Mitte 40 und 50% schwerbehindert und Arbeitslosigkeit absehbar

AlFr

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Hi.

Zuletzt war ich hier aktiv als Autor von "Ratgeber: Wechseln von ALG1 auf ALG2" https://www.elo-forum.org/alg-i/136510-ratgeber-wechseln-alg1-alg2.html

Heute frag ich mal nach Hilfe für den Büronachbarn,
er ist Mitte 40 und (schon jahrelang) 50% schwerbehindert und Arbeitslosigkeit absehbar (Mitte 2019 nach Firmenschliessung, Integrationsamt hat zugestimmt)
Er muss viel Tabletten nehmen (mehrere Knochen wurden vor Jahren nach privaten Unfall durch Metall ersetzt) und ist tagelang/wochenlang krank.
Er hat schon umgesattelt von "produktionsnah" auf "Schreibtischjob", aber halt in sehr spezieller Branche.

Mit was muss dieser Mitte 2019 rechnen?
Arbeitsfähig "3 Stunden am Tag" ist er prinzipiell, aber wenn er mal krank, dann bleibt halt die Arbeit liegen, ob das ein neuer Arbeitgeber beliebig lange akzeptiert?

Umziehen für neuen Job kommt kaum in Frage, weil Familie/Verwandschaft ihn pflegt, wenn er schmerzmässig mal wieder am Boden liegt.

Was kann er tun?
 

Doppeloma

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Hallo Alfr,

Heute frag ich mal nach Hilfe für den Büronachbarn,
er ist Mitte 40 und (schon jahrelang) 50% schwerbehindert und Arbeitslosigkeit absehbar (Mitte 2019 nach Firmenschliessung, Integrationsamt hat zugestimmt)
Schwerbehinderung alleine bedeutet ja noch nicht, dass man nicht mehr arbeiten kann, es gibt Leute mit GDB 100 und mehreren Merkzeichen (manchmal von Geburt an), die arbeiten Vollzeit an einem geeigneten Arbeitsplatz.

Das nur mal zur Erklärung, weil das bei der AfA dann kein besonderes Kriterium sein muss ihn nicht in Arbeit vermitteln zu wollen, ob das auch von Erfolg sein wird, ist eine ganz andere Frage.

Er kommt dann dort in die Reha-Abteilung, was nicht bedeutet, dass die (vernünftige / geeignete) Arbeitsplätze für Schwerbehinderte anzubieten haben.
Wenn die Firma komplett schließt nützt auch der Kündigungsschutz und das Intergrationsamt nicht mehr viel, denen blieb ja nur noch die Zustimmung wenn ALLE entlassen werden (müssen), kann auch ein Schwerbehinderter nicht mehr bleiben.

Es ist ja "nur" ein erhöhter Kündigungsschutz aber kein "absoluter". :icon_evil:

Er muss viel Tabletten nehmen (mehrere Knochen wurden vor Jahren nach privaten Unfall durch Metall ersetzt) und ist tagelang/wochenlang krank.
Er kann aber offensichtlich noch arbeiten und viele Tabletten müssen andere Berufstätige auch nehmen, hin und wieder mal (auch mal länger) AU sein ist auch kein Grund ... ja wofür denn eigentlich ???

Er hat schon umgesattelt von "produktionsnah" auf "Schreibtischjob", aber halt in sehr spezieller Branche.
Das kann sich auch unterschiedlich auswirken, wenn es ähnliche Arbeitsplätze im näheren Umfeld gibt, sollte er versuchen frühzeitig seine Fühler auszustrecken und Bewerbungen schicken wo es passen könnte ...

Da kann eine seltene spezielle Ausbildung (und Erfahrungen darin) auch mal den AG mehr überzeugen, als die Vorsicht einen Schwerbehinderten "lieber" nicht einstellen zu wollen.

Denn das ist unbedingt eine Hürde bei der Arbeitssuche, auch wenn immer wieder das Gegenteil behauptet wird, seine Chancen sind vermutlich höher so lange er die aktuelle Stelle noch hat, als wenn er dann schon arbeitslos ist.

Es kommt auch bei den AG oft etwas "anders an" wenn man sich schon aus eigenem Antrieb um Veränderung selbst bemüht und nicht erst abwartet, bis beim aktuellen AG komplett "Ende Gelände" ist.

Mit was muss dieser Mitte 2019 rechnen?
Mit Arbeitslosigkeit, wie jeder andere in so einem Falle auch ???

Arbeitsfähig "3 Stunden am Tag" ist er prinzipiell, aber wenn er mal krank, dann bleibt halt die Arbeit liegen, ob das ein neuer Arbeitgeber beliebig lange akzeptiert?
Es käme ja zunächst mal darauf an, wie er sich einem potentiellen AG zu präsentieren weiß, zu seinen konkreten gesundheitlichen Problemen (und wie viele Tabletten er so nimmt) muss man dem ja keine Auskunft geben. :icon_evil:
Und dass mal mit AU zu rechnen ist, sollte sich ein AG zumindest denken können wenn er in Erwägung zieht einen Schwerbehinderten einzustellen.

Das muss man zwar auch nicht freiwillig angeben (in der Probezeit gilt der Kündigungsschutz sowieso noch nicht) aber auf Nachfrage wäre es wohl angebracht, zumal er ja sicher auch die zusätzlichen 5 Urlaubstage in Anspruch nehmen möchte.

Auf eine Stelle die er schon generell nicht bewältigen könnte, wird er sich ja vernünftigerweise gar nicht erst bewerben.

Er könnte natürlich auch noch länger AU werden, ehe das Arbeitsverhältnis dann beendet ist und braucht dann vorerst auch noch nicht zur AfA wegen Arbeitslosengeld.
Die KK müsste vielleicht noch Krankengeld zahlen, das gilt auch nach dem Ende eines Arbeitsverhältnises weiter, so lange die AU nicht unterbrochen wird (bis zu 78 Wochen, Einiges dürfte schon weg sein durch die bisherigen Krankheitszeiten).

Die KK wird bei längerer AU (vermutlich) mal eine med. Reha fordern und dort würde man dann seine gesamte Erwerbsfähigkeit sehr genau überprüfen.
Parallel steht es ihm immer frei sich weiter um eine andere Stelle zu bemühen, eine AU kann man jederzeit vom Arzt beenden (lassen) wenn man wieder arbeiten gehen kann und möchte.

Letztlich wird er nach 12 Monaten Arbeitslosigkeit auch kein ALGI mehr bekommen und dann geht nicht mehr viel ... wenn er dann keine Mittel mehr für den Lebensunterhalt hat, bleibt nur das JC und Hartz4 zu beantragen.

Dazwischen liegen noch Gedanken von Aussteuerung aus dem Krankengeld und Bezug von ALGI nach § 145 SGB III, Antrag auf EM-Rente (ob es dafür dann medizinisch bei der DRV reichen wird bleibt abzuwarten), viel mehr fällt mir dazu auch nicht ein ...

Umziehen für neuen Job kommt kaum in Frage, weil Familie/Verwandschaft ihn pflegt, wenn er schmerzmässig mal wieder am Boden liegt.
Das wird man auch abwarten müssen, denn spätestens in Hartz4 (ALG II/ SGB II) wird man auch das verlangen dürfen, es gibt aber Mittel sich dagegen zu wehren ...
Das würde hier jetzt aber doch schon zu weit führen ...

MfG Doppeloma
 
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