Mir wurde eine berufliche Rehabilitation über die Agentur für Arbeit empfohlen. Ich bin mir unsicher, ob mir das weiterhelfen kann. Hat jemand Erfahrung und kann einen Hinweis geben?

MrAnthony

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Hallo!

Folgendes zu mir: Ich bereits 30, habe aber erst vor etwa zwei Jahren eine Nevenkrankheit diagnostiziert bekommen, an der ich schon mein ganzes Leben leide. Davor hatte ich leider immer Fehldiagnosen oder garkeine Diagnosen aber natürlich immer Probleme. Entsprechend ist mein Lebenslauf auch nicht der einfachste. Zusammen mit der Diagnose hat mein jetziger Facharzt mir auch geholfen einen Antrag auf Behinderung zu stellen. Seiner Einschätzung nach wäre zwischen 30 und 60 realistisch. Eine Rückmeldung vom Versorgungsamt habe ich aber noch nicht.

Nun bin ich aktuell arbeitslos seit fast einem Jahr und versuche auch so lange schon wieder in Arbeit zu kommen. Zum Einen versuche ich das über eine Weiterbildung, die ich beantragt habe, vom Amt habe ich dazu aber noch nichts wirklich was gehört, sprich es kam kein Bescheid. Ich habe mich also parallel auch mal beim Integrationsamt informiert, welche Möglichkeiten es für mich sonst noch gäbe.

Ich sprach da mit einer Dame die sich wirklich viel Zeit genommen hat und mir viele Möglichkeiten offen gelegt und sich auch meine Probleme in Ruhe angehört hat. Ihre Empfehlung war allerdings ganz klar eine "Berufliche Reha". Ich habe mir das Thema dann von ihr erklären lassen und dabei sind bei mir so ein paar rote Flaggen aufgetaucht. Es wurde quasi so geschildert, dass man in diesem Bereich sehr viel Probearbeit und Praktika macht und auf dieser Schiene versucht, bei Arbeitgebern unterzukommen. Der Träger währe wahrscheinlich die Agentur für Arbeit. Mit Praktika und Probearbeit in Maßnahmen und Co. habe ich aber schon so meine Erfahrungen gemacht und die waren leider immer schlecht. Sowohl mit den Betrieben, als auch mit den Leuten, die die Maßnahmen leiten. Vor allen Dingen weil einem das immer als sehr "Individuell " angepriesen wurde und es null individuell war.

Jetzt einfach mal die ganz allgemeine Frage, kann jemand zu dem Thema berufliche Reha einen Hinweis geben und weiß grob, wie das da abläuft? Ist das genau so schlimm bzw kann genau so schlimm sein wie so eine Maßnahme vom Arbeitsamt, oder läuft das doch etwas ander?

Gruß
Anthony
 

Ruhrpottmensch

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Hallo Anthony

Vorweg: "Nervenkrankheit"? Also eine psychische Beeinträchtigung (Keine Sorge, Du musst hier nicht aus dem "Nähkästchen" plaudern, aber auch keine Angst haben. Hier gibt es viele Betroffene - Mich eingeschlossen)?

Zum eigentlichen Thema:
Find Deine Erfahrung beim Integrationsamt schon sehr löblich. Halte Dir "die Dame" warm... (y)

Im Grunde wird sie Dich ja schon beraten haben. Deine "roten Flaggen" versuche ich mal aus dem Weg zu räumen...

Eine berufliche Reha darfst Du nicht mit den "08/15-Maßnahmen" der AfA oder dem JC vergleichen. Zwar sind oftmals viele LE von ALG1/ALG2 auch in solchen "beruflichen Rehas", aber das bringt einfach die Beeinträchtigung mit sich (Das man "im System" gefangen ist). Zwar hört es sich oftmals in Beratungsgesprächen ähnlich an (Praktikas, "Eingliederung", "Erprobung"), aber die Grundvoraussetzungen sind (meist) ganz andere. Bei beruflichen Rehas über zum Beispiel ein s.g. "Berufsförderungswerk" (BfW) gibt es oftmals eine "Anfangsphase", in der auf Deine "Leistungsfähigkeit" überprüft wirst. Das gestaltet sich oft so, dass man über mehrer Wochen in verschiedenen Berufsfelder "hineinschnuppert" -auch um eine Idee/Perspektive für die Zukunft zu bekommen-, aber u.U. auch gewisse "Leistungstest" machen muss (Wort-Schrift, Mathe... das "übliche" halt). Das dient aber dem "Träger"/BfW natürlich nur dazu um Dich & Deine Fähigkeiten abschätzen und dementsprechend die Maßnahme "an Dich" anpassen zu können. Also nicht zur reinen "Zeitverbrennung" wie oftmals bei Maßnahmen über die AfA/das JC.

Erst nach dieser "Vorphase" beginnt dann die eigentliche Umschulung. Natürlich auf Dich "zugeschnitten" und in enger Zusammenarbeit mit Dir. Oftmals besteht auch die Möglichkeit "langsam" einzusteigen und seine Stunden allmählich zu erhöhen.

[EDIT: Um auf die Praktikas/Jobvermittlungen nochmals einzugehen]
BfWs arbeiten häufig mit AGs der Umgebungen zusammen, die auf "Umschüler" gezielt hoffen. Vielfach werden diese AGs auch nach "Jobaufnahme", so wie Du als Teilnehmer, weiter vom BfW/Träger betreut um auch nach der Umschulung eine -langfristige- Stabilität zu garantieren. Im Grunde kann man also sagen, dass man durch eine Umschulung häufig an AG "vermittelt" wird, die um die Beeinträchtigung wissen und dies entsprechend "händeln". Ist aber natürlich keine Garantie, dass man für den Rest des Leben mit einem AG zurecht kommt. ;) [/EDIT]

Viele "berufliche Rehas" bieten auch eine "Begleitung" in Form Psychologen, Sozialarbeiter, Therapeuten an, um Dich ggf. in einem "Schutzschirm" aufzufangen wenn die Belastung doch mal zu groß wird. Das würde ich persönlich -bei psychischen Beeinträchtigungen- auch immer vorziehen. Sonst wäre -mir persönlich- die Gefahr zu groß, alles wieder hinzuschmeißen.

Natürlich kommt es auch ein bisschen auf Dich selbst an. Vorweg solltest Du Dir die Frage stellen, ob Du noch in Deinem alten Beruf arbeiten kannst oder möchtest. Wenn Du, aufgrund der Beeinträchtigung, dort keine Chance mehr siehst (Aus eigener Erfahrung: Auf lange Sicht! Eine psychische Beeinträchtigung kann man -meistens- nicht mit drei Arztbesuchen und ein paar Gesprächsstunden "kurieren"), dann stell eine "berufliche Reha" durchaus eine sinnvolle Alternative dar. Ich sags mal ganz salopp: Bevor man "Jahrelang" im System festhängt und dadurch nicht wirklich etwas zur Stabilisierung/Verbesserung des eigenen Zustandes macht.

Viele BfWs bieten auch Informationsveranstaltungen an, bei denen man sich ganz unverbindlich selbst ein Bild vor Ort machen kann. Vielleicht schaust Du mal in Deiner Nähe, ob es so etwas gibt & hör Dich auch da mal um...
 
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Woodruff

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Hallo MrAnthony,

Folgendes zu mir: Ich bereits 30, habe aber erst vor etwa zwei Jahren eine Nevenkrankheit diagnostiziert bekommen, an der ich schon mein ganzes Leben leide. Davor hatte ich leider immer Fehldiagnosen oder garkeine Diagnosen aber natürlich immer Probleme.


Du brauchst Dir wegen Deines Alters wirklich keine Sorgen machen, meine Berufliche Reha begann auch erst mit 45 Jahren.

Es wurde quasi so geschildert, dass man in diesem Bereich sehr viel Probearbeit und Praktika macht und auf dieser Schiene versucht, bei Arbeitgebern unterzukommen.


Die Umschulung in einem BfW dauerte 2 Jahre Innerhalb dieser Zeit fand ein 3- monatiges selbst ausgesuchtes Praktikum am eigenen Wohnort statt.


Ist das genau so schlimm bzw kann genau so schlimm sein wie so eine Maßnahme vom Arbeitsamt, oder läuft das doch etwas ander?


Da ist gar nichts schlimm an einer Beruflichen Reha.


Jetzt einfach mal die ganz allgemeine Frage, kann jemand zu dem Thema berufliche Reha einen Hinweis geben und weiß grob, wie das da abläuft?


Du kannst gerne noch Fragen stellen, die ich Dir vielleicht später beantworten kann.
Jetzt geht es leider zeitlich nicht.
 

Woodruff

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MrAnthony

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Vielen Danke erst mal für die Informationen.

Eine Umschulung würde ich garnicht anstreben. Ich habe erst mit Mitte/Ende 20 praktisch meine "eigene Reha" gemacht und nochmal eine zweite Berufsausbildung über 2,5 Jahre absolviert. Ich hatte zuvor schon gemerkt, dass ich in meinen anderen Jobs und mit meiner damaligen Ausbildung einfach nicht klar kam und ein Anlauf zum Studium war leider auch gescheitert. Darum hatte ich mir überlegt, in welchem Bereich ich mir vorstellen könnte längerfristig zu arbeiten und was sich mit meinen Stärken und Schwächen gut vertragen würde.

Darum wäre es auch mein Ziel in meinem jetzigen Ausbildungsberuf weiter zu arbeiten, auch wenn ich da aktuell nur die Ausbildung und ein halbes Jahr Berufserfahrung (auch wegen Corona) habe.
 

samuraji

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Habe so eine "berufliche Reha" auch miterlebt. Es war weder entsprechendes Fachpersonal vorhanden, noch wurden auf individuelle Gegebenheiten eingegangen. Im Prinzip dauerte alles 9 Monate und hätte verlängert werden können - oder verkürzt, sofern man denn eine Arbeitsstelle gefunden hätte (anfangs war mal Vermittlung von 75% die Rede) Am Ende wurden es von 50 Teilnehmern 4 die eine Stelle gefunden hatte, die allerdings A im Niedriglohn angesiedelt war und B gegen die eigenen medizinischen Gutachten gestanden hatten. 3 von denen haben nach sehr kurzer Zeit wieder aufgehört, beim 4. kenne ich den Ausgang nicht.

Tagesablauf war Nähen, Stricken, Holzarbeiten, malen, Prikeln, Perlen auf Draht binden.... (Ergo), Deutschunterricht (Grundschule) Matheunterricht (Grundrechenarten der Grundschule) und jede Menge "Bewerbungstraining", Dort enthalten dann natürlich unzählige Initiativbewerbungen auf Masse querbeet verteilt. Gefolgt von stundenlangem "Rumsitzen" weil grad kein Personal vorhanden war, also Selbstbeschäftigung.
 

Ruhrpottmensch

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Habe so eine "berufliche Reha" auch miterlebt.
Das war dann aber -im besten Fall- eine dieser 08/15 Maßnahmen...
Bitte nochmals genauer lesen, wo genau sich der TE erkundigt hat und wer ihm dazu geraten hat (Natürlich weiß auch ich nicht, was konkret in dem Gespräch gesagt worden ist).

Eine "berufliche Reha" über ein qualifiziertes Bildungswerk sieht deutlich anders aus als Deine Schilderungen...
 

Woodruff

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Darum wäre es auch mein Ziel in meinem jetzigen Ausbildungsberuf weiter zu arbeiten, auch wenn ich da aktuell nur die Ausbildung und ein halbes Jahr Berufserfahrung (auch wegen Corona) habe.


Dann geht es eigentlich um eine "Wiedereingliederung" in Deinen zuletzt erlernten Beruf, oder verstehe ich das falsch?

Stufenweise Wiedereingliederung


Quelle:

beta Institut gemeinnützige GmbH
Kobelweg 95, 86156 Augsburg
 

samuraji

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Das war dann aber -im besten Fall- eine dieser 08/15 Maßnahmen...
Bitte nochmals genauer lesen, wo genau sich der TE erkundigt hat und wer ihm dazu geraten hat (Natürlich weiß auch ich nicht, was konkret in dem Gespräch gesagt worden ist).

Eine "berufliche Reha" über ein qualifiziertes Bildungswerk sieht deutlich anders aus als Deine Schilderungen...


Es war genau genommen sowas hier: berufliche Reha
 

MrAnthony

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Es war genau genommen sowas hier: berufliche Reha

Ich gehe mal davon aus, dass es da gute und schlechte Anbieter für solche Rehas gibt, genau wie mein Maßnahmen auch.


Dann geht es eigentlich um eine "Wiedereingliederung" in Deinen zuletzt erlernten Beruf, oder verstehe ich das falsch?

Stufenweise Wiedereingliederung


Quelle:
beta Institut gemeinnützige GmbH
Kobelweg 95, 86156 Augsburg

Das mag schon sein. Ich kenne mich nicht so richtig aus, was die Begrifflichkeiten und Unterschiede anbelangt.
Im Prinzip ist es ja bei mir so, dass ich einfach einen etwas schwierigen Lebenslauf habe wegen Erstausbildung, und vergeigtem Studium und dann Zweitausbildung kurz vor 30.
Und jetzt eben arbeitslos seit über einem Jahr mit nur 1/2 Jahr Berufserfahrung in meinem jetzigen Beruf und wahrscheinlich kommt jetzt offiziell der(Schwer) Behindertenstatus dazu.
Eingeschränkt bin ich in meinem aktuellen Beruf auch nur wenig. Es gibt drumherum so einige Probleme mit der Logistik da ich nicht Auto fahren kann oder es z.B: gesundheitlich für mich auch schlecht wäre in der Stadt zu wohnen.

Das wäre jetzt so der Rahmen in dem ich Möglichkeiten suche wieder in Arbeit zu kommen und wo die Frage bestünde, welche Förderung über die Agentur für Arbeit da für mich sinnvoll wäre.
 
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