe ich mich außerstande, weil sich in mir absoluter Widerstand regt vollmundig mir wildfremden Menschen am Telefon irgendwelche Ware aufzuschwatzen. Erst am 03.02. hatte ich einen Termin bei meiner SB und bin nun wieder für den 17.02. beim Amt geladen. Schikane oder doch Sanktionierung? Wie kann ich mich effektiv wehren? Bin dankbar für eine Antwort...


Lieben Gruß
Lina
 

Seepferdchen 2010

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Hallo Lina,

hier gibt es ein Gesetz und für 2013 ist noch eine Veränderung geplant!

§ 7 UWG Unzumutbare Belästigungen

Was ich damit schreiben will man kann dich nicht zwingen gegen das Gesetz
zu verstossen!

Und genau darauf berufst du dich!

Also keine Werbeanrufe wenn es bei diesem Call-Center darum geht!

Und so ganz neben bei, wie sollte hier die Bezahlung erfolgen, pro Gespräch und
wenn Kunde storniert, wird es dir wieder abgezogen, ist nur mal so ein Gedankengang von mir.

Gruß Seepferdchen:icon_pause:
 

User78

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Hallo Linare,
Werbeanrufe mit dem Ziel etwas zu verkaufen sind ohnehin grundsätzlich verboten worden.
Du kannst Dich also nicht zu Straftaten zwingen lassen. So würde ich beim JC argumentieren.
 
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Hallo Lina,

hier gibt es ein Gesetz und für 2013 ist noch eine Veränderung geplant!

§ 7 UWG Unzumutbare Belästigungen

Was ich damit schreiben will man kann dich nicht zwingen gegen das Gesetz
zu verstossen!

Und genau darauf berufst du dich!

Hallo Linare,
Werbeanrufe mit dem Ziel etwas zu verkaufen sind ohnehin grundsätzlich verboten worden.
Du kannst Dich also nicht zu Straftaten zwingen lassen. So würde ich beim JC argumentieren.

Beides richtig. Nur wie will Sie das nachweisen ???
Es bleibt nichts anderes übrig als den Job anzunehmen wenn Sie Ihn bekommt und dann sollte
es wirklich der Fall das es sich um solche Anrufe handelt mit bezug darauf kündigen.
ABER ganz wichtig. Beweise dafür sichern ansonsten geht der Schuß nach hinten los.
 

Seepferdchen 2010

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Beides richtig. Nur wie will Sie das nachweisen ???

Es muß ihr bei Einstellung gesagt werden um welches Produkt es sich handelt, was am Telefon verkauft werden soll!

Und ein Blick zum Verbraucherschutz, bewirkt manchmal Wunder!

Zweiter Schritt der Arbeitsvertrag muß geprüft werden!

Unwahrheiten im Vertrag für den AG ein ganz schlechte Karte!


Und auch ein Blick in die AGBs vom Call-Center,lässt eventuell ein Licht aufgehen.

Es bleibt nichts anderes übrig als den Job anzunehmen wenn Sie Ihn bekommt und dann sollte
es wirklich der Fall das es sich um solche Anrufe handelt mit bezug darauf kündigen.


ABER ganz wichtig. Beweise dafür sichern ansonsten geht der Schuß nach hinten los.

Stiftung Warentest und die Verbraucherzentrale es lohnt sich auch da mal rein zu schauen!

Gruß :icon_pause:
 

Linare

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Hallo Seepferdchen,
das Call-Center beruft sich darauf, dass es sich ja bei den Angerufenen um sogenannte Bestandskunden geht. Beispiel: Selbige haben irgendwann mal bei einem Buchverlag ein Buch online gekauft und haben dabei versehentlich ein Häkchen irgendwo gesetzt welches darauf hinweist das der Kunde mit der Verwertung seiner Daten zu Werbezwecken einverstanden ist.

Für mich persönlich macht das nur keinen Unterschied...ob nun Bestandskunde oder nicht. Ich soll jemand Fremdem am Telefon Ware verscherbeln.

Zu Deiner Frage was den Lohn angeht: 8,02€ die Stunde + 0,75€ durchschnittliche Prämie pro Abschluss. 35 Std. Woche, bis zu 15 Überstunden gehen auf ein Zeitkonto, ab der 16. Std. wird wieder bezahlt. Hmmm, keine Ahnung was passiert wäre, wenn ein Kunde storniert hätte, hierzu hat man uns nichts gesagt. Wir waren zu 8 Leuten in einem Konferenzraum und sollten dann auch noch Rollenspiele spielen...naja, wie gesagt ich kann sowas nicht, fühle mich damit echt überfordert.

Kann ich deswegen nun sanktioniert werden? Hab ja meinen nächsten Termin am 17.02. obwohl ich ja am 27.01. meine EGV unterschrieben habe. Hab sogar letzte Woche Donnerstag meiner SB am Telefon mitgeteilt warum ich den Arbeitsplatz nicht antreten kann. Hab das Gefühl von der SB drangsaliert zu werden.
 

götzb

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Meine Leiterin hat mir heute so interessante Jobangebote vorgeschlagen bei den ich mich bewerben muss um keine Sanktionen zu bekommen.

Ohne RFB keine Sanktion.
Die Schl.. bei der Maßnahme kann da so viel drohen wie die Olle will.
Und da der Müll von der Arbeitslosenbetreuungsindustrie kam,kann man sich bewerben...

Ansonsten...so bewerben das der pot. AG dich nicht will,aber
gleichzeitig es nicht als Verhinderung ausgelegt werden kann.

Beim VG bissel dumm gucken und bissel dumm frage,gibt das Möglichkeiten ohne das eine Sanktion wegen Verhinderung kommen kann.
 
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Linare,

wenn es so ist wie der Arbeitgeber es darstellt bewegt er sich innerhalb des
gesetzlichen Rahmens. Unabhängig ob man dies in Ordnung findet oder nicht.
Der Arbeitgeber wird dir entgegen dem was Seepferdchen (in guter Absicht) schreibt kaum vorher
sagen das er etwas nicht Legales macht.
Wenn du dies ablehnen willst mußt du auch nachweisen können das diese Arbeit außerhalb legaler
Tätigkeiten ist. Kannst du das ? Wohl erst dann wenn du dort arbeitest.

Alleine das die Tätigkeit des Arbeitgebers grenzwertig ist und das du moralische Probleme damit
hast (in allen Ehren,die habe ich auch) hilft dir aber nicht die Stelle abzulehnen.
Das JC sieht deine Moralischen Bedenken als Privatvergnügen solange du dies nicht nachweisen kannst.
Sanktion folgt auf dem Fuße !
 

Linare

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ja, hab ich, würd Dir jetzt gern den Namen der Firma mitteilen wollen, kann allerdings noch keine private Nachricht schreiben da ich noch keine 12 Beiträge geschrieben habe....

nunja, nachdem ich der Dame vorne gesagt habe, dass ich mich nicht mit der angebotenen Stelle identifiziere wurde ich nett darauf hingewiesen die Räumlichkeit zu verlassen und vorn am Empfangsbereich den Gästeausweis abzugeben.

Was mich nun am 17.02. bei meiner SB erwartet, weiß ich noch nicht. Kannst Du mich nicht persönlich anschreiben und ich kann da privat antworten?
 

Linare

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könnte ich mir nicht ärztlich attestieren lassen das ich mental dazu nicht in der Lage bin? Bis jetzt habe ich diesen Monat schon mehr Bewerbungen losgeschickt als ich eigentlich laut EGV müsste. Ob nun eine Sanktion kommt weiß ich noch nicht, hab aber so ein ungutes Bauchgefühl und weiß halt nicht wie ich mich dagegen wehren kann.
 
E

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könnte ich mir nicht ärztlich attestieren lassen das ich mental dazu nicht in der Lage bin? Bis jetzt habe ich diesen Monat schon mehr Bewerbungen losgeschickt als ich eigentlich laut EGV müsste. Ob nun eine Sanktion kommt weiß ich noch nicht, hab aber so ein ungutes Bauchgefühl und weiß halt nicht wie ich mich dagegen wehren kann.

Versuchen kannst du das aber ich glaube nicht das dein Jokecenter das akzeptieren wird.
Vielmehr werden Sie dich dann zum Amtsarzt schicken um deine Angaben zu überprüfen.

Wie gesagt ich versteh dich aber es ist wirklich besser du gehst dahin wenn du den
Job bekommst.
 
E

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Gast
Niemals bei sowas mit Telefonnummer und e-mail Adresse bewerben. Nur schriftlich ohne Angabe Telefon und mail.

Dir wird sicher vom Callcenter ein Probearbeitstag vorgeschlagen worden sein? Dann stell dich dort doof an. Stottere ein wenig herum, bringe KEINE Abschlüsse, geh öfter mal auf Klo auch wenn du nicht musst, trinke viel Wasser wegen der Stimme. Wenn du keine Abschlüsse bringst, biste eh wieder raus.

Wegen Putzkraft: Hast du irgendwelche Allergien? Wäre hilfreich, ansonsten bei der Probearbeit penibel langsam arbeiten. Dann nehmen die dich nicht.

Aber bei solchen Angeboten sieht man wieder, dass eine Ausbildung nichts wert ist. Und dass Fachkräfte gar nicht fehlen, sondern diese einfach nur in die Jobs, die für ungelernte gedacht waren, gesteckt werden.

Wenn du zu dem Biomüll Ding musst, frage, ob du Schutzkleidung bekommst, ob das ganze irgendwie gefährlich ist (da Bioabfall und du hast Null Ahnung davon und redest von Viren und Bakterien und so, als wenn du zu oft Filme über Ebola Ausbrüche gesehen hast).


Hast du für die Bewerbungen Erstattungsantrag gestellt? Das musst du vorher tun. Was steht in deiner EGV ? Kriegst du die Kosten alle erstattet? Das ist nämlich nicht im Regelsatz drin.
 
E

ExitUser

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Du beziehst ALGII und da ist als gesunder Mensch ziemlich jede Tätigkeit zumutbar auch wenn du ein studierter Sonstirgendwas bist, da wird hier jeder (fast) gleich behandelt.

Du stellst dich hier ein wenig überheblich dar, das ist hier nicht wirklich angebracht.

Ich sehe hier nicht die geringste Überheblichkeit, im Gegenteil, ich hab tiefstes Verständnis.

Dein Kommentar hingegen kommt mir eher aus der Richtung der berühmten Putzfrau, die auf ALG2er schimpft, und in ihrer Kurzsichtigkeit gar nicht auf die Idee kommt, ihre Wut in Richtung derer zu lenken, die UNS ALLEN (ob arbeitslose "Studierte" oder Hilfsarbeiter) dieses menschenverachtende Konstrukt eingebrockt haben.

Zum Thema:
Bewerben wirst dich müssen. Und solltest wirklich genommen werden, dann wird das wohl ein kurzes Intermezzo werden.

Die nehmen doch auch lieber motivierte Leute, die wirklich wollen und nicht 2 linke Hände haben. (das sagte mir sogar mal mein Arbeitsvermittler unter 4 Augen, als ich ihn darauf hinwies, dass er nicht erleben wird, dass ich "Spargelstechen" gehe).

Ansonsten bleibt dir ja noch der Gang zu einem Arzt, wo du feststellen lassen musst, dass dich diese Art der Tätigkeit seelisch krank macht.
 

jockel

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Die Bundesregierung muß mittlerweile hochoffiziel zugeben, daß sie, ihre Lobbyistenverbände und die Wirtschaftsverbände mit ihrer Prekärjobpolitik flächendeckend volks- und menschenfeindlich handeln. Die Menschenwürde wird nicht gesichert und war auch nie beabsichtgt - mit und ohne Hartz IV und Agenda 2010. Alle derartigen Jobs sind regelmäßig und dauerhaft unzumutbar, weil sie existenzvernichtend sind.

Diese Argumentierung und Informationsquelle sollte man sich merken und konsequent bei der Ablehnung aufgezwungener Prekärjobs für Widersprüche und Sozialklagen nutzen. Es ist ja hochoffiziell die Bankrotterklärung der Bundesregierung, ihrer Ämter und der Wirtschaftsverbände, daß Prekärjobs aller Art unzumutbar sind.

Wenn es schon bei Singles nicht langt, dann erst recht für alle anderen Beschäftigten- und Erwerbslosengruppen.

Die Hartzpolitik ist als Ganzes gescheitert und unzumutbar.


Zu diesem Thema Mindestlohn und Ausnahmeregelung für Arbeitslose schweigen auch das Bundesarbeitsgericht und das Bundessozialgericht. Eins dieser Gerichte hatte jüngst es abgelehnt, eine solche Klage zu verhandeln. Sie wollen die Bundesregierung und ihre abhängigen Ämter nicht als volksfeindlich und menschenverachtend per Urteilssprechung bloßstellen. Das Urteil würde ja sofort dieses Gesellschaftssystem Kapitalismus in seinem Fundament in Frage stellen.

Die mit Mindestlohn erzielten Arbeitsverdienste reichen nicht aus, um die steigenden Lebenshaltungskosten bezahlen, geschweige denn eine Altersversorgung bestreiten zu können. Aber Arbeitgeberverbände beharren immer noch auf Prekärjobs jeglicher Art, wollen die Abschaffung des Mindestlohns und lassen sich das amtlich mit Schmiermitteln und Vermittlungszwang fördern. Sie sind kriminell beim Aushebeln von Mindest- und Tariflöhnen und der Lohnsteuer - wie SV-Beitragshinterziehung.

Frankfurter Allgemeine vom 20.06.2016: Mindestlohn reicht für Singles oft nicht zum Leben

Berlin (dpa) - - Für Geringverdiener in westdeutschen Ballungsräumen reicht das Einkommen wegen hoher Mieten oft nicht zum Leben. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, die der in Düsseldorf erscheinenden «Rheinischen Post» vorliegt.

Demnach bringt ein Vollzeitjob mit einem Mindestlohn-Stundenverdienst von 8,50 Euro in westdeutschen Städten vielerorts zu wenig ein, um Lebenshaltungskosten und Miete zu decken.


Nach Auskunft der Regierung erhält eine alleinstehende Person mit einer Wochenarbeitszeit von 37,7 Stunden und einem Mindestlohn von 8,50 Euro einen monatlichen Bruttolohn von 1388,62 Euro. Netto blieben dem Papier zufolge 1040,27 Euro für die Lebenshaltungskosten übrig. Der durchschnittliche Existenzbedarf alleinstehender Erwerbstätiger betrage jedoch 1053 Euro und läge damit um 13 Euro über dem Gehalt. Der Existenzbedarf setze sich zusammen aus dem Hartz-IV -Regelsatz von 404 Euro, den durchschnittlichen Kosten der Unterkunft von 349 Euro sowie dem Erwerbstätigenfreibetrag von 300 Euro.


In einzelnen Städten ist die Lücke dem Bericht zufolge noch größer: Ein alleinstehender Hartz-IV -Empfänger in München habe Anspruch auf einen Mietzuschuss von 492 Euro, so das Papier. Dieser Betrag liege um 156 Euro über dem Existenzbedarf aus einem Vollzeit-Job mit Mindestlohn. In Düsseldorf zahle das Job-Center einen durchschnittlichen Mietzuschuss von 395 Euro. Auch hier bringe ein Mindestlohn-Job 46 Euro zu wenig ein.


Für den Linken-Politiker Klaus Ernst bedeuten die hohen Mietbelastungen für Geringverdiener, dass der Mindestlohn deutlich erhöht werden muss. «In großen Teilen des Westens und in Ballungsgebieten hängt man mit 8,50 Euro weiter am Tropf des Staates», sagte er dem Blatt. «Der Mindestlohn muss ganz deutlich höher liegen, als derzeit durch die Mindestlohnkommission angedacht wird.»


Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, forderte, nicht den Mindestlohn stark zu erhöhen, sondern die Sozialabgaben für Geringverdiener zu senken. «Denn nur wenn es wieder attraktiver wird für Unternehmen, Menschen einzustellen und in sie zu investieren, werden Produktivität und Einkommen gerade der Geringverdiener steigen können», sagte er.
Was der Präsident des DIW vorschlägt mit der Senkung der Sozialabgaben ist die Legalisierung der Lohnsteuer - wie SV-Beitragshinterziehung und die Abschaffung der gesetzlichen Altersrente. Der DIW fördert also kriminelles Verhalten der privatwirtschaftenden Unternehmer und ihrer Interessensverbände, der Arbeitsagenturen und Jobcenter. Damit rechtfertigt die Bundesregierung ihre Streichorgien im Sozialhaushalt.

Wer Lohnsteuern und SV-Beiträge senkt, der will für Unternehmer Zusatzprofite herausschinden und die Bundesregierung die frei werdenden Mittel aus dem Sozialhaushalt zweckentfremdend einsetzen.
 
E

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Tja ich würde mir wünschen, dass für die Abschaffung von H4 bzw. menschenwürdigere Verhältnisse im SLGII-Bezug sich mal Menschenketten bilden würden und nicht nur gegen Rassissmus (was naürlich auch sehr wichtig ist) aber offensichtlich bringt man da keine Menschen auf die Straße.
Schade eigentlich!
 
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