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Mobilitätsarmut: Ghettoisierung der Überflüssigen-Hartz-IV-Satz bleibt zurück

wolliohne

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  1. Die Nachwuchsforscher des Institutes der Bundesagentur für Arbeit haben soeben eine unglaubliche Entdeckung verkündet: Danach gibt es einen Zusammenhang von Niedriglöhnen und Stadtteilunterschieden. In bestimmten Stadtvierteln, so die Jungwissenschaftler, wohnen gehäuft Niedriglöhner beziehungsweise Niedriglöhner landen bevorzugt in bestimmten Stadtvierteln. Gut, dass das endlich herausgefunden und ausgesprochen worden ist. Und noch eine tolle Erkenntnis haben die Arbeitsmarktforscher gewonnen: „Im Ergebnis kann innerstädtische Einkommenssegregation dazu führen, dass sozioökonomisch schwächeren Bewohnern qualitativ schlechtere lokale öffentlich Ressourcen und Netzwerke zur Verfügung stehen.“
    In Wahrheit sind diese tollen Erkenntnisse so arg neu auch wieder nicht: Friedrich Engels hat da in seinen Mitte des 19. Jahrhunderts erschienenen Untersuchungen zur Lage der Arbeiterklasse in England ziemlich voluminös und konkret getextet. Mitte des 20. Jahrhunderts hat dann Lewis Mumford das Thema erneut, wenn auch reichlich großstadtfeindlich, sprich: reaktionär angepackt und derzeit heißt es im avancierten Urbanismus-Diskurs allenthalben: „Learning from Favelas“. Aber: Warum sollen die jungen Bundesagenturler das Dreirad nicht ruhig noch einmal erfinden?
    Da gibt es tatsächlich ein sehr viel ekelhafteres Thema im gegenwärtigen Urbanismus-Betrieb: „Smart-City“. Propagiert wird eine „Stadt“, in der durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie „intelligente“ Lösungen für ganz unterschiedliche Bereiche der Stadtentwicklung wie Infrastruktur, Gebäude, Mobilität, Dienstleistungen oder Sicherheit erzielt werden. Jens Lübbe vom Deutschen Institut für Urbanistik: „Hier werden mehr oder weniger unverblümt Interessen global tätiger Konzerne verfolgt… Städte werden dabei als Marktplätze der Technologieanwendung begriffen.“Dieser neoliberal-technizistische Urbanismus hat es dabei nicht schwer, das bisher in Deutschland noch dominierende sozialstaatlich-biedermeierliche Urbanismus-Leitbild „Europäische Stadt“ (Rothenburg o.T. etc.) auszustechen. Dessen Innenstadt-Idylle ist ja bekanntlich längst zur Gentrifizierungs-Ideologie verkommen – siehe München, Frankfurt, Leipzig, Berlin.
    Quelle: Das Blättchen
  2. Hartz-IV-Satz bleibt zurück
    Bis 1990 orientierte sich die Höhe des Sozialhilfesatzes an den Preisen eines Warenkorbes. Er enthielt, was eine Expertengruppe als notwendig für ein Leben in Würde erachtete, etwa bestimmte Mengen an Lebensmitteln oder Körperpflegeprodukten. Weil die Zusammenstellung stets auf streitbaren Werturteilen beruhte und dem Verfahren häufig ein bevormundender Charakter attestiert wurde, trat an die Stelle des Warenkorbmodells das so genannte Statistikmodell. Dabei bemisst sich der Regelsatz der Grundsicherung nicht nach Expertenurteilen, sondern nach dem tatsächlichen Konsumverhalten der Bevölkerung….
    Die Höhe eines soziokulturellen Existenzminimums ist von gesellschaftlichen Standards abhängig, die mit dem Statistikmodell erfasst werden können, so die Wissenschaftler. Wenn zur Berechnung des Regelsatzes jedoch eine Bezugsgruppe herangezogen wird, die selbst von der allgemeinen Einkommensentwicklung abgehängt ist, sinkt das Existenzminimum – relativ gesehen – immer weiter. Als Referenzgruppen zur Regelsatzbestimmung dienen nach aktueller Gesetzeslage die unteren 15 Prozent – statt der vormals üblichen unteren 20 Prozent – der nach dem Einkommen sortierten Alleinstehenden, die nicht selbst auf Hartz IV angewiesen sind. Bei Familien mit Kindern sind es die unteren 20 Prozent.
    Da der Referenzhaushaltstyp der Alleinstehenden eine nur unterdurchschnittliche Position in der Gesamtverteilung erreicht, wäre hier ein breiterer Referenzeinkommensbereich zweckmäßig…
    Tatsächlich kann der Gesetzgeber aufgrund „normativer Setzungen“ bestimmte Konsumkategorien aber für irrelevant erklären. Er tut das zum Beispiel bei Tabakwaren und alkoholischen Getränken, Schnittblumen oder chemischer Reinigung. Diese Möglichkeit führte – in Kombination mit der veränderten Abgrenzung der Bezugsgruppe – dazu, dass der Regelsatz bei der Neuregelung 2011 kaum stieg….
    Quelle: Hans-Böckler-Stiftung
 
E

ExitUser

Gast
Oh welche Erkenntnis! (I*R*O*N*I*E on :biggrin:).

Die Jungwissenschaftler neoliberaler Fachidiotie haben das Ghetto entdeckt und was das bedeutet.

Mein Eindruck verfestigt sich immer mehr, das ich zu einer Generation gehöre für die eine gute Allgemeinbildung noch selbstverständlich war, genauso wie die praktische Anwendung im täglichen Leben und Erleben.
 

Markus1977

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Heißt übersetzt:
Mietpreise sind eine gefährliche Steuerungsfunktion?

DAS HABEN WIR JA NOCH GARNICHT GEWUSST!:wink:
 

Roter Bock

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Lese das (...nicht wegen dem Sachverhalt) amüsiert. Die Jung-Wissenschaftler haben Rad und Feuer neu erfunden. Die Tatsachen sind seit den 70er Jahren unter Sozpäds bekannt. Nix neues. Note 6 -setzen!

Roter Bock
 

hope40

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Diese meldung gehoert unter die rubrik :

"Die wissenschaft hat festgestellt,das marmelade fett enthaelt:biggrin:"

schon erstaunlich, das altbekannte tatsachen immer wieder Grundlage von "forschung "werden, man fragt sich, obs keine (forschungs)themen gibt, die mal was neues zu tage foerdern und/oder fortschritt bringen, als immer die, deren "erkenntnisse "durch die geschichte /das leben milliardenfach bewiesen sind/wurden...die deutschen forscher scheinen nur noch "tote pferde "zu "reiten."....laesst tief blicken, wies ums land der "denker und dichter"bestellt ist.
 
E

ExitUser

Gast
Es wurde noch nicht bahnbrechend erforscht, wer wie lange in der Nase poppelt und den Poppel frisst....:biggrin: dafür gibt's bestimmt Fördergelder an Jungforscher.
 
E

ExitUser

Gast
Zurück zum Ernsten Teil, bei all dem Kopfschütteln über besagte Jungforscher.

Die Höhe eines soziokulturellen Existenzminimums ist von gesellschaftlichen Standards abhängig, die mit dem Statistikmodell erfasst werden können, so die Wissenschaftler. Wenn zur Berechnung des Regelsatzes jedoch eine Bezugsgruppe herangezogen wird, die selbst von der allgemeinen Einkommensentwicklung abgehängt ist, sinkt das Existenzminimum – relativ gesehen – immer weiter. Als Referenzgruppen zur Regelsatzbestimmung dienen nach aktueller Gesetzeslage die unteren 15 Prozent – statt der vormals üblichen unteren 20 Prozent – der nach dem Einkommen sortierten Alleinstehenden, die nicht selbst auf Hartz IV angewiesen sind. Bei Familien mit Kindern sind es die unteren 20 Prozent.
Da der Referenzhaushaltstyp der Alleinstehenden eine nur unterdurchschnittliche Position in der Gesamtverteilung erreicht, wäre hier ein breiterer Referenzeinkommensbereich zweckmäßig…

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Das hier ist die wirklich schlimme Sache daran. Somit kann dann "Millieu" bedingt weiter am Regelsatz runtergekurbelt werden. Ein Effekt der ja schon bei der letzten Neuberechnung geschehen ist, indem die Referenzgruppe schon verkleinert wurde.
 
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