Monatliche EGV-Verhandlungen mit permanenter Maßnahmeandrohung

Hart(z)erBrocken

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Hallo,

ich habe nun schon seit Monaten Scherereien mit dem Jobcenter und hoffe darauf, dass mir hier jemand helfen kann.

Kurze Vorgeschichte:
Ich wurde im April das erste Mal seit langem wieder zu einem Meldetermin eingeladen.
Dort wurde mir eine EGV vorgelegt, ich bestand auf 14 Tagen Bedenkzeit und nahm diese mit.
Daraufhin wurde mir ein Flyer für eine Vollzeitmaßnahme ausgehändigt, die ich bei Nichtunterschrift antreten müsste. Außerdem würde bei Nichtunterschrift ein EGV-VA erlassen.
Am letzten Tag der Bedenkzeit erreichte das Jobcenter dann nachweisbar mein Schreiben, dass ich die mir vorgelegte EGV aufgrund rechtswidriger Inhalte leider nicht unterschreiben kann.

Im Mai wurde ich dann erneut zum Meldetermin eingeladen.
Dort wurde mir eine leicht veränderte EGV vorgelegt (z.B. Konkretisierung der Bewerbungskostenerstattung).
Ich bestand auf 14 Tagen Bedenkzeit und nahm diese mit.
Daraufhin wurde mir erneut derselbe Flyer für eine Vollzeitmaßnahme ausgehändigt, die ich bei Nichtunterschrift antreten müsste. Außerdem würde bei Nichtunterschrift ein EGV-VA erlassen.
Am letzten Tag der Bedenkzeit erreichte das Jobcenter dann nachweisbar mein Schreiben, dass ich die mir vorgelegte EGV aufgrund der immer noch vorhandenen rechtswidrigen Inhalte nicht unterschreiben kann.

Im Juni wurde ich erneut zum Meldetermin eingeladen.
Mir wurde die im Anhang befindliche, erneut leicht veränderte EGV vorgelegt (nur Veränderung der Bewerbungskostenerstattung).
Ich bestand auf 14 Tagen Bedenkzeit und nahm diese mit.
Daraufhin wurde mir zum dritten Mal derselbe Flyer für eine Vollzeitmaßnahme ausgehändigt, die ich bei Nichtunterschrift antreten müsste. Außerdem würde bei Nichtunterschrift ein EGV-VA erlassen.

Nun habe ich ein paar Fragen:
Verstehe ich die Passage "Sie haben an allen zumutbaren Maßnahmen der Eingliederung mitzuwirken" richtig, sprich, dies wäre eine Blankovollmacht für die ständig angedrohte Vollzeitmaßnahme?
Ist es durch diese Blankovollmacht möglich, mich zu dieser Maßnahme bei Nichtunterschrift zu zwingen, schließlich müssen doch EGV-VA und EGV inhaltsgleich sein?
Und zu guter letzt, hat jemand einen guten Ratschlag für das weitere Vorgehen?
Ich glaube nämlich kaum, dass weiterhin fröhlich jeden Monat das Murmeltier weitergrüßt...

(Anmerkung: die letzte Seite der EGV enthält nur die Felder für die Unterschrift, hab sie deshalb nicht eingescannt)
 

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Sebi1988

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also ich würde es nicht unterschreiben!

"Jobcenter YX erstattet ausschließlich Kosten für schrifliche Bewerbungen, deren Qualität in Form und Umfang unter Berücksichtigung der jeweiligen Tätigkeit geeignet ist, Ihre Qualifikation und Ihre Motivation zur Arbeitsaufnahme einem Arbeitgeber gegenüber erkennbar zu machen"

da lässt sich rein theoretisch immer nen grund finden, die kosten nicht zu erstatten.

außerdem haben solche dinge wie das erhalten von vermittlungsvorschlägen überhaupt nix in der EGV zu suchen - dazu ist das jobcenter ohnehin verpflichtet.

die änderungsklausel - wieder so eine sache ( im letzten absatz "unterstützung durch das jobcenter" ), damit hat dein SB nen freifahrtsschein um die EGV abzuändern, wie er gerade bock hat. unter deinen bemühungen findest du den quatsch ebenfalls nochmal.

was mir auch säuerlich aufstößt: "Bitte beachten Sie, dass Sie verpflichtet sind, die für die Vermittlung erforderlichen Auskünfte zu erteilen. Unterlagen vorzulegen und den Abschluss eines Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnisses unter Benennung des Arbeitgebers und seines Sitzes unverzüglich mitzuteilen § 38 Abs. 2 SGB III

(1) Personen, deren Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnis endet, sind verpflichtet, sich spätestens drei Monate vor dessen Beendigung persönlich bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend zu melden. Liegen zwischen der Kenntnis des Beendigungszeitpunktes und der Beendigung des Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnisses weniger als drei Monate, haben sie sich innerhalb von drei Tagen nach Kenntnis des Beendigungszeitpunktes zu melden. Zur Wahrung der Frist nach den Sätzen 1 und 2 reicht eine Anzeige unter Angabe der persönlichen Daten und des Beendigungszeitpunktes aus, wenn die persönliche Meldung nach terminlicher Vereinbarung nachgeholt wird. Die Pflicht zur Meldung besteht unabhängig davon, ob der Fortbestand des Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnisses gerichtlich geltend gemacht oder vom Arbeitgeber in Aussicht gestellt wird. Die Pflicht zur Meldung gilt nicht bei einem betrieblichen Ausbildungsverhältnis. Im Übrigen gelten für Ausbildung- und Arbeitsuchende die Meldepflichten im Leistungsverfahren nach den §§ 309 und 310 entsprechend.
(2) Ausbildung- und Arbeitsuchende, die Dienstleistungen der Bundesagentur in Anspruch nehmen, haben dieser die für eine Vermittlung erforderlichen Auskünfte zu erteilen, Unterlagen vorzulegen und den Abschluss eines Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnisses unter Benennung des Arbeitgebers und seines Sitzes unverzüglich mitzuteilen. Sie können die Weitergabe ihrer Unterlagen von deren Rückgabe an die Agentur für Arbeit abhängig machen oder ihre Weitergabe an namentlich benannte Arbeitgeber ausschließen. Die Anzeige- und Bescheinigungspflichten im Leistungsverfahren bei Arbeitsunfähigkeit nach § 311 gelten entsprechend.
(3) Die Arbeitsvermittlung ist durchzuführen,

1.
solange die oder der Arbeitsuchende Leistungen zum Ersatz des Arbeitsentgelts bei Arbeitslosigkeit oder Transferkurzarbeitergeld beansprucht oder
2.
bis bei Meldepflichtigen nach Absatz 1 der angegebene Beendigungszeitpunkt des Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnisses erreicht ist.

Im Übrigen kann die Agentur für Arbeit die Arbeitsvermittlung einstellen, wenn die oder der Arbeitsuchende die ihr oder ihm nach Absatz 2 oder der Eingliederungsvereinbarung oder dem Verwaltungsakt nach § 37 Absatz 3 Satz 4 obliegenden Pflichten nicht erfüllt, ohne dafür einen wichtigen Grund zu haben. Die oder der Arbeitsuchende kann die Arbeitsvermittlung erneut nach Ablauf von zwölf Wochen in Anspruch nehmen.
(4) Die Ausbildungsvermittlung ist durchzuführen,

1.
bis die oder der Ausbildungsuchende in Ausbildung, schulische Bildung oder Arbeit einmündet oder sich die Vermittlung anderweitig erledigt oder
2.
solange die oder der Ausbildungsuchende dies verlangt.

Absatz 3 Satz 2 gilt entsprechend.
das wird hier meiner meinung nach, völlig aus dem zusammenhang gerissen - wenn du arbeit oder eine ausbildung findest, musst du das selbstverständlich mitteilen. wenn das arbeitsverhältnis durch das jobcenter gefördert wird, musste dementsprechend auch verträge etc. vorlegen - ist klar.
wenn du dir jedoch selbst etwas suchst und somit ab zeitpunkt X nicht mehr auf ALG II leistungen angewiesen bist und diese arbeitsaufnahme nicht durch das jobcenter gefördert wird ( durch zuschüsse ), geht die der ausbildungs- oder arbeitsvertrag nen feuchten an!
dann haste lediglich die pflicht dich dort zu melden und mitzuteilen, dass du nicht mehr auf ALG II angewiesen bist - bei wem du arbeitest, wie viel geld du bekommst usw. geht die gar nix an.
der sinn und zweck der ganzen geschichte ist einfach der, dass die sich das auf die fahne schreiben können bzw. werden sie das als "ihren" erfolg verbuchen, dass du wieder in arbeit bist.

zu deinen fragen:

die passage "Sie haben an allen zumutbaren Maßnahmen der Eingliederung mitzuwirken" ist einfach nur aus dem SGB II geklaut bzw. wird da sowieso schon geregelt und nein, eine vollmacht bekommt der SB da durch nicht. du kannst auch ohne EGV bzw. VA einer maßnahme zugewiesen werden, dafür muss er dir nur eine zuweisung schicken.

ich gehe auch nicht davon aus, dass dein SB das spielchen noch lange mit machen wird. würde da jetzt einfach nen kurzes schreiben an ihn richten, dass du die EGV nach wie vor nicht für unterschriftsfähig hälst da diese nach wie vor rechtswidrige inhalte aufweist.
sollte dann der VA kommen, stell den hier ein, dann werden wa den zerpflücken und schauen was man damit anstellen kann ;)
 

AnonNemo

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Hallo Hart(z)erBrocken,

es könnte sein, dein SB hat sich schon die dritte Verhandlungsrunde mit dir angetan, weil er weiß dass diese EGV als VA vor dem SG mit Pauken und Trompeten untergehen wird.

Das Ziel ist, den Leistungsbezug zu verringern, SB will dir aber nur Kosten für SV-pflichtige Stellen erstatten.

Du sollst vor jeder Bewerbung die Erstattung mit einem vollständig und unterschriebenen Antragsformular beantragen ... wie soll das funktionieren?
Du bekommst einen VV oder findest eine Stellenanzeige, hast das Formular (es gibt keinen Formularzwang!!!) einzureichen ... als logische Konsequenz musst du auf den Bescheid warten (damit du die Kosten nicht aus dem Regelsatz bezahlen musst), bis dieses Prozedere durch ist ... ist die Stelle - wahrscheinlich - schon längst besetzt!

Auch würde mich die Rechtsgrundlage für die Vorlage der BewerbungsANschreiben interessieren.
Anschreiben sind eine schützenswerte Korrespondenz zwischen dir und dem Arbeitgeber. Bei einem Verstoß kann dich der Arbeitgeber mit einem Betrag bis zu 300.000EUR belangen.
Ob dein SB diesen Betrag für dich übernimmt?

Die von @Sebi1988 angesprochene Sache mit der Qualität und Motivation des Anschreibens ...

Der Passus: Sollte aufgrund von wesentlichen Änderungen eine Anpassung ... sowohl bei der Unterstützung des JCs als auch bei deinen Bemühungen ... hat dort nichts zu suchen.
Ich denke aber, dass dieser Passus - auch an der richtigen Stelle - keine Blankovollmacht für irgendwelche (Bewerbungs-)Maßnahmen ist.
Ebenso kann durch diesen Passus kein Abschlusszwang einer neuen EGV vereinbart werden.
Sollten wirklich so wesentliche Änderungen eingetreten sein, seit ihr (SB und du) euch nur einig, dass eine neue EGV verhandelt wird.
Mit diesem Passus erspart sich, meiner Meinung nach, dein SB nur die gesetzlich vorgegebene Kündigung der unpassenden EGV ~> ein Stolperstein weniger für deinen SB.

Bei deinen Bemühungen:
Auch der Passus: Zudem haben Sie an allen zumutbaren Maßnahmen der Eingliederung mitzuwirken, ist keine Blankovollmacht für (Bewerbungs-)Maßnahmen.
Erst wenn dir eine Maßnahme vorgeschlagen oder zugewiesen wird, kannst du die Zumutbarkeit prüfen ~> dürfte ein psychologischer Trick sein, welcher leider auch von SGs ausgenutzt wird.

Die Anzahl deiner Bewerbungen ist sehr missverständlich formuliert!

So, so ... VV sollen also nicht zu den Eigenbewerbungen zählen. Das soll SB mal in den VA übernehmen!

AnonNemo
 

Hart(z)erBrocken

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Danke für die hilfreichen Antworten soweit.

Ich glaube eher, dass SB mit einem VA überfordert wäre und deshalb unbedingt meine Unterschrift will.
Kenne ja deren interne Vorgaben nicht und SB arbeitet dort ja auch erst etwas über ein Jahr (vielleicht befristet?)
(Ich versuche nämlich immer meine SBs auszuhorchen, stelle also abwechselnd mehr oder weniger passende Fragen von meinem Spickzettel, wie z.B.:
Gemäß Ihren Aufklärungs-, Beratungs- und Auskunftspflichten nach §13-17 SGB I, Ist diese Maßnahme individuell auf mich zugeschnitten? Wie lange arbeiten Sie schon hier? Wurde die Qualität dieser Maßnahme gemäß § 178, 183, 318 SGB III und 61 SGB II überprüft? Etwas über ein Jahr finden Sie lange? Ist die Fluktuation hier so groß? Können Sie die Notwendigkeit diese Maßnahme vor dem Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit begründen? Wie viele "Kunden" betreuen Sie so?
Die Resultate sind recht unterhaltsam, denn manchmal werden meine Zwischenfragen tatsächlich beantwortet.)

Das mit der Antragstellung vor Erstattung habe ich mich auch gefragt. Ich glaube allerdings, dass SB es so meint, dass auf dem Formular als Tag der Antragstellung ein Datum vor dem der Bewerbung eingetragen ist.
Sprich, immer wenn ich dort antanzen muss, lasse ich mir ein neues Formular für Bewerbungskosten und eins für Meldeterminfahrtkosten gebe und nutze diese beiden dann bis ich zum nächsten Mal zum Meldetermin muss. Hab dies bisher zwar erst einmal gemacht, allerdings problemlos.

Das bringt mich jedoch zu einem weiteren Problem. Ich wurde in letzter Zeit mit VV bombardiert, jede Woche ein großer Briefumschlag voll, fast alles ZAF.
Hab mich natürlich brav schriftlich beworben und will jetzt auch 5€ jeweils dafür haben. Dann hört das nämlich vielleicht auch endlich auf mit den ganzen VV. Allerdings weiß ich nicht wirklich, wie ich die schriftlichen VV nachweisen soll, in EGV und Formular steht immer Anschreiben, das will ich aber eigentlich vermeiden. Geht es auch anders?

Meine Email-Bewerbungen hab ich über eine Kopie der Sendebestätigung (mein Name, deren Email, Datum, Betreff mit "Bewerbung als") nachgewiesen. Musste SB auch geifernd mit Schaum vor dem Mund annehmen. "Nächstes Mal nehme ich das nicht mehr an! Ich BRAUCHE die Anschreiben!!!" Naja, alles was dort gesagt wird ist ja eh Schall und Rauch...
 

gelibeh

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in der EGV wird aber nur für die Eigenbemühungen alles festgelegt. Die VVs kannst Du gesondert beantragen.
 

Hart(z)erBrocken

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Das stimmt, hatte ich glatt übersehen, dass VV da ja rausfallen.
Danke dafür, wie peinlich, dass ich so etwas offensichtliches übersehen habe...
Mein Aha-Moment: Werde bei nächster Kostenerstattung die schriftlichen Bewerbungen einfach tabellarisch aufführen, da es ja alles VV sind, kann ich die Tabelle auch ohne großen Aufwand leicht befüllen (sogar mit Ansprechpartner und seiner Telefonnummer)...

Und zu dem Punkt, dass die Nachweise für Eigenbemühungen klar geregelt sind:
Sind sie das wirklich? Es ist doch immer von "kann" die Rede.
Es kann das Anschreiben als Nachweis dienen, es muss aber nicht.
Ganz davon abgesehen, dass keiner EGV je eine Liste beilag...
Und da ich das nicht unterschrieben habe, muss ich sowieso keine Nachweise zu Stichtagen vorlegen.
 

Hart(z)erBrocken

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Hallo Hart(z)erBrocken,
Auch würde mich die Rechtsgrundlage für die Vorlage der BewerbungsANschreiben interessieren.
Anschreiben sind eine schützenswerte Korrespondenz zwischen dir und dem Arbeitgeber. Bei einem Verstoß kann dich der Arbeitgeber mit einem Betrag bis zu 300.000EUR belangen.
Ob dein SB diesen Betrag für dich übernimmt?

AnonNemo
Könntest du oder jemand anderes dies bitte etwas genauer erklären (am besten mit Verweis auf die entsprechenden Paragraphen)?
Woher kommt diese Summe und gibt es dazu Urteile?
Denn wenn ich das richtig verstehe, dürfte somit ja das Jobcenter niemals Anschreiben verlangen dürfen.
 

AnonNemo

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Die Bewerbungsunterlagen im Arbeitsrecht
(Quellenangabe nach § 63 UrhG)
Urheber der nachfolgend zitierten Textstelle ist RA Tilo Neuner-Jehle, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Stuttgart.

Die Bewerbungsunterlagen im Arbeitsrecht

Da Bewerbungsunterlagen zu den personenbezogenen Daten gehören, sind sie besonders schutzwürdig. Die Verantwortung für diese Unterlagen liegt beim Unternehmen, bei welchem diese Bewerbungen eingehen. Die Daten aus den Bewerbungsunterlagen, die einer hohen Sicherheit und Vertraulichkeit unterliegen sind vertraulich zu behandeln. Das Bundesdatenschutzgesetz sieht für Verfehlungen im Umgang mit diesen Daten Strafgelder von bis zu 300.000,- € vor.

Die Sorgfaltspflicht betreffend der Bewerbungsunterlagen setzt voraus, dass diese nicht öffentlich zugänglich herumliegen und vor unbefugtem Zugriff geschützt werden. Berechtigt zur Einsicht in diese Unterlagen sind nur die Mitarbeiter des Unternehmens, welche sich mit dem Einstellungsvorgang zu befassen haben. Hierzu gehören Personalsachbearbeiter, wie auch die Mitarbeiter, welche über eine Einstellung letztlich entscheiden.
Beim Vorstellungstermin dürfen alle die Mitarbeiter die Bewerbung einsehen, welche auch beim Vorstellungsgespräch anwesend sind. Aber auch der Betriebsrat hat ein Recht zur Einsicht in die Bewerbungsunterlagen. [...]
Bewerbungsunterlagen im Arbeitsrecht: 0711-820340-0 - Anwalt, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Stuttgart berät kompetent und qualifiziert
Es gibt noch einen Rechtsanwalt - in oder bei Stuttgart - welcher einen Beitrag über Bewerbungsanschreiben formuliert hat.

Weitergabe von Bewerbungsunterlagen: Nur mit Einwilligung

Im Datenschutzrecht gibt es ein so genanntes Konzernprivileg. Das bedeutet, wenn eine Konzerngesellschaft personenbezogene Daten für einen bestimmten Zweck erhoben hat, dann darf diese Gesellschaft nicht die Daten an eine andere Konzerngesellschaft weitergeben. Eine Erlaubnis zur Weitergabe ergibt sich insbesondere auch nicht aus § 28 Abs. 1 Nr. 2 BDSG. Dass im oben geschilderten Fall Unternehmen B gerne die Unterlagen der Personen hätte, die sich im Unternehmen A beworben haben, kann man verstehen und irgendwie auch als ein berechtigtes Interesse einstufen. Allerdings steht dem das schutzwürdige Interesse des Bewerbers entgegen, der möglicherweise nicht möchte, dass seine Bewerbungsunterlagen im ganzen Konzern zugänglich gemacht werden.

Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte Unternehmen A das Einverständnis der Bewerber einholen, bevor die Unterlagen weitergegeben werden. Hierbei ist es erforderlich, dass der Bewerber erkennen kann, an welches Konzernunternehmen die Unterlagen weitergegeben werden sollen und an wen sich der Bewerber dort wenden kann.
Weitergabe von Bewerbungsunterlagen: Nur mit Einwilligung
 

Hart(z)erBrocken

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Danke für die Antwort.
Allerdings ist der Bezug, dass Arbeitgeber mich für die Weitergabe meiner Anschreiben ans Jobcenter belangen kann nicht richtig. Nicht das ich dies vorhätte, aber es ist trotzdem falsch.

Zu den Bußgeldern fand ich dies:
Wie hoch könnten mögliche Bußgelder sein?
Eine allgemeine Formel, nach der man das Bußgeld eines Datenschutzverstoßes berechnen könnte, gibt es nicht. Es existiert auch kein Bußgeldkatalog. Hierzu sind die Unternehmen und die zu erwartenden Schäden zu vielfältig und somit hängt die Bewertung immer von vielen individuellen Faktoren ab.
Prinzipiell spielen die gesetzlichen Vorgaben eine große Rolle. Beachtet man diese, handelt nach bestem Wissen und Gewissen und dokumentiert seine Entscheidungen, wird dies positiv berücksichtigt. Hier kommt man oft mit einer kostenneutralen Anmahnung aus. Wird aber beispielsweise bewusst kein Datenschutzbeauftragter bestellt oder man beachtet Vorgaben wissentlich nicht, liegt automatisch ein vorsätzlich in Kauf genommenes Verschulden vor.
Hier droht sehr schnell ein Bußgeld in Höhe von bis zu 50.000,00 EUR. Bei einem aktiven Verstoß, der zudem einen wirtschaftlichen Vorteil nach sich zieht, sogar bis zu 300.000,00 EUR und mehr.
Quelle: https://www.dpn-datenschutz.de/wp-content/uploads/2013/09/DPN-Datenschutz_Zeitung_Ausgabe_September-2013.pdf

Diese Bußgelder gelten für Unternehmen, nicht für Bewerber! Denn wenn der Bewerber in dem hypothetischen Beispiel nach der Pfeife des Jobcenters tanzt und diesem sein Anschreiben zukommen lässt, so kann nicht der Arbeitgeber ihn belangen. Und für 300.000€ schon mal gar nicht. Wieso sollte der Arbeitgeber ihn auch belangen können? In dem weitergeleiteten Anschreiben stehen ja des Bewerbers private Daten und nicht die des Arbeitgebers.

Hallo Hart(z)erBrocken,
Auch würde mich die Rechtsgrundlage für die Vorlage der BewerbungsANschreiben interessieren.
Anschreiben sind eine schützenswerte Korrespondenz zwischen dir und dem Arbeitgeber. Bei einem Verstoß kann dich der Arbeitgeber mit einem Betrag bis zu 300.000EUR belangen.
Ob dein SB diesen Betrag für dich übernimmt?
Es wäre natürlich nett, wenn man das Jobcenter bei Verlangen von Anschreiben direkt mit Bußgeldern bedrohen könnte, ist aber leider falsch. Ich wollte das hier nur eben korrigieren, damit nicht bei manchem Mitleser vielleicht falsche Hoffnungen geweckt werden.
Nichtsdestotrotz würde mich auch die Rechtsgrundlage für die Vorlage der Bewerbungsanschreiben interessieren.
 

AnonNemo

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Hallo Har(z)erBrocken,

es ist richtig, dass DU aufgrund des BDSG weder das JC noch den Arbeitgeber wegen weitergegebenen Bewerbungsunterlagen direkt belangen kannst.
Zivilrechtlich, wenn du wegen einer angeblichen Negativbewerbung gesperrt/sanktioniert wurdest, könntest du vom Arbeitgeber Schadenersatz fordern.​

So wie ich es verstanden habe, müsste man das dem Datenschutz melden und dieser kann den Verursacher belangen.
Die Strafzahlung dürfte dann an den Datenschutz bzw. den Staat gehen.

ABER,
wenn der Arbeitgeber mich beim Datenschutz meldet und ich verurteilt werde ... dann muss ich dieses Bußgeld bezahlen.

D. h., der SB fordert mich (in der EGV bzw. dem VA) zu einer Tat auf, welche zu einem Bußgeld führen kann welches ich bezahlen muss.

Hart(z)erBrocken meinte:
Denn wenn der Bewerber in dem hypothetischen Beispiel nach der Pfeife des Jobcenters tanzt und diesem sein Anschreiben zukommen lässt, so kann nicht der Arbeitgeber ihn belangen.
Bin ich Jurist und muss dieses Detail kennen? :wink:

Hart(z)erBrocken meinte:
Und für 300.000€ schon mal gar nicht.
... ach weißt du, 300.000EUR hören sich einfach viel gefährlicher an als ein; DuDu, war böse von dir :icon_mrgreen:
Unsere Gegner werfen doch auch gerne mit Weltuntergangszenarien um sich.

Hart(z)erBrocken meinte:
Wieso sollte der Arbeitgeber ihn auch belangen können? In dem weitergeleiteten Anschreiben stehen ja des Bewerbers private Daten und nicht die des Arbeitgebers.
Bei meinen Anschreiben dürftest du Recht haben, aber bei - von mir weitergegebenen - Arbeitgeberabsagen sieht es wieder anders aus.
Zusätzlich könnte ein Arbeitgeber an meiner Vertrauenswürdigkeit zweifeln, weil ich mit privater (ich vs. Arbeitgeber) Korrespondenz so sorglos umgehe, was Datenschutz, Verschwiegenheit usw. angeht.

AnonNemo
 

Surfing

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Das sehe ich grundsätzlich anders: Wenn das JC per EGV-VA Zwangsbewerbungen verlangt unter Androhung von Sanktionen, habe ich kein Problem dem JC Bewerbungsanschreiben bzw. Absagen dem JC vorzulegen/auszuhändigen. Den AG der mich dafür wegen unberechtigter Weitergabe "sensibler Daten" belangt möchte ich sehen/kennen lernen :icon_hihi:;
 

gelibeh

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Den AG der mich dafür wegen unberechtigter Weitergabe "sensibler Daten" belangt möchte ich sehen/kennen lernen
Welche sensiblen Daten, die den Arbeitgeber betreffen, stehen denn in einem Bewerbungsanschreiben bzw. einer Absage des Arbeitgebers? Für mich ist die Behauptung auch auf sehr dünnem Eis, dass ich wegen Datenschutz die Anschreiben/Absagen nicht dem JC geben muss.
 

swavolt

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Das steht bei einer ZAF in der E-Mail Antwort:

"Wichtiger Hinweis:"
"Die Information in dieser E-Mail ist vertraulich und ist ausschließlich für den Adressaten bestimmt. Jeglicher Zugriff auf diese E-Mail durch andere Personen als den Adressaten ist untersagt. Sollten Sie nicht der für diese E-Mail bestimmte Adressat sein, ist Ihnen jede Veröffentlichung, Vervielfältigung oder Weitergabe wie auch das Ergreifen oder Unterlassen von Maßnahmen im Vertrauen auf erlangte Information untersagt. In dieser E-Mail enthaltene Meinungen oder Empfehlungen unterliegen den Bedingungen des jeweiligen Kundenverhältnisses mit dem Adressaten. Falls Sie diese E-Mail irrtümlich erhalten haben, benachrichtigen Sie den Absender bitte unverzüglich telefonisch oder durch eine E-Mail. Bitte informieren Sie uns auch unverzüglich, wenn Sie als Adressat nicht mit E-Mail-Nachrichten dieser Art einverstanden sein sollten“.
 

DonOs

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Der letzte Satz macht mich stutzig, wie ist das denn zu verstehen:

Bitte informieren Sie uns auch unverzüglich, wenn Sie als Adressat nicht mit E-Mail-Nachrichten dieser Art einverstanden sein sollten“.

Das liest sich ja, als wenn man einfach mal paar E-Mails auf gut Glück raus haut, genügend Mailadressen müßten im Bewerberpool ja hinreichend zur Verfügung stehen. Müßte es nicht andersrum sein, man braucht vorher eine Einwilligung, zur "Belästigung"?
 

gelibeh

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unterliegen den Bedingungen des jeweiligen Kundenverhältnisses mit dem Adressaten.
bei einer Absage hast Du aber kein Kundenverhältnis. Du hast überhaupt kein Verhältnis mit der ZAF.
 
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