Mieses Zeugnis bekommen - auch die Form

enterich

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Hallo,

ich wurde (am letzten Tag der Probezeit) gekündigt, durfte noch am Tag vor diesem tollen "Gespräch" 3 Überstunden machen, und habe nun noch ein echt mieses Zeugnis bekommen. Aber nicht nur das, es ist sehr "respektlos" erstellt:

- Postanschrift mit drauf
- kein "Austritts-Datum"
- Firmenstempel 180 Grad gedreht; Name des Abt.-Leiters nicht lesbar, nur "i.V." lesbar
- Zeugnis schief ausgedruckt und kein "wertiges" Papier
- abgegriffener Ausdruck

Ich fühle mich durch dieses Zeugnis sehr erniedrigt; weniger vom Text her, mehr von den genannten Merkmalen. Gibt es bestimmte "Formen", die bei der Ausstellung eines "vernünftigen" Zeugnisses üblich sind? Mit solch "lieblos" und offenbar mit Absicht herbeigeführten "Botschaften" finde ich mich nicht ab. Am übelsten finde ich den "gedrehten" Firmenstempel.
Für mich kommt das so rüber "... seht her, der ist ein ordentlich verfasstes Zeugnis nicht wert ..."
Kann man da was machen?
 

Bahamut

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Klar kannst du da was machen.
Geh nochmal zu denen hin und verlange ein ordentliches Zeugnis (was die Form anbelangt). Mit sichtbarem Stempel und Unterschrift, einem richtig ausgedrucktem Zeugnis und was eben noch so dazugehört.

Wie lang ging denn deine Probezeit?
Auch bei einer Kündigung innerhalb der Probezeit hast du Anspruch auf Ausstellung eines qualifizierten Zeugnisses. So hat etwa das LAG Düsseldorf in seiner Entscheidung vom 14. 5. 1963, Az.: 8 S 177/63 entschieden. Ebenso urteilte das LAG Köln in seiner Entscheidung vom 30.3.2001, 4 Sa 1485/00.

Im Hinblick auf die Aufnahme der Kündigung: Ohne deine Zustimmung darf der Arbeitgeber die Kündigung nicht mit in das Zeugnis aufnehmen. Insofern steht dir also ein Berichtigungsanspruch zu. Diesen kannst du auch gerichtlich geltend machen.

Das gleiche gilt, wenn du ein einfaches Zeugnis verlangen. Das ist aber dann nicht mehr möglich, wenn du selbst schon ein qualifiziertes Zeugnis beansprucht hast. Wenn das nicht der Fall ist, kannst du auch jetzt noch ein einfaches Zeugnis beanspruchen, das keinen Hinweis auf die Kündigung enthält.
 

Seepferdchen 2010

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Schriftlich und belgbar den AG um Überarbeitung vom Zeugnis bitten, das
wirst du ggf. brauchen, falls du den Rechtsweg beschreiten willst.

Schreibe genau auf was du geändert haben willst, also die Form,
weil der Arbeitsgeber hat eine nachvertraglichen Fürsorgepflicht .

Setze eine angemessene Frist.
 

webeleinstek

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Das ist auf jeden Fall ein Zeugnis mit dem man sich nicht weiterbewerben kann.

Ich kann mal einen Fall, da wurde die Firma verklagt ein vernünftiges Zeugnis auszustellen. Da hat der Richter das sogar formuliert, wie das aussehen musste.

Ich weiss aber nicht, wie der Fall hier gelagert ist, da es nach der Probezeit war.

Zuerstmal würde ich die unter Fristsetzung auffordern ein vernünftiges Zeugnis auszustellen. Kommt das nicht, würde ich selber eine Klage beim Arbeitsgericht einreichen. Vorsichtshalber parallel dazu PKH-Antrag stellen, damit man einen Anwalt beigeordnet bekommt. Verliert man die Klage trotzdem, ist es auch egal. Denn die Kosten der Gegenseite muss man in erster Instanz vor dem Arbeitsgericht nicht übernehmen.
 

Hainbuche

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- Firmenstempel 180 Grad gedreht; Name des Abt.-Leiters nicht lesbar, nur "i.V." lesbar
- Zeugnis schief ausgedruckt und kein "wertiges" Papier
- abgegriffener Ausdruck
So geht es natürlich nicht.

Das sagt sinngemäß sogar der folgende Link zu einem eher arbeitgeberorientierten Verlag, dessen Infos vergleichsweise rechtssicher sind:

Arbeitszeugnis: Formelle Anforderungen | Personal Office Premium | Personal | Haufe

Das, in Ergänzung zu den Vorrednern, als argumentatives Futter.
 

ikarus

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So geht es natürlich nicht.

Das sagt sinngemäß sogar der folgende Link zu einem eher arbeitgeberorientierten Verlag, dessen Infos vergleichsweise rechtssicher sind:

Arbeitszeugnis: Formelle Anforderungen | Personal Office Premium | Personal | Haufe

Das, in Ergänzung zu den Vorrednern, als argumentatives Futter.
So wie ich den Artikel zum Arbeitszeugnis lese sind in der sog. Hilfe sogar Fehler!

Denn i.d.R. sollte das Schreibdatum auch das Austrittsdatum sein!
Da bei unterschiedlichen Daten darauf geschlossen werden könnte das es zu Problemen (Streitigkeiten) dem Arbeitgeber gekommen ist!
Ja, solche Feinheiten sollten beachtet werden!

Gruß
Ikarus
 

Hainbuche

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So wie ich den Artikel zum Arbeitszeugnis lese sind in der sog. Hilfe sogar Fehler!

Denn i.d.R. sollte das Schreibdatum auch das Austrittsdatum sein!
Ja, sollte, muß aber nicht.

Ja, solche Feinheiten sollten beachtet werden!
Eben.

Trotzdem danke für den Hinweis, der tatsächlich im Interesse des AN ist und im verlinkten Text nicht enthalten ist. Mir ging es allerdings nur darum, dem TE etwas Konkretes bezüglich der äußeren Form an die Hand zu geben, was zum Ausdrucken und Beeindrucken von Arbeitgebern geeignet sein könnte.
 
E

ExitUser

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Wenn man ehrlich sein darf, zeichnet ein solcher Fetzen Papier ein schäbiges Bild der Firma, nicht von deiner Leistung.
Diese Dokumente sind leistungsrelevant und offizielle Dokumente und haben entsprechend angefertigt zu werden.
 

enterich

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danke für die antworten;
das Zeugnis spiegelt tatsächlich die Arbeitsweise und Moral in dieser Firma wider. Aber das wäre wieder ein eigenes Thema.
Ich werde nun ein "formgerechtes" neues Zeugnis unter Fristsetzung anfordern.
 
E

ExitUser

Gast
Es ist schon mies, da reißt man sich jahrelang für eine Firma auf und dann kriegt man sowas zurück. Firmen erwarten soviel von einem, schon im Bewerbungsgespräch, und nehmen sich dann solche Sachen heraus. Da brauchst du ja unter Umständen zehn Diplome mit "sehr gut" drauf zu stehen, bevor sie einen überhaupt einladen. Ich finde das einfach miserabel :icon_kotz:
 

Dark Vampire

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Jahrelang wohl nicht in dem Falle hier, ich würd einfach auf das Zeugnis verzichten.
 

enterich

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tja, verzichten habe ich auch schon überlegt, ich habe 25 Jahre Referenz, mit Zeugnissen die aus diesen jahrelangen Tätigkeiten auch sehr gut sind.
Aber mit diesem Zeugnis fühle ich mich ziemlich verschaukelt. Auch vom Inhalt her ist es so schlecht, nicht nur mit vielen Rechtschreibfehlern, sondern auch von der Leistungsbewertung, daß ich mich damit sowieso nicht bewerben kann.

Für mich ist klar, daß der Chef, oder wer auch immer dieses Zeugnis geschrieben hat, mir noch eine Watsche mitgeben will. Warum, ist mir rätselhaft.
Das Team hat mich von Anfang an fertig gemacht, mit abweisenden Gesten wurde von denen kommuniziert, Mails wurden von 1 (einem!) Meter entfernten Kollegen gesendet, also NULL Kommunikation. Nichtmal ein höfliches "Guten Morgen" wurde erwidert, sowas von muffelig. Auch der Chef hat mich vom 1. Tag an ignoriert. Die Kollegen dort hatten einen kasernenhaften Ton am Leib, der stark unter die Gürtellinie ging. Aber ich habe die Fresse gehalten, war ja in der Probezeit und wollte keine Angriffsfläche bieten. Kollege hat Aufträge "gebunkert" und heimlich erledigt, ohne das im Team gerecht aufzuteilen und hat mir den "übrigen Dreck" gegeben, also auflaufen lassen. Fehler wurden nicht "kollegial" intern besprochen, sondern gleich nach "ganz oben" an die große Glocke gehängt etc. Ich vermute mal, der "harte Ken" des Teams hat mich nicht "angenommen", wollte mich loswerden und hat mich hinterhältig gegenüber des Chefs fertiggemacht, und so will mir der Chef jetzt mit diesem Zeugnis vielleicht noch eins "auswischen".

Sicher kann ich auf dieses Zeugnis verzichten, aber das würde bedeuten, daß ich diese Firma im Lebenslauf verschweige ... nur bin dann in einem Bewerbungsgespräch in Erklärungs-Not ...
 

ikarus

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Jahrelang wohl nicht in dem Falle hier, ich würd einfach auf das Zeugnis verzichten.
Ich würde aus gg. Gründen auch nicht darauf verzichten!
Außerdem würde ich mir selber ein Zeugnis schreiben (wenn man so etwas kann) und als Muster mitschicken!
Dann eine zweiwöchige Frist setzen!
Wenn dann nichts läuft ab zum Arbeitsgericht.
Ich kenne einen Fall da hat der Arbeitnehmer sich hinhalten lassen, mit wir schreiben ein Neues, mit vielem Hin u. Her, das lief so über ein Jahr- da hat das Arbeitsgericht erklärt der Kläger muss mit dem schlechteren Zeugnis leben weil er sich nicht rechtzeitig gekümmert hat!
Heißt, nicht zu lange warten und nicht zuviel Konzessionen eingehen!
Ich habe mit mit den Rechtsschutz der Gewerkschaft geklagt mit gutem Erfolg!
Das neue Arbeitszeugnis kam ganz schnell, war auch in Ordnung und Klage wurde zu zurückgezogen!
Diese Art von Arbeitgebern muss man mit harten Bandagen entgegentreten, eine andere Sprache kennen die nämlich nicht!
Es gibt halt Sa....usäcke!
 

webeleinstek

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Sicher kann ich auf dieses Zeugnis verzichten, aber das würde bedeuten, daß ich diese Firma im Lebenslauf verschweige ... nur bin dann in einem Bewerbungsgespräch in Erklärungs-Not ...
Das sehe ich nicht so, es war ja nur währrend der Probezeit. Dann warst Du während dieser Zeit eben arbeitssuchend.

Für Deinen Lebenslauf finde ich das also nicht so relavandt. Aber um solchen Ar...löchern noch eine auszuwischen und zusätzlich Arbeit zu machen, würde ich dagegen alleine schon vorgehen. Geht das Ganze noch vor das Arbeitsgericht haben die noch zusätzliche Kosten für ihren Anwalt. Sofern sie sich nicht selbst dort vertreten. Dann könnte ich mir aber schon vorstellen, dass der Richter/ die Richterin denen einige verbale Ohrfeigen erteilt.
 
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Das miese Zeugnis kopieren und bei ungewollten Zwangsvermittlungen mitschicken, so kann man das noch nutzen.

Ansonsten sollte der TE das tun, was ihm vorher vorgeschlagen wurde. Und ein gutes Zeugnis dann dorthin mitschicken, wo man arbeiten will.
 

enterich

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Das miese Zeugnis kopieren und bei ungewollten Zwangsvermittlungen mitschicken, so kann man das noch nutzen.
Das ist auch eine gute Idee... das stimmt mich wieder positiv.

Ist aber ein "verschweigen" des letzten Arbeitgebers wasserdicht?
Kann ein (zukünftiger) Arbeitgeber dann nicht wegen "Falschaussage" fristlos kündigen, wenn er das später 'rausbekommt?
 

gelibeh

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Hau dem AG das Zeugnis um die Ohren. Das würde ich dem nicht durchgehen lassen.
 
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